Prime Time Theater – GWSW – Folge 104

Folge 104 – Alle allein zu Haus

Bereits zum 104. Mal öffnet sich der Vorhang für Kalle den Briefträger aka Oliver Tautorat, Theaterleiter und Gesicht, Herz und Seele des Prime Time Theaters. Er begrüßt jeden Gast mit Handschlag und wildem Vokuhila. Seine Ansprache (mit Süßigkeiten!!!) vor jeder neuen Folge gehört genauso fest zum Programm wie der brüllende Theaterhund im Vorspann.

Der kurze Film, der uns in bewährter Daily Soap Manier erklärt, was zuletzt geschah,offenbart mir eine grausige Wahrheit: da ich Folge 103 verpasst habe, habe ich die spektakuläre Verhaftung des gestrengen Uckermarker Predigers Vati verpasst! Aber ich bin nicht lange traurig, Julia Franzke als Prenzlwichserin Lore, die ihren kleinlauten Mann Volker mit ihren Eigenurin-Buchplänen quält, ist einfach zu witzig! Überhaupt gibt es wieder ein Feuerwerk an neuen Ideen, an witzigen Verwicklungen und Entwicklungen. Lieblingscharakter Ratte (Cynthia Buchheim) macht sich bereit, ein Studium in Istanbul aufzunehmen, Boyfriend Aggro Andy ist natürlich… aggro deswegen. Supercheerleaderin B ist auf Welttournee, ihre Mama, Jutta von Da, frisst sich prompt Kummerspeck an.

Ich habe es schon so oft gesagt und kann es nur immer wieder sagen: Gutes Wedding, Schlechtes Wedding ist ein absolutes Must-See! Witzig, spitz, aber doch immer liebevoll mit den Berliner Urtypen, die irgendwie jeder kennt. Die Schauspieler sind mit Herz und Seele dabei, das merkt man in jeder Minute, in jeder Folge.

Außer GWSW gibt es zur Zeit übrigens auch „Drei Engel für Wedding“: Eine Mischung aus „Drei Engel für Charly“, „Die Frauen von Stepford“ und „Illuminati“. Mehr Infos und Karten gibt es hier.

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Backbeat – Eine Beatles-Geschichte – Theater am Kudamm

Vor ihrem rasanten und unvergleichlichen Aufstieg zu einer der bekanntesten und erfolgreichsten Bands aller Zeiten, waren sie vor allem eins: arm und erfolgshungrig. Die fünf jungen Männer, die Jahre später als „The Beatles“ zu Weltruhm kommen sollten und Mädchenscharen auf der ganzen Welt zu nie dagewesenen Kreischkonzerten animieren würden.

1960 sind sie einfach eine mäßig erfolgreiche Covergruppe in Liverpool, England. John Lennon (Frederic Böhle), Paul McCartney (Philip Spreen), George Harrison (Florian Clyde) und Pete Best (Yannik Meyer). Blutjung und naiv-enthusiastisch träumen sie von Starruhm. Johns bester Freund Stu (Stuart) Sutcliffe ist kein Musiker sondern Maler, aber gerade, als er seine ersten Werke verkauft, überredet ihn John als Bassist in die Band einzusteigen und mit ihnen nach Hamburg zu gehen. Der großartige Gig, mit dem man sie dorthin gelockt hat, entpuppt sich allerdings als unterbezahlter Knochenjob in einem schmierigen Bordell auf St. Pauli. Statt Starruhm gibt es Doppelstockbetten und tägliche, stundenlange Auftritte.

Trotz der miesen Umstände bleibt noch Zeit für Spaß, Bier und erste Erfahrungen mit den deutschen Mädels. Während die anderen Jungs sich fröhlich die Hörner abstoßen, verliebt sich Stu ernsthaft und leidenschaftlich in die junge Fotografin Astrid (Uta Krüger). Ihre Bilder von der Gruppe und ihre Idee zur bekannten „Pilzkopffrisur“ formen das später weltberühmte Image der Beatles.

Großartig, mitreißend, glaubhaft und ungemein authentisch wird zur Zeit der Beginn der Karriere der Beatles und das kurze Leben des Stuart Sutcliffe auf der Bühne des Theater am Kudamm gezeigt. Tolle Schauspieler, jeder einzelne wunderbar passend besetzt, vor allem David Nádvornik als Stuart Sutcliffe. Man fühlt sich direkt ins Jahr 1960 zurückversetzt und kann ihre Lebensfreude, ihre Liebe zur Musik und ihren unbändigen Willen berühmt zu werden quasi hautnah fühlen. Dazu eine romantische Liebesgeschichte und die sehr gute Livemusik – fertig ist ein rundherum perfekter Musiktheater-Abend, der die Zuschauer tatsächlich von den Stühlen reißt!

Sehr zu empfehlen vor allem auch für junge Zuschauer, da die alberne, die fröhliche und chaotische Seite der jungen Beatles, lange vor straffem Management und erdrückendem Weltruhm, aktuell und zu Herzen gehend gezeigt wird.

Zu sehen, zu hören und zu erleben ist „Backbeat“ noch bis zum 31.07. im Theater am Kudamm, Karten gibt es hier.

Beethoven – The Next Level

Nach „Breaking Mozart“ im Wintergarten Varieté und „Der Schauspieldirektor“ in der Orangerie des Schloss Charlottenburg ist „Beethoven – The Next Level“ nun das dritte Projekt von Christoph Hagel, dass ich mir angeschaut habe. Christoph Hagel, der Crossover-King, bringt zusammen, was eigentlich nicht zusammen gehört und erschafft damit ganz neue Welten.

Bei Breaking Mozart eine wilde Varietéshow mit Breakdance, Artistik und klassischer Musik. Beim Schauspieldirektor trifft Auswahlshow a lá Germanys Next… auf Opernmelodien. Und nun, als neusten Streich, kann man im Huxleys an der Hasenheide Tanz in ganz unterschiedlichen Formen zu Beethovens Meisterwerken bewundern.

Tänzer und Choreograph Khaled Chaabi gibt den Beethoven, während Christoph Hagel selbst am Klavier sitzt. Dazu die klassische Ballerina Yui Kawaguchi und die Tänzer der B-Town Allstars und heraus kommt eine großartige, sehr abwechslungsreiche Tanzshow, bei der aus vielen unterschiedlichen Talenten ein grandioses Ganzes entsteht. Alle auftretenden Tänzer sind in ganz unterschiedlichen Tanzstilen zuhause und daher perfekt darin, Klassik und Moderne zusammenzubringen. In ihren Biografien findet sich neben Capoeira, Hip-Hop und Bauchtanz sogar philippinischer Folkloretanz. Wenn als Zugabe nochmal alle ein kurzes Schmankerl ihres ganz individuellen Könnens zeigen, dann kann man das auch noch einmal sehr deutlich erkennen.

Vor der bald beginnenden Tour von „Beethoven – The Next Level“ kann man die Truppe an einem einzigen Termin, am 11.06., nochmal in Berlin erleben. Nicht verpassen! Sehr sehenswert!

Weitere Informationen und Tickets hier.

Vielfältigkeit. Formen von Stille und Leere.

Vielfältigkeit. Formen von Stille und Leere. Eine Hommage von Erfolgschoreograph Nacho Duato an Johann Sebastian Bach, getanzt vom Staatsballett Berlin, in der Komischen Oper Berlin.

Vielfältigkeit – der Name ist Programm. Nicht nur die Vielfältigkeit der Musik Bachs, sondern auch die Vielfältigkeit des Tanzes und der Tänzer wird hier gefeiert. Fröhlich, spritzig, wild und mitreißend zeigt sich das im ersten Teil. Wenn die Musik verschmitzt trällert oder sanft und melodisch tanzt, dann tun die Körper auf der Bühne ihr das gleich. Auch der Humor kommt nicht zu kurz, wenn die Tänzer sich duellieren oder sich ein sportliches Rennen liefern.

Im zweiten Teil wird die Musik tragischer, der Tanz getragener, der Tod taucht auf und quält Bach. Auch jetzt ist die Vielfalt der Darstellungen von Trauer, Schmerz und Verlust groß. Herzzerreissend und tief berührend, der Tanz des Tod in Maske und wallendem schwarzen Rock.

Insgesamt ein großartig abwechslungsreicher Ballettabend mit zeitloser Musik und wunderschönen Bildern, die noch lange nachhallen. Sehr sehenswert. Minutenlanger Applaus und ein sich immer wieder öffnender Vorhang geben mir da Recht.

Wer möchte, hat am 13.06. um 19:30 Uhr wieder die Chance, dieses wunderbare Ballett zu erleben. Weitere Informationen und die Karten gibt es hier.