Dummy lab

Dummy lab

Ich bin immer wieder überrascht vom Chamäleon Theater! Ganz egal wie oft ich dorthin gehe, sie schaffen es immer wieder, mich mit ihren Shows vollkommen in ihren Bann zu ziehen.

chamaeleon_dummylab_carolin_saage4
Foto: Carolin Saage

Mit Dummy Lab haben die Regisseure Eike von Stuckenbrok und Markus Pabst eine düster-wildromantische Mär von Schatten und Dunkelheit, von unheimlichen Puppenspielern und tanzenden Insekten auf die Bühne gebracht, wie man sie noch nicht gesehen hat. Aus allen Artisten und Künstlern, aus den Videoinstallationen von Frieder Weiss und aus der Musik von Sänger Reecode und Cellistin Lih Qun Wong entsteht ein wundervolles Gesamtbild, nahtlos fließt alles ineinander über. Der melancholische Sound wird durch die dunkle Bühne noch unterstützt, Florian Zumkehr (Handstand, Pole, Akrobatik) setzt mit einem tragbaren Scheinwerfer individuelle Lichtpunkte auf die Artisten. Außerdem übernimmt er für Eike von Stuckenbrok dessen legendäre Turneinlage auf dem Dummy, denn dieser fungiert nach einem Unfall dieses Mal als Regisseur hinter statt auf der Bühne.

chamaeleon_dummylab_carolin_saage1
Foto: Carolin Saage

Die Künstler performen, ganz in schwarz und grau, mal gemeinsam, mal allein. Es gibt insektenhafte Kontorsion von Leilani Franco, Breakdance in der Matrix von Hong Nguyen Thai und Atemberaubendes am Bungee Seil von Laurence Racine. Masha Terentieva verzaubert mit puppenhafter Artistik und an den Hula Hoop Reifen. Gemeinsam machen die Künstler außerdem eine lustige Einlage a lá „Leo“, bei der wilde Artistik im liegen vollführt wird und durch eine Schräge dann wirkt, als wären die Künstler zu Unglaublichem fähig – was sie ja eigentlich auch sind.

chamaeleon_dummylab_carolin_saage9
Foto: Carolin Saage

Absolute Empfehlung für Groß und Klein, Jung und Alt, Artistikfans oder Zweifler. Unbedingt anschauen! Gehört zum Besten, was Berlin zum Thema New Zircus und Artistik so zu bieten hat! Und ab dem 27. August gibt es wieder die Erfolgsshow „Wunderkammer“ zu bestaunen, mit einer brandneuen Crew!

Advertisements

Seifen Oper – The Soap Opera

Alte Bekannte! Wer bereits die großartige, großartige Show „Der helle Wahnsinn“ im Wintergarten Varieté gesehen hat, der wird in der neuen Show „Seifen Oper“ einige liebe alte Bekannte wiedersehen können.

Juergen Sendel
Seifen Oper – Daniel Leo Stern
Bilder: Jürgen Sendel

Matt Voodoo zum Beispiel, der schon für den Wahnsinn gemeinsam mit Jack Woodhead den grandiosen rockigen Soundtrack geliefert hat, ist auch dieses Mal wieder an der Gitarre zu erleben, hat aber auch die Bösewichtrolle des Abends als gierig-schmieriger Immobilienhai. Dieser möchte ein Künstlerhaus in Kreuzberg räumen, um es dann gewinnbringend verscherbeln zu können. Als Geheimwaffe schickt er seine hübsche Tochter (Sarah Bowden! Ich bin so ein Fan! So eine tolle Stimme!) undercover zu den Freaks.

Seifen Oper - Lena Ries Bilder: Jürgen Sendel
Seifen Oper – Lena Ries
Bilder: Jürgen Sendel

Nachwuchs-Bösewichtin Sarah Bowden trifft nach und nach auf alle Bewohner des Hauses, selbst auf die witzige singende Ratte im Keller, die sich auf die Seite der Mieter schlägt, als diese ihre große Revolution planen. Eine Yogalehrerin (Lena Ries), für deren Körper anscheinend keine normalen Regeln gelten, da sie ihn überirdisch bewegen kann.

Dann deren Boyfriend Francesco, den Playboy, (Daniel Leo Stern) der an den Strapaten den charmantesten und eindeutig sexiesten Auftritt des Abends hinlegt und wie ein gutgebauter Engel über die ersten Sitzreihen schwebt. Eine abgearbeitete alleinerziehende Mama von vier Kindern (Ludmila Nikolaeva) rotiert im wahrsten Sinne des Wortes mit ihrer Hausarbeit. Dann gibt es noch den Säufer (Anton Belyakov), der meist betrunken oder bekifft anzutreffen ist, außer wenn er zufällig gerade meisterhafte Handstandakrobatik in der Badewanne zu besten gibt. Die ersten Reihen wurden vorsorglich mit Regencapes ausgestattet, denn jetzt wurde es so richtig nass!

Juergen Sendel
Seifen Oper – Lina Navakaite
Bilder: Jürgen Sendel

Der Anwalt (Joseph Pinzon) auf glitzernden High Heels ist tagsüber proper im Anzug unterwegs, aber in der Nacht tanzt und singt er als wahre Diva! Und über allem thront in der schönsten Badewanne des Hauses die Operndiva (Lina Navakaite).

Heraus kommt im Endeffekt eine Show, bei der sich Zirkus, Artistik, Musical, Tanz, Rock, Pop und Oper wunderbar zu einem großen Ganzen vereinen. Witz, schöne Körper, großes Können und dazu ein perfekter Soundtrack – ein genialer Abend, den ich jedem nur empfehlen kann!

Image / The greatest show on earth – Artistische Doppelshow im Theaterforum Kreuzberg

Image / The greatest Show on Earth

Ich bin ja sehr gern und sehr viel in Berlin unterwegs. Und manchmal sehe ich mir auch Stücke an, ohne vorher allzu viel darüber zu wissen und ohne überhaupt irgendetwas Spezielles zu erwarten. Bestimmte Reizworte locken mich an. In diesem Fall: Artistik. Und manchmal lande ich dann eben in einem halbdunklen Raum, vor mir ein junges Mädchen das Eier zerquetscht. Und im Endeffekt bin ich dann doch froh, es gesehen zu haben!

Aber von vorn: im Theaterforum Kreuzberg gab es am 14. Und 15.07 die Doppelshow „Image“ und „The greatest Show on Earth“. Erstere Show ist die mit dem Eiermädchen. Natalie Reckert macht gerne Handstände. Sie begrüßt das Publikum bereits im Handstand und macht dann fließend weiter, ihre Worte, mit denen sie von ihrer Liebe zu dieser Fertigkeit und über das, was es für sie bedeutet, und ihre Bewegungen werden zu einer Einheit. Scheinbar vollkommen mühelos gleitet sie vom Stand in den Handstand, hält diverse schwierige Posen, als wäre ihr Körper aus Gummi. In einem anderen Umfeld hätte sie sicher immer wieder Szenenapplaus bekommen, aber dieses Stück ist ein Fluss und man ist atemlos bis zum Schluss! Sehr sehenswerte und auch hörenswerte Kunst des Körpers! Sehr kreative Gestaltung.

Im zweiten Teil erwartet uns dann die beste Show der Welt. Die Ring Mistress erzählt von hunderten von kubanischen Artisten, von einem halben Dutzend tanzender Elefanten und einem ganzen Rudel halbwilder Löwen. Nach und nach, wenn sie wieder und wieder die erste Nummer ansagt, wird sie dann aber doch nervös. Wo sind die Künstler? Wo die Tiere? Die Ring Mistress ist ganz allein. Ihr ist nur die Popcornverkäuferin Poppy geblieben. Und diese muss nun für alle abhanden gekommenen Künstler einspringen. Mit etwas Hilfe aus dem Publikum präsentieren die beiden Frauen (Francesca Hyde und Lucie N’Duhirahe vom Collectif and then) eine chaotisch-lustige Show voller Charme, die in ihrer wunderbaren Performance an den Seilen gipfelt.

Insgesamt ein sehr schöner, unglaublich kreativer und lustiger New Circus Abend! Namen unbedingt merken! Natalie Reckert kann man zum Beispiel im Winter im Admiralspalast sehen.

Hammerfrauen – Das Musical

Hammerfrauen – Das Musical, Die Wühlmäuse – Das Berliner Kabarett Theater, bis 23. August 2015

Die Heimwerkerbraut, die sich nicht traut

Ein junges Paar im Baumarkt. Er (Marco Billep) hat eine wunderbare Überraschung für seine Angebetete (Julia Meier): der Geschenketisch für ihre nahende Hochzeitsfeier ist hier aufgebaut! Diverses Werkzeug, Zement und sogar eine Kettensäge, alles, was sie für die Renovierung ihrer dringend sanierungsbedürftigen Mühle im Brandenburger Hinterland brauchen, werden Freunde und Verwandte hier erstehen können.

Die Beinahe-Braut ist wenig begeistert, macht aber gute Miene zum bösen Spiel. Immerhin haben die beiden Turteltäubchen sich einst in einem Baumarkt kennen und lieben gelernt. Und irgendwie hat sie dann den richtigen Zeitpunkt verpasst, um ihrem bastelverrückten Marc zu beichten, dass sie so gar keine Heimwerkerin ist. Und das sie Baumärkte grässlich findet!

Da helfen die beiden kecken Baumarktmitarbeiter (Michael Frowin und Christian Miebach) auch nicht, die erst mit Marc fachsimpeln und Julia dann erläutern, warum man eigentlich im Baumarkt nie einen Verkäufer antrifft.

Endlich ist es nun mir und uns allen klar! Kunde und Igel heißt das beliebte Spiel und es gibt viele wichtige (und witzige) Regeln, wenn man auf keinen Fall von einem unliebsamen Kunden erwischt werden möchte.

Damit ist der Umbauhorror für Julia aber noch lange nicht vorbei! Ihr Liebster hat sie auch noch für einen Ladiesabend angemeldet, einen Fliesen und Kacheln Kurs nur für Frauen. Wiederwillig lernt sie dort ihre Mithandwerkerinnen kennen. Die kesse Kim (Julia Klotz), die High Society Dame Cornelia (Caroline Beil) und die burschikose Yvonne (Isabel Varell). Sie alle haben vollkommen unterschiedliche Gründe dafür, warum sie an diesem Ladiesabend teilnehmen. Und mit einer Menge Sekt als Unterstützung gehen sie all ihre Probleme in einem Rutsch an, in einer einzigen wilden und ausgelassenen Nacht in einem verlassenen Baumarkt!

Ein durch und durch toller Musicalabend in den Wühlmäusen! Witzige, charmante und manchmal auch rotzfreche, nur zu ehrliche Songs, toll vorgetragen. Alle Sänger sind sehr gut, die Texte witzig, passend, aktuell und manchmal auch nachdenklich.

Alle, ob der strippende Hans Dampf in allen Gassen oder die zugeknöpfte Lady Cornelia, die am Ende wirklich vollkommen aus sich heraus geht – wirklich alle, haben sehr viel Spaß auf der Bühne und lassen Power und Enthusiasmus auch ins Publikum schwappen. Unbedingt mit der besten Freundin oder dem Werkzeug-verrückten Ehemann anschauen! Noch bis zum 23. August!

Die Heimwerkerkurse für Frauen gibt es übrigens tatsächlich und zwar hier: Bauhaus