Jottweedee oder doch: Sommer in Berlin – eßkultur – Museum Dahlem

Vor einer Weile war ich zum ersten (und sicher nicht zum letzten) Mal bei einer Veranstaltung von eßkultur. Durch Zufall war ich auf die Veranstaltung „Jottweedee oder doch: Sommer in Berlin“ im Restaurant des Museums Dahlem gestoßen, die Literatur über Berlin und Berliner Küche verbinden wollte. Eine interessante Idee, meine Neugier war geweckt, ich machte mich auf nach Dahlem.

13882589_10208236259682315_734579850244014874_nLeider war das Wetter nicht geeignet, um im idyllischen Museumsgarten zu speisen. Das Restaurant hat ein klein wenig Kantinenflair, aber die Tische waren wunderbar passend zum Abend dekoriert. Die Platzdeckchen bestanden aus historischen Berlinstadtplänen. In der Mitte des Tisches, als Tischläufer, konnte man den Berliner Wasserweg nachvollziehen, der in der ersten Geschichte des Abends die Hauptrolle spielen würde.

Die Erfinderin und Gründerin von eßkultur sowie Moderatorin des Abends, Birgitt Claus, eröffnete mit einigen launigen Worten und einer kurzen Vorstellung des Abendprogramms. Die meisten der anwesenden Gäste kannten sich offensichtlich, kannten auch die Organisatorin Frau Claus bereits. Neben Abenden wie diesem veranstaltet eßkultur auch Radtouren, Reisen nach Italien und Kochkurse: Viele der Gäste des Abends sind bereits lange treue Fans. Die erste kurze Lesung ist ein verhältnismäßig neue Geschichte über eine Bootstour durch Berlin, mit lustigen und interessanten kleinen Berlinhäppchen. Dann gab es auch für die Gäste Berlinhäppchen. 13876322_10208236261322356_315679993318342000_nDie mehr als reichhaltige Vorspeise bestand aus einigen der wenigen Dinge, für die die Berliner sich verantwortlich zeichnen dürfen. Die berühmte Currywurst durfte nicht fehlen, dazu gab es Süßkartoffelpommes, außerdem Soleier, saure Gurken und frisches Brot.

Danach geht es weiter in die Vergangenheit, mit Texten von Fontane, wer würde auch besser passen. Wir ziehen mit Effi Briest nach Berlin, dem geht natürlich eine aufreibende Wohnungssuche voraus, genau wie es heute auch ist. Und mit Melusine machen wir einen Ausflug zum Eierhäuschen, dem bekannten Ausflugslokal am Rande des Plänterwalds. Schauspieler Paul Sonderegger liest ganz wunderbar, mit genau dem richtigen Augenzwinkern. Nach einem leckeren Erbsensüppchen folgt als Hauptgang eine Fischbulette mit Schmorgurkengemüse und Kartoffelstampf. Für Vegetarier oder Fischverneiner wie mich gab es Tofu in Parika, überraschend lecker!

Nach einer letzten Geschichte folgt als krönender Abschluß Rote Grütze mit Vanilleschmand. Ein rundherum wunderbarer Abend mit einem sehr leckeren und abwechslungsreichen Menü sowie netter Unterhaltung. Die Geschichten waren perfekt ausgewählt und ergaben einen wunderbar runden Berlinabend. Das Ziel von eßkultur, Essen und Kultur genussvoll zu verbinden, ist an diesem Abend auf jeden Fall vorbildlich erreicht worden. Überhaupt klingen alle kommenden Veranstaltungen sehr interessant, ein Blick auf die Webseite und den Veranstaltungskalender lohnt sich allemal. 13669078_10208236262042374_7526028784487799223_nAm 12. August gibt es, wieder im Museum Dahlem, zum Beispiel einen Literaturabend zu Jan Weilers Roman „Maria, ihm schmeckts nicht“, mit passendem italienischen Menü, das klingt grandios, wie ich finde!

 

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Tanz der Vampire – Theater des Westens

Schneeumtoste Berge, ein kleiner Gasthof mitten in der Einöde von Transsylvanien. Die Einwohner eines kleinen Bergortes bereiten sich auf eine weitere gefährliche Winternacht vor. Angst haben sie nicht nur vor der bitteren Kälte, sondern vor allem vor dem, was im  nahe gelegenen Schloss lauert: Graf von Krolock und seine untoten Untertanen. Man macht sich mit haufenweise Knoblauch unattraktiv für die Blutsauger, die schöne Wirtstochter Sarah (Veronica Appeddu) wird gar in ihr Zimmer eingesperrt. webimage-575E020A-CF2B-4EBF-B775BB2523CDEC5F

Zwei Fremde nähern sich derweil dem Bergdorf, es sind der berühmte (oder berüchtigte) Professor Abronsius (Victor Petersen) und sein ängstlicher junger Assisstent Alfred (Tom van der Ven). Die beiden sind auf Jagd nach den sagenumwobenen Vampiren, von denen die Gegend nur so strotzen soll. Kaum im Gasthof angekommen und leidlich aufgetaut, verliebt sich Alfred schon unsterblich in Sarah. Szenenmotive-TDV3-TDW-10-525x362(1)Leider steht ihre aufkeimende Romanze unter keinem guten Stern, denn schon längst hat Graf von Krolock (Jan Amman) seine blutgierigen Augen auf die junge Schönheit geworfen. Und sie, die sie immer eingesperrt war, sieht ihn als Abenteuer, als Freiheit und Rebellion, kann seiner dunklen Ausstrahlung nicht widerstehen. So macht sie sich, entgegen aller Warnungen, auf zum Schloss des Grafen und der Professor und der liebestolle Alfred eilen hinterher, um sie zu retten und den Grafen zu töten!

Ob das arme Bergdorf, das prächtige Schloss oder der unheimliche Friedhof auf dem die Vampirschar tanzt, alle Bühnenaufbauten sind wirklich grandios und lassen den Zuschauer tief in die unheimliche Vampirmär eintauchen. Die Vampire sind mal artistisch, mal altmodisch-düster und dann wieder Rocky Horror-Fetischschrill. Tolle Stimmen bei allen Beteiligten, allen voran natürlich der unheimlich verführerische Graf von Krolock. Der derbe Humor der Bergbauern und die zarte Romanze von Sarah und Alfred, alles zusammen ergibt einen wunderbaren Musicalabend. Als Zuschauer ist man mittendrin, da die Schauspieler immer wieder auch im Saal auftauchen. Einziges Manko war für mich das sehr abrupte Ende, irgendwie erwartet man noch eine Erklärung oder eine Art Abschluss.

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Mehr Information zum Musical und Tickets gibt es hier!

All Night Long – Die Soul Varieté Show – Wintergarten Varieté Berlin

Ganz wie eine grazile Southern Belle schwebt Francoise Rochais auf die Bühne. Mit ihrem weißen Spitzenschirmchen setzt sie sich allerdings nicht auf die Veranda, um Eistee zu nippen, nein, sie wirbelt ihn gekonnt durch die Luft. Und dann auch noch diverse andere Gegenstände, immer im Takt mit der wunderbaren Musik von Ray Charles (Georgia on my Mind) und Tina Turner (Proud Mary). Mit viel Charme und einem koketten Lächeln tanzt Madame Rochais und jongliert gleichzeitig in halsbrecherischer Geschwindigkeit und legt damit das Tempo und das Können vor, dass sich den ganzen Abend lang zeigen wird, in jeder Artistiknummer und jedem Musikstück.

Mit All Night Long ist dem Wintergarten Varieté mal wieder ein ganz großer Wurf gelungen, wer die Show (so wie ich) 2014 verpasst hat und auch die Open Air Aufführung in der Wuhlheide, der sollte sich jetzt ranhalten, nur noch bis zum 28. August ist diese tolle Show im Wintergarten Berlin zu erleben!

Der Abend ist bis oben hin angefüllt mit großartiger Musik und wird von den Sängern Colin Rich, Della Miles und Rian Es wunderbar präsentiert. Ein Gänsehautmoment jagt den nächsten. Und wenn Colin Rich vor einem purpurnen Regen im Hintergrund seine Version von Prince‘ Purple Rain singt, dann hat ganz sicher mindestens die Hälte des Publikums einen dicken Kloß im Hals.

Musik und Artistik sind bis ins letzte Detail ineinander verwoben, Klang und Körper unterstützen und erheben einander. Ein wunderbares Fest für Augen und Ohren! Ob die engelzarte Lea Hinz, die sowohl in der Luft als auch am Boden schwerelos tanzt oder die fröhlichen Addis Brothers, die in unglaublich rasantem Tempo agieren, alles ist sehr sehenswert. Nach jedem Stück denkt man, das war jetzt der Höhepunkt, da kann jetzt nichts mehr folgen, was einem ebenso gut gefällt, aber dann wird man doch wieder eines bessseren belehrt!

Nach der Pause kommt dann, von vielen im Publikum sehnlich erwartet, die Diva Ikenna hereingeschwebt. Zarte Wespentaille, grandiose Robe – Berliner Schnauze. Eigentlich müsste man einen Mann hassen, der als Whitney Houston derart gut aussieht und dann auch noch so eine fabelhafte Stimme hat. Aber Charme und Witz und natürlich ihre Stimme nehmen einen trotzdem sofort für sie ein.

Kraftpaket Léonie Pilote überzeugt am Vertikal Pole, das Duo Anivia verzaubert mit liebevoller Leichtigkeit, ebenfalls in luftigen Höhen, an der Luft-Perche. Monsieur Chapeau ist der Clown des Abends. Etwas verloren wirkend stolpert er auf die Bühne, nur um dann auf einer sehr wackelig wirkenden Konstruktion aus Koffern und Blechdosen gekonnt zu balancieren. Yenenhe Tesfaye wäre eine große Hilfe beim Fensterputzen – seine Leiter braucht keine festen Stand. Und Abrham Dereje Woldehawaryat lässt Michael Jackson vor unseren Augen auferstehen, zumindest was den Tanz angeht. So gut mit Bouncing Balls umgehen konnte der King of Pop wahrscheinlich nicht.

Ein insgesamt großartiger Abend, der mich mit Soulklassikern auf den Lippen nach Hause schweben ließ, um dort meine alten Michael Jackson und Nina Simone Alben herauszukramen. Wunderbar sommerliche Unterhaltung, zum Staunen, zum Schwärmen, zum Mitsingen. Tickets bekommt ihr hier. Ein Blick auf die kommenden Spotlight Shows im Wintergarten lohnt sich sehr, hier. Und ab dem 7. September gibt es dann die neue Show: Relax – 80’s Hits & Acrobatics. Ich bin schon sehr gespannt!

Alle Bilder ©Wintergarten Varieté Berlin

Les Ballets Trockadero de Monte Carlo – Komische Oper Berlin

swan_lake_2008-2Zugegeben – als Balletttänzer hat man es nicht leicht. Man schleppt ständig elfengleiche Tänzerinnen herum, hält sie elegant in die Luft, wirbelt sie herum. Ab und zu bekommt man zwar einen Solopart, aber eigentlich sind doch die Tänzerinnen die Hauptpersonen und der Hauptaugenfang im klassischen Ballett. Irgendwie denkt man als Zuschauer, denkt man an Ballett, auch eher an zarte, kleine weibliche Wesen, die mit scheinbarer Mühelosigkeit ihren Körper weit über das menschlich Mögliche hinaus biegen und formen.

imagesNicht so bei den „Trocks“! Hier gibt es nur Männer und sie tanzen alle Parts der klassischen Ballettstücke, die sie im Repertoire haben. Ob Swan Lake, Giselle oder den Nussknacker, hier wird bewiesen, dass auch Männer elfengleich schweben können. Dass auch sie die Schwerkraft Lüge strafen und auf den Spitzen tanzen können.

Natürlich gehen sie die Sache mit Humor an. Manchmal, ganz ansatzlos und überraschend, fällt ein Tänzer aus der Formation und krachend auf die Nase. Oder jemand holt eine Banane hervor und kaut genüsslich, die stark geschminkten Wimpern unschuldig und neugierig weit aufgerissen. Aber eigentlich sind hier absolute Tanzprofis am Werk und das sieht man bei jedem Schritt, bei jeder Drehung und bei jedem Sprung. Die Wirkung der breiten Schultern in eleganten Spitzenkleidchen sollte albern sein, aber durch ihr grandioses Können gewöhnt man sich rasch daran und es irritiert schnell gar nicht mehr, ganz im Gegenteil. Hier wird Ballett nicht veralbert oder gar in den Schmutz gezogen, nein, es wird liebevoll geneckt und doch spektakulär dargeboten. bosdyingswan

Weder eingefleischte Balletfans noch Leute, die Ballett bisher als zu bierernst oder gar langweilig abgetan haben, kommen hier zu kurz. Es ist lustig, es ist atemberaubend schwere Arbeit mit einem betörenden Lächeln dargeboten. Nicht einer der Zuschauer hat die ausverkaufte Komische Oper an diesem Abend ohne ein Lächeln auf dem Gesicht verlassen!

Die Trocks sind noch einige Tage in Berlin, Tickets gibt es hier. Mehr über die männlichen Ballettdiven erfährt man hier. Und die Tourdaten gibt es hier.

 

 

Luci Mie Traditrici – Staatsoper im Schillertheater – Oper in zwei Akten

Tim Burton! Das war mein erster Eindruck nach den ersten Minuten „Luci mie Traditrici“. Die wild-ungezähmte drapierte Haarpracht der Hausherrin La Malaspina (Katharina Kammerloher) zu ihrer theatralischen violetten Robe, die silbergesträhnte Bohemian-Mähne ihres Gatten Il Malaspina (Otto Katzameier). Sweeney Todd und Helena Bonham Carter erschienen vor meinem inneren Auge. Passend zum düsteren Thema dieser Oper in zwei Akten ist der Vergleich allemal. luci_ohp_mb0463

Es werden keine Namen genannt, in diesem Kammerspiel mit nur vier Personen. Der Dorne, die Dorne, ein Gast und ein Servierer. Das sind die Namen. Aber das Geschehen auf der Bühne beruht auf einer wahren Begebenheit und Personen, die tatsächlich gelebt haben. Im Jahre 1590 ermordete der Fürst von Venosa, Carlo Gesualdo, seine Ehefrau und deren Geliebten. Er hatte ihnen eine perfide Falle gestellt und sie in flagranti im ehelichen Gemach erwischt. Zeitzeugenberichte erzählen von einem besonders grausigen Verbrechen. Belangt wurde Carlo Gesualdo jedoch nie, fiel seine Tat doch unter die Kategorie Ehrenmord. Seine Schuld spiegelte sich allerdings in seinen musikalischen Werken wider. Mehr als hundert kirchliche Madrigale und weitere geistliche Werke hinterließ der Komponist, der gegen Ende seines Lebens immer tiefer in Depressionen versank.

Auf der Bühne der Staatsoper im Schillertheater wird dieser Kriminalfall nun in sehr spezieller Form gespielt. Salvatore Sciarrino, berühmt dafür, sich vor allem für Obertöne und die „Farbe“ der Klänge zu interessieren, fordert dem Orchester einiges ab. Statt der üblichen Töne entlocken sie ihren Instrumenten Klappern und Pfeifen, es klingt ein wenig, als würden die Musiker ihre Instrumente stimmen oder reinigen. Auf merkwürdige Art und Weise passt das aber wunderbar zum Stück und unterstreicht die unheimliche Stimmung, das dräuende Unheil, die verzweifelt-selbstzerstörerische Liebe von Il Malaspina zu seiner Frau.

luci_ohp_mb0610Während Il Malaspina seiner Frau nicht viel mehr als eine kühl gereckte Augenbraue abringt, ist L’Ospite (Lena Haselmann), der Gast, der Liebhaber, kühn und verführerisch. Bei ihm wird die stolze Hausherrin zum Backfisch, kann unmöglich widerstehen. Der eifersüchtige Diener, Un Servo (Christian Oldenburg), sieht das gar nicht gern, böse murmelnd strauchelt er meist durch den Hintergrund oder am Rand entlang und sorgt für heitere Momente, aber auch für das unausweichlich böse Ende.

Ein sehr spezieller Abend, der mir persönlich sehr gut gefallen hat. Wer bei italienischer Oper vor allem an Verdi oder Puccini denkt und gerne auf dem Heimweg Opernjuwelen wie Nessun Dorma schmettert, der wird hier umdenken müssen oder vielleicht gar enttäuscht sein. Denn während alle Sängerstimmen wirklich tadellos sind, so wiederholen sie sich doch oft, es klingt oft abgehackt, kurz aufflackernd, temperamentvoll, dann wieder wird es ganz still. Beeindruckend, aber nicht unbedingt schmeichelnd oder massentauglich.

Ich habe die letzte Vorstellung von Luci mie Traditrici in der Staatsoper gesehen, überhaupt das letzte Stück vor den Theatersommerferien. Aber im Herbst geht es wieder los, Tosca eröffnet die neue Saison. Tickets gibt es hier.

 

Der Sturm – Shakespeare Company Berlin

Nach „Der Kaufmann von Venedig“ und „Wie es euch gefällt“ war dies bisher das dritte Stück der Shakespeare Company, das ich mir in diesem Sommer angeschaut habe. Alle Stücke gefielen mir ausnehmend gut, aber „Der Sturm“ ist eindeutig mein Liebling! Lustig, aber auch herzerweichend. Romantisch, aber auch düster.

Prospero (Michael Günther), aus Heimat und sozialer Stellung von seinem eigenen Bruder Antonio (Benjamin Plath) vertrieben, landete vor vielen Jahren auf der einsamen Insel der Hexe Sycorax. Mittlerweile ist die Hexe lange tot, deren Sohn Caliban (Daniel Schröder) wurde von Prospero unterworfen. Ariel (Yvonne Johna), der Luftgeist, vormals in Sycorax‘ Diensten, steht nun bei Prospero in der Schuld. Dieser wird mit Hilfe eines Zauberbuches ein immer mächtigerer und boshafterer Zauberer. Seine Tochter Miranda (Katharina Schenk) wächst jedoch behütet und umhätschelt auf, sie hat keine Ahnung, wer ihr Vater eigentlich ist und was er tut.

Alles ändert sich, als Luftgeist Ariel auf Geheiß Prosperos ein Schiff aus der königlichen Flotte aus Mailand kentern und versinken lässt. Mehrere Mitglieder des Mailänder Hofes, unter ihnen Prinz Ferdinand (Thilo Herrmann), stranden auf der Insel. Miranda, die niemals zuvor einen Mann gesehen hat, außer ihren eigenen Vater, verliebt sich sofort in den schneidigen Prinzen. Während um die beiden Liebenden herum die Welt rosarot versinkt, bringen Antonio, die Höflinge und die Schiffsbesatzung Intrigen und Ränkespiele auf die Insel. Eifrig versucht Prospero alles in seinem Sinne zu lenken. Ariel sehnt sich derweil nach Freiheit. Und Caliban dürstet es schon lange nach der Herrschaft über die Insel.

Unglaublich fantasievolle Kostüme entführen auf die Geisterinsel Shakespeares. Stimmungsvolle und wunderbar in das Stück eingewobene Musik, von den Schauspielern selbst performt, unterstützt die besondere Atmosphäre. Caliban äußert seine Wut zum Beispiel mit Hardrock auf der E-Gitarre – wie auch sonst. Die Schauspieler wechseln blitzschnell Kostüme und Rollen (sechs Schauspieler, fünfzehn Rollen!), das fällt aber kaum auf, weil jede einzelne Rolle jedem Schauspieler auf den Leib geschneidert zu sein scheint. Einfach ein ganz besonderes Stück von und mit einer ganz besonderen Schauspielertruppe. Sehr sehenswert. Die unglaublich schöne Naturkulisse im Naturpark Schöneberger Südgelände ist natürlich ein weiterer Pluspunkt.

Tickets für die kommenden Stücke der Shakespeare Company Berlin gibt es hier.

Bilder: © Elitza Nanova und © René Löffler

Daphne de Luxe – Extraportion

Wie eine rapunzelhaarige voluminöse Göttin, dahindrapiert auf ein güldenes Sofa, so präsentiert sich Daphne de Luxe bei ihrem Soloprogramm „Extraportion“ im BKA Theater am Mehringdamm. In einem grandiosen Walkürekleid mit enormen Dekolleté verzaubert die Komikerin vom ersten Moment an mit Charme, Selbstironie und feinsten Spitzen.

Sie erzählt aus ihrem Leben, von ihrer Familie und ihren Freundinnen, deren Stärken und Schwächen, Macken und Mäckchen. Freundin Birgit zum Beispiel, die hervorragende Planerin, die bei den Männern leider zu wählerisch ist. Daphne flattert leichtfüßig von Anekdote zu Anekdote, von Süßem zu Schlüpfrigen, bleibt aber zielsicher immer oberhalb der Gürtellinie. Niemals boshaft und immer bereit, über sich selbst zu lachen. Abgerundet wird der schöne Abend von Madame de Luxes Sangeskünsten, sie gibt Bekanntes und Beliebtes in vier verschiedenen Sprachen zum Besten, bei der Right Said Fred-Zugabe  feiert das Publikum im proppenvollen BKA Theater begeistert mit.

Insgesamt ein wunderbar komischer Abend, abwechslungsreich und frisch-frech. Ich glaube nicht, dass es am Ende des Abends einen einzigen Zuschauer gab, der nicht Daphnes Charme verfallen war. Sie ist einfach ungekünstelt und auf eine freche, trotzdem nette Art und Weise komisch, so das man immer mit ihr gemeinsam lacht. Man kann sie sich gut im Kreis einer fröhlichen Freundinnenschar lachend und lästernd vorstellen. Beim nächsten Programm bin ich auf jeden Fall wieder dabei!

Ein Blick in das BKA Programm lohnt sich grundsätzlich immer! Hier! Besonders freue ich mich auf „Wildes Berlin-Das tierische Hauptstadtmusical“, Premiere im September, mehr Infos hier!