Flic Flac – The Modern Art of Circus – Höchststrafe – Zeltstadt am Zoo

Ich liebe Artistik. Ich liebe New Circus. Das ist wohl kein Geheimnis. Hier in Berlin ist es auf jeden Fall das Chamäleon Theater, das ich am ehesten empfehlen würde und in dem mich die Shows besonders begeistern. Aber natürlich müssen sich diese Shows den Gegebenheiten des Theaters und der Bühne anpassen.

Daher ist der Flic Flac Circus durch seine schiere Größe prädestiniert für Acts, die größer, schneller, lauter und krasser sind. Flic Flac ist eine Show der Superlativen. Jede einzelne Nummer ist gefährlicher, spektakulärer und aufsehenerregender als die vorherige. Und damit meine ich nicht nur die Motorrad Stunts, für die der Circus berühmt ist, sondern auch die außergewöhnlichen Artistiknummern. Ich habe 2013 das vorherige Programm des Circus gesehen, damals war die Zeltstadt in der Nähe des Hauptbahnhofes erichtet worden und ich war vollkommen begeistert!

Nun ist Flic Flac endlich wieder in Berlin, im Gepäck das neue Programm „Höchststrafe“, das am 20. Oktober seine Berlinpremiere feiert und danach bis in den Dezember hinein hier zu sehen sein wird. Ich hatte die Chance, bei einer der Previews dabei zu sein und war wieder vollkommen hin und weg! „Höchststrafe“ spielt, wie man es schon ahnt, in einem Gefängnis. Die Story zieht sich als roter Faden durch alle Nummern, die Artisten und Auftretenden sind, bis auf eine einzige Ausnahme, in abgewrackte Gefangenenkleidung gekleidet. Es gibt einen großen Käfigaufbau wie aus dem Video zu Elvis‘ Jailhouse Rock, in dem sich die Liveband befindet.

22fc4187d240c075a83c8d71f9427c32Nach einem Aufruhr auf dem Gefängnishof werden die Insassen von den Wärtern zurück in ihre Zellen getrieben, nur zwei Gefangene führen ihren „Kampf“ weiter: Dima & Dima, die Partnerakrobatik der Sonderklasse zeigen. Irina Rizaeva sitzt wie Harley Quinn in einem gläsernen Käfig, nur trinkt sie nicht Espresso sondern jongliert rasend schnell mit leuchtend pinken Bällen.

 

Laura Miller ist eine fliegende Wassernixe, die auch das Feuer nicht scheut. Ein atemberaubender und sehr sexy Anblick, ebenso auch Anastasia Masur, die gelenkig und stark wie eine Schlangenfrau Equilibristik auf einem Polizeiwagen zeigt. Viktar Shainoha nutzt die ganze gigantische Größe des Flic Flac Zeltes für seine grandiose Darbietung an den Strapaten. Jeder einzelne Artist ein absoluter Könner seines Faches! Man sieht im Publikum nicht wenige Hände, die geschockt vor Münder geschlagen werden.

Weil eine Besonderheit die nächste jagt, ist es schön, wenn das Tempo auch manchmal gedrosselt wird. Einmal ist es der Clown/Tänzer/Jongleur Patrick Lemoine, der einzige Auftretende ohne Gefängniskluft, der mit viel Charme und Witz das Publikum zu fesseln weiß. Und einmal das Artistikduo Dmytro Turkeiev und Julia Galenchyk, die eine zarte Liebesgeschichte in luftiger Höhe an den Strapaten zeigen. Durch die Musik und die sanften Gesten entschleunigt die Nummer ganz wunderbar, sodass man gewappnet ist, für das Todesrad mit waghalsigen Artisten, die selbst Seilspringen auf den Außenwänden des sich rasant drehenden Gefährts. Man möchte gleichzeitig die Augen schließen und doch immer hinschauen!

Und die wagemutigen Motorradfahrer mit ihren grandiosen Stunts. Sie springen scheinbar direkt aus den Zuschauerreihen auf eine riesige Rampe in der Manege und haben dabei im Flug manchmal nur die Fingerspitzen an ihrem Motorrad! Unglaublich! Atemberaubend! Ein wahnsinniges Adrenalinhigh, selbst wenn man nur zuschaut! Bei der Nummer auf dem Drahtseil allerdings, bei dem nicht nur Sprünge, Salti und rückwärts-laufen in schwindelerregender Höhe angesagt sind, sondern auch eine Pyramide aus sieben Mann, da ist mir wirklich ein Schauer über den Rücken gelaufen! Ich hatte sicher viel mehr Angst als die todesmutigen Leute auf dem Seil!

Nicolai Kuntz zeigt Diabolo Kunststücke, natürlich besonders rasant und – wie sollte es auch anders sein – besonders hoch, schnell und weit. Und er kann, mit Hilfe seines Schwungtrapezes auch noch fliegen! Dandino und Luciana sind Rollschuhkünstler, was sie darbieten, das habe ich wirklich noch nie gesehen! Auf einem kleinen Podest dreht sich Dandino blitzschnell, während Luciana, nur mit ihren Knöcheln an ihm hängend, wie eine menschliche Schleuder herumgewirbelt wird! Noch schneller im Kreis geht es dann nur noch im Globe of Speed, der riesigen Metallkugel, in der sich tatsächlich ZEHN!! Motorradfahrer bewegen! Zehn! Weltrekord. Man kann kaum hinsehen.

Eine grandiose, unglaubliche, atemberaubende Show. Nicht nur ist jede einzelne Nummer sehr sehenswert, das ganze Drumherum ist unglaublich professionell und fachkundig gestaltet. Von den Multimedia Toiletten bis hin zu der sehr guten Punk-Liveband und der kleinen Geschichte, die den ganzen Abend zu einem Ganzen zusammenführt. Unbedingt hingehen! Nicht verpassen! Diese Show ist auch etwas für den ausgehmuffeligen Partner und den rebellischen Teenager.

Weitere Informationen und Karten hier. Die Zeltstadt befindet sich direkt hinter dem Bahnhof Zoo, Anreise mit den Öffis also superleicht!

 

 

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Autor: Nicole Haarhoff

37, eigentlich Buchhändlerin, aber meist unterwegs ins Theater, ins Varieté, zu Shows oder Ausstellungen.

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