Märchen für Erwachsene – Der gestiefelte Kater & Rotkäppchen – Glaspalast auf dem Pfefferberg

Auf dem Märchenberg

Genau rechtzeitig zur gemütlichen Jahreszeit ist ein neuer, traumhaft schöner Theaterspielort für Märchen mitten in Berlin entstanden. Darüber, zu was für einem malerischen Ort sich der Pfefferberg mittlerweile gemausert hat, hatte ich ja schon einmal berichtet, hier. Statt eher ranzige Clubs zu besuchen, kann man dort nun im Tauro oder im Pfefferbräu hervorragend essen und im Pfefferberg Theater klassisches Theater in modernem, ganz individuellem Gewand sehen.

Und in der Mitte des schön gelegenem Areal prunkt nun der Glaspalast, in dem es  während der gesamten Weihnachtszeit am Nachmittag für Kinder und am Abend für Erwachsene Märchen zu sehen geben wird. Es duftet wunderbar nach Glühwein, vor dem Palast flackert ein Lagerfeuer. Wer bisher noch nicht in Märchenstimmung war, ist es spätestens jetzt. Durch die Glaswände kann man die lichterfunkelnden Bäume draußen sehen und die kunstvolle Lichtdeko über der Terrasse des Tauro. Im Inneren des Palastes ist es warm und behaglich, ich freue mich schon sehr darauf, unter einer Schneehaube dort zu sitzen, das ist sicher noch hübscher!

Der Abend beginnt mit dem Märchen „Der gestiefelte Kater“. Die Geschichte wird von dem Katerchen (Carsta Zimmermann) und dem jüngsten Müllerssohn (Torsten Schnier) gemeinsam erzählt. Der Kater kiekst und überschlägt sich beinahe vor lauter Aufregung und unterdrückter Tatenlust. Der Müllerssohn dagegen ist von seinem anscheinend recht miesen Erbteil ziemlich angestochen und lässt sich nur widerwillig und angenervt zur Mitarbeit überreden. Die Chemie zwischen den beiden funkelt richtig, ihre Schlagabtäusche und das improvisierte Einbeziehen des Publikums machen richtig viel Spaß!

Nach einer kurzen Pause (für Glühwein und Brezeln) geht es dann gleich weiter mit „Rotkäppchen“. Düster schreiten die beiden Protagonisten wie zu einer Beerdigung nach vorn auf die Bühne. Maßregelnde Blicke lassen das fröhliche Publikum verschüchtert still werden und erst dann beginnt das Märchen. Rotkäppchen (Ina Gercke) sieht ein bißchen aus wie Wednesday Adams, ganz in schwarz, mit strenger dunkler Brille und steifer Körperhaltung. Der Wolf (Vlad Chiriac) ist dagegen laut und ungestüm, gröhlend trampelt er den Gang hinab, um seiner märchenbestimmten Aufgabe nachzukommen. Messer und Gabel gezückt, ist er bereit loszufressen, aber nicht alles klappt so, wie er sich das vorstellt. Am Ende wird das Rotkäppchen doch noch vernascht. Auf die erwachsene Art.

Insgesamt ein toller, sehr lustiger und zauberhafter Abend auf dem Märchenberg. Die altbekannten und vielgeliebten Geschichten haben einen ganz ungewöhnlichen und interessanten Twist bekommen und werden auch  für Erwachsene spannend und liebevoll inszeniert. Jedes Märchen dauert etwa eine halbe Stunde und wurde auf das Essentielle reduziert, ohne etwas von seinem Zauber oder seiner Aussage zu verlieren. Die Schauspieler sind vergnügt und spielfreudig bis in die Fingerspitzen, sie verstehen es, das Publikum mitzureissen und zu begeistern. Dazu noch das wundervolle Ambiente und die schöne Umgebung – perfekt! Große Empfehlung! Schaut euch Märchen im Glaspalast an! Märchen sind gut für die Seele. Und Glühwein auch.

Weitere Information, Spielplan und Karten gibt es hier.