Der Nussknacker – inszeniert von Nacho Duato – Deutsche Oper Berlin

In den Läden gibt es schon Lebkuchen und Spekulatius. Erste Geschenke für Weihnachten werden bereits gehortet und versteckt. Aber für mich hat es sich bisher noch gar nicht nach Herbst angefühlt, geschweige denn nach Vorfreude auf Weihnachten. Schließlich waren vor einigen wenigen Tagen noch beinahe 30 Grad, wer denkt denn da schon an Adventskalender?

Aber dann saß ich in der Premiere von „Der Nussknacker“, inszeniert und choreographiert von Nacho Duato. Und plötzlich fühlte sich Weihnachten gar nicht mehr so fern an. Und auch gar nicht mehr wie Stress. Sondern nach strahlenden Kinderaugen, duftendem Gebäck und Magie in der Luft. Nach Familie und Gemütlichkeit, nach Schönheit und Wundern.

Das lag zum Teil natürlich an der altvertrauten Musik, wer hatte nicht als Kind eine CD, eine Kassette oder gar eine Platte von „Der Nussknacker“? Und natürlich liegt es an der zeitlos schönen Geschichte um Clara und ihren heldenhaften Nussknacker. Und Nacho Duato hat das Märchen zauberhaft auf die Bühne gebracht. Altbewährtes mischt sich mit Modernem und die hervorragenden Tänzerinnen und Tänzer des Staatsballett Berlin tun ihr übriges, um einen zauberhaften Abend zu  gewährleisten. Iana Salenko, die, klein und zart und anmutig wie sie ist, die Clara nahezu perfekt verkörpert, schwebt makellos über die Bühne und der Nussknacker, ihr Prinz Marian Walter, ist genauso verwegen, stark und hübsch, wie sich das wohl jede Prinzessin wünscht.

Auch die Bühnenausstattung (Jérôme Kaplan) und die Kostüme sind betörend schön. Kaplan hat genau die schwierige Gradwanderung zwischen geliebter Tradition und Moderne hinbekomme, die Bilder, die entstehen, sind einerseits altbekannt und tief im Herzen verwurzelt, aber andererseits neu und strahlend, als bekomme man die Geschichte zum allerersten Mal erzählt. Ich hatte einen dicken Kloß im Hals als leise der Schnee um Clara und ihren Prinzen zu rieseln begann, während die Schneeflocken wie Sterne am Himmel tanzten, während im Hintergrund die Mädchen der Singakademie Berlin erklangen. Magisch!

Auch die Traumreise der kleinen Clara ins Zauberschloss der Zuckerfee ist wunderschön, ein zuckersüsser Mädchentraum in rosa und mit gigantischem Cupcake im Hintergrund. Sehr fantasievoll inszeniert und sehr schön anzusehen.

Der spanische Tanz findet vor einem riesigen roten Fächer statt, aber man kann kaum den Blick von der rassigen Tänzerin in ihrem atemberaubenden Kleid nehmen! Sie wickelt ihren Partner, wenig überraschend, temperamentvoll um den kleinen Finger.  Der arabische Tanz ist eine Schlangenfrau, wunderschön, verführerisch und gefährlich, mit ihren beiden ergebenen Dienern. Fröhlich und temperamentvoll dann der russische Tanz mit vier stattlichen Männern und der chinesische Tanz, bei dem Drosselmeier (Rishat Yulbarisov) die Verantwortung für die überraschende Bühnendeko übernimmt.

Ein sehr schöner Ballettabend für die ganze Familie! Wer sich die Vorweihnachtszeit oder das graue Wetter versüßen möchte, der sollte diese Inszenierung auf keinen Fall verpassen!

Mehr Informationen und Karten gibt es hier.