Blancanieves – Filmkonzert – Frank Strobel – Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin – Konzerthaus Berlin

Einem grandiosen Filmkonzert-Erlebnis durfte ich gestern Abend im Konzerthaus Berlin beiwohnen! Ein toller Film, ein großartiges Orchester und dazu noch eine kleine Gruppe herausragend guter spanischer Musiker, die das gewisse Etwas zaubern.

Der Film Blancanieves ist sowieso schon etwas ganz Besonderes: Obwohl im Jahre 2012 entstanden, ist er ein Stummfilm in schwarz-weiß, die ganz großen Gefühle werden vor allem von der außergewöhnlichen Filmmusik transportiert. Pablo Berger, der Regie führte und auch das Drehbuch schrieb, war von einem alten Plakat inspiriert worden, auf dem stierkämpfende Zwerge zu sehen waren. Gedanklich verband er das mit Schneewittchen und eine Idee war geboren.

Sevilla, 1910, der große Torero Antonio Villalta bestreitet einen Stierkampf. Liebevoll widmet er den Kampf seiner hochschwangeren Frau Carmen, als plötzlich das Unfassbare geschieht: Abgelenkt von einem Kamerablitz wird Villalta von dem Stier auf die Hörner genommen und schwer verletzt. Während er umgehend ins Krankenhaus gebracht wird, beginnen bei seiner Frau durch den Schock viel zu früh die Wehen. Sie überlebt die schwere Geburt nicht und Villalta bleibt vom Hals abwärts gelähmt. Er will seine kleine, neugeborene Tochter vor lauter Trauer nicht sehen. Sie verlebt trotzdem eine glückliche Kindheit bei ihrer Großmutter, auch wenn sie ihren Vater vermisst. Als die Großmutter jedoch stirbt, bleibt der kleinen Carmencita nicht anderes übrig, als in das Haus ihres Vaters und ihrer Stiefmutter zu ziehen.

Die böse Stiefmutter schneidet ihr nicht nur ihre wallende Haarpracht ab, sondern weist ihr auch den Kohlekeller zum Schlafen zu und lässt sie nur schwerste Hausarbeit verrichten. Den Vater, der an einen Rollstuhl gefesselt ist, bekommt sie zunächst nicht zu Gesicht, später gelingt es ihr jedoch, sich zu ihm zu schleichen und sie verleben eine schöne Zeit. Wann immer die Stiefmutter anderweitig beschäftigt ist, bringt Antonio seiner Tochter den Stierkampf bei und sie tanzt den Flamenco, den ihre Großmutter sie lehrte. Aber schließlich kommt die böse Stiefmutter ihnen auf die Spur und sie werden fürchterlich bestraft.

Jahre später ist die Stiefmutter ihres gelähmten Mannes schließlich so überdrüssig, dass sie ihn tötet und auch versucht die verhasste Stieftochter loszuwerden. Diese wird von einem Trupp fahrender Zwerge gerettet, die von Dorf zu Dorf tingeln, Späße machen oder Stierkämpfe mit Kälbern darbieten. Schnell wird Carmen ein Teil der Gruppe und als hübscher weiblicher Torero berühmt. Natürlich dauert es nicht lange, bis auch die böse Stiefmutter Wind von dieser Showsensation bekommt und dem Treiben ein Ende setzen will…

Der Film ist ganz genauso inszeniert, wie man es von den alten Schwarzweißfilmen kennt, die Gesten sind immer übertrieben groß, die Gefühle werden überdeutlich auf Gesichtern in der Nahaufnahme gezeigt. Die Frauen sind wunderschön, die Bösen von einer schwarzen Wolke der Boshaftigkeit umgeben. Was die fehlende Sprache transportiert hätte, das übernimmt nun die Musik. Zum Flamenco mit der Großmutter erklingen fröhliche Palos, der typisch klagend-schöne Gesang erklingt. Alfonso de Vilallonga, der die Filmmusik schuf, spielt an diesem Abend Ukulele, Akkordeon und Klavier. Für die traditionellen Stücke bekommt er Unterstützung von Juan Gómez (Flamenco-Gitarre), Isaac Vigueras und David Dominguez (Palmero), Mariola Membrives (Gesang) und Katharina Micada (Singende Säge).

Ein wundervoll untypisches und besonderes Konzertereignis! Mitreißend, berührend, aber auch tragisch!

Wer nun auch gern ein solch grandioses Erlebnis im wunderschönen Konzerthaus Berlin  planen möchte, sollte sich schon mal den 27. Januar 2018 fett im Kalender anstreichen, denn da bringen Frank Strobel und das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin in Kooperation mit der Europäischen Filmphilharmonie The Artist auf die Bühne!

 

Darauf freue ich mich: Kultur und Kulinarisches im Wonnemonat Mai!

Hach, es gibt auch Anfang Mai wieder so viel zu sehen und zu erleben! Manchmal mache ich mir da wirklich selbst viel zu viel Stress, weil ich immer das Gefühl habe, überall dabei sein zu MÜSSEN! Und alles sehen zu MÜSSEN!! Das geht natürlich gar nicht. Es gibt viel zu viel zu sehen! Ich mag gar nicht daran denken, wie viele tolle Kulturangebote immer wieder an mir vorbeiziehen, ohne dass ich es merke, obwohl ich schon immer versuche, meine Augen und Ohren überall zu haben.

Für den Mai habe ich nun einiges auf meinem Notizzettel notiert, was ganz neu für mich ist. Ich war nämlich zum Beispiel noch nie in der Vaganten Bühne, obwohl das Theater mir schon von vielen Seiten empfohlen wurde. Hier also meine Tipps für die kommenden Tage und Wochen:

1. bis 7. Mai an einem strenggeheimen Ort in Friedrichshain: Cine-Mania präsentiert ein Special-Screening von dem Kultfilm Good Bye, Lenin. In passender Umgebung, mit vielen Schauspielern und mit strengem Dresscode. Verspricht spannend und sehr speziell zu werden! Die erste Show ist schon komplett ausverkauft, ranhalten!

6. Mai: In der ufaFabrik präsentiert Cihangir zum vierten und leider auch schon zum letzten Mal Orientesque, eine abwechslungsreiche Show mit Tanz, Akrobatik und Comedy. Für dieses große Finale gibt es nicht weniger als zehn angemeldete Acts! Ich bin sehr gespannt und jetzt schon traurig, weil es das letzte Mal sein wird.

Läuft bereits: Life is a Bitch oder Wie ich gestern meine Zukunft fand. Premiere in der Vaganten Bühne war schon am 19. April, im Mai gibt es weitere Termine. Die Story klingt großartig, wie ich finde: Eine Endvierzigerin namens Marlene ist des Lebens müde. Der Sprung aus dem Fenster gipfelt allerdings nicht im Ende, sondern eher in einem Anfang…

15. Mai: Es ist kein Geheimnis – Ich verehre Elvis Presley. Also horche ich natürlich auf, wenn sein Name irgendwo erklingt und am 15.05. wird er auf einer Großleinwand in der Mercedes Benz Arena zu sehen und hören sein, live untermalt von einem Symphonieorchester. Stargast ist Priscilla Presley!

16. Mai: Über das wilde Oscar und wie gut es mir dort gefällt, habe ich ja bereits mehrfach berichtet. Und im Mai gibt es dort (außer der tollen Shows natürlich)  einen Spargelabend, wie er leckerer wirklich nicht klingen könnte: Vorspeise ist ein Spargelsüppchen, danach kann man Spargel satt mit allen möglichen und unmöglichen Beilagen genießen und als Dessert gibt es dann ein Dreierlei von Rhabarber, Erdbeere und Schokolade! Menü inklusive Aperitif für nur 26,90 Euro! Schnell reservieren!

Das sind meine Tipps für den Anfang des Monats, ist da etwas für euch dabei? Habe ich etwas Wichtiges vergessen? Schreibt mir in den Kommentaren.

Frohes Kulturentdecken, eure Nicole

 

 

 

 

 

African Angels – Cape Town Opera Chorus – Philharmonie Berlin

Was für ein grandioser Abend! Was für ein wunderschönes, herzerwärmendes, seelenstreichelndes Konzert in der Berliner Philharmonie! Ich hatte Gänsehaut. Ich hätte weinen können. Ich wollte aufstehen und tanzen! Es gibt einfach so Musikstücke, die gehen dem Hörer in Mark und Bein. Selbst wenn man gar kein ausgesprochener Opernfan ist. Man muss doch zugeben, es gibt  so ganz bestimmte Stücke, die geben einem unwillkürlicher dieses erhabene, sinnenfrohe Gefühl des Glücks, das einem nur schöne Musik gibt. Ob man unter schöner Musik nun etwas von Verdi oder etwas von Metallica versteht.

Ich bin jedenfalls ohne große Erwartungen und Vorkenntnisse in das Konzert des Cape Town Opera Chors gegangen, die zur Zeit auf großer „African Angels“ Tour durch Deutschland und die Schweiz sind. 2014 hatten sie in Europa bereits große Erfolge feiern können und nun sind sie mit einem brandneuen Konzertprogramm unterwegs. Die achtzehn Sängerinnen und Sänger brachten auf jeden Fall die Philharmonie zum Beben! Nicht nur sind sie mit engelsgleichen Stimmen gesegnet, sondern auch mit großen Persönlichkeiten. In diesem Chor verschwindet niemand im Hintergrund und das liegt nicht nur an den farbenprächtigen Roben der Damen und Hemden der Herren.

Die wundervoll ausgesuchten Stücke aus Oper, Gospel und traditionellen afrikanischen Liedern, werden nicht nur gesungen, sie werden jubiliert, sie werden gefeiert, sie werden gefühlt und getrauert. Die Künstler sind mit Herz und Seele dabei, tanzen und singen, das es eine richtige Freude ist. Der Abend ist vor allem das: eine reine Freude! Der Funke zwischen Bühne und Zuschauerraum springt sofort über, so viele lächelnde Gesichter findet man in Berlin sonst eher selten.

Ob bekannte Opern wie Don Pasquale, Carmen oder Tannhäuser oder mitreissende Spirituals wie Ol‘ Time Religion und das allseits bekannte und beliebte Oh Happy Days werden auf unverwechselbare Art und Weise zum Besten gegeben, dazu eine augenzwinkernde Performance, die einzelne Stimmen und Persönlichkeiten glänzen lässt! Und die traditionellen afrikanischen Lieder sind natürlich ganz besonders schön, ob nun Sikirileke oder Baba Yetu. Am Ende tanzte der ganze Saal! Große Empfehlung für diesen tollen, abwechslungreichen Musikabend. Wer die nächsten Termine nicht mehr schafft, sollte sich Cape Town Opera auf jeden Fall für die nächste Tournee merken! Diese Abend will man nicht verpassen!

Wer möchte, kann sich den Chor auf Youtube anhören oder ihnen auf Facebook folgen, um die nächste Tour nicht zu verpassen! Auf der Website von Veranstalter BB Promotion gibt es außerdem viele, viele weitere großartige Konzerte zu entdecken.

Cast: Jodie Khan, Babongile Manga, Pumza Mxinwa, Bukelwa Velem, Cecilia Rangwanasha, Abongile Fumba, Lungelwa Mdekazi, Nonkululeko Nkwinti, Danielle Speckman, Xolani Madalane, Simphiwe Mayeki, Mthunzi Mbombela, Mlungiseleli Nqadini, Andile Tshoni, Garth Delport, Thomas Mohlamme, Martin Mkhize, Lindile Kula Jr.

Musikdirektor & Piano: José Diaz, Chorleitung: Marvin Kernelle, Regie: Tara Notcutt

StageDiven – All Female Comedy Mix Show – ufa Fabrik

Ich habe zum ersten Mal die StageDiven Show in der ufa Fabrik besucht! Obwohl ich schon öfter von der Show gehört hatte, hab ich es bisher irgendwie nie geschafft, mal vorbei zu schauen und werde das jetzt auf jeden Fall ändern, vor allem wegen der sehr sympathischen, quirligen Moderatorin: Playmobilfrisur Bartuschka!

Die Comedienne und Pantomimin hat die Show ins Leben gerufen und moderiert nun bereits seit 2004 die All Female-Abende. Sie brilliert vor allem beim herzlichen und schlagfertig-witzigen Zusammenspiel mit dem Publikum. Vor allem die Männer müssen sich sehr in Acht nehmen, wenn sie publikumsscheu sind, sollten sie sich vielleicht nicht in die 1. Reihe setzen! Bartuschka stellt auf jeden Fall witzig und spritzig, mit tagesaktuellen Spitzen, die Künstlerinnen des Abends vor, die aus allen Ecken und Enden der Welt, bzw aus allen Ecken und Enden der Kleinkunst auf die ufa-Bühne geeilt sind.

Den Anfang macht Sari, ich bin mir sicher, sie schon einmal irgendwo gesehen zu haben, bloß wo? Sie kommt auf jeden Fall als schüchterne Dutt-Trägerin mit dicker Brille auf die Bühne und hula-hoopt sich dann bis auf ein Supergirl-Kostüm hinunter! Sehr sehenswert.

Dann wirbelt Gerlinde Hellwein (Franziska Traub) über die Bühne, die schwäbische Frohnatur kiekst über Männer vs. Frauen und lädt einen Herren aus dem Publikum zum Putzlappen-Workshop auf die Bühne. Später gibt sie noch eine überraschend gute Kuhglockenversion von „Freude schöner Götterfunken“ zum Besten!

Estrella ist eine geradezu ätherisch schlanke Erscheinung, die makellos schöne Handbalance zeigt und ihren Körper beinahe unheimlich weit verbiegen kann.

Extra aus New York eingeflogen und zur Zeit für ihre aufsehenerregenden Performances heiß diskutiert: Narcissister! Die junge Frau trägt immer eine Maske, niemand kennt ihr Gesicht. Sie zeigt Burlesque andersherum, könnte man sagen, denn sie beginnt ihre Performance nackt, nur mit einer gigantischen Afrofrisur und einem Höschen bekleidet und ist zum Schluß überraschend vollständig gekleidet.

Bridge Markland, vielen Berlinern längst durch diverse Auftritte an der unterschiedlichsten Orten zu den verschiedensten Anlässen bekannt, gibt sich ebenfalls die Ehre. Zuletzt hatte ich sie im Ballhaus beim Kabarett der Namenlosen gesehen, bei den StageDiven verwandelte sich die schönste Frau der Welt zum coolsten Gentleman der Welt!

Jessie Rose aus England hat Glowing Hoops im Gepäck, bei ihr wirbeln bunte Farbspiele und wie brennend erscheinende Hula Hoops durch die Luft, ein sehr schöner Anblick!

Insgesamt ein sehr schöner und abwechslungsreicher Abend. Einen ausschließlich weiblichen Abend zu gestalten, finde ich eine wunderbare Idee und ich werde ab jetzt auf jeden Fall öfter dabei sein. Ein Besuch in der ufa-Fabrik lohnt sich sowieso immer, hier könnt ihr einen Blick in der Spielplan werfen. Die StageDiven spielen in einer ähnlichen Formation (Narcister war nur für einen einzigen Gastauftritt in Deutschland) noch am 13., 14. und 15. April!

 

 

Arnulf Rating präsentiert: Der Blaue Montag – Das lebende Stadtmagazin – Die Wühlmäuse

Zum 189. Mal hat Arnulf Rating gestern zum Blauen Montag in Die Wühlmäuse geladen. „Das lebende Stadtmagazin“ holt alte Hasen und junges Gemüse aus Comedy und Kabarett, aus Kleinkunst und Theater zusammen auf eine Bühne. Berliner Urgesteine genauso wie Künstler aus ganz Deutschland und, wie gestern der Fall, aus der Schweiz. Größtmögliche Abwechslung ist für das Publikum so gewährleistet, immerhin dreizehn verschiedene Künstler und Künstlerinnen versammelten sich gestern auf der blauen Bühne! Ich finde diese Abende immer großartig, sie sind quasi ein Einkaufszettel, denn man sieht bekannte Gesichter oder schreibt sich neue Namen und Daten auf, um gleich die ganze Show, das ganze Programm eines nagelneu für sich entdeckten Comedian bei der nächsten Gelegenheit zu erleben.

Ich mochte gestern jeden einzelnen der Auftretenden, habe mir aber auf meinen Merkzettel vor allem folgende Namen notiert:

Heger & Maurischat GbR, die beiden feschen jungen Damen treten am 25. April, 29. Mai & 07. Juli 2017 in der Bar jeder Vernunft auf. Sie sind quasi das Engelchen und das Teufelchen auf der Schulter, mal fröhlich, mal giftig, Singen und Blödeln, nehmen Aktuelles auf die Schippe. Waren mir gleich sympathisch!

Cloozy habe ich mittlerweile schon an verschiedenen Orten gesehen, immer nur kurz, aber ich muss unbedingt auch mal eine abendfüllende Show mit der nett-schusseligen Dame in Angriff nehmen. Für ihre ältere und sensible Haut nimmt sie eine leichte Wildlederpflege – na, den Tipp übernehme ich doch! Man kann sie in der Scheinbar sehen, zum Beispiel am 30. April!

Archie Clapp vergisst man nicht, wenn man ihn einmal gesehen hat, er hat die wohl auffälligste Frisur aller Comedians, ein Einhorn, wie er selbst sagt. Er luchst einem Gast in den Wühlmäusen nicht nur seine Jacke sondern gar sein T-Shirt ab, nur um es dann für einen Zaubertrick in Milch zu duschen! Gleich notiert, aber in der 1. Reihe möchte ich nicht sitzen!

Joël von Mutzebacher ist der schweizer Besuch des Abends. Der sympathische junge Mann war etwas geschockt von den Berliner Manieren im Berufsverkehr. Als Berliner kann man darüber aber lachen. Er hat in der nächsten Zeit keine weiteren Termine in Berlin, aber ist notiert!

Weitere Auftretende des Abends waren neben Arnulf Rating, dem Gastgeber: Barbara Thalheim und Band, Till Pöhlmann mit seinen wirbelnden Lichterjonglagen, Klaus Nothnagel mit seinen witzigen und informativen Bildvorträgen über Berlin (dieses Mal ging es um den Alexanderplatz). Die Primatonnen brachten ein wenig bayrischen Frohsinn auf die Bühne und HG Butzko war für die ernsteren Töne verantwortlich. Detlef Winterberg zeigte zwanzig Zauberstücke in drei Minuten, wortlose Komik hat auch was für sich! Und den Abschluss machte Sarah Goody mit kraftvoller Akrobatik am Vertikalseil! Wieder mal ein wunderbar abwechslungsreicher Abend in der Wühlmäusen, wer neue Humorimpulse sucht, dem kann ich den Blauen Montag nur empfehlen. Hier ist immer für jeden etwas dabei! Die Mischung machts!

Nächster Termin, Folge 190, ist am 12. Juni 2017! Weitere Informationen und Karten gibt es hier. Moderator und Gastgeber Arnulf Rating ist außerdem mit seinem aktuellen Soloprogramm „Rating AKUT“ am 21. und 22. April in der ufa-Fabrik zu sehen, die dazugehörigen Infos und Karten wiederum hier.

Company 2, Scotch & Soda, Chamäleon Theater

Im Jahr 2017 ist das Festival Australia Now zu Gast in Deutschland, eine Initiative der Australischen Botschaft, deren Ziel es ist, die Vielfältigkeit der australischen Kunst- und Kulturlandschaft zu präsentieren, die weit über prächtige Landschaften, Surfer und Kängurus hinausgeht. Das Programm umspannt die ganze kulturelle Vielfalt von Ausstellungen über Theaterstücke und Konzerte bis hin zur Artistik. Und damit sind wir bei der Company 2, einer kleinen Contemporary Circus-Truppe aus Brisbane, die im Rahmen dieses Festivals zu Gast im Chamäleon am Hackeschen Markt ist. Die Gruppe wurde auf dem berühmten Adelaide Fringe Festival mit Aufmerksamkeit und Preisen überhäuft und dass sie nun für Berlin eine eigene Show auf die Beine gestellt haben, ist ein großes Glück für alle Fans von New Circus und Akrobatik! Das Chamäleon hat sich ja sowieso den Ruf erarbeitet, die besten und innovativsten Circusshows von Berlin (oder gar Deutschland?) zu präsentieren und bestätigt das mit diesem Coup erneut!

Eine Hochzeit im australischen Outback. Vor einem gestreiften Festzelt sammeln sich die Gäste und die Band. Fröhlicher Jazz fährt rasch in die Beine und lädt zum Tanz. Wie es sich für eine zünftige Feier gehört, gibt es natürlich einen peinlichen Onkel, der bereits zu sehr dem Alkohol zugesprochen hat und die Hochzeitsgesellschaft torkelnd in Aufregung versetzt. Bei dieser Party ist allerdings alles ein wenig anders, denn die Gäste schwingen sich kraftvoll über den Tisch im Zentrum der Bühne, balancieren schwerelos auf den Kisten und Kästen, die die Bühnendeko darstellen. Auch die vielen Flaschen, die die Gäste leeren, dienen als Akrobatikwerkzeug und werden kurzerhand unter die Kisten und Koffer drapiert, nur damit man dann in schwindelerregender Höhe Handstand darauf machen kann. Auf Hand auf Hand Akrobatik folgen Kunststücke an den Strapaten und am Aerial Ring, die dem Zuschauer den Atem rauben!

Ich schaue ja gern und oft Akrobatik und ich bin immer wieder überrascht, dass das Chamäleon Theater es immer wieder schafft, mich zu überraschen. Ich bilde mir immer ein, schon alles gesehen zu haben, aber dann bin ich doch wieder wie vor den Kopf geschlagen von diesem unglaublichen Können, dieser makellosen Körperbeherrschung und diesem Mut, den die Akrobaten da an den Tag legen, um Dinge zu zeigen, die man eigentlich für menschenunmöglich hält. Die Künstler wechseln wie eine gut geölte Performance-Maschine die Positionen, fliegen scheinbar über die Bühne, ohne jemals ihr Lächeln und ihre gute Laune zu verlieren.

Das Besondere an der Scotch & Soda Crew ist außer ihrem großen akrobatischem Können die Tatsache, dass eine Live-Band direkt mit auf der Bühne steht und auch in das Geschehen eingebunden ist. So hat man als Zuschauer schnell das Gefühl, wirklich inmitten einer fröhlichen Hochzeitsgesellschaft zu sein und man möchte am liebsten aufstehen und tanzen. Auch der Humor kommt nicht zu kurz, ganz wie es sich für eine zünftige Feier gehört, gibt es neben nackten Tatsachen (der betrunkene Onkel, natürlich) auch eine handfeste Keilerei, bei der eine zarte junge Frau eindeutig die Oberhand behält. Und romantisch wird es auch, wenn der Bräutigam dann endlich die Herzallerliebste in seinen Armen hält.

Sehr zu empfehlen, wieder mal eine großartige, ungewöhnliche und feuchtfröhliche Sensationsshow im Chamäleon. Hier lohnt sich der Besuch wirklich immer! Auf der kleinen, aber feinen Speisekarte gibt es übrigens auch ein neues Highlight: Das Pulled Pork Sandwich ist ein Augen- und Gaumenschmaus!

Die Artisten und Musiker spielen insgesamt mehr als 170 Shows in Berlin, bis Ende August könnt ihr diese wilde Party noch erleben. Weitere Informationen und Infos gibt es hier. Die Musiker um Lucian McGuiness spielen übrigens am 30. April zum Tanz in den Mai auf, wer Swing und Lindy Hop liebt, kann um 21:30 einen kurzen Tanzkurs besuchen und ab 22 Uhr dann zu fescher Live-Musik den Rock schwingen und die Hosenträger schnalzen lassen!

Klassenkampf – Musical – Heimathafen Neukölln

Constanze Behrends hat das Prime Time Theater im Wedding, eines meiner absoluten Lieblingstheater, mitbegründet und hundert Folgen der erfolgreichen Wedding-Sitcom „Gutes Wedding, Schlechtes Wedding“ geschrieben, hat Regie geführt und einige der besten Rollen der Serie selbst gespielt (zum Beispiel Ulla, die runde, fleischliebende Mutter der Punkerin Ratte!). Nun wandelt sie auf neuen Wegen und hat diverse eigene Projekte am Start, was ich mit Argusaugen beobachte, weil ich ihren Humor und ihre scharfen Beobachtungen der zwischenmenschlichen Schrullen und Eigenheiten großartig finde. Zwei ihrer aktuellen Stücke laufen im schönen Heimathafen Neukölln, „Beziehungskiste“ und „Klassenkampf“, das Stück, das ich am Wochenende gesehen habe.

An der Neuköllner Karl Marx Schule ist das Chaos groß, leider nur nicht groß genug. Die knallharte Rektorin Frau Eisner (Constanze Behrends) äugt eifersüchtig auf den Rütli-Campus. Ach, gäbe es doch an ihrer Schule auch einen Brandbrief! Oder irgendeinen handfesten Skandal, um mediale Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Marode sind schließlich alle Berliner Schulen, damit lockt man die Sensationspresse nicht hinterm Ofen hervor.

In der Assi-Klasse (Arbeit statt Strafe Initiative) hat sich derweil längst Resignation breit gemacht. Chill mal, ist die Parole, die der ambitionierte Sozialpädagoge Lars (Tom-Veit Weber) immer wieder an den Kopf geknallt bekommt. Sein aufbauendes Gitarrenspiel ruft bei den Schülern eher Fremdscham hervor. Vor allem Drogendealer und Schläger Samir (Walid Al-Atiyat) reagiert mit Abwehr. Die aggressive Gülcan (Lodi Doumit), die zarte Trinkerin Rosa (Romina Küper), der obercoole Ali (Ugur Kaya) und der schlaue Lex (Florian Bamborschke), die alle als Strafe zusammen mit der Hausmeisterin Frau Karl die Wände schrubben sollen, wissen gar nicht so recht, warum, wieso und gegen wen sie sich eigentlich auflehnen sollten. Dass an ihrer Schule nicht alles in Ordnung ist, das wissen sie, klar. Aber wenn sie ihre Probleme formulieren sollen, dann sind sie sprachlos.

Dabei haben sie eigentlich genug, worüber sie reden müssten. Samir kümmert sich allein um seine kleinere Schwester. Rosas Eltern liefern sich eine epische Scheidungsschlacht. Lex‘ Eltern sind vor Jahren dem Bosnienkrieg entflohen, aber nie wirklich in Deutschland angekommen. Dazu kommen Banden, Gewalt und Drogenprobleme in der Schule. Als „NDH“-Schüler, also nicht deutscher Herkunft, fühlen sie sich alle unverstanden und von den deutschen Lehrern im Stich gelassen. Auf die schlechten Zukunftsprognosen, die Rektorin Eisner ihnen pauschal überhilft, reagieren sie mit gespieltem Gleichmut. Chill mal.

Hausmeisterin Karl (Christiane Ziehl), die ihre karge Rente aufbessern muss, ist es, die den Assis zum ersten Mal von Kommunismus erzählt, von der DDR und den Gedanken, die Marx und Engels einst formulierten, die aber niemals erfolgreich umgesetzt wurden. Die Jugendlichen sind begeistert. Vor allem Samir ist vom Gedanken der Revolution gefesselt. Schnell läuft allerdings alles aus dem Ruder und die eigentlich gewaltfreie Aktion der Schüler wird zu einem Politikum, als die haifischartige Reporterin Hanna Köster (Britta Steffenhagen) Blut wittert und aus dem arglosen Ali einen gewaltbereiten Terroristen mit einer Bombe macht.

Wer jetzt allerdings an ein dröges, schwieriges, niederschmetterndes Stück erwartet, ist vollkommen schief gewickelt. Das liegt nicht nur an den vielen tollen Songs, die vor allem die vier „Assis“ großartig darbieten, sondern auch daran, dass das Stück sehr witzig ist. Constanze Behrends hat einfach ein Händchen dafür, schwierige und kontroverse Themen lustig zu verpacken, sodass der Zuschauer zwar zum Nachdenken angeregt, aber auch gut unterhalten wird! Obwohl so viele wuchtige Themen angesprochen werden, hat man nicht das Gefühl, als würden diese auf die leichte Schulter genommen.

Klassenkampf kann man noch am 19. und 20. April, sowie am 12. und 13. Mai erleben, am 19. gibt es außerdem ein von Theaterscoutings organisiertes Publikumsgespräch mit Constanze Behrends. Weitere Infos und Karten hier.

Text und Regie: Constanze Behrends
Musik: Tillmann von Kaler zu Lanzenheim
Regieassistenz: Philipp Hardy Lau
Kostüm: Gregor Marvel
Bühne: Julia von Schacky
Requisite: Caro Walter