4. Vaudeville Variety Burlesque Revue – präsentiert von Sheila Wolf – Tipi am Kanzleramt

Frivol, witzig und satirisch, so erklärt Wikipedia Vaudeville Theater. Und genau so kann man ihn sich auch vorstellen, den Sonntagabend im Theaterzelt Tipi am Kanzleramt.

14355745_1188644661208143_655864291632623203_nDie berühmt-berüchtigt-bekannte Berliner Dragqueen Sheila Wolf hat bereits zum vierten Mal Künstler aus aller Welt zusammengerufen und eine bunte, schillernde und ganz besondere Show auf die Beine gestellt. Sie eröffnet den Abend mit einer sehr coolen Nummer, bei der sich Popeye der Seemann entblättert und aus einem frisch geköpften Fisch heraus geziert Sushi speist. Nach dieser Nummer war ich ziemlich überzeugt, nun wirklich alles gesehen zu haben. Aber im Laufe des Abends dachte ich das dann noch mehrmals.

Unser Reiseführer durch die Welt des Queerlesque war 14317473_1188646727874603_4417393424417197417_nReuben Kaye, ein Mann mit großer Ausstrahlung und großer Stimme. Er sang, flirtete, umgarnte und hatte das Publikum fest im Griff. Jeden der Performer stellte er mit viel Witz und Charme vor, außerdem war er natürlich ein Hingucker, auch wenn seine Kostüme vor einer Weile in London gestohlen wurden und er erst wieder eine komplette Garderobe zusammenstellen muss.

14355792_1188646264541316_6927416759240709323_nDer ganze Abend war ein buntes, wildes Potpourri der Vielfalt. Es gab Artistik von Bronwen Pattison, eine großartige Nummer, bei der eine betrunkene Dame von einer nervig brummenden Fliege um ihren Schlaf gebracht wird. Charly Voodoo zeigte moody Körperkunst, Molly Moonstone hat einen vollschlanken Klangkörper und eine rauchigvolle Stimme, mit der sie später eine sehr interessante Version von Hoziers „Take me to Church“ zum Besten gibt. Musik gibt es übrigens auch von Conchita 4711, dem Kölner Conchita Double. Reuben Kaye scheint ihr größter Fan zu sein, er stand mir während ihrer Performance gegenüber  und tanzte vollkommen beseelt.

Arran Shurvinton gibt den süßesten Nosferatu der Welt, Joe Black begeistert als hochhackige 14355136_1188647231207886_3727904754254855583_nDiva mit Soulstimme am Klavier. Sven Ratzke, der zur Zeit wieder als Starman Berlin mit seiner David Bowie Hommage verzaubert, gibt einen kleinen Einblick in seine Show. Ich habe sie beim Berliner Tourstart bereits gesehen und war begeistert. Eine grandiose Burlesque Show bietet Anna the Hulagan. Sie entblättert sich, während sie einen brennenden Hula-Reifen kreisen lässt! Unglaublich!

14322699_1188646607874615_3878506661557554451_nDas Team vom Kabarett der Namenlosen war komplett da und nahm die Bühne in Besitz. Man kann sie ab dem 17. im Ballhaus Berlin erleben, ich habe schon Karten und bin wahnsinnig gespannt, jetzt noch mehr als vorher!

Ebenfalls Kostproben einer aktuellen Show gab es von Paul A. Jackson, derzeit im Wintergarten Varieté in der Show „Relax“ zu sehen. Seine Licht-Laser-Musikshow ist sehr sehenswert und macht Lust auf mehr, ich werde die 80er Jahre Revue mit Jay Khan auf jeden Fall noch schauen müssen!

Alles in allem war der Abend toll, sehr abwechslungsreich, sowohl auf der Bühne als auch davor gab es einiges zu sehen. Das Publikum war dem Anlass entsprechend aufgehübscht und das trotz der wahnsinnigen Temperaturen! Im Vorraum konnte man auf einem kleinen Burlesque-Marktplatz noch Last Minute Verbesserungen für sein eigenes Outfit erstehen oder sich mit etwas Hübschen belohnen. Neben tollen Performern gab es außerdem noch eine Tombola mit großartigen Preisen (ich hatte leider kein Glück)  und einem ernstem Hintergrund: alle Einnahmen gingen an den Straßenfeger e.V.

Einziges Manko: es dauerte vier Stunden! Das ist einerseits natürlich großartig, man bekommt für sein Eintrittsgeld die volle Ladung Burlesque Revue! Aber anderseits, wenn man am Montag wieder arbeiten soll… Also, merke für das nächste Mal: frei nehmen! Und ansonsten: auf jeden Fall wieder dabei sein!

© Nicole Haarhoff, alle Bilder © Ma Aini somehow or other