Arnulf Rating – Akut – BKA Theater

Ich habe Arnulf Rating nun bereits einige Male erlebt, allerdings hatte er immer die Gastgeberfunktion, so zum Beispiel beim Politischen Aschermittwoch 2016 im Tempodrom oder beim Blauen Montag in den Wühlmäusen. Am vergangenen Wochenende habe ich zum ersten Mal sein neues Soloprogramm „Akut“ gesehen, bei dem er allein, aber zusammen mit Schwester Hedwig und Hausmeister Kallkowski auftritt.

Arnulf Rating
RATING AKUT

Der große Mann mit den roten Schuhen ist der Herr der Schlagzeilen. Immer im Gepäck: ein Stapel Zeitungen, aktuelle und ältere, die Süddeutsche, die FAZ, die Welt, aber auch die mit den nackten Mädels. Und mit den Schlagzeilen der Zeitungen springt er behände von einem aktuellen Thema zum anderen, von Flüchtlingskrise zu Mutter Merkel zu Boateng. So schnell, dass man manchmal noch lacht, wenn schon längst die nächste Schlagzeile ins Rampenlicht gerückt wird. Schwester Hedwig versucht die Wogen mit medizinischer Hilfe zu glätten und Hausmeister Kallkowski hat ganz andere Probleme. Immerhin braucht er, um seine magere Rente auszubessern, einen 400-Euro Job und soll nun im BKA-Theater Feldbetten installieren. Wer braucht schon Kleinkunst?

Herr Rating schlägt zumindest noch Zeit bis 22:30 Uhr heraus, um sein Programm zu Ende bringen zu können. Fies und aktuell, blitzschnell und intelligent. Arnulf Rating fordert sein Publikum mit einem Kabarettschnellfeuer. Sehr zu empfehlen!

Im BKA Theater war Herr Rating nur am Sonntag, nun ist er auf Tour, bzw. bald auch wieder in den Wühlmäusen zu erleben! Trotzdem lohnt sich ein Blick ins Programm des BKA, vor allem auf „Wildes Berlin“ bin ich schon sehr gespannt!

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Der Helle Wahnsinn – Artistical – Wintergarten Varieté

Eigentlich neige ich nicht dazu, mir Shows oder Theaterstücke zweimal oder gar mehrmals anzuschauen. Aber beim Artistical „Der Helle Wahnsinn“ im Wintergarten Varieté habe ich mal eine Ausnahme gemacht. Die Show hatte mich im Sommer 2014 derart begeistert, dass ich gar nicht anders konnte, als noch einmal zu schauen, ob es so gut wie in meiner Erinnerung ist. Ich wurde erneut vollkommen überzeugt und in den Bann dieser grandiosen Produktion geschlagen.

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Mandi Orozco, Picture by R.Pater

Dabei fing die Show mit einem Schock für mich an! Somalso, der Charakter, der von der von mir sehr bewunderten Sarah Bowden gespielt wurde, war nun mit einer fremden Dame mit prachtvollem langen, dunklen Haar besetzt! Ich war schon bereit, sie einfach aus Prinzip nicht zu mögen, aber dann hat sie gesungen und… Sigalit Feig hat eine ganz großartige soulig-volle Stimme und übernimmt den Part mit Bravour! Auch bei der weißen Josephine gab es eine Veränderung, sie wird jetzt von der zuckersüßen Mandi Orozco gespielt, die perfekt die anhängliche Exhibitionistin gibt und engelsgleich über der Bühne in der Luft schwebt oder teuflisch-sexy mit David Pereira performt.

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Jack Woodhead, Picture by R. Pater

Nach wie vor ist die Geschichte des Herbert Maria Freiherr von Heymann alias Jack Woodhead, der wegen Homosexualität zunächst im KZ und dann in der Irrenanstalt landet, etwas ganz Besonderes. Sie vereint auf leichtfüßige Art und Weise eine der dunkelsten Stunden der Deutschen Geschichte mit Musik, Tanz, Artistik, Liebe und Schönheit. Die wunderbar treffenden Songtexte, poetisch und nachdenklich, werden mal sanft, mal rockig, vorgetragen von Jack Woodhead, Robin Poell, Sigalit Feig und Terezie Kovalova (vertritt Ashia Grzesik). 

Unbestrittener Mittelpunkt der Show war, ist und bleibt David Pereira, dessen Körper zu schier unglaublichen Bewegungen fähig ist und der alles lockerleicht und anmutig aussehen lässt, was die meisten anderen Menschen wohl niemals hinbekommen werden.

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Collins Brothers, Picture by R. Pater

Den Gegenpol zu den verträumten Artistikstücken bieten dann die Collins Brothers mit ihren Slapstick Nummern, die nichtsdestotrotz ebenfalls sehr artistisch daherkommen. Insgesamt ein Gesamtkunstwerk aus wunderbar zueinander passenden Künstlern, die alle für sich sehenswert und besonders sind, aber zusammen noch mehr glänzen. Dazu die Geschichte, die Bühnenausstattung, die Musik , unvergleichliche Charaktere wie Jack Woodhead, Rummelsnuff und Matt Voodoo und heraus kommt die unbestreitbare sehenswerteste und außergewöhnlichste Show Berlins.
 

Unbedingt anschauen! Zur Zeit mit einem leckeren Gourmet Spezial buchbar. Überhaupt lohnt sich ein Blick ins aktuelle Programm des Wintergarten Varieté wieder mal sehr!

Weitere Infos, Showzeiten und Tickets: Wintergarten Varieté Berlin

 

The Trip – David Pereira and Guests – Wintergarten Varieté

The Trip – David Pereira and Guests

Der Star des Wintergarten Varieté, David Pereira, der zur Zeit in „Der helle Wahnsinn“ brilliert und auch davor schon mehrmals in erfolgreichen Shows zu sehen war, hat nun seine eigene Late Night Show:“The Trip“.

The Trip ist als Format eigentlich nicht neu, es gab die Show schon einige Male, immer mit David Pereira und sexy Sidekick Jack Woodhead. Jetzt ist das Showformat allerdings in den späten Abend gerückt und frivoler und heißer als jemals zuvor! Mitwirkende der aktuellen Show, aber auch nigelnagelneue Künstlerentdeckungen geben sich die Ehre. Besonders gefreut habe ich mich, dass David Pereira neben seinen Klassikern (dem Einkaufswagentanz und seinem Rocky-Act) auch eine grandiose neue Performance mit Mandi Orozco, der weißen Josephine aus dem hellen Wahnsinn.

Für die Musik sind dieses Mal neben Jack Woodhead Matt Voodoo und Ashia Grzesik, sowie Nina de Lianin.

Die Artisten des Abends sind, wie gewohnt im Wintergarten Varieté, ausnehmend gut, besonders gut gefallen hat mir das Duo Sienna (Sina Brunner und Vienna Holz), die ich bereits vor einigen Wochen bei der Off Night im Chamäleon Theater sehr bewundert habe. Sie machen sich ihr sehr ähnliches Aussehen zunutze und haben ein artistisch hervorragendes Programm zusammengestellt, bei dem sie ihre Bewegungen am Aerial Hoop quasi spiegeln. Sehr, sehr sehenswert! Sie sind auch bei der Absolventenshow 2016 dabei, die am 19.07.2016 im Wintergarten stattfindet, die sollte man auf keinen Fall verpassen! Die Absolventen der Staatlichen Artistenschule Berlin stellten bereits im letzten Jahr eine großartige Show auf die Beine und ich habe keinen Zweifel, in diesem Jahr wird es sicher mindestens genauso gut!

Bronwen Pattison, Oscar Kaufmann und Masha Terentieva rundeten das Artistikprogramm ab, das dieses Mal ein wenig reifen- bzw. ringlastig war. Bronwen zeigte ihr Können am Aerial Hoop, Oscar blieb am Boden, zumindest teilweise, in einem Cyr Wheel und Masha zeigte raubtierhafte Hula-Hoop Kunststücke.

Insgesamt wieder eine großartige, sehr sehenswerte Show mit tollen Künstlern, die einzeln glänzen und zusammen funkeln! David Pereira und Jack Woodhead sind immer witzige und glamouröse Gastgeber, die ganz bsondere Gäste an einem Abend zusammenbringen. Wer bei ihnen auftritt, dessen Namen sollte man sich merken.

 

 

 

 

 

Jewels – Staatsballett Berlin – Deutsche Oper

Ein hell beleuchtetes Schaufenster an einem New Yorker Winterabend soll es gewesen sein, das den berühmten Choreographen George Balanchine auf die Idee des abendfüllenden Balletts „Jewels“ brachte.

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Jewels © Carlos Quezada

Die von dem spanischen Modeschöpfer Lorenzo Caprile für das Staatsballett Berlin entworfenen Kostüme glitzern und glänzen wunderbar, wenn die Tänzerinnen und Tänzer im ersten Teil als Smaragde über die Bühne schweben. Die Eleganz und Anmut Frankreichs soll hier wiedergespiegelt werden und das gelingt auch ganz großartig. Einstudiert wurde der erste Teil von Ben Huys, für die Bühnenausstattung wurde Pepe Leal gewonnen und die Musik ist von Gabriel Fauré.

Ich würde mich selbst wirklich nicht als Ballettkennerin bezeichnen, eher im Gegenteil. Als ich vor einigen Jahren anfing, die Kulturszene von Berlin intensiv zu erkunden, waren die Tanzveranstaltungen immer das, wovor ich wegen albernen Vorurteilen beinahe Angst hatte. Erst nach und nach habe ich mich an ganz unterschiedliche Performances herangetraut und habe herausgefunden, was mir gefällt und was nicht. „Jewels“ habe ich vor einer Weile bereits im Kino gesehen, eine Übertragung aus St. Petersburg, es tanzte das Bolschoi Ballett. Das keine Geschichte erzählt, sondern nur in Bildern gesprochen wird, gefiel mir besonders und ich war begeistert, diesen Abend, vom wundervollen Staatsballett Berlin getanzt, nun auch live erleben zu können.

Die Rubine, wild, ungewöhnlich, der amerikanische Geist, sind vielleicht mein liebster Teil des Balletts. Die schnellen, flinken und feurigen Passagen werden vor allem von Solotänzerin Iana Salenko getanzt und ich glaube, man kann auf diesen Bilder ein wenig erahnen, wie wundervoll und vor allem auch lustig dieser Teil des Abends ist. Die spritzige Musik ist von Igor Strawinsky. (Einstudierung Patricia Neary)

Zum Schluß funkelten dann die Diamanten auf der Bühne, zur Musik von Peter Tschaikowsky. Nach der fröhlich-feschen roten Runde glänzen die Diamante ruhig und geheimnisvoll. (Einstudierung Sandra Jennings) Insgesamt ein wunderbarer und sehr sehenswerter Ballettabend für Liebhaber, Kenner und Neulinge wie mich! Der Applaus ist Zeugnis davon, mehrmals öffnet sich der Vorhang für die strahlenden Tänzerinnen und Tänzer, die so harte Arbeit so locker-leicht wirken lassen.

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Jewels © Carlos Quezada

„Jewels“ kann man 2016 noch fünfmal sehen, 29. Mai, 10. und 19. Juni, 14. und 29. Dezember. Karten bekommt man im Webshop der Staatsoper im Schillertheater oder bei der Deutschen Oper.