Hieronymus Bosch – Visions Alive – Multimediale Ausstellung – Alte Münze

Für die Multimedia Ausstellung „Hieronymus Bosch.Visions Alive“ nimmt man sich am besten viel Zeit. Sie ist ein Hochgenuss für alle Sinne und man sollte sich genug Möglichkeit lassen, sie aus verschiedenen Blickwinkeln zu genießen!

Man tritt in eine große dunkle Halle hinein und ringsherum werden auf gigantischgroßen Leinwänden die Bilder des Renaissancekünstlers Hieronymus Bosch zum Leben erweckt. Die teils grausigen, teils romantisch-schönen Fantasiebilder bieten so viel zu sehen, so viel zu entdecken. Dabei laufen aber nicht einfach nur die Bilder des Künstlers in Endlosschleife über die Bildschirme. ARTPLAY MEDIA, ein internationales Unternehmen spezialisiert auf Ausstellungsprojekte in modernen Multimedia-Formaten, hat stattdessen ein eigenständiges Kunstwerk geschaffen. Auf den unterschiedlichen Leinwänden werden verschiedene Teile eines großen Gemäldes zeitgleich gezeigt, hier im Detail, dort wieder im Großen. Personen, Landschaften, Tiere, Fabelwesen – sie werden zum Leben erweckt, bewegen sich durch den Raum, über die Szenerie. Immer wieder entdeckt man als Zuschauer, als Betrachter etwas Neues, etwas Überraschendes und der Blick wird in eine neue Richtung gelenkt. Die perfekt ausgesuchte und harmonierende Musik tut ihr Übriges, man taucht ohne weitere Umschweife hinein in die surrealen, mal sehnsuchtsvollen und dann wieder alptraumhaften Welten des Hieronymus Bosch.

Im Raum gibt es Sitzsäcke, Stühle und eine gepolsterte Fläche. Man kann sich gemütlich hinfläzen und die bunten Welten vorbeigleiten sehen, man kann im Raum umhergehen oder immer wieder einen neuen Beobachtungspunkt suchen, um immer wieder neue Blickwinkel zu entdecken. Auf den einzelnen Leinwänden laufen nicht akkurat die gleichen Szenen ab, je mehr man sich im Raum bewegt, umso mehr nimmt man wahr. Der „Film“ läuft etwa fünfunddreißig Minuten, aber man braucht in diesem Raum eindeutig mehr Zeit, um ihn wirklich in sich aufnehmen zu können.

In einem weiteren Raum kann man sich dann über das Leben und das Schaffen des Künstlers Hieronymus Bosch informieren. Anhand der Biografien wichtiger Zeitgenossen kann man außerdem ein Gespür für die Einflüsse und Umstände entwickeln, die auf Bosch und seine Werke einwirkten.

Eine sehr lehrreiche, informative, bildgewaltige und beeindruckende Ausstellung/Show. Man muss nicht einmal ein ausgesprochener Bosch-Fan sein, um diese Art der Präsentation zu schätzen zu wissen. Nach „Van Gogh Alive“ in 2015 ist dies nun die zweite Multimediashow von iVision Entertainment Berlin und ich bin schon sehr gespannt auf den nächsten Künstler! Hieronymus Bosch.Visons Alive ist wegen der großen Nachfrage in die Verlängerung gegangen und läuft noch bis zum 18. Juni 2017! Weitere Informationen und Karten gibt es hier.

Advertisements

Revanche – Berliner Kriminaltheater

Da war es nur noch eins! Bis auf ein einziges Schauspiel habe ich nun tatsächlich alle Stücke gesehen, die zur Zeit im Berliner Kriminaltheater aufgeführt werden. Plus noch ein weiteres, denn eine meiner Lieblingsaufführungen in diesem Theater war „Extremities“, die mittlerweile nicht mehr auf dem Spielplan steht. Ein atemberaubender Thriller, der in den 80er Jahren als Film für Aufregung sorgte, weil Fernsehbabe Farrah Fawcett hier ein unnachgiebige Amazone auf Vergeltungssuche spielte. Toll auch als Theaterstück! Jedenfalls, mir fehlt jetzt nur noch ein Kriminalstück für meine Sammlung: „Die Therapie“.

Revanche“ ist der neuste Streich der Berliner Krimischmiede. Das Werk von Anthony Shaffers war 1969 uraufgeführt worden, gewann diverse Preise, unter anderem einen Tony und wurde schließlich zweimal verfilmt, beide Male mit Michael Caine.

Andrew Wyke (Silvio Hildebrandt) ist ein erfolgreicher Kriminalautor. Er ist reich, redegewandt, leutselig und arrogant. In seiner eleganten Villa hört er sich gerade verzückt eines seiner eigenen Werke als Hörbuch an, als ein Gast in die narzisstische Idylle platzt:  Milo Tindle (Sebastian Freigang). Man macht Drinks, man tauscht Plattitüden aus. Aber plötzlich kippt die Stimmung in kaum verhohlene Feindseligkeit um. Es stellt sich heraus: Milo ist der Geliebte von Wykes Ehefrau! Sie hatte Wyke unlängst verlassen und wohnt nun bei Milo, dem arbeitslosen Schauspieler. Die Verliebten wünschen sich, dass Wyke einer Scheidung zustimmt, aber der stellt sich quer. Wyke und Tindle liefern sich einen heftigen verbalen Schlagabtausch, mal oberflächlich höflich, mal treiben sie in Richtung eines handfesten Streits.

Dann wendet sich das Blatt überraschend. Wyke will seine Frau gar nicht zurück. Im Gegenteil! Aber er will aus der ganzen unangenehmen Situation auch einen Vorteil für sich herausschlagen. Und so unterbreitet er dem Geliebten seiner Frau einen heiklen Plan, von dem sie alle profitieren könnten: Milo soll in die Villa einsteigen, wertvollen Schmuck stehlen und ihn versetzen. Wyke würde dann die Versicherungssumme kassieren und sie alle wären um ein hübsches Sümmchen reicher. Die luxusverliebte Geliebte wäre zufrieden und würde sicher nicht zurück zu Wyke wollen. Milo traut dem Mann seiner Geliebten zwar nicht, willigt im Angesicht des Geldes aber schließlich ein… und das Spiel beginnt.

Eine sehr hintergründige Geschichte mit vielen Wendungen. Was zunächst wie eine recht gradlinige, sogar einfache Kriminalgeschichte aussieht und eigentlich zur Pause hin bereits am Ende sein könnte, öffnet plötzlich unvorhergesehene Hintertürchen und Fluchtfenster, die man nicht erwartet hätte. Sehr viel moderner und auch surrealer als die klassischen Krimipossen, die das Kriminaltheater ebenfalls bietet, wie zum Beispiel „Arsen und Spitzenhäubchen“ oder „Tod auf dem Nil“.

Das Berliner Kriminaltheater ist, vor allem zusammen mit dem hervorragenden angrenzenden Restaurant Umspannwerk Ost, immer einen Besuch wert! Weitere Informationen und Karten gibt es hier. Speisekarte und Tischreservierung hier.

 

One Moment in Time, Die Whitney Houston Tribute Show, Nya King, Nikolaisaal Potsdam

Gestern war ich zum allerersten Mal im Nikolaisaal in Potsdam! Für alle, die dort noch nie waren und die sich in Potsdam vielleicht genauso wenig auskennen wie ich: Der ist denkbar einfach zu erreichen. Mit den Öffis vom Potsdamer Hauptbahnhof aus mit der Tram oder mit dem Bus fahren, nur drei Stationen bis Platz der Einheit/West. Den Weg kann man aber genauso gut zu Fuß zurücklegen. Der Nikolaisaal selbst war eine große Überraschung für mich, irgendwie hatte ich ihn mir, nur aufgrund des altehrwürdig klingenden Namens, anders vorgestellt. Dabei ist er schnieke und glänzt nur so, sehr modern und einladend großzügig gestaltet.

Als großer Fan von Whitney Houston war ich schnell hellhörig geworden, als ich von der Tribute Show erfuhr. Da die Tournee leider nicht in Berlin Halt machte, wollte ich meine Chance nicht verpassen und die Show in Potsdam besuchen. Und ich habe es nicht bereut! Reset Production hat wirklich keine Kosten und Mühen gescheut und ein hochprofessionelles Konzert auf die Beine gestellt, das der Queen of Soul and Pop in allen Punkten gerecht  wird und ihr sicher sehr gut gefallen hätte.

Die Sängerin Nya King ist offen und sympathisch, neckisch flirtet sie mit dem Publikum und hat rasch alle um ihren kleinen Finger gewickelt. Vor allem hat sie aber eine große, große Stimme. Die zeitlos schönen Balladen und die in die Beine gehenden Tanznummern, die Superstar Whitney Houston berühmt machten, werden von Nya wunderbar umgesetzt. Gemeinsam mit zwei Backgroundsängern (Denita Lawan Asberry und Martin Holtgreve) und einer sehr fröhlichen Crew von vier Tänzern (Ramona Helder, Fiona Kiara, Kai Immanuel Alonzo Braithwaite und Anderson Pinheiro da Silva) entsteht eine Tribute Show, die einen unwillkürlich in der Zeit zurückreisen lässt. Man kann sich, zumindest für die Dauer eines  Musikabends, beinahe vorstellen, dass Whitney Houston selbst dort auf der Bühne steht und mit ihrer Band, ihren Tänzern und dem Publikum den Saal rockt, grandiose Roben trägt und vor allem alle Herzen mit ihrer unglaublichen Stimme berührt.

Eine mitreißende, fröhliche und manchmal nachdenkliche Show mit großartiger Musik und einer tollen Bühnenshow, ein Augen- und Ohrenschmaus! Sehr zu empfehlen für alle Fans der leider viel zu früh verstorbenen Soulqueen und für alle, die noch Fans werden wollen!

Die Show tourt durch ganz Deutschland, weitere Termine und Tickets gibt es hier. Wer sich den Nikolaisaal in Potsdam anschauen möchte, hier geht es zum Programm.

Darauf freue ich mich: Ende März und Anfang April in Berlin…

In nächster Zeit gibt es mal wieder so viel zu sehen und zu erleben in Berlin, ich konnte mich kaum entscheiden, was ich in meinen „Vorfreude“ Blogbeitrag hineinnehme. Ich habe jetzt einfach eine ziemlich wilde Mischung der Sachen herausgesucht, auf die ich mich aus unterschiedlichen Gründen ganz besonders freue:

24., 25. und 26. März: „Halt die Klappe, Rose“ ist eine Live-Playback-Show zur bekannten 80er Kultserie „Golden Girls“ von und mit Jurassica Parka! Ich bin ein Riesenfan von ihr und ihrer Late Night Show „Pailette geht immer“ im BKA-Theater. Und da ich die Golden Girls sowieso liebe, freue ich mich besonders auf dieses Zusammenspiel! Und als i-Tüpfelchen kommt die Show, die zuvor im Rauschgold lief, nun ins wilde Oscar, einer meiner liebsten Veranstaltungsorte in Berlin. Infos und Karten hier.

Die Premiere hat bereits stattgefunden und die ersten Vorstellungen sind komplett ausverkauft: Nasser #7 Leben. Das Grips Theater Podewil bringt die Geschichte des jungen Berliners Nasser El-Ahmed auf die Bühne, dessen Fall für großes Aufsehen sorgte: Als der Sohn streng muslimischer Eltern sich outet, versuchen sein Vater und weitere Verwandte ihn zu entführen und zwangszuverheiraten. Infos und Karten zu diesem sicherlich unheimlich spannenden Stück hier.

Neue Folge, neues Glück: im allerliebsten Prime Time Theater ist Folge 109 an den Start gegangen. „We are Family“ heißt die und es geht auch genau darum. Um die unterschiedlichsten Familienkonstellationen und Verwicklungen, die es im Wedding so zu erleben gibt. Postbote Kalle und sein Sohn. Kiezschlampe Sabrina und ihre Tochter. Üwele und seine zickige Stieftochter „B“… Termine und Karten für die beste und witzigste Theaterserie überhaupt: hier.

Nur 12 Shows!! Vom 24. März bis zum 9. April 2017 gibt es im Theater am Potsdamer Platz eine ganz besondere und einzigartige Showsensation zu sehen, die die Berliner Nächte vereinen möchte: klassisches Konzert, Varieté, Akrobatik, Breakdance, hier kommt alles zusammen, was man sonst an unterschiedlichen Abenden in unterschiedlichen Locations sieht! Vereint in einer bombastischen Show, an der mehr als vierzig Berliner Künstler aus verschiedensten Kulturrichtungen beteiligt sind. Verspricht großartig zu werden, ich bin unheimlich gespannt! Berlin Nights! Weitere Infos und Tickets hier.

Und dann gibt es noch etwas fürs Herz: Am 14., 15. und 16. April wird es im Admiralspalast glamourös! Ein Hauch von Halbwelt und Mafia schwebt durch den Saal, eine Männerstimme bringt Frauenherzen zum schmelzen und lässt Bilder von Clubnächten, eleganten Roben und Zigarettenspitzen vor dem inneren Auge erscheinen: Frank Sinatra! Der unvergessene Entertainer mit der Samtstimme tritt mit seinen Kumpels vom Rat Pack auf. Stephen Triffitt (Frank Sinatra), Mark Adams (Dean Martin) und George Daniel Long (Sammy Davis Jr.), begleitet von einer 9-köpfigen Band! Tickets, Infos, hier.

David Kaiser – Abgeschminkt – Theater O-TonArt

Ihr habt jemanden kennengelernt? Vielleicht online? Und ihr hattet schon ein paar Verabredungen, die Funken sprühen nur so, aber irgendwie geht es nicht weiter? Außer ein paar Küsschen zum Abschied ist noch nichts geschehen? Dann geht doch einfach mit dem oder der Angebeteten zu David Kaisers neuem Chansonabend im plüschigen Theater O-TonArt. Kuschelt euch in die bequemen Clubsessel. Trinkt ein gutes Glas Wein oder einen spritzigen Cocktail. Und lasst euch von David helfen.

Denn wenn euch die anregenden, schlüpfrig-erotischen Lieder seines neuen Programms nicht auf die Sprünge helfen, dann sehe ich schwarz für eure aufkeimende Romanze. Wenn euch die schöne Atmosphäre und Davids wunderbare Stimme, die euch Chansons in die Ohren flüstert, schmeichelt und trotzt, nicht in die richtige Stimmung versetzt – dann ist wohl leider Hopfen und Malz verloren. David Kaiser macht einfach ein wohliggutes Gefühl in Bauch und Seele, lässt einen schmunzeln, schwärmen und gibt dem Herzen auch manchmal einen kleinen schmerzhaften Stich. Die Zusammenstellung der Lieder ist wieder, genau wie beim vorangegangenen Programm „Wo sie begehren, da lieben sie nicht“ wunderbar abwechslungsreich, von sehnsüchtig-schmachtend zu aufreizend-anzüglich bis hin zu grob-amüsant, hier ist alles dabei!

Ich mag die Zeitlosigkeit der ausgewählten Lieder. Die Tatsache, dass sie, selbst wenn sie schon Jahrzehnte überdauert haben, beim Thema Liebe und Verlust, Erotik und Zwischenmenschlichkeit immernoch topaktuell sind. Und David Kaiser hat die Stimme, um den Liedern gerecht zu werden und sie genau richtig vorzutragen. Begleitet wird er dabei am Klavier ganz hervorragend von Joachim Kuipers. Dazu noch die behagliche Atmosphäre im heimeligen Theater O-TonArt und die charmante Art des jungen Chansoniers und fertig ist ein wunderbarer Wohlfühlabend. Egal, ob zusammen mit Virginia Plain als „Kaiser & Plain“ oder Solo als „Herr Kaiser“, ich finde diese Musikabende immer rundherum gelungen. Sehr zu empfehlen!

Auch ansonsten lohnt sich ein Blick in das Programmheft des Hoftheaters für königliche Unterhaltung!

Holiday on Ice – Believe – Tempodrom Berlin

Seit mehr als siebzig Jahren gibt es „Holiday on Ice“ mittlerweile schon! Als kleine Hotelshow in den USA hat es begonnen, 1953 gab es die erste Europatour und mittlerweile haben mehr als 328 Millionen Besucher die unterschiedlichen Shows auf dem Eis besucht! Gigantische Zahlen und daher natürlich auch gigantische Erwartungen an die Künstler und das Team. Ich habe nun zum allerersten Mal eine der Shows gesehen, Believe, und war sehr beeindruckt.

Die bekannte Moderatorin Sylvie Meis führt durch die Handlung, sie erscheint per Videoeinblendungen auf die ausnehmend schöne und sehr fantasievolle Bühnendeko. Sie erzählt die dystopisch angehauchte und steampunkig gestylte Geschichte zweier junger Leute, die eine verbotene Liebe leben. Sie (Robin Johnstone), die schöne Reiche von ganz oben, er (Andrew Buchanan) dagegen der arme Arbeiter, der ganz unten in den Minen arbeitet. Als er versucht, sich aufzulehnen und für sich und seine Kameraden bessere Bedingungen zu fordern, lässt ihr Vater, der böse Boss, ihn zusammenschlagen! Aber, wie es sich für eine poppigbunte Liebesgeschichte auf dem Eis gehört, gibt es natürlich ein glitzerschönes Happy End!

Bis dahin gibt es aber auf dem Eis atemberaubende Kunststücke zu sehen, alles mit engelsgleichen Lächeln auf den Gesichtern, als würden die unglaublichen Stunts überhaupt keine Probleme darstellen. Die Eiselfen werden von ihren männlichen Counterparts durch die Luft gewirbelt, als besäßen sie gar kein Gewicht. Es ist manchmal wirklich schwer, überhaupt hinzuschauen, so gefährlich scheinen die Kunststücke. Dazu tolle Kostüme, poppige Popmusik zum Mitwiegen und fertig ist das zauberhafte Eisabenteuer. Sehr beeindruckend und sehr sehenswert.

Dadurch, dass die Eisfläche den gesamten Innenraum des Tempodroms einnimmt und in alle Richtungen bespielt (befahren) wird, kann man auch aus den hinteren Reihen sehr gut sehen! Also, nicht aufhalten lassen, Holiday on Ice kann man noch bis Sonntag in Berlin erleben, es gibt auch familienfreundliche Nachmittagsveranstaltungen.

Like Berlin – Die Show, Wintergarten Varieté Berlin

Vor einer Weile hingen sie überall – die B-förmigen Plakate der „Like Berlin“ Kampagne. Fünf Fragen stehen darauf und sie sollen das zeigen, was so häufig in Artikeln, Blogs, Reiseführern und an Stammtischen in Bayern erörtert werden will – was macht eigentlich Berlin aus: Was sind Berlins drei Grundwerte? Was dürfen Berliner niemals tun? Was gehört in Berlin zum guten Ton? Woher weißt du, dass du Berliner bist? Ab wann bist du Berliner?

Die Fragen sollten von Berlinern beantwortet werden, nicht von einem Autoren von oben herab als Meinung beschlossen sein. Und die Berliner antworteten. Kurz angebunden, rotzig, witzig, individuell – genau wie Berlin eben. Und aus all diesen Antworten und aus vielen Gesprächsrunden entstand dann das Buch „Der Berlin Code“, eine unheimlich lesenswerte und sehr ehrliche Liebeserklärung an Berlin und die Berliner. Ich habe Tränen gelacht! Manche der Antworten auf den Plakaten sind einfach zu köstlich! Und wahnsinnig kreativ.

Und nun gibt es, wo sonst als im Wintergarten Varieté, der Wiege der Kreativität, die Show zur Kampagne! Mit vielen Künstlern versucht man, auf der Bühne dem Geist und der Seele Berlins nachzuspüren, der exzessiv ausgelebten Rotzigkeit und der gern zur Schau getragenen „Is mir egal“-Einstellung. Und mit genau dieser Einstellung habe ich zu Beginn der Show zu kämpfen – außer der grandiosen Stimme von Ena Wild haut mich bis zum letzten Act vor der Pause (Bence am Luftring – großartig!!) nichts so richtig aus den Socken. Im Gegenteil, bei Ostalgie mitsamt Russen-Wodka-Klischees muss ich sehr berlinerisch mit den Augen rollen. Aber die 2. Hälfte der Show entschädigt mich für alles, gleich die erste Szene, in der Marie Oldenbourg in engen Jeans mit großen Löchern an den Knien eine grandiose Luftshow an Doppelseilen bietet, da denke ich zum ersten Mal, das ist Berlin! Und dann der immer wieder tolle Florian Zumkehr mit seiner Handstand Artistik, der schon in meiner Lieblingsshow „Der helle Wahnsinn“ so großartig war!  Dann ändert Guillaume Karpowicz  mit einer wirklichen außergewöhnlichen Diabolo-Performance meine von Angst geprägte Meinung über dieses Spielgerät.

Alle Künstler kommen für eine Performance auf dem riesigen B zusammen, dass die einzige Bühnendeko und gleichzeitig auch die namengebende Kampagne darstellt. Tarik Usman und Girma Tsehai, der im ersten Teil vor allem mit zwei witzigen Einlagen, einmal mit Bällen und einmal mit Nackt-Jonglage  auf sich aufmerksam machte, glänzen mit blitzschneller Artistik am Chinesischen Mast. Jakob Vonau und Nathalie Wecker zeigen berührende Hand auf Hand Artistik und am Ende bin ich versöhnt mit der Show „Like Berlin“. Die große Vielfalt von Berlin, die Individualität und die Freude an allem Neuen und Anderem wird auf jeden Fall zelebriert! Und Klischees gehören eben auch irgendwie dazu.

Das Wintergarten Varieté bietet passend zur neuen Show eine Speisekarte mit Gourmet-Döner und Senfeiern mit Kartoffelstampf an, man kann also ganz stilecht schmausen und Berlins Seele erkunden. Noch bis zum 11. Juni 2017! Weitere Infos und Tickets gibt es hier.