Cihangir präsentiert, zum letzten Mal: Orientesque IV – ufaFabrik Berlin

Wirklich schade – ich war am Wochenende zum ersten Mal bei Cihangirs Tanzshow Orientesque und damit leider auch zum letzten Mal, denn die Showreihe ist damit zu ihrem fulminanten Ende gekommen. In der Zukunft wird sich der Organisator, Tänzer und Allroundkünstler Cihangir Gümüstürkmen, anderen Projekten widmen, am 11. September 2017 startet zum Beispiel seine Open Stage Show. Ebenfalls in der ufaFabrik: motley monday!

Aber erst einmal zur vorhergegangenen Showreihe: Orientesque. Der Name hatte mich schon mehrfach neugierig werden lassen und in diesem Jahr wollte ich es endlich mal dorthin schaffen, vor allem, als sich abzeichnete, dass es nun die letzte Show sein würde!

Nachdem Ideengeber und Organisator des Abends, Cihangir, der den Abend mit wunderschönem Kostüm und elegant-fließendem Bauchtanz einläutet, erobert Dina Abdel die Bühne. Die energische und fröhliche ägyptische Tänzerin bringt sowohl mit ihrem Kostüm als auch mit ihren Bewegungen Feuer und Temperament auf die Bühne. Das Zusammenspiel aus ihrem fliegenden Rock und den elegant fließenden Schleierfächern lässt flackernde und spielende Flammen auf der Bühne entstehen! Einen der spannendsten und am längsten in mir nachhallenden Auftritte legt dann Madlen Werner hin. Sie ist in dem klassischen indischen Tanz „Kathak“ und in Orientalischem Tanz ausgebildet und vor allem ihr erster Tanz des Abends, in einem wundervollen Sari, ist sehr eindrücklich und einfach wunderschön. Die eleganten Hand- und Armbewegungen, das Langsame, Fließende und doch Kraftvolle des Tanzes, das ich sonst noch nie auf diese Art gesehen habe, hat mich sehr beeindruckt. Ich hatte vorher, das muss ich zu meiner Schande gestehen, mit „Indischem Tanz“ eher Bollywood und kitschige Musicalfilme verbunden.

Überhaupt trägt der Orientesque-Tanzabend sehr dazu bei, Vorurteile zu beheben, die man vielleicht gegenüber dem Bauchtanz gehegt hat. Keine fragwürdige Erotikshow, keine reines „Bauchgewackel“. Und auch mit dem Vorurteil, Bauchtanz sei eine rein weibliche Domäne räumt der Abend auf, nicht nur wegen Cihangir sondern auch wegen dem Tänzer Mustafa Roshan, der sich auf libanesischen Tanz spezialisiert hat. Der fröhlich-sympathische Tänzer reißt mit seiner Energie und seinem Elan das Publikum unwillkürlich mit sich!

Neben bestechenden Einzelperformances gibt es an diesem Abend auch mehrere großartige Ensembles zu bestaunen, die mit Schönheit, Anmut und Gelenkigkeit entzücken. Da ist zunächst das Ensemble Hayalina um die Tänzerin und Choreographin Shalymar. Die schwangere Schönheit und ihre Grazien zeigten neben wunderschönen Kostümen auch harmonisch-elegante und sinnlich-schöne Tanzbewegungen. Sehr schön anzusehen, mal sanft und dann wieder fröhlich und zum Klatschen animierend. Die Schauspielerin und Tänzerin Suzan Demircan hat das Ensemble Suzanour zusammengestellt und extra aus Magdeburg angereist ist Carmen Puschmann mit ihrem Ensemble Arabianna. Während die elfenhaften Schönheiten rund um Suzan klassisch-schönen orientalischen Tanz zeigen, zeigt Carmen mit ihrem Team eine sehr spezielle Plastik-Performance und einen Tanz der Dunklen Elfe. Die Ensemblechefin beeindruckt in fantasievollem Elfenkostüm und tanzt auch fantastisch-wild. Das preisgekrönte Tanzstück des Ensembles ist düster, die schwarzgekleideten Tänzerinnen sind umschlungen und umwirbelt von Plastikfahnen. So sind die Auftritte, obwohl alle unter dem Hut des Orientalischen Tanzes zusammengefasst, doch abwechslungsreich und mannigfaltig. Ich konnte auf jeden Fall sehr viel dazulernen und war ganz begeistert davon, wie vielfältig und unterhaltend der Orientalische Tanz doch ist.

Den Abschluss der Show bildet dann die Moderatorin, Shosha Lilienthal. Nachdem sie amüsant durch den Abend führte, zeigt sie zum Schluss noch ihre artistischen und komödiantischen Talente, als „Prißilla“, die tollpatschige Trapezkünstlerin.

Wer sich nun von meiner Begeisterung anstecken lassen möchte, kann zum Beispiel am 13. Mai das Ensemble Hayalina mit ihrer eigenen Show Wa Bas!  im Tiyatrom Berlin erleben. Und den Spielplan der ufa Fabrik findet man hier.

© Nicole Haarhoff