Wir sind die Neuen – Theater und Komödie am Kurfürstendamm

Damit hätte die Umweltbiologin Anne (Claudia Rieschel) nun wirklich nicht gerechnet: Mehr als 40 Jahre nachdem sie ihre Studenten-WG hinter sich gelassen hat, sieht sie sich plötzlich wieder damit konfrontiert, Mitbewohner zu brauchen. Ihr Job war zwar gut für ihr Gewissen und für die Umwelt, aber leider gar nicht gut für ihren Geldbeutel. Sie kann sich das Leben in der Stadt einfach nicht mehr leisten! Und aufs Land möchte sie auf keinen Fall ziehen. Was bleibt ihr also anderes übrig, als ihre alten Kommilitonen und Ex-Mitbewohner zu kontaktieren und ihre Hippie-Kommune neu zu beleben.

Nicht alle Studenten von damals sind von der Idee begeistert, aber schließlich findet sich Anne mit dem sozial engagierten Juristen Johannes (Heinrich Schafmeister) und dem Lebemann Eddi (Winfried Glatzeder) in einer WG wieder. Fröhlich beginnen die Drei, ihre wilde Studienzeit wieder aufleben zu lassen, mit lauter Musik und nächtelangen Streitgesprächen. Allerdings haben sie die Rechnung ohne ihre Nachbarn von oben gemacht. Dort leben nämlich die schnöseligen jungen Studenten Thorsten (Eric Bouwer), Katharina (Luise Schubert) und Barbara (Annalena Müller). Die sind im Prüfungsstress und haben absolut keinen Bock auf ihre neuen Nachbarn und ihren Lärm. Ganz im Gegenteil. Sehr von oben herab und abschätzig machen sie den Neuen unmissverständlich klar, dass die Senioren von ihnen keine etwaige Hilfe bei Einkäufen, Trips zur Apotheke oder sonstigem erwarten dürfen.

Die Fronten sind geklärt und die Stimmung fortan angespannt. Die jungen Studenten ätzen recht bösartig und trommeln bei jedem Lärmverstoss mit dem Besenstiel auf den Boden. Die Alt-Hippies haben ihre anfängliche Freundlichkeit schnell aufgegeben und reagieren mit Unverständnis auf die steifen und uncoolen Kids von heute. Ihre Studienzeit war eindeutig sehr viel lockerer! Dafür ist das Alter nichts für Feiglinge! Anne wurde von ihrem Mann für eine Jüngere verlassen, Eddis Frau und seine Kinder sprechen nicht mal mehr mit ihm.

Als den Schnöseln von oben plötzlich all das Studieren zu viel wird und außerdem Liebeskummer sie plagt, da ist das Wissen und die Hilfe der Alten dann doch gefragt. Ganz ohne Reibereien geht die langsame Annährung der Generationen nicht ab, aber es stellt sich schließlich heraus, dass man sich doch gegenseitig helfen kann.

Der neuste Streich im Theater am Kudamm ist ein sehr witziger Generationenkonflikt, in dem die Rollen vertauscht sind: Die Jungen sind es, die erst mal runterkommen müssen und die Alten sind es, die sich langsam über den Ernst des Lebens klar werden müssen. Sowohl die Spießer in der oberen Wohnung als auch die Revoluzzer in der unteren Wohnung sind großartig besetzt! Die garstigen und hochamüsanten Dialoge fliegen und funkeln nur so zwischen den Kontrahenten.  Sehr sehenswerte und unheimlich lustige Theaterfassung des Erfolgsfilm von 2014! Die Aufteilung der Bühne, so das man quasi in beide Wohnungen gleichzeitig hineinschaut, ist großartig gelöst. Unbedingt anschauen!

Regie: Martin Woelffer, Bühne und Kostüm: Stephan Fernau

Weitere Informationen und Karten gibt es hier. Ein Blick in den Spielplan lohnt sich, außer einigen spannenden Wiederaufnahmen wartet dort im Juni die Premiere von Bette & Joan, auf die ich mich schon sehr freue! (Manon Straché und Désirée Nick)

"Wir sind die Neuen" in der Komoedie am Kurfuerstendamm
„Wir sind die Neuen“, Eine Komoedie nach dem gleichnamigen Film von Ralf Westhoff, Theaterfassung von Juergen Popig Premiere am 30.04.2017 in der Komoedie am Kurfuerstendamm (bis 11.06.2017) Regie: Martin Woelffer Regie-Assistenz: Manuel Edler Buehne & Kostuem: Stephan Fernau Personen: Heinrich Schafmeister (als Johannes) Winfried Glatzeder (als Eddi) Claudia Rieschel (als Anne) Eric Bouwer (als Thorsten) Luise Schubert (als Katharina) Annalena Mueller (als Barbara) © MuTphoto/ Barbara Braun Tel.: +49(0)177/2944802 e-mail: bb@mutphoto.de

 

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Like Berlin – Die Show zur Kampagne – Wintergarten Varieté Berlin

Ich habe mir gestern noch einmal die aktuelle Show Like Berlin im Wintergarten Varieté angeschaut! Eigentlich mache ich das ja nicht, mir etwas zweimal oder gar mehrmals anzuschauen, aber hier habe ich eine Ausnahme gemacht, weil sich einige der Künstler zwischenzeitlich geändert hatten. Philipp Tigris zum Beispiel, der uns gerade von so vielen Plakaten überall in der Stadt herunter, anblickt, aus einer nahezu unmöglich verdrehten Pose, war wegen anderen Verpflichtungen erst am 15. Mai dazugestoßen und ich wollte ihn unbedingt sehen!

Eigentlich hatte ich nicht geplant, erneut darüber schreiben, aber ich hatte beinahe das Gefühl, noch einmal eine ganz andere Show zu sehen, daher ein neuer Bericht von mir! Es stimmt eben doch, dass sich eine Show im Laufe der Aufführungen immer noch ein wenig verändert, vielleicht gar verbessert. Vor allem, wenn die Künstler auch wechseln und kontinuierlich gefeilt und gearbeitet wird. Like Berlin erschien mir straffer und pointierter als beim ersten Mal (5. März) und lief viel besser ineinander. Anissa Elakel und Nathalie Wecker beginnen den Abend mit dem Ende einer Berliner Clubnacht. Auf einem großen Bett zeigen sie Handstand der ganz besonderen Art. Girma Tsehai zeigt rasante Jonglage und neckisches Grinsen, Vinzenz Wagner performt eine aufsehenerregende Mischung aus Kontorsion, Breakdance und Tanz. Tarik Usman kann mit seinem Cyr Wheel beinahe fliegen und danach ist es endlich soweit: Philipp Tigris! Ich würde ja gern etwas über seine tolle und sehr sehenswerte Darbietung mit leuchtenden Hula Reifen erzählen, aber da waren Bauchmuskeln… und diese Tattoos… und im Wintergarten war es plötzlich recht warm und stickig…

Zurück zum Thema, über Girmas nackten Hütchentanz hatte ich ja bereits im letzten Bericht erzählt und die erste Hälfte beendet Bence mit seiner schwerelos schönen Performance am Luftring. Im zweiten Teil, eine meiner absoluten Lieblingsszenen dieser Show: Die fröhliche Marie Oldenbourg am Doppelschwungseil, lässig in durchlöcherten Jeans und unangestrengt sexy – für mich die Szene, die am meisten Berlin sagt! Tigris erobert noch einmal die Bühne und sicherlich einige Herzen, mit charmantem Lächeln, sexy Tattoos und einem Körper, den er unmenschlich weit verbiegen kann. Manchmal kann man kaum hinschauen, so krass wirken die Körperverrenkungen, zu denen dieser Mann fähig ist, auf das Auge. Guillaume Karpowicz hat mich bereits bei meinem letzten Besuch nachhaltig beeindruckt mit seiner sehr außergewöhnlichen Show mit einem Diabolo, das dahintickt wie die Zeit! Die Show wird mit großem Staunen beendet, Artistik am Chinesischen Mast ist immer unheimlich beeindruckend, aber Tarik und Girma bringen hier wirkungsvoll Können, Schnelligkeit und Humor in Einklang. Ein schönes Ende für eine insgesamt tolle Show!

Like Berlin kann man noch bis zum 11. Juni im wunderschönen Wintergarten Varieté erleben! Danach startet die neue Show: Sayonara Tokyo, einer Varieté Revue mit dem Thema Japan, auf die ich schon unheimlich gespannt bin! Karten, Infos etc., hier.

 

Shechter/Duato – Doppelter Ballettabend – Komische Oper Berlin

Am Freitag war eine von mir lang erwartete Premiere: Duato / Shechter, ein doppelter Ballettabend in der Komischen Oper, bei der Nacho Duato ein brandneues Stück zeigte: Erde. Ich habe vor einiger Zeit Duatos Version des Klassikers Der Nussknacker gesehen und war ganz begeistert von der zauberhaften, glitzerschönen Inszenierung.

Der erste Beitrag des Abends, von dem umschwärmten Choreographen Hofesh Shechter, könnte gar nicht weiter entfernt sein, von „Zauberhaft“. Er hat in „The Art of not looking back“ seine eigene Familiengeschichte verarbeitet. Seine Stimme erklingt aus dem Off, zunächst sanft und schmeichelnd: „My mother left me, when I was two years old.“ Bald laufen die Töne ineinander, verzerren sich zu einem in den Ohren schmerzenden Crescendo, dann ein wildes Lachen, ein Schrei. Die Tänzerinnen krümmen sich, stampfen, leiden, eine verstörende und doch irgendwie einnehmde Performance, die manchmal an Stammestänze erinnert, voll innerer Kraft und Stärke. Sehr unkonventionell, sowas habe ich noch nie gesehen oder gehört.

Nacho Duatos Stück „Erde“ ist dann vollkommen anders, in ganz klaren, überdeutlichen Bildern macht der Intendant auf die Zerstörung der Erde, auf Umweltverschmutzung und die Ausbeutung von Tieren aufmerksam. Die Tänzer sind zunächst, ganz dystopisch, nur durch eine Plastikfolie zu sehen, die sich dann als großes Plastikgefängnis herausstellt und in sich zusammenfällt. Das Ende ist ein klein wenig versöhnlich, auf der Bühne entsteht ein großer grüner Wald, in dem die letzte Tänzerin wie in eine Umarmung hineinsinkt. Die Tänzer transportieren die Aussagen durch verzweifeltes Aufbegehren in dem Plastikwürfel, ehe der Smog sie besiegt, durch zunächst begeistertes posieren mit Pelzmänteln, ehe das falsche Fell abgeworfen und schließlich zärtlich streichelnd davongetragen wird.

Zwei Stücke, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, verbunden zu einem sehr ungewöhnlichen Tanzabend. Ein sehr interessanter moderner Ballettabend, gerade für Laien wie mich unheimlich bereichernd, wenn ich auch nicht behaupten möchte, alles ganz genau verstanden zu haben oder interpretieren zu können.

Wer sich nun selbst ein Bild machen möchte, Duato/Shechter kann man noch einmal am 28. April sehen, danach gibt es in jedem Monat bis zum Jahr 2018 einzelne Termine pro Monat. Weitere Infos und Karten gibt es hier.

Blancanieves – Filmkonzert – Frank Strobel – Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin – Konzerthaus Berlin

Einem grandiosen Filmkonzert-Erlebnis durfte ich gestern Abend im Konzerthaus Berlin beiwohnen! Ein toller Film, ein großartiges Orchester und dazu noch eine kleine Gruppe herausragend guter spanischer Musiker, die das gewisse Etwas zaubern.

Der Film Blancanieves ist sowieso schon etwas ganz Besonderes: Obwohl im Jahre 2012 entstanden, ist er ein Stummfilm in schwarz-weiß, die ganz großen Gefühle werden vor allem von der außergewöhnlichen Filmmusik transportiert. Pablo Berger, der Regie führte und auch das Drehbuch schrieb, war von einem alten Plakat inspiriert worden, auf dem stierkämpfende Zwerge zu sehen waren. Gedanklich verband er das mit Schneewittchen und eine Idee war geboren.

Sevilla, 1910, der große Torero Antonio Villalta bestreitet einen Stierkampf. Liebevoll widmet er den Kampf seiner hochschwangeren Frau Carmen, als plötzlich das Unfassbare geschieht: Abgelenkt von einem Kamerablitz wird Villalta von dem Stier auf die Hörner genommen und schwer verletzt. Während er umgehend ins Krankenhaus gebracht wird, beginnen bei seiner Frau durch den Schock viel zu früh die Wehen. Sie überlebt die schwere Geburt nicht und Villalta bleibt vom Hals abwärts gelähmt. Er will seine kleine, neugeborene Tochter vor lauter Trauer nicht sehen. Sie verlebt trotzdem eine glückliche Kindheit bei ihrer Großmutter, auch wenn sie ihren Vater vermisst. Als die Großmutter jedoch stirbt, bleibt der kleinen Carmencita nicht anderes übrig, als in das Haus ihres Vaters und ihrer Stiefmutter zu ziehen.

Die böse Stiefmutter schneidet ihr nicht nur ihre wallende Haarpracht ab, sondern weist ihr auch den Kohlekeller zum Schlafen zu und lässt sie nur schwerste Hausarbeit verrichten. Den Vater, der an einen Rollstuhl gefesselt ist, bekommt sie zunächst nicht zu Gesicht, später gelingt es ihr jedoch, sich zu ihm zu schleichen und sie verleben eine schöne Zeit. Wann immer die Stiefmutter anderweitig beschäftigt ist, bringt Antonio seiner Tochter den Stierkampf bei und sie tanzt den Flamenco, den ihre Großmutter sie lehrte. Aber schließlich kommt die böse Stiefmutter ihnen auf die Spur und sie werden fürchterlich bestraft.

Jahre später ist die Stiefmutter ihres gelähmten Mannes schließlich so überdrüssig, dass sie ihn tötet und auch versucht die verhasste Stieftochter loszuwerden. Diese wird von einem Trupp fahrender Zwerge gerettet, die von Dorf zu Dorf tingeln, Späße machen oder Stierkämpfe mit Kälbern darbieten. Schnell wird Carmen ein Teil der Gruppe und als hübscher weiblicher Torero berühmt. Natürlich dauert es nicht lange, bis auch die böse Stiefmutter Wind von dieser Showsensation bekommt und dem Treiben ein Ende setzen will…

Der Film ist ganz genauso inszeniert, wie man es von den alten Schwarzweißfilmen kennt, die Gesten sind immer übertrieben groß, die Gefühle werden überdeutlich auf Gesichtern in der Nahaufnahme gezeigt. Die Frauen sind wunderschön, die Bösen von einer schwarzen Wolke der Boshaftigkeit umgeben. Was die fehlende Sprache transportiert hätte, das übernimmt nun die Musik. Zum Flamenco mit der Großmutter erklingen fröhliche Palos, der typisch klagend-schöne Gesang erklingt. Alfonso de Vilallonga, der die Filmmusik schuf, spielt an diesem Abend Ukulele, Akkordeon und Klavier. Für die traditionellen Stücke bekommt er Unterstützung von Juan Gómez (Flamenco-Gitarre), Isaac Vigueras und David Dominguez (Palmero), Mariola Membrives (Gesang) und Katharina Micada (Singende Säge).

Ein wundervoll untypisches und besonderes Konzertereignis! Mitreißend, berührend, aber auch tragisch!

Wer nun auch gern ein solch grandioses Erlebnis im wunderschönen Konzerthaus Berlin  planen möchte, sollte sich schon mal den 27. Januar 2018 fett im Kalender anstreichen, denn da bringen Frank Strobel und das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin in Kooperation mit der Europäischen Filmphilharmonie The Artist auf die Bühne!

 

Darauf freue ich mich: Kultur und Kulinarisches im Wonnemonat Mai!

Hach, es gibt auch Anfang Mai wieder so viel zu sehen und zu erleben! Manchmal mache ich mir da wirklich selbst viel zu viel Stress, weil ich immer das Gefühl habe, überall dabei sein zu MÜSSEN! Und alles sehen zu MÜSSEN!! Das geht natürlich gar nicht. Es gibt viel zu viel zu sehen! Ich mag gar nicht daran denken, wie viele tolle Kulturangebote immer wieder an mir vorbeiziehen, ohne dass ich es merke, obwohl ich schon immer versuche, meine Augen und Ohren überall zu haben.

Für den Mai habe ich nun einiges auf meinem Notizzettel notiert, was ganz neu für mich ist. Ich war nämlich zum Beispiel noch nie in der Vaganten Bühne, obwohl das Theater mir schon von vielen Seiten empfohlen wurde. Hier also meine Tipps für die kommenden Tage und Wochen:

1. bis 7. Mai an einem strenggeheimen Ort in Friedrichshain: Cine-Mania präsentiert ein Special-Screening von dem Kultfilm Good Bye, Lenin. In passender Umgebung, mit vielen Schauspielern und mit strengem Dresscode. Verspricht spannend und sehr speziell zu werden! Die erste Show ist schon komplett ausverkauft, ranhalten!

6. Mai: In der ufaFabrik präsentiert Cihangir zum vierten und leider auch schon zum letzten Mal Orientesque, eine abwechslungsreiche Show mit Tanz, Akrobatik und Comedy. Für dieses große Finale gibt es nicht weniger als zehn angemeldete Acts! Ich bin sehr gespannt und jetzt schon traurig, weil es das letzte Mal sein wird.

Läuft bereits: Life is a Bitch oder Wie ich gestern meine Zukunft fand. Premiere in der Vaganten Bühne war schon am 19. April, im Mai gibt es weitere Termine. Die Story klingt großartig, wie ich finde: Eine Endvierzigerin namens Marlene ist des Lebens müde. Der Sprung aus dem Fenster gipfelt allerdings nicht im Ende, sondern eher in einem Anfang…

15. Mai: Es ist kein Geheimnis – Ich verehre Elvis Presley. Also horche ich natürlich auf, wenn sein Name irgendwo erklingt und am 15.05. wird er auf einer Großleinwand in der Mercedes Benz Arena zu sehen und hören sein, live untermalt von einem Symphonieorchester. Stargast ist Priscilla Presley!

16. Mai: Über das wilde Oscar und wie gut es mir dort gefällt, habe ich ja bereits mehrfach berichtet. Und im Mai gibt es dort (außer der tollen Shows natürlich)  einen Spargelabend, wie er leckerer wirklich nicht klingen könnte: Vorspeise ist ein Spargelsüppchen, danach kann man Spargel satt mit allen möglichen und unmöglichen Beilagen genießen und als Dessert gibt es dann ein Dreierlei von Rhabarber, Erdbeere und Schokolade! Menü inklusive Aperitif für nur 26,90 Euro! Schnell reservieren!

Das sind meine Tipps für den Anfang des Monats, ist da etwas für euch dabei? Habe ich etwas Wichtiges vergessen? Schreibt mir in den Kommentaren.

Frohes Kulturentdecken, eure Nicole

 

 

 

 

 

African Angels – Cape Town Opera Chorus – Philharmonie Berlin

Was für ein grandioser Abend! Was für ein wunderschönes, herzerwärmendes, seelenstreichelndes Konzert in der Berliner Philharmonie! Ich hatte Gänsehaut. Ich hätte weinen können. Ich wollte aufstehen und tanzen! Es gibt einfach so Musikstücke, die gehen dem Hörer in Mark und Bein. Selbst wenn man gar kein ausgesprochener Opernfan ist. Man muss doch zugeben, es gibt  so ganz bestimmte Stücke, die geben einem unwillkürlicher dieses erhabene, sinnenfrohe Gefühl des Glücks, das einem nur schöne Musik gibt. Ob man unter schöner Musik nun etwas von Verdi oder etwas von Metallica versteht.

Ich bin jedenfalls ohne große Erwartungen und Vorkenntnisse in das Konzert des Cape Town Opera Chors gegangen, die zur Zeit auf großer „African Angels“ Tour durch Deutschland und die Schweiz sind. 2014 hatten sie in Europa bereits große Erfolge feiern können und nun sind sie mit einem brandneuen Konzertprogramm unterwegs. Die achtzehn Sängerinnen und Sänger brachten auf jeden Fall die Philharmonie zum Beben! Nicht nur sind sie mit engelsgleichen Stimmen gesegnet, sondern auch mit großen Persönlichkeiten. In diesem Chor verschwindet niemand im Hintergrund und das liegt nicht nur an den farbenprächtigen Roben der Damen und Hemden der Herren.

Die wundervoll ausgesuchten Stücke aus Oper, Gospel und traditionellen afrikanischen Liedern, werden nicht nur gesungen, sie werden jubiliert, sie werden gefeiert, sie werden gefühlt und getrauert. Die Künstler sind mit Herz und Seele dabei, tanzen und singen, das es eine richtige Freude ist. Der Abend ist vor allem das: eine reine Freude! Der Funke zwischen Bühne und Zuschauerraum springt sofort über, so viele lächelnde Gesichter findet man in Berlin sonst eher selten.

Ob bekannte Opern wie Don Pasquale, Carmen oder Tannhäuser oder mitreissende Spirituals wie Ol‘ Time Religion und das allseits bekannte und beliebte Oh Happy Days werden auf unverwechselbare Art und Weise zum Besten gegeben, dazu eine augenzwinkernde Performance, die einzelne Stimmen und Persönlichkeiten glänzen lässt! Und die traditionellen afrikanischen Lieder sind natürlich ganz besonders schön, ob nun Sikirileke oder Baba Yetu. Am Ende tanzte der ganze Saal! Große Empfehlung für diesen tollen, abwechslungreichen Musikabend. Wer die nächsten Termine nicht mehr schafft, sollte sich Cape Town Opera auf jeden Fall für die nächste Tournee merken! Diese Abend will man nicht verpassen!

Wer möchte, kann sich den Chor auf Youtube anhören oder ihnen auf Facebook folgen, um die nächste Tour nicht zu verpassen! Auf der Website von Veranstalter BB Promotion gibt es außerdem viele, viele weitere großartige Konzerte zu entdecken.

Cast: Jodie Khan, Babongile Manga, Pumza Mxinwa, Bukelwa Velem, Cecilia Rangwanasha, Abongile Fumba, Lungelwa Mdekazi, Nonkululeko Nkwinti, Danielle Speckman, Xolani Madalane, Simphiwe Mayeki, Mthunzi Mbombela, Mlungiseleli Nqadini, Andile Tshoni, Garth Delport, Thomas Mohlamme, Martin Mkhize, Lindile Kula Jr.

Musikdirektor & Piano: José Diaz, Chorleitung: Marvin Kernelle, Regie: Tara Notcutt

StageDiven – All Female Comedy Mix Show – ufa Fabrik

Ich habe zum ersten Mal die StageDiven Show in der ufa Fabrik besucht! Obwohl ich schon öfter von der Show gehört hatte, hab ich es bisher irgendwie nie geschafft, mal vorbei zu schauen und werde das jetzt auf jeden Fall ändern, vor allem wegen der sehr sympathischen, quirligen Moderatorin: Playmobilfrisur Bartuschka!

Die Comedienne und Pantomimin hat die Show ins Leben gerufen und moderiert nun bereits seit 2004 die All Female-Abende. Sie brilliert vor allem beim herzlichen und schlagfertig-witzigen Zusammenspiel mit dem Publikum. Vor allem die Männer müssen sich sehr in Acht nehmen, wenn sie publikumsscheu sind, sollten sie sich vielleicht nicht in die 1. Reihe setzen! Bartuschka stellt auf jeden Fall witzig und spritzig, mit tagesaktuellen Spitzen, die Künstlerinnen des Abends vor, die aus allen Ecken und Enden der Welt, bzw aus allen Ecken und Enden der Kleinkunst auf die ufa-Bühne geeilt sind.

Den Anfang macht Sari, ich bin mir sicher, sie schon einmal irgendwo gesehen zu haben, bloß wo? Sie kommt auf jeden Fall als schüchterne Dutt-Trägerin mit dicker Brille auf die Bühne und hula-hoopt sich dann bis auf ein Supergirl-Kostüm hinunter! Sehr sehenswert.

Dann wirbelt Gerlinde Hellwein (Franziska Traub) über die Bühne, die schwäbische Frohnatur kiekst über Männer vs. Frauen und lädt einen Herren aus dem Publikum zum Putzlappen-Workshop auf die Bühne. Später gibt sie noch eine überraschend gute Kuhglockenversion von „Freude schöner Götterfunken“ zum Besten!

Estrella ist eine geradezu ätherisch schlanke Erscheinung, die makellos schöne Handbalance zeigt und ihren Körper beinahe unheimlich weit verbiegen kann.

Extra aus New York eingeflogen und zur Zeit für ihre aufsehenerregenden Performances heiß diskutiert: Narcissister! Die junge Frau trägt immer eine Maske, niemand kennt ihr Gesicht. Sie zeigt Burlesque andersherum, könnte man sagen, denn sie beginnt ihre Performance nackt, nur mit einer gigantischen Afrofrisur und einem Höschen bekleidet und ist zum Schluß überraschend vollständig gekleidet.

Bridge Markland, vielen Berlinern längst durch diverse Auftritte an der unterschiedlichsten Orten zu den verschiedensten Anlässen bekannt, gibt sich ebenfalls die Ehre. Zuletzt hatte ich sie im Ballhaus beim Kabarett der Namenlosen gesehen, bei den StageDiven verwandelte sich die schönste Frau der Welt zum coolsten Gentleman der Welt!

Jessie Rose aus England hat Glowing Hoops im Gepäck, bei ihr wirbeln bunte Farbspiele und wie brennend erscheinende Hula Hoops durch die Luft, ein sehr schöner Anblick!

Insgesamt ein sehr schöner und abwechslungsreicher Abend. Einen ausschließlich weiblichen Abend zu gestalten, finde ich eine wunderbare Idee und ich werde ab jetzt auf jeden Fall öfter dabei sein. Ein Besuch in der ufa-Fabrik lohnt sich sowieso immer, hier könnt ihr einen Blick in der Spielplan werfen. Die StageDiven spielen in einer ähnlichen Formation (Narcisster war nur für einen einzigen Gastauftritt in Deutschland) noch am 13., 14. und 15. April!

 

©Nicole Haarhoff