Malakhov & Friends, Admiralspalast Berlin

Es gibt Momente im Leben, die machen in ihrer Perfektion sprachlos. Ein Sonnenaufgang über dem Meer zum Beispiel. Oder die ersten Schneeflocken des Jahres mitten in der Nacht. Oder der Moment, wenn man Lucia Lacarra und Marlon Dino zum ersten Mal tanzen sieht.

Am Wochenende fand die große Ballettgala „Malakhov & Friends“ im Admiralspalast statt. Viele, viele große Namen versammelten sich, um mit dem ehemaligen Intendanten und Ersten Solotänzer des Staatsballett Berlin auf der Bühne zu stehen. Ich selbst bin alles andere als ein Ballettkenner. Eigentlich hätte ich mich bis vor einer Weile nicht einmal als Ballett-Liebhaberin bezeichnet. Aber dann habe ich 2014 eine Kinoübertragung des Royal Ballets von „Das Wintermärchen“ gesehen und irgendwie ist da der Knoten geplatzt. Ich habe geheult wie ein Schlosshund! Es war unglaublich herzergreifend und danach habe ich dann immer öfter doch auch mal eine Ballettaufführung besucht, mal klassische Stücke, dann wieder moderne. Langsam aber sicher entwickelten sich Vorlieben. Und ich war wahnsinnig gespannt auf Malakhov & Friends. Gerade für Anfänger, wie mich, ist es ganz toll, auf diese Art und Weise ganz unterschiedliche Stile und Startänzer auf der Bühne zu sehen.

Und so war der Abend auch unglaublich abwechslungsreich und vielschichtig, ein Highlight jagte das nächste. Es gab witzige Szenen, so zum Beispiel der Auftakt von Mika Yoshioka und Galiotto Mattio (Béjart Ballett Lausanne) mit „Cinq préludes pour violoncelle“ von Béjart, in der ein Mann sein Cello liebt und die Frau kaum beachtet. Lázló Major und Daichi Uematsu zeigen grandios den Einklang von Körper, Bewegung und Licht, sowohl in „Soul“ und später auch Uematsu allein in „Inner“. Sehr modern und sehr körperbetont, wundervoll anzusehen.

Klassisches Ballett zeigen Denis Rodkin und Julia Stepanova (Bolschoi Ballet) mit Le Corsaire und MacBeth, vor allem Rodkin zeigt dabei unglaubliches Können sowie eine unheimlich einnehmende Bühnenpräsenz. Kein Wunder, dass er der Darling des Bolschoi ist! Wer ihn einmal sieht, vergisst ihn nicht wieder, das ist klar. Strahlende Sterne des Abends, abgesehen vom Gastgeber natürlich, sind aber eindeutig und mit weitem Vorsprung Lucia Lacarra und ihr Partner Marlon Dino, (zuletzt Bayrisches Staatsballett) die grandiose, atemlos machende Kunst zeigen. Blitzschnelle, absolut mühelos erscheinende Bewegungen, ein makelloser Fluss. Obwohl sie nur Trainingssachen tragen, strahlen sie heller und beeindruckender als wenn sie die schönsten Roben tragen würden. Nach der letzten Drehung herrscht zunächst kurzes Schweigen, ehe der donnernde Applaus losbricht.

Insgesamt ein atemlos machender Abend mit der Cremé de la Cremé der Tanzwelt. Die gut ausgesuchten Tanzstücke zeigen die Bandbreite und Vielfalt des Tanzes, sowie das unglaubliche Können der Tänzer. Der Meister selbst beendet den Abend mit „The Old Men and Me“, einem witzigen Stück über einen griesgrämigen Alten, der den Reizen der Schönen (Diana Vishneva) lange, aber nicht für immer widersteht. Langanhaltender Applaus für diesen wunderbaren Ballettabend. Es bleibt zu hoffen, das es bald wieder einen Malakhov & Friends Abend im Admiralspalast geben wird. Hoffnung hat er uns in seiner Abschlussrede allemal gemacht!

Demnächst gibt es im Admiralspalast erstmal „Sissi“ zu sehen, als Tanzstück von ExperiDance. Groß als Ungarische Tanzsensation angekündigt, ich bin schon sehr gespannt! Mehr Infos und Karten hier.

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Autor: Nicole Haarhoff

37, eigentlich Buchhändlerin, aber meist unterwegs ins Theater, ins Varieté, zu Shows oder Ausstellungen.

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