Krimidinner – Die Mafia lädt zum Leichenschmaus – Improtheater Paternoster – Ellington Hotel Berlin

Am Wochenende habe ich es endlich getan: Ich war bei einem Krimidinner! Krimidinner sind ein perfektes Geschenk zum Geburtstag oder zu Weihnachten, nicht einfach ein schnöder Gutschein, sondern man schenkt sowohl Gaumenschmaus als auch einen spannenden, interessanten Abend. Daher wurde in meiner Familie schon mehrmals das eine oder andere Dinner hin und her geschenkt, Oma dem Sohn, Enkel dem Opa. Ich bin bisher immer leer ausgegangen, aber selbst ist die Frau!

Am Samstagabend habe ich mich also dem wunderschönen Sommerwetter und dem Fußballspiel zum Trotz (nicht, dass mich das interessiert hätte) aufgemacht ins Ellington Hotel Berlin. In der 4. Etage befindet sich der große, helle Saal, in dem das Krimidinner stattfindet, die großen Tische sind mit riesigen Kerzenleuchtern und frischen Blumen einladend gedeckt. Jeweils zehn Gäste sitzen zusammen am Tisch, jeder Tisch stellt einen Teil der Familie dar, denn sehr schnell stellt sich heraus: Dies ist die Geburtstagsfeier für den Paten, den Don (Thomas Zug). Huldvoll geht er durch die Reihen, grüßt hier und da ein Familienmitglied. Seine Frau (Carola Neitzel) wirbelt aufgeregt durch den Raum, die berühmte Giftmörderin hat diese Feier schließlich auf die Beine gestellt und hofft auf eine perfekte Feier für ihren mächtigen Ehemann, um ihn freundlich zu stimmen und auf ihrer Seite zu wissen. Denn eines wird bald klar: Auf dieser Geburtstagsfeier wird sich entscheiden, wer die Nachfolge des ruchlosen Mafiabosses übernehmen und fortan über Berlin und Brandenburg herrschen wird.

Der erste Gang Carpaccio vom Weideochsen mit Cipriani Sauce, Rucola und Parmesan wird serviert und erste Linien werden im Sand gezogen. Die Bewerber um den Platz des Dons sind außer seiner Ehefrau auch noch Vesuvio (Stephan Ziron), der gewaltbereite, über und über tätowierte Schwiegersohn, sowie ein weiteres Mitglied der weitverzweigten Familie (Urban Luig). Aus dem freundlichen Zusammensein wird recht schnell eine ungemütliche Konkurrenzsituation und jeder versucht, seinen Tisch mit seinen Familienmitgliedern aufzustacheln. Noch bevor die Gäste die Weiße Tomatensuppe mit Basilikum-Öl und Focaccia auslöffeln konnten, sind schon ein unehelicher Sohn und eine alte Flamme aus Sizilien, die die gehörnte Ehefrau Gift und Galle spucken lässt, aufgetaucht. Hat etwa auch der Bastardsohn Chancen auf den Mafiathron?

Bei Zitronenhuhn mit Pecorino Ravioli, Fenchel, Oliven und Thymiansauce ist nun das Kombinationsgeschick und die Fantasie aller gefragt. Anhand von vorgefertigten Zetteln versuchen wir tischweise den Hergang der Blutat zu ermitteln. Denn: Einer der Beteiligten hat es leider nicht bis zum Hauptgang geschafft! Und einer der Überlebenden ist der Täter. Gemeinsam werden wir ihn überführen und dann direkt nach Mafiaart mit Betonschuhen an den Füßen in der Spree versenken!

Zum Dessert Geeister Latte Macchiato mit Mandelschaum und Schokoladen-Biscotti haben wir uns aus zwei möglichen Szenarien für das logischste und das am schönsten präsentierte entschieden. Der Täter wurde benannt und abgeführt und alle, auch der neue (oder die neue?) Don ist satt und zufrieden. An unserem Tisch wird einhellig entschieden, dass der Abend erfolgreich war. Egal ob man im Familienbund, als Paar oder mit Freunden kommt, dieser Abend ist für Jeden etwas! Neben dem großartigen Essen hat man auf jeden Fall eine Menge Spaß. Jeder darf mitraten und sich einbringen. Auch Bühnenmuffel kann ich beruhigen, niemand muss nach vorn oder wird in irgendeiner Weise vorgeführt. Die Paternoster-Crew versteht sich wunderbar darauf, einzubinden, aber nicht zu zwingen. Das Stück entsteht, wächst und lebt von den Eingebungen und Ideen der Gäste. So ist auch jeder Abend ein Unikat und immer wieder anders. Ich bewundere immer die Kreativität, den Humor und die Schnelligkeit der Impro-Schauspieler, die blitzschnell auf neue Situationen und Ideen der Gäste reagieren.

Beim Essen ist ausreichend Zeit, auch mal ein Pläuschchen mit seiner Begleitung oder den Tischnachbarn zu führen, auch für den Genuß der Speisen ist genug Zeit eingeplant. Insgesamt ein rundherum schöner Abend, der Kopf und Magen begeistert. Die nächsten Termine sind im September und November, weitere Informationen und Karten gibt es hier. Wer das Improtheater Paternoster näher kennenlernen möchte, kann eine ihrer regulären Improshows in der Kulturbrauerei besuchen, den Spielplan gibt es hier. Und zu guter Letzt gibt es auch im schönen Ellington Hotel einiges zu erleben, schaut mal hier.

©Nicole Haarhoff

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Suchtpotenzial – Eskalaaation – BKA Theater Kreuzberg

Eine Freundin von mir hat bereits das vorherige Programm der beiden Grazien von „Suchtpotenzial“ gesehen und war absolut begeistert. Ich war also prompt neugierig und wir waren gestern Abend beim nagelneuen Programm im BKA Theater: Eskalaaation! Es wurde auch direkt eskaliert, da konnte das Berliner Publikum gar nicht umhin! Es war einfach kacklustig, mitreißend, spritzig, schlau, fies, frech und toll gesungen und gespielt. Wer vorher noch nicht Fan war (ein Großteil des Publikums war Wiederholungstäter), der ist es auf jeden Fall jetzt!

Die beiden Schönheiten Ariane Müller und Julia Gámez Martin lernten sich 2011 in Ulm kennen und machen nun gemeinsam Musik, ihre Songs erzählen von Liebe und Hipstertum, vom Älter-(und uncooler)werden und von Mode, von Alkohol und Wurst. Ariane Müller, mit ihrer feenhaften blonden Haarpracht, sitzt am Klavier und spielt Gitarre, sie ist die vegetarische Gegenstimme (eine überraschend rauchig-kräftige Stimme) zu Fleischesserin Julia. Die rassige Julia ist auch eine tolle Schauspielerin, sie wirft sich mit voller Power hinein in ihre Songs, wird Hipster oder Metaler, gurrt Chansons und kreischt Entführungsfantasien.

Genauso vielfältig und abwechslungsreich wie ihre Liedertexte sind auch ihre Melodien, von Fado über Rock erklingt beinahe die ganze musikalische Bandbreite an diesem Abend! Ich musste mir mehrmals die Tränen aus den Augen wischen, so witzig und punktgenau sind die Texte. Zielsicher wurden die Schwachpunkte der obercoolen Barthipster anvisiert und genau ins Ziel getroffen! Mit Tattooärmeln und Wollmützen werden die beiden Mädels auf der Bühne zu Lumberjack-Hipstern. Im obercoolen Kreuzberg ruft das im Publikum Lachsalven, aber auch einige versteinerte Gesichter hervor. Kokosöl  ist auf jeden Fall mein neuer Lieblingssong! Dicht gefolgt natürlich von dem höchst romantischen Liebeslied, das mit Entführung und Fesseln droht.

Die beiden Musikerinnen mögen sich, das merkt man, sie werfen einander geschickt die Unterhaltungsbälle zu, wie das nur gute Freundinnen können. Kleine Spitzen und Fiesheiten inklusive. Aber am Ende haben sie sich wieder ganz lieb und fordern: Ficken für den Frieden! Heute Abend sind die Mädels nochmal im BKA zu sehen, ansonsten gibt es hier weitere Infos und ihren Tourplan.

Nicht verpassen, ihr werdet euch auf jeden Fall amüsieren! Das bis auf den letzten Platz volle BKA hat sich auf jeden Fall amüsiert und feierte tosend noch zwei Zugaben! Eskalaaation!!! Katja Ebstein hat augenscheinlich keine Ahnung.

©Nicole Haarhoff

Billy Budd – Benjamin Britten – Deutsche Oper Berlin

Düster dräuend erhebt sich das Kriegsschiff Indomitable über dem Handelsschiff Rights o’Man. Eine Entereinheit kehrt siegreich zurück und zerrt drei mehr oder weniger widerstrebende Männer an Bord. Einer, ein Kaufmann, protestiert besonders lautstark gegen die Zwangsrekrutierung, aber tun kann er nichts dagegen. Die Befehlshabenden an Bord sind nur wenig begeistert von ihrem Fang. Einzig Billy Budd (John Chest), ein hübscher junger Mann, der vormals auf der Rights o’Man als Seemann diente, gefällt den Obrigkeiten, er scheint seetüchtig und fähig. Außerdem ist er auch als einziger aus seiner kleinen Truppe dem Schiffswechsel nicht abgeneigt. Im Gegenteil, für ihn bedeutet das vor allem eine bessere Position an Bord. John Claggart (Gidon Saks), der brutale und allseits gefürchtete Waffenmeister, sieht Billy und entbrennt gegen seinen Willen sofort in Begehren zu ihm. Er versucht das ungewollte Gefühl im Keim zu ersticken und schickt einen schleimigen Möchtegern namens Squeak (Paul Kaufmann) aus, um den Neuling auszuspionieren und nach Möglichkeit gar zu diskreditieren.

Billy Budd lebt sich schnell auf dem Schiff ein, versteht sich gut mit seinen Kameraden, mag seine Arbeit. Er ist sich den drohenden Wolken, die sich über ihm zusammenziehen, bis ganz zum Schluss gar nicht bewusst. Die Intrigen, die Claggart hinter seinem Rücken spinnt, die Gefühle, die er für den schönen jungen Seemann hegt, das alles bemerkt dieser gar nicht. Er träumt stattdessen von einer Beförderung und bewundert still den prächtigen Kapitän Edward Fairfax Vere (Richard Croft), der ihm intelligent und gerecht erscheint.

Die Arbeit auf dem Schiff, der Krieg und die Kampfhandlungen, die auf die Schiffsbesatzung warten, alles ist düster und schwer. Auch das herannahende Drama um den fröhlich-naiven Billy, der wie ein Lamm zur Schlachtbank unwissend auf das Schiff kommt und alles in Gang setzt, legt einen Schleier von Traurigkeit über die Oper. Die Männer sind stark und stolz, grimmig und entschlossen. Einzig die Gesänge der Matrosen nach einem langen Arbeitstag an Bord ergeben ein wenig Heiteres.

Der Schiffsrumpf, die Kapitänskajüte, alles wird in der Deutschen Oper auf unnachahmliche grandiose Art und Weise auf die Bühne gebracht. Bewunderswert einfallsreich! (Bühne: Paul Steinberg) Die Arbeit der Männer auf dem Deck und in den Takelagen wird mit schweren Tauen dargestellt. Man glaubt tatsächlich, man könne die Wellen ans Schiff schlagen hören und die Gischt riechen! Gefällig ist die Oper allerdings nicht, nicht romantisch oder auch nur schön. Die Männer sind hart, die Situation aussichtslos, das Ende unausweichlich. Zwischen den kühlen und abrupten Offizieren ist der jugendlich-enthusiastische Billy Budd der einzige Lichtschein, ansonsten bestimmen Arbeit, Krieg und Peitsche den Alltag. Die Musik ist militärisch geprägt, seemännisch und nur manchmal erklingen süße Jungenstimmen.

Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie schwer es für den musikalischen Leiter Moritz Gnann und das Orchester der Deutschen Oper Berlin ist, so reibungslos und perfekt von einem so heiteren Opernabend (Der Liebestrank) zu solch schwerer Kost zu wechseln. Schwieriges, aber sehr hörens- und sehenswertes Werk des britischen Komponisten Benjamin Britten, der Billy Budd nach dem letzten Roman von Melville erschuf. Während der Roman unvollendet blieb und viele Fragen aufwarf, machte Britten aus dem Stoff ein tragisches Liebesdreieck und ein schwules Drama der Begehrlichkeiten. In der Deutschen Oper bleibt dieser Teil der Geschichte teilweise verborgen und wird nicht speziell hervorgehoben.

©Nicole Haarhoff

 

 

 

Der Liebestrank – Gaetano Donizetti – Deutsche Oper Berlin

Was für ein Spaß!

Eine solch lockerleichte, lustige und wundervoll aufgeführte Oper habe ich lange nicht gesehen! Der Liebestrank ist wie ein leckerer Hugo in der Vorstellungspause: spritzig und süffig, geht ein bisschen in den Kopf und macht fröhlich.

In der italienischen Provinz stehen auf einem Marktplatz die Wohnwagen einer Theatertruppe im Kreis um eine kleine Bühne herum. Das fahrende Volk probt für die nächste Aufführung. Die Leiterin der Truppe plant etwas Neues, eine antike Oper im Stil von Tristan und Isolde soll es sein. Ganz große Gefühle auf der ganz kleinen Bühne. Adina selbst ist auch voller großer Gefühle. Die zauberhafte, charmante junge Dame (Aleksandra Kurzak) kokettiert und spielt gern. Sie ist schön und sie weiß das formvollendet einzusetzen. Heimlich angebetet wird Adina von Nemorino (Roberto Alagna), der nicht Schauspieler sondern Hausmeister ist. Der schüchterne, zurückhaltende und sanftmütige Nemorino hat seine Gefühle schon ein ums andere Mal erklärt, aber die stolze Adina hat ihn nicht erhört. Verzweifelt beobachtet der arme Nemorino, wie Adina stattdessen demonstrativ mit dem schneidigen Sergeanten Belcore (Thomas Lehman) anbändelt.

Für alle Beteiligten verändert sich alles, als der schmierige Quacksalber Dulcamara (Mikheil Kiria) mit seinem Wägelchen voller Tinkturen, geheimnisvollen Mittelchen und Pulvern im Lager auftaucht. Mit Hilfe seines Handlangers eröffnet er sofort eine aufsehenerregende Verkaufsshow und zieht die Aufmerksamkeit aller auf sich. Auch Nemorino kann sich dem glitzernden Pomp des Scharlatans nicht entziehen. Er wendet sich hilfesuchend an ihn. Einen Zaubertrank braucht er! Einen Liebestrank, um die schöne Adina endlich zu erobern! Dulcamaras Vorrat ist leider gerade zur Neige gegangen, aber das hindert den gewieften Verkäufern nicht, ein Geschäft zu tätigen: Er gibt Nemorino einfach schnöden Rotwein als Liebestrank. Durch diesen flüssigen Mut beseelt, erklärt Nemorino erneut seine Liebe, nur um wieder brutal abgewiesen zu werden. Adina hält Treue für einen Wahn und weist Nemorino hochmütig an, doch lieber jeden Tag die Liebhaber zu wechseln, das sei der einzige Weg, das Leben zu leben. Nemorino gibt sich, vom Alkohol den Rücken gestärkt, desinteressiert und reizt Adina damit bis zu völlig überstürzten Trotzreaktionen: Sie verspricht, den arroganten Belcore zu ehelichen – noch am selben Abend!

Eine wunderschöne, ungemein lustige und sympathische Oper, die einfach gute Laune macht. Man summt sich danach, mit der Liebe und dem Leben versöhnt, tänzelnd hinaus auf die Berliner Straßen. Die Besetzung des Liebespaars in spe mit den Eheleuten Kurzak und Alagna ist schlichtweg genial, die Luft zwischen den beiden vibriert und funkelt nur so. Sie verkörpert die freiheitsliebende, moderne und unabhängige Schönheit bis in die Fingerspitzen. Er ist genau auf die richtige Art und Weise charmant und dennoch arglos, naiv, aber sympathisch. Man wünscht ihm alles Liebesglück der Erde. Dulcamara ist nicht wirklich ein Bösewicht, sondern eher ein charismatischer Halunke, der mit seiner rechten Hand eine gelungene Show abliefert und dem man eigentlich nicht böse sein kann. Die Musik, unter der Leitung von Moritz Gnann, tanzt und hüpft durch die amüsante Geschichte. Ein großer Opernspaß! Sehr zu empfehlen für alle Opernneulinge, Romantikfans und Wagnergeplagten.

Am 27. Mai zum letzten Mal in dieser Spielzeit in der Deutschen Oper, Info und Karten hier.

© Nicole Haarhoff

 

The Addams Family – Das Broadway Musical – Admiralspalast Berlin

Sie ist da! Eine schreckliche morbide Familie ist in Berlin eingereist, im Gepäck fleischfressende Pflanzen, geheimnis- und verhängnisvolle Gebräue und diverse Waffen… Die Rede ist von der Addams Family! Die skurrilen und schwarztragenden Sonderlinge, die schon seit Jahrzehnten in Cartoons, Fernsehserien und Kinofilmen mit ihren makabaren Hobbys und ihrem seltsamen Gebaren begeistern, haben nun die Bühne des Admiralspalastes erobert und ihre unheimliche, verwitterte Villa gleich mitgebracht!

Wenn die ersten Töne der altbekannten Serienmusik erklingen, dann geht direkt ein aufgeregtes Raunen durch das Premierenpublikum – wir betreten durch Nebel und moosbewachsene knorrige Bäume hindurch direkt die bizarre, verstörende Welt der Addams Family. Mit unglaublich geschickt gebauten Bühnenaufbauten wird die düstere Villa mitten im Central Park in der die Addams leben vor unseren Augen lebendig. Gomez Addams (Uwe Kröger), Oberhaupt der Familie, Gigoloäußeres, immer eine Zigarre in der Hand, aber ein Herz aus Gold, das nur für seine Familie und vor allem für seine schöne Frau Morticia schlägt. Morticia Addams (Edda Petri) groß, gertenschlank, streng, immer in hautenger nachtschwarzer Robe. Unnahbar und stolz wirkend, aber ihrem Gatten und ihren Kindern in düsterer, ewiger Liebe zugetan. Wednesday und Pugsley (Henriette Schreiner und André Haedicke) die Addams Sprösslinge sind älter geworden, sie sind nun Teens, aber noch immer ist ihre liebste Beschäftigung Folter und Qual, wobei Wednesday die Täterin und Pugsley das willige und begeisterte Opfer ist. Hausdiener Lurch (Gerhard Karzel), Granny (Petra Lamy) und natürlich der notorische Onkel Fester (Oliver Mülich) machen den exzentrischen Haushalt komplett.

Aber Wolken ziehen auf, am dunkeldrohenden Himmel der Addams-Familienfreude: Tochter Wednesday, eigentlich stoisch und kaltblütig, hat sich tatsächlich verliebt! Und dazu auch noch in einen „Normalen“. Sie wollen gar heiraten! Und zu diesem Zweck hat sich der Bräutigam (Benedikt Ivo) mitsamt seinen Eltern (Andreas Zaron und Franziska Becker) zum Antrittsabendessen angekündigt. Verzweifelt wendet sich Wednesday an ihren Vater, sucht seinen Rat. Er soll dafür sorgen, dass sich die Familie möglichst normal benimmt und die Schwiegereltern in spe nicht zu sehr schockt. Und er soll die Verlobung vor seiner geliebten Morticia geheim halten! Dabei gibt es für das Ehepaar Addams nichts wichtigeres als die Tatsache, dass man keinerlei Geheimnisse voreinander hat! Gomez steuert zielsicher in eine Ehekrise hinein, Wednesday hat die Krise schon vor der Ehe und die restlichen Familienmitglieder haben ihre ganz eigenen Probleme. Dazu kommen die zum Leben erweckten Addams Ahnen, die fröhlich durch die verrottete Villa tanzen, Fester hatte sie aus ihren Gräbern geholt und sie sollen nun bei der Lösung der verschiedenen Familien Irrungen und Wirrungen helfen!

Die Schwiegereltern in spe, Alice und Mel Beineke stehen vor dem Kulturschock ihres Lebens! Nachdem sie beobachten durften wie Morticia ihre Lieblingspflanze mit einer lebenden Maus füttert, man ihnen verstörende Familienbilder zeigte (Was ist das? – Oh, nur ihr zweiter Kopf!) und Gomez seine liebsten Folterinstrumente vorführte, sind sie nicht mehr wirklich begeistert ob der herannahenden Bindung zu dieser ganz speziellen Familie! Allerdings stößt ein aus Versehen ausgegebener Wahrheitstrank die Beiden dann auf ihre eigenen Eheprobleme, denn auch die Normalos haben es nicht leicht!

Gibt es hier irgendwo einen Raum für kleine Mädchen? -Alice

Ja, aber die haben wir alle freigelassen. -Gomez

Außergewöhnliche, düstere und dennoch ungemein witzige Musicalhommage an diese wunderbar-seltsame Familie, die alles auf den Kopf stellten, was man je über die „normale“ Durchschnittsfamilie zu wissen glaubte. Es wird fröhlich gefoltert und mit Waffen gespielt, aber tief im Innern liebt man einander doch innig, mit allen Macken und Fehlern, selbst wenn man seinen Bruder mal auf die heiße Herdplatte setzt (Wednesday) oder leidenschaftlich den Mond anbetet (Fester). Alle Fans der alten Serie oder der Kinofilme kommen hier total auf ihre Kosten, es gibt viele, viele kleine Verbeugungen und Kopfnicken in Richtung der alten Vorlagen, die man als wahrer Fan versteht und schätzt! Aber auch Neulinge werden sich in diese schrillste aller schrillen Familien verlieben, wie kann man auch tanzenden Toten, historischen Folterinstrumenten und Monstern unter dem Bett widerstehen?

Die Auftretenden sind alle großartig, allen voran natürlich der wunderbare Uwe Kröger, der den Gomez bis in die Fingerspitzen hinein perfekt zu verkörpern weiß. Und die fantastische Edda Petri als imposante und erotisch-kühle Morticia – hinreißend! Lurch, der langsamste aller untoten Hausdiener und ein Stimmwunder ist ebenso zielsicher besetzt wie Onkel Fester, der schrullig-verschrobene und doch unsterblich Verliebte. Ich habe selten bei einem Musical so sehr gelacht! Ein riesiger Spaß mit liebenswert kauzigen Helden, stimmigen Songs, toller Musik und sexy Tanzeinlagen. Ein Muss für alle Fans und alle die es werden wollen! Nicht verpassen!

Weitere Infos und Tickets gibt es hier. Nur noch bis Sonntag im Admiralspalast Berlin zu erleben! Packt eure schwarzen Klamotten aus, gelt eure Haare streng zurück, die Addams Family ist in Town!

©Nicole Haarhoff

 

Katharine Mehrling au Bar – Bar jeder Vernunft – Berlin

Am Wochenende war ich bei einem wunderbaren Konzert im schönen Zelttheater Bar jeder Vernunft. Die Sängerin, Schauspielerin und Songwriterin Katherine Mehrling, das Allround-Talent aus Theater, Musical und Konzertsaal, gab sich die Ehre und eines der schönsten Konzerte, denen ich bisher in der Bar jeder Vernunft beiwohnen durfte. Vor ausverkauftem Haus begeisterte, umgarnte und becircte die Mehrling mit ihrer Stimme und mit ihrem Charme.

Am Anfang sagte sie zu einem der Gäste in der ersten Reihe, sie müssten aufpassen, dass sie sich nicht ineinander verlieben würden, aber ich glaube, am Ende des Abends war das gesamte Haus ein wenig oder ein wenig mehr in Katherine Mehrling verliebt. Das war ganz und gar unausweichlich.

Sie blickt auf eine beeindruckende Sammlung starker und besonderer Frauen zurück, die sie bereits auf die Bühne gebracht hat, von Judy Garland über Eva Peron (Evita) bis hin zu Irma (Irma la Douce) und Fanny (Funny Girl). Und all diese Frauen haben sie geformt, so wie sie diesen Frauen Leben einhauchte, mit ihrer wunderbaren Reibeisenstimme, ihrer wuchtigen und beeindruckenden Bandbreite an heiser, sanft, frech und einschmeichelnd. In einem Medley aus verschiedenen bekannten Musicalsongs kann man eindrucksvoll hören, wie breit ihr Repertoire ist und wie sehr sie es versteht, weltbekannte Songs zu ihren eigenen zu machen. Bei manchen Liedern, obwohl hundert Mal gehört, erscheint es dem Zuhörer, als würde man sie zum ersten Mal hören!

Ob Lieder von Edith Piaf, von Charles Aznavour oder von Udo Jürgens, sie alle werden zu etwas Besonderem. Den persönlichsten Song des Abends singt sie dann aber im Duett. Gemeinsam mit ihrer Mutter Grit von Osthe, deren rauchig-besondere Stimme raschelnd vom Band kommt und aus der Vergangenheit. Die Sängerin und Betreiberin einer Musikkneipe war es, die Katherine zum Singen brachte, die sie beeinflusste und beeindruckte. Eine wunderschöne Hommage an eine und an alle Mütter, wunderbar passend zum Muttertag am Sonntag!

Ein durch und durch wunderbares Konzert, mal nachdenklich, dann wieder fröhlich und wild. Intim und persönlich, so wie auch der schöne Ort: die immer willkommen heißende und mit offenen Armen empfangende Bar jeder Vernunft.

Die musiciens de Jazz:
HD Lorenz: Kontrabass
Stephan Genze: Schlagzeug
Jo Gehlmann: Gitarre
Ferdinand von Seebach: Klavier, Posaune, Tuba

Leider ist ihre Konzertreihe in der Bar jeder Vernunft damit auch beendet, aber nicht traurig sein, wer Katharine Mehrling bald wieder live erleben möchte, kann sie bald in einer ihrer allerbesten Rollen sehen, als Judy Garland im Schauspiel End of the Rainbow am Schlosspark Theater hat sie Kritiker und Publikum seit der Uraufführung 2012 gleichermaßen begeistert. Und am 26. September feiert das Stück seine Wiederaufnahme! Informationen und Tickets gibt es hier.

Und auch in der Bar jeder Vernunft geht es natürlich aufregend weiter, ein Blick in den Spielplan lohnt sich! Ich kann euch auch das wunderbare Menü für Mai und Juni ans Herz legen, ich sage nur: Spargel und Erdbeeren! Und das Gute an einer Reservierung mit Menü ist (außer dem guten Essen, natürlich) ein fester Sitzplatz in der Kategorie I. Da die Platzwahl innerhalb der Kategorien frei ist, ist das ein nicht zu missachtender Superbonus!

©Nicole Haarhoff

Darauf freue ich mich: meine Kulturtipps für die kommenden Wochen!

Musicalfans in Berlin muss zur Zeit das Herz geradezu übergehen! Es gibt gleich mehrere großartige Werke in Berlin zu bestaunen, mit großartigen Sängern und tollen Stories auf den schönsten Bühnen von Berlin. Allen voran natürlich Der Glöckner von Notre Dame, das Disney Musical, das zur Zeit das Theater des Westens zum Beben bringt. Ich habe es leider noch nicht gesehen, will aber unbedingt, vor allem natürlich wegen der wunderbaren Sarah Bowden in der Rolle der Esmeralda.

Aber auch sonst kommt einiges auf uns zu! Im Rahmen des Sommer Festivals im Admiralspalast kommen zwei bekannte und beliebte Musicals auf die Bühne an der Friedrichstraße. Das weltberühmte Cats und das lokalkolorit-gespickte Der Hauptmann von Köpenick! Ihr könnt bei mir für beide Musicals Karten gewinnen!!

Nächste Woche kommt aber erst einmal ein anderes Musical nach Berlin, auf das ich mich schon unheimlich freue! The Addams Family, die krasseste und morbideste Familie überhaupt, mit mordlustigen Kindern, einem beflissenen Frankenstein-Monster und einer äußerst aktiven abgehackten Hand! Von Mittwoch bis Sonntag, 17. Mai bis 21. Mai, im Admiralspalast!

Ebenfalls im Admiralspalast, allerdings im Studio, ist in diesem Monat ein sehr interessanter Comedian, Satiriker, Autor und Musiker: Shahak Shapira. Ich bin gerade erst vor kurzem auf ihn aufmerksam geworden, als er in einer vielbeachteten Aktion die Instagramselfies, die Hipster und Touris vor dem Holocaust-Mahnmal gemacht hatten, mit Bildern aus dem KZ unterlegte. Seine Analysen der täglichen Vorkommnisse auf seiner Facebook-Seite sind sehr witzig und bissig, seine Show wird sicher spannend! 17. Mai (ausverkauft) und Zusatzshow am 25. Mai.

Am 27. Mai gehe ich zum allerersten Mal zu einem Krimi-Dinner! Ich bin schon sehr gespannt, das Menü klingt großartig und dazu improvisiert die bekannte Paternoster-Impro-Truppe (Maschinenhaus der Kulturbrauerei) eine Mafiasause mit Musik und allem, was so dazu gehört im schnieken Ellington Hotel. Ich habe mein Abendkleid schon zurechtgelegt und freue mich sehr.

Der Juni startet für mich mit Stepptanz! The Tap Pack, eine fünfköpfige Herrentruppe aus Down Under ist zu Gast im Tipi am Kanzleramt, eine Deutschland-Premiere! Die smarten jungen Männer tanzen nicht nur, sie singen auch live und versprechen eine grandiose Show! Den ganzen Juni und Juli im schönen Showzelt zu erleben!

Am 3. Juni gibt es wieder einen wichtigen Termin für alle Musicalfans. Die Gentlemen des Musicals, Jan Ammann und Kevin Tarte geben wieder eines ihrer umjubelten Musical-Konzerte, ebenfalls im Studio des Admiralspalast. Die beiden Showgrößen blicken auf zahllose große Rollen in diversen Musicals zurück, zum Beispiel Tarzan, Rebecca, Die Schöne und das Biest, Tanz der Vampire…

Viel zu sehen und zu erleben in Berlin! Ich wünsche euch viel Spaß mit den ersten Sonnenstrahlen und beim Kulturentdecken!

Nicole Haarhoff