Shechter/Duato – Doppelter Ballettabend – Komische Oper Berlin

Am Freitag war eine von mir lang erwartete Premiere: Duato / Shechter, ein doppelter Ballettabend in der Komischen Oper, bei der Nacho Duato ein brandneues Stück zeigte: Erde. Ich habe vor einiger Zeit Duatos Version des Klassikers Der Nussknacker gesehen und war ganz begeistert von der zauberhaften, glitzerschönen Inszenierung.

Der erste Beitrag des Abends, von dem umschwärmten Choreographen Hofesh Shechter, könnte gar nicht weiter entfernt sein, von „Zauberhaft“. Er hat in „The Art of not looking back“ seine eigene Familiengeschichte verarbeitet. Seine Stimme erklingt aus dem Off, zunächst sanft und schmeichelnd: „My mother left me, when I was two years old.“ Bald laufen die Töne ineinander, verzerren sich zu einem in den Ohren schmerzenden Crescendo, dann ein wildes Lachen, ein Schrei. Die Tänzerinnen krümmen sich, stampfen, leiden, eine verstörende und doch irgendwie einnehmde Performance, die manchmal an Stammestänze erinnert, voll innerer Kraft und Stärke. Sehr unkonventionell, sowas habe ich noch nie gesehen oder gehört.

Nacho Duatos Stück „Erde“ ist dann vollkommen anders, in ganz klaren, überdeutlichen Bildern macht der Intendant auf die Zerstörung der Erde, auf Umweltverschmutzung und die Ausbeutung von Tieren aufmerksam. Die Tänzer sind zunächst, ganz dystopisch, nur durch eine Plastikfolie zu sehen, die sich dann als großes Plastikgefängnis herausstellt und in sich zusammenfällt. Das Ende ist ein klein wenig versöhnlich, auf der Bühne entsteht ein großer grüner Wald, in dem die letzte Tänzerin wie in eine Umarmung hineinsinkt. Die Tänzer transportieren die Aussagen durch verzweifeltes Aufbegehren in dem Plastikwürfel, ehe der Smog sie besiegt, durch zunächst begeistertes posieren mit Pelzmänteln, ehe das falsche Fell abgeworfen und schließlich zärtlich streichelnd davongetragen wird.

Zwei Stücke, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, verbunden zu einem sehr ungewöhnlichen Tanzabend. Ein sehr interessanter moderner Ballettabend, gerade für Laien wie mich unheimlich bereichernd, wenn ich auch nicht behaupten möchte, alles ganz genau verstanden zu haben oder interpretieren zu können.

Wer sich nun selbst ein Bild machen möchte, Duato/Shechter kann man noch einmal am 28. April sehen, danach gibt es in jedem Monat bis zum Jahr 2018 einzelne Termine pro Monat. Weitere Infos und Karten gibt es hier.

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Autor: Nicole Haarhoff

37, eigentlich Buchhändlerin, aber meist unterwegs ins Theater, ins Varieté, zu Shows oder Ausstellungen.

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