Anna Mateur & The Beuys – Frauensommer in der Bar jeder Vernunft – Berlin

Ich musste gerade selbst mal schauen, wann ich Anna Mateur eigentlich zum ersten Mal gesehen habe und bin dann auf diese alte Review von mir gestossen, die 2014 bei Livekritik.de erschien und von meiner Begeisterung spricht. Das nächste Mal sah ich sie dann 2016 als Stella in der wunderbaren Operette „Frau Luna“ im Tipi am Kanzleramt. (Wiederaufnahme 11. Januar – 11. März 2018, nicht verpassen!!) Und ich habe mich sehr gefreut zu hören, dass sie nun für einige Tage, im Rahmen des Frauensommers, in der Bar jeder Vernunft auftreten würde, mit ihrem aktuellen Programm „Protokoll einer Disko“.

Anna Mateur erklären zu wollen ist sehr schwer. Sie singt – klar. Sie ist witzig – auch klar. Aber das Besondere an ihrer Show ist sie selbst, die eine, die einzige Anna Mateur, deren Stimme und deren Mimik so wandelbar und einzigartig ist, wie man es sonst nicht erlebt. Sie spielt mit ihrem ganzen Wuchtbrummenkörper, hat keinerlei Scheu davor, zu schwitzen, zu zu stöhnen, zu schreien oder zu balzen, wie sie selbst es nennt. Sie nimmt sich selbst genauso wenig ernst wie sie die Auswüchse der modernen Welt ernst nimmt. Und so seziert sie genauso liebevoll-spitz das Publikum vor ihr wie auch Themen wie Sexismus und Youtube-Irrsinn. Schlau. Hintersinnig. Spitzzüngig.

Sie spielt, tanzt und groovt und hat das Publikum ebenso fest im Griff wie ihre „Günstlinge“ auf der Bühne, Christoph Schenker am Cello und Samuel Halscheidt an der Gitarre. Die beiden sind Bühne für ihre Show und manchmal Opfer ihres gestrengen Lehrerinnenblickes, aber ansonsten stumm. Die Show ist und bleibt Die Mateur. Das Stimmwunder mit der riesigen stimmlichen Bandbreite vom sanften Jazz bis zum „Rap von Deutschen für Deutsche“ mit authentischem Jugend-Sprech – sie beherrscht das alles. Und sie gibt alles! Drei Zugaben fordert das begeisterte Publikum in der vollen Bar jeder Vernunft von ihr ein. Ihre Musiker geben schon längst Autogramme im Vorraum, als sie noch immer auf der Bühne steht. Ein unglaublich toller Abend! Ich habe selten so laut und anhaltend gelacht, in der Bar jeder Vernunft.

Nur noch bis Freitag in der Bar jeder Vernunft, also ranhalten! Hier ist das komplette Frauensommer-Programm zum stöbern. Und ihr müsst unbedingt die Schwarzwälder Kirrschtorte im Glas probieren, die ist unglaublich!

©Nicole Haarhoff

 

Cats – Das Musical – Das englische Original auf Deutschlandtour – Admiralspalast Berlin

Es war einmal… vor vielen, vielen Jahren… Ein kleiner Junge namens Andrew bekam Abend für Abend von seiner Mutter zum Einschlafen Gedichte vorgelesen. Gedichte über Katzen. Über Rum Tum Tigger. Über Mungojerrie und Rumpleteazer. Über Old Deuteronomy. Und über viele, viele andere geheimnisvolle, schlaue, freche und liebe Katzen. Der kleine Junge namens Andrew liebte diese Geschichten und als er älter wurde und erfolgreich Musicals wie The Likes of us und Jesus Christ Superstar auf die Bühne gebracht hatte, da dachte er wieder an diese Geschichten. T.S. Eliot, der Lyriker, der die Katzen für seine Patenkinder erdacht hatte, war leider nicht mehr am Leben, aber dessen Witwe Valerie offenbarte Andrew Lloyd Webber weitere, unveröffentlichte Katzengeschichten und brachte damit die Entstehung eines der erfolgreichsten Musicals aller Zeiten in Gang:

CATS

1981 in London uraufgeführt, haben mittlerweile 73 Millionen Menschen auf der ganzen Welt Cats live gesehen. In seiner Heimat London spielte das Musical insgesamt 21 Jahre lang und ist damit eines der am längsten gespielten Musicals Englands. Und bis heute hat die magische, aufwendig inszenierte Show voller einzigartiger und eigenwilliger Katzencharaktere nichts von seinem Charme verloren. Der andauernde Erfolg des Stücks ist wirklich kein Wunder – die Musik ist zeitlos wunderbar und die Tanzszenen mitreißend wie eh und je. Bis in die Schnurrhaare hinein sind die detailverliebten Kostüme perfekt und jede katzenhafte Geste sitzt – vom Fell putzen bis zum Köpfchen geben.

 

Ich habe mich wahnsinnig auf CATS gefreut und all meine hohen Erwartungen wurden noch übertroffen! Das Sommerfestival im Admiralspalast hat sich wirklich als mein absolutes kulturelles Highlight des Jahres 2017 entpuppt. Von der temperamentvollen Camille O’Sullivan über das mysteriös-beeindruckende Ada/Ava bis zum witzigen Märchenmusical Grimm– alle bisherigen Shows waren auf ihre ganz eigene Art wunderbar, aber CATS ist mein persönlicher Höhepunkt!

Hier stimmt einfach alles, die tolle Bühnendeko, die aufwendigen Kostüme, die zeitlos schöne Musik und vor allem – die grandiosen Darsteller! Ich hab mich in Rum Tum Tugger (John Brannoch), den frechen, ein wenig arroganten Rock’n‘ Roll Kater verliebt, den alle Kätzchen verehren. Wollte mit Mungojerrie und Rumpelteazer (Joe Henry, Meg Astin) auf Diebestour gehen. Hab White Cats (Sophia McAvoy) Schönheit und Grazie bewundert und Munkustraps (Matt Krzan) Treue und Beflissenheit. Jeder einzelne Darsteller ist einfach wunderbar und so kätzisch, wie man es sich nur wünschen kann. Ihre Stimmen sind grandios und wenn sie zu einem Chor verschmelzen, dann bekommt man unwillkürlich eine Gänsehaut. Und wenn Grizabella (Joanna Ampil) den weltberühmten Klassiker „Memories“ anstimmt, dann war ich bestimmt nicht die einzige im Saal, die heimlich ein Tränchen verdrücken musste.

Zu der Geschichte von CATS muss ich, glaube ich, gar nicht mehr viel sagen, die ist sicher hinlänglich bekannt. Aber ich kann euch auf jeden Fall sagen, dass es sich lohnt, sich die englische Cats Musicaltour live anzuschauen, denn es ist wirklich ein imposantes, lange nachhallendes Erlebnis mit beeindruckenden Tanz- und Artistikszenen. Jeder einzelne Katzenpart ist liebevoll und detailverliebt ausgearbeitet, jeder Darsteller eine Augenweide und ein Hörgenuss. Dazu noch die traurig-schöne Geschichte um die verstoßene Glamourcat Grizabella, die zurück in den Schoß ihrer Familie möchte – hach. Einfach wunderschön. Wenn ich könnte, dann würde ich heute direkt nochmal in den Admiralspalast gehen. Und morgen auch!

Nicht verpassen! CATS ist bis zum 19. August in Berlin, hier bekommt ihr Infos und Karten. Rechts und links der Bühne gibt es übrigens deutsche Übertitel, allerdings nicht Wort für Wort! Ab Ende August touren die Kätzchen dann weiter durch Deutschland: Frankfurt am Main, Baden-Baden, Bremen, Duisburg und zum Schluß Köln! Vielleicht gönne ich mir da ja sogar nochmal eine Karte!

©Nicole Haarhoff

Bilder: © Alessandro Pinna

 

Ashton Brothers – Enfants Terribles – Wühlmäuse

Wart ihr schon mal ziemlich heftig angeheitert? Und mit einer Gruppe eurer Freunde unterwegs, die ebenfalls heftig angeheitert waren? Und haben einige von euch vielleicht (teilweise) ihre Klamotten unterwegs verloren? Und ihr habt euch kaputtgelacht? Und habt Dinge gemacht, die euch verwegen und abenteuerlich vorkamen, die bei Licht betrachtet dann aber doch vor allem ziemlich gefährlich waren? Und ihr habt gelacht und gelacht…

Ja? Na, dann hättet ihr mal dabei bleiben sollen, denn dann wärt ihr jetzt vielleicht einer der Ashton Brothers.

Die Jungs aus den Niederlanden sind Artisten und Clowns und Zauberer und Musiker und Sänger und überhaupt. Und sie haben mit ihrem fünften Programm Enfants Terrible ein schräges, witziges, wildes und ungewöhnliches Stück Zirkuscomedy mit Anspruch und Klamauk auf die Beine gestellt, wie ich es sonst so noch nie erlebt habe. Es gibt böse Clowns, tanzende Skelette und waghalsige Artistik, alles in fliegendem Wechsel und beinahe komplett ohne Worte. Man ist als Zuschauer ganz atemlos vor Staunen und Lachen. Und wenn die Gags manchmal am Albernen kratzen, dann wird man in nächstem Moment mit beeindruckender Artistik wieder ernstlich geblendet. Was chaotisch anmuten mag, ist eben doch vor allem eins: schieres Können.

Die Ashton Brothers sind noch bis Sonntag, den 13. August in Berlin, schaut in den Wühlmäusen vorbei, ich kann euch die Truppe nur empfehlen, ich hab mich kaputtgelacht! Auch sonst lohnt sich natürlich immer ein Blick in den Spielplan. Mehr zu den Ashton Brothers findet ihr hier und hier.

©Nicole Haarhoff

Darauf freue ich mich: Mein Kulturaugust in Berlin

Ehe ich mich versehe, ist es schon wieder August und ich habe meinen monatlichen „Darauf freue ich mich“ Beitrag noch gar nicht veröffentlicht! Dabei gibt es doch so viel, worauf ich mich im August freue:

CATS!!! Ab dem 9. bis zum 19. könnt ihr im Rahmen des Sommerfestivals im Admiralspalast das englischsprachige Original aus London genießen! Unsterbliche schöne Musicalmomente, die man nicht verpassen möchte. Ich freue mich schon wie verrückt!!!

Ebenfalls ab dem 9. August: das begabte Duo Kaiser & Plain ist zurück im BKA Theater am Mehringdamm. Mit ihrem aktuellen Programm „Liebe in Zeiten von so lala“ heizen sie euch sommerlich ein.

Zwanzig Jahre ist es nun schon her, dass der Science Fiction Knaller Das fünfte Element von Luc Besson in die Kinos kam und zu einem der kommerziell erfolgreichsten europäischen Filme überhaupt wurde. Es regnete Preise für das schrille und farbenfrohe Special Effects-Feuerwerk. Und zur Feier des 20. Geburtstags gibt es nun eine aufgearbeitete 4K Version für alle neuen und alten Fans! Ick freu mir! Ab dem 10. August in Kino!

P!ink – am 11. und 12. kommt die Rockröhre nach Berlin, in die wunderschöne Waldbühne. Ich habe sie vor einigen Jahren mal in der (damals noch) O2 Arena gesehen und obwohl ich kein ausgesprochener Fan bin – das war eine krasse Show! Die erste Show, am Freitag, war ratzfatz ausverkauft, nun gibt es eine Zusatzshow am Samstag.

19. August. Der 19. August ist für Kulturverliebte wie mich ein hartes Datum. Der Tag der Entscheidung. Denn zum einen findet an diesem Tag die Lange Nacht der Museen in Berlin statt. Eine großartige, wunderbare Veranstaltung, eigentlich bin ich treu in jedem Jahr dabei. Aber in diesem Jahr fällt auf den gleichen Tag die Potsdamer Schlössernacht 2017. Und da ich dort noch niemals war und die neuen Betreiber Großartiges versprechen, werde ich in diesem Jahr mal dorthin pilgern!

Ich wünsche euch ganz viel Spaß beim Kulturentdecken im August, genießt das schöne Wetter.

©Nicole Haarhoff

 

Restauranttipp: Marin Fisch und Fleisch Restaurant in Berlin Neukölln

Das Estrel Hotel bietet ja mit mehreren unterschiedlichen Restaurants für alle Geschmäcker etwas, aber manchmal möchte man dann doch etwas ganz Nagelneues erleben. Das Estrel liegt, das muss man zugeben, nicht gerade in einer ansprechenden Gegend, ringsherum nur Autohöfe und andere Gewerbetreibende. Wir waren also sehr verwundert, online herauszufinden, dass sich in der gleichen Straße ein türkisches Fisch- und Fleischrestaurant befindet, das von allen Seiten euphorisch empfohlen wurde.

Das Marin Fisch und Fleisch Restaurant liegt wie eine grüne Oase zwischen all den Neuköllner Fabriken und Firmenhöfen. Der große Garten mit vielen bunten Sonnenschirmen lädt zum Verweilen ein. Leider kamen wir mitten in einem der vielen, vielen Gewitter dort an, die diesen Sommer prägen. Es goss in Strömen und wir mussten in den Raum in der oberen Etage flüchten, wo der sehr freundliche und zuvorkommende Kellner uns mit warmen Decken versorgte. Und auch beim nächsten Besuch, einige Wochen später: Regen. Der Gastraum ist für größere Veranstaltungen oder Privatfeiern gedacht, das merkt man. Die vielen Tische stehen ohne Trennung dicht nebeneinander. Da wir allein waren, war das kein Problem, aber ansonsten sitzt man im Garten sicherlich schöner.

Aber das Wichtigste ist ja sowieso das Essen und das ist wirklich wunderbar. Wir haben uns, da das Restaurant sich schließlich damit rühmt, einmal für Fisch und einmal für Fleisch entschieden. Außerdem haben wir uns eine warme und eine kalte Vorspeisenplatte geteilt, um wirklich von allem einmal probieren zu können. Die Karte ist klein, aber fein. Frischer Fisch und Meeresfrüchte, auf den Punkt gegrilltes Fleisch und viele Speisen, die für Vegetarier geeignet sind. Alles frisch und liebevoll angerichtet. Weiterer großer Pluspunkt: sehr höflicher und zuvorkommender Service, was in Berlin ja nicht immer selbstverständlich ist. Man fühlt sich sehr willkommen und wie ein gern gesehener Gast des Hauses, der umsorgt und mit dem besten Speisen bewirtet wird.

Die Preise sind angemessen, die Vorspeisenplatte kostet zum Beispiel 9,90 Euro und die Lammkoteletts 17 Euro. Ich kann euch einen Besuch nur empfehlen! Aber Achtung, wenn ihr danach ins Estrel zu einer Show gehen wollt: Zwiebel und Knoblauch Alarm!

Ziegrastr. 1, 12057 Berlin-Neukölln. Eine Webseite gibt es leider nicht, aber eine Facebookseite. Am besten nutzt ihr die wenigen schönen Sonnentage, um den großen Garten genießen zu können.

©Nicole Haarhoff

 

Michael – A Tribute to the King of Pop – Legacy Concert – William Hall – Estrel Hotel Berlin

Also, ich weiß nicht, ob es an mir liegt oder am Estrel oder an den Stars in Concert, aber genau wie bei All you need is love hat es auch bei Michael in Strömen gegossen, als ich am Donnerstag nach Neukölln fuhr. Aber vielleicht liegt es auch einfach daran, dass wir einen total verregneten Sommer haben. Kein Wunder, dass ich bisher noch kaum über Open Air Veranstaltungen berichten konnte!

Auf jeden Fall bin ich schon ein Michael Jackson Fan so lange ich denken kann, genau wie meine Eltern und meine Großeltern. Und das will was heißen, denn sonst können wir uns nur selten auf einen Musiker oder Sänger einigen. Ich finde, daran sieht man schon, was für ein Ausnahmetalent Michael Jackson war. Seine Fans sind jung und alt, männlich wie weiblich und kommen von jedem Kontinent der Erde. Seine Stimme, seine Songs und sein Tanzstil haben unzählige Künstler geprägt und inspiriert. Ich bin mir sicher, dass selbst die Leute, die nicht ausgesprochene Fans sind, mindestens einen, wenn nicht gar mehrere Songs mitsingen könnten. Und warum auch nicht, grandiose Songs wie Smooth Criminal, Dirty Diana und natürlich Beat It sind absolut zeitlos!

Ich hatte nie die Chance Michael live zu erleben, bevor er starb, aber ich habe endlose Stunden vor dem Fernseher verbracht, um seine Konzerte bei MTV zu verfolgen und seine Videos zu sehen. Immerhin hat Michael Jackson das Musikvideo revolutioniert, hat als erster richtige Geschichten erzählt. Und seine Tanzschritte! Unglaublich!
In seine Fußstapfen treten zu wollen, ist nicht einfach. Eine Mammutaufgabe. Aber William Hall aus Texas ist der weltbeste Michael Doppelgänger und hat es sich zur Aufgabe gemacht, genau dieses Wunder hinzubekommen. Und er schafft es auch. Auf der Bühne ist er wirklich Michael. Die kleinsten Gesten und winzigsten Manierismen – er hat sie alle drauf. Er ist Fan seit seiner Kindheit und doubelt Michael Jackson seit seiner Collegezeit, aber trotzdem ist es fast ein wenig unheimlich, wie perfekt er es schafft, ihn auf der Bühne zu neuem Leben zu erwecken. Nicht nur seine Stimme, sondern vor allem auch seine einzigartigen Tanzschritte und seine typische Art. Die sanfte, beinahe schüchterne, ein wenig weltfremde Art, die ihm eigen war, wenn er nicht gerade sang und tanzte. Sein rastloser Derwisch-Stil auf der Bühne. Seine makellosen Tanzschritte. Natürlich seine fantasievollen Kostüme. William Hall bringt mit seiner Legacy Tour das alles auf die Bühne. Selbst die punkige E-Gitarrenspielerin Jennifer Batten, die Michael Jackson von 1987 bis 1997 begleitete, wird dargestellt! Ein tolles Konzert, nicht nur William Hall, sondern auch seine Band und seine vier Tänzer sind großartig. Mithilfe von drei großen Leinwänden werden Konzertszenen von Michaels Touren und Kinderbilder aus seiner Zeit mit den Jackson 5 gezeigt. Rundherum ein schönes Erlebnis, nicht nur für eingefleischte Michael Fans wie mich.

Nur noch bis zum 13. August im Estrel Berlin zu erleben!! Schnell hingehen, nicht verpassen Leute! Weitere Infos und Tickets gibt es hier.

©Nicole Haarhoff

 

Ada / Ava – Manual Cinema – SOFA – Admiralspalast Berlin

Ehrlich gesagt, ich konnte mir unter „Manual Cinema“ nicht viel vorstellen. Ich wusste nicht genau, was mich erwarten würde, als ich am Wochenende Ada Ava im Admiralspalast besuchte. Die Truppe aus den USA ist im Rahmen des Sommerfestivals zum ersten Mal in Deutschland.

Acht Leute, vier Overhead Projektoren, zwei Leinwände. Eine große, auf der die Zuschauer das fertige Produkt beobachten können und eine kleinere, im Hintergrund, vor der die Künstler agieren und den Film zum Leben erwecken. Wer schon mal ein Stück von Katie Mitchell an der Schaubühne gesehen hat, der kennt dieses Vorgehen, allerdings arbeitet die Regiesseurin mit Kameras statt mit Projektoren und Folien. Als Zuschauer kann man sich entweder auf die obere Leinwand konzentrieren und nur dem fertigen Film folgen. Oder man beobachtet die arbeitenden Künstler und den Entstehungsprozess. Das macht einen großen Teil des Reizes dieses Abends aus, wie ich finde, denn die schiere Fantasie und die unglaubliche Arbeit, die hinter dem kurzen „Stummfilm“ Ada Ava steckt, ist unheimlich sehenswert. Und unheimlich.

Ada und Ava sind Schwestern. Zwillingsschwestern, ein ganzes Leben lang zusammen. Bilder an den Wänden ihres kleinen Hauses zeigen sie immer nur zu zweit, als Kinder, als Backfische, als erwachsene Frauen und schließlich als alte Damen. Sie leben in einem abgelegenen kleinen Häuschen an der Küste und sind verantwortlich für den Leuchtturm nebenan. Ihr Leben besteht aus angenehmer Routine und verlässlicher Zweisamkeit. Bis eine der Schwestern stirbt. Und ihre Schwester in verzweifelter Einsamkeit zurücklässt. Die einfachsten Arbeiten, bisher immer zusammen ausgeführt, wollen plötzlich nicht mehr klappen. Sie verhängt die Spiegel und versucht weiterzuleben, allein voranzugehen, kann es aber nicht. Die Trauer droht sie zu übermannen, als plötzlich ein Rummelplatz direkt neben ihrem Häuschen am Strand aufgebaut wird. Und von hoch oben, vom Balkon des Leuchtturms aus, glaubt sie zu sehen, wie ihre Schwester eine Karte löst und den Platz betritt. Genau wie sie es vor vielen, vielen Jahren zusammen getan haben. Sie eilt hinab und sucht und sucht, bis sie in einem Spiegelkabinett ihre tote Schwester zu finden glaubt… Aber, kann man die Toten wirklich zurückbringen? Und wenn ja, zu welchem Preis?

Die Geschichte hat etwas von Tim Burtons Nightmare Before Christmas, schön, aber auch gruselig und ein wenig bizarr. Sie ist leise, aber doch tiefberührend, traurig, aber auch voller Hoffnung. Und dadurch, dass man ihre Entstehung live beobachtet, indem man den „Puppenspielern“ bei ihrer Arbeit auf der Bühne zusieht, bekommt sie eine besondere Tiefe. Geräusche, Musik und Gesang werden sparsam, aber umso gezielter eingesetzt. Eine sehr interessante Erfahrung, eine Aufführung, wie ich sie so noch nie gesehen habe. Sehr spannend und sehr zu empfehlen. Die Langsamkeit und Stille der Entstehung ist eine kleine Herausforderung für jeden Action-3D-Kinogänger und Smartphonejünger und genau das ist das Besondere an diesem Abend!

Das Sommerfestival im Admiralspalast hat mich bisher wirklich von den Socken gehauen! Camille O’Sullivan war eine Offenbarung, Grimm ein tolles, mitreißendes Musical und Der Hauptmann von Köpenick hatte ich schon im letzten Jahr gesehen, ebenfalls sehr sehenswert. Mit Ada Ava kam nun nochmal ein ganz besonderes, ungewöhnliches Erlebnis hinzu. Und jetzt freue ich mich auf CATS!!! Schaut euch das weitere Programm vom SOFA hier an, da sind noch einige Schmankerl dabei! Und wen jetzt Manual Cinema neugierig gemacht hat, die findet ihr hier.

©Nicole Haarhoff