Disney – Der Glöckner von Notre Dame – Das Musical – Theater des Westens

Ich habe Der Glöckner von Notre Dame in den Jahren zwischen 1999 und 2002, als es im Theater am Potsdamer Platz lief, bestimmt fünf Mal gesehen! Das mag für echte Hardcore-Musicalfans nicht nach sonderlich viel klingen, aber für meine Verhältnisse ist es das. Ich schaue eigentlich Shows und Stücke nicht unbedingt mehrmals. Aber Der Glöckner von Notre Dame ist einfach eine solch zeitlos traurig-schöne Geschichte und die Disney Version punktet mit so vielen grandiosen Songs, da konnte ich einfach nicht widerstehen! Ihr könnt euch also meine Begeisterung vorstellen, als ich hörte, dass der Bucklige wieder nach Berlin kommen würde, dieses Mal ins prächtige Theater des Westens! Und dem ganzen eine Krone aufgesetzt, hat die Tatsache, dass die Esmeralda von niemand anderem dargestellt wird als von Sarah Bowden! Ich liebe ihre Stimme, ihre Ausstrahlung, ihr Temperament seitdem ich sie mehrmals im Wintergarten Varieté sehen durfte, in der Soap Opera zum Beispiel oder in meinem All Time Favorite: Der helle Wahnsinn.

Ich konnte also gar nicht fernbleiben, selbst wenn ich gewollt hätte. Und ich wurde nicht enttäuscht! Was für ein bombastisches Werk! Allein der Bühnenaufbau – grandios! Beeindruckend echt hat man die berühmte Kathedrale Notre Dame auf die Bühne des Theaters transportiert. Das weltbekannte Buntglasfenster, der imposante Glockenturm, man fällt kopfüber hinein in die tragisch-heroische Geschichte von Victor Hugo: zwei ungleiche Brüder, einer stolz und selbstgefällig, einer fröhlich und freiheitsliebend. Sie werden als Waisen von der Kirche aufgezogen, einer folgsam, einer immer rebellisch. Als junge Männer trennen sich ihre Wege, der eine verliebt sich in eine schöne Zigeunerin, der andere bahnt sich langsam aber stetig einen Weg bis an die Spitze der Kirche. Jahre später treffen sie sich wieder, auf dem Sterbebett übergibt Jehan, der wilde Bruder seinem Bruder Claude sein Kind. Es ist missgestaltet und Claude Frollo nimmt sich nur sehr widerwillig seiner an. Er versteckt das Kind auf dem Glockenturm, niemals soll der Junge Notre Dame verlassen.

Als junger Mann schaut Quasimodo hinab auf Paris, das er bis dahin immer nur von oben sah. Sein eintöniger Alltag wird nur unterbrochen von den Besuchen Frollos, den er „Meister“ nennt. Frollo predigt vom Bösen im Menschen, er warnt Quasimodo immer wieder vor dem „Draußen“, aber der junge Mann kann einfach nicht anders, als sich dorthin zu sehnen. Das alljährliche Narrenfest lockt mit wilden Tänzen und allerlei Vergnüglichkeiten, Quasimodo schleicht sich hinab zwischen all die Feiernden. Auch die schöne Zigeunerin Esmeralda befindet sich an diesem Tag auf dem Fest und ohne es zu wissen, zieht sie die Blicke von drei ganz unterschiedlichen Männern auf sich und besiegelt damit ihrer aller Schicksal: Quasimodo, der sie staunend bewundert. Phoebus, ein junger Soldat, gerade von der Front zurückgekehrt und auf der Suche nach Zerstreuung. Und Frollo, der gleichzeitig angezogen und abgestoßen, den gierigen Blick nicht von ihr wenden kann.

Das Schicksal nimmt unweigerlich seinen Lauf, der alleszerstörende Hass, den Frollo auf sich selbst und seine eigenen Triebe hat, droht nicht nur die zart aufkeimende Liebe zwischen Esmeralda und Phoebus zu zerstören, sondern bedroht gar das Leben der beiden und auch das von Quasimodo, der bereit ist, für Esmeralda seinen Glockenturm, seine Zuflucht zu verlassen! Eine dramatisch-schöne Geschichte voller Liebe, Mitgefühl, Mut und Verzicht. Wen „Disney“ irgendwie abschreckt: Die Geschichte lehnt sich mehr an den Roman von Victor Hugo als an den Zeichentrickfilm, aber die wunderbaren Gänsehautlieder sind enthalten. Vom ersten Ton an, wenn der Kirchenchor (ORSO) seine Stimme erhebt, weiß man schon, was für ein musikalisch beeindruckender Abend es werden wird. Jede einzelne Stimme: perfekt. David Jakobs als Quasimodo, eine schauspielerische und gesangliche Meisterleistung! Sarah Bowden als Esmeralda: rassig, wild, temperamentvoll und wunderschön, aber auch  sanft und gefühlvoll in ihren sehnsuchtsvollen Liedern. Felix Martin als Claude Frollo, geradezu abstoßend selbstherrlich, herrisch, unnachgiebig, ein Erzschurke mit beeindruckender Stimme! Maximilian Mann als Phoebus, zunächst leichtlebig und nur auf der Suche nach Zerstreuung, aber dann doch auch ein Mann mit Herz und Anstand. Und auch jeder einzelne Zigeuner, Soldat und/oder Mönch ist wunderbar und vor allem sehr wandlungsfähig!

Ein richtig schönes Musical zum Schwärmen und Mitleiden. Genau so, wie man sich ein Musical wünscht, mit ganz großen Gefühlen, ganz großen Ohrwurmliedern und ganz großer Aufmachung. Rundherum bombastisch, ein Fest für alle Sinne. Man möchte am liebsten auf seinem Sitz sitzenbleiben und es gleich nochmal schauen! Meine absolute, totale und unumwundene Empfehlung für dieses Musical! Schaut es euch an! Ihr werdet es nicht bereuen! Infos und Tickets gibt es hier. Bis zum November gibt es Supersondersommerpreise!

©Nicole Haarhoff

 

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Jetzt schon an den Herbst denken! oder Knacken wir die 10.000?

Endlich ist es richtig schön warm in Berlin (Gewitter jetzt mal außen vor) und ich möchte, dass ihr euch nun mal ernsthafte Gedanken über den goldenen Herbst macht. Warum? Weil man für die kalte Jahreszeit gar nicht früh genug planen kann, deshalb. Man möchte es in den dunklen, kalten Herbst- und Wintermonaten warm und gemütlich haben. Man möchte spannende und schöne Theaterstücke in interessanten, behaglichen Theatern sehen – logisch. Und ein wunderbares Theater habe ich euch schon mehrfach vorgestellt, das Pfefferberg Theater in Prenzlauer Berg. Dort spielt sich das Hexenberg Ensemble Herz und Seele für uns aus dem Leib. Meine Berichte gibt es hier und hier.

Und ebenjenes Hexenberg Ensemble braucht nun eure Hilfe! Im Herbst möchten sie nämlich eines von Shakespeares wunderbaren Werken aufführen: Das Wintermärchen. Eines meiner absoluten Lieblingsstücke, ich habe es vor einigen Jahren mal als Ballet gesehen, live übertragen aus dem Royal Opera House und habe dicke Krokodilstränen geweint. Daher freue ich mich sehr darauf, dieses tragische und doch märchenhaft schöne Theaterstück um Eifersucht, royale Verwicklungen und ewige Liebe im Pfefferberg zu sehen!

Lasst uns also bis zum 15. Juli die 10.000 Euro Grenze knacken und dieses tolle Projekt auf den Weg bringen. Alle Helfer und Unterstützer habe die Chance auf einzigartige Belohnungen, von einer Autogrammkarte über eine exklusive Theaterführung bis hin zu einer Privatvorstellung! Wenn das mal kein Anreiz ist. Ihr findet die Webseite des Theaters hier, der Link direkt zur Crowdfunding Kampagne ist hier.  Teilen und Weitersagen ist natürlich auch eine große Hilfe!

 

 

 

©Nicole Haarhoff

Bette & Joan, Désirée Nick und Manon Straché am Theater am Kurfürstendamm

Ein schwieriger Film, ein geradezu grotesker Film: What ever happened to Baby Jane? Der 1962 von Robert Aldrich gedrehte Thriller handelt von den Schwestern Jane und Blanche. Während Jane als Kinderstar Erfolge feiert, steigt Blanche erst in älteren Jahren zum großen Filmstar auf, ihre Schwester dagegen verschwindet sang- und klanglos aus dem Rampenlicht. Auf dem Zenit ihres Erfolges hat Blanche dann aber einen furchtbaren Autounfall und ist danach an einen Rollstuhl gefesselt. Die beiden Schwestern leben, Jahre später, vom Schicksal ungewollt aneinander gebunden, zurückgezogen in einer Hollywood-Villa. Beide zehren von vergangenem Ruhm, von verlorenem Glanz. Jane ist mittlerweile Alkoholikerin und lebt größtenteils in einer Traumwelt. Als sie immer mehr den Bezug zur Realität zu verlieren droht, versucht Blanche Hilfe zu alarmieren und Jane einweisen zu lassen. Doch, hilflos an den Rollstuhl gefesselt und ihrer Schwester ausgeliefert, kann sie kaum etwas tun. Und Jane rächt sich für jedes Aufbegehren mit immer grausigeren Strafen. Für Blanche scheint es keinen Ausweg zu geben und die Schwestern trudeln unausweichlich auf einen Abgrund zu, vor dem es kein Entrinnen gibt – vielleicht für keine von ihnen.

1962 – die Glanzzeit des Kinofilms ist vorbei, der Aufstieg des Fernsehens beginnt. Hollywood befindet sich mitten in einem heftigen Umbruch. Für seinen Film What ever happened to Baby Jane? kann Regisseur Aldrich die Hollywooddiva Joan Crawford gewinnen, die sich zu diesem Zeitpunkt schon weitestgehend aus dem Filmgeschäft zurückgezogen hatte. Nach ihrer Hochzeit mit Pepsi-Mogul Alfred Steele widmete sie sich vor allem der Werbung für diesen Konzern. Crawford gelingt es wiederum, Bette Davies zu überzeugen. Die beiden Sterne der goldenen Filmära sind mittlerweile am verglühen. Die Frauen, denen schon lange eine böse Rivalität von der Presse angedichtet wurde, kämpfen beide auf ihre Art damit, unsanft vom Thron gestoßen worden zu sein.

Im Theater am Kudamm wird nun in Bette & Joan erzählt, wie diese beiden großen Diven aufeinandertreffen. Bei den Dreharbeiten zu diesem Thriller, sie spielen Schwestern die einander hassen und fürchten und doch nicht loslassen können. Man sagte, sie wären auch im wahren Leben Feindinnen gewesen, aber waren sie das wirklich? Waren sie nicht eher Leidensgenossinnen? Kämpferinnen für ihre Rechte, in einer männerdominierten Welt? Starke, unnachgiebige Persönlichkeiten, die sich, jede auf ihre Art, bis nach ganz oben gearbeitet hatten? Bei einem Blick in ihre Garderoben am Set von What ever happened to Baby Jane? können wir zuschauen, wie zwei große Egos aufeinander prallen.

Manon Straché spielt Bette Davies, die wiederum Jane spielt. Joan Crawford, die im Film die an den Rollstuhl gefesselte Blanche darstellt, wird am Kudamm von Désirée Nick gespielt. Ich bin ziemlich sicher, besser hätte man die beiden Grand Dames gar nicht besetzen können. Die Nick geht ganz auf in ihrer Rolle der dem Alkohol recht zugetanen Crawford, die geradezu besessen von ihrem Äußeren ist. Und die Straché brilliert als kühl-intelligente, niemals um eine Spitzfindigkeit verlegene Bette Davies. Ein Kampf der Titanen, ein spannend anzusehenes Theater-Biografie um zwei der schillernsten Gestalten Hollywoods, die doch auch einfach Frauen waren, mit Liebes- und Familienproblemen, mit Geldsorgen und immer mit einem bangen Auge auf den Presseartikeln.

Ein kleines Stück Hollywoodgeschichte bei uns am Kurfürstendamm. Noch bis zum 23. Juli, weitere Infos und Karten gibt es hier.

Regie: Folke Braband
Ausstattung: Stephan Dietrich
Musikalische Leitung: Felix Huber
Kamera und Schnitt: Takis Pagonis

 

 

Mittelalterlich Phantasie Spectaculum – Galopprennbahn Hoppegarten

Es gibt so Veranstaltungen, da hab ich gar keine speziellen Erwartungen. Ich bin einfach bloß neugierig und will „mal schauen“. Das Mittelalterlich Phantasie Spectaculum war so eine Veranstaltung. Ich hatte eine vage Idee, was mich dort erwarten würde, hatte Eckdaten wie Ritterturnier, Falkner-Show und Bands im Kopf und wollte einfach mal schauen, was mich da so erwarten würde. Und wurde vollkommen vor den Kopf geschlagen! So zwei, drei Stunden hatten meine Begleitung und ich angedacht. Stattdessen haben wir uns nach etwa acht Stunden nach Hause geschleppt, mit wunden Füßen, vollen Bäuchen und einigen Lachfalten mehr im Gesicht!

Eine tolle, vielfältige, lustige, interessante, spaßige und aufregende Veranstaltung hat man da auf die Beine gestellt, liebevoll bis ins Detail geplant, familienfreundlich und gleichzeitig Erwachsenenspaß! Ich war total von den Socken. Mit so viel Input, so viel Kunst und Kultur, tollen Kostümen, mitreißender Musik und leckerem Essen hatte ich absolut nicht gerechnet. Es gab so viel zu sehen und zu entdecken, dass man des Schauens nicht müde wurde. Besonders toll war auch die wunderbar harmonische und relaxte Atmosphäre des ganzen Tages, die netten Leute vor und hinter den Verkaufsständen. Gegen die gestressten und dann oft recht pampigen Marktschreier (zum Beispiel auf dem Weihnachtsmarkt) ist das wirklich eine Abwechslung wie Balsam auf der Seele. Und auch die Besucher, viele davon aufwändig kostümiert, waren bestens gelaunt.

Als wir am frühen Nachmittag auf das riesige Areal kamen, da wussten wir erst einmal gar nicht, wohin wir uns wenden sollten, so überwältigend erschien uns das Angebot. Wir sahen uns also zunächst das Ritterturnier an, das um 15 Uhr begann und jubelten unseren Favoriten hoch zu Ross zu, die elegant und schneidig, ganz wie es sich gehört, Siege für ihre Damen errungen. Danach lockten uns die Stände, an denen eine schier unübersichtliche Menge an wunderschönen Dingen angeboten wurde, die der Ritter von Welt und die Edeldame, die etwas auf sich hält, so braucht: Waffen aller Art, von Messer über Schwert bis zum Bogen, hier bekommt man alles. Wem noch ein Kostüm von hoher Qualität, von Hand geschneidert fehlt – hier wird man fündig. Die passenden Accessoires? Ob Edeldame, Prinzessin, Kriegerin oder Feenkönigin – wer immer du sein möchtest, hier findest du alles, was du brauchst.

Shoppen macht hungrig, wir steuern also die zünftigen Fress-Stände an und auch hier ist alles ein wenig anders, man kann seine Taler für Dracheneier ausgeben, für Räuberspieße und Baumstriezeln, die passenden Getränke gibt es in der Piraten-Cocktailbar Tortuga Inn. Wir haben tapfer versucht, uns von einer Ecke bis in die andere zu essen, mussten aber leider aufgeben. Es sah aber auch alles lecker aus – untypische Volksfestspeisen, die man nicht immer und überall bekommt. Zünftig und immer freundlich serviert, da langt man doch gerne kräftig zu.

Weiter ging es im Programm, wir wollten uns die Hände mit Henna bemalen lassen, den Lukas hauen, Speere werfen und die Falkner Show ist ein Must See! Das Stelzentheater Feuervögel bringt einen Hauch Märchen und Wunder, dann rockt die Mittelaltertruppe Comes Vagantes und die Fechtkampftruppe Fictum lässt die Schwerter aneinanderkrachen. Für die kleinen Knappen und Burgfräulein gibt es auch viel zu erleben. Man ist richtig traurig, das man selbst in die urigen kleinen Schiffsschaukeln oder in das handbetriebene Holzriesenrad nicht mehr hineinpasst. Außerdem gibt es einen Strohspielplatz mit Holzpferden zum Reiten und wilde Glücksspiele, wie Katzengoldwäsche oder Rattenwerfen!

Wir älteren „Kinder“ ziehen derweil weiter und klappern die Bühnen ab, wir schwingen feenhaft im Kreis zu sanften Klängen von Faun und rocken fröhlich mit Mr. Hurley & Die Pulveraffen, Versengold und Cultus Ferox. Ehe wir uns versehen, werden schon an den Ständen die Lichter entzündet und die ersten Lagerfeuer flackern auf. Die Reiter galoppieren nun mit Fackeln in der Hand und Saltatio Mortis gibt ein flammengetränktes letztes Konzert. Wenn man über die Zeltdächer schaut und in der Dunkelheit lodernden Lagerfeuer sieht, befindet man sich für einen Moment tatsächlich in einem mittelalterlichen Lager, man riecht das Stockbrot im Feuer, grüßt ehrerbietig die vorbeischwebende Prinzessin in großer Robe und träumt sich schon einmal zum MPS 2018, das am 2. und 3. Juni stattfinden wird! Ich werde auf jeden Fall wieder dabei sein und ihr solltet es auch!

© Nicole Haarhoff

 

Bilder: Mittelalterlich Phantasie Spectaculum

All 4 One – Sommervariéte – ufaFabrik Berlin

Was für ein durch und durch perfekter Abend in der ufaFabrik Berlin! Wer selbst noch nicht dort war, ich kann euch das Gelände unweit des Tempelhofer Hafens  nur sehr ans Herz legen. Es gibt eine Menge Platz für Kunst und Kultur, auf mehreren Bühnen habe ich von witzig über sexy bis dramatisch schon alles mögliche gesehen und erlebt. Das Programm ist so bunt und vielfältig wie die Besucher auf der Terrasse des schönen Café Ole, wo ich gestern vor dem Abendprogramm noch leckeren Spargel mit Schnitzel gegessen habe! Aber Obacht – das Café ist ein wenig geheimer Geheimtipp, nicht nur unter den Kulturbesuchern, sondern auch für Freunde und Nachbarn, also lieber nicht zu spät hereinschneien!

Die sicher mit Abstand schönste Bühne auf dem ufa-Gelände ist die Sommerbühne. Luftig, wie unter einem Zeltdach, sitzt man von Bäumen umgeben in der Sommerwärme. Und in diesem Sommer kann man in diesem schönen Ambiente eine grandiose, wundervolle Show erleben, die mich gestern sehr begeistert hat: All 4 One, eine Variéteshow, erdacht und moderiert von Allround-Künster Sammy Tavalis. Der musische Komiker oder witzige Musiker mit den ausdrucksvoll rollenden Augen hat Künstler auf der Bühne versammelt, die genau wie er absolute Multitalente sind. Es wird im fliegenden Wechsel gesungen, Musik gemacht, Akrobatik performt und bei all dem gibt es für das Publikum auch noch sehr viel zu lachen!

Die Show beginnt mit Rostyslav Hubaydulin an den Strapaten, eine sehr ungewöhnliche, kraftvolle Darbietung mit vielen Bewegungen am Boden, danach zeigen alle Künstler des Abends zum ersten Mal, worauf sich das Publikum freuen darf: Jeder der auftretenden Artisten beherrscht auch mindestens ein Instrument und das zeigen alle zusammen mit dem Song „All about that Bass“ in einer „Pitch Perfect-Cups“ Version! Kreischende Frauen und kichernde Mädchen kommen danach voll auf ihre Kosten, wenn Mr. Wow nicht nur meisterhaft mit seinen Diabolos wirbelt, sondern dabei auch noch auf allercoolste und sexy Art und Weise seine Kleidung verliert. Zumindest teilweise. Überhaupt, wappnet euch, der Abend bietet sehr viele aufregende Hinguckermomente und Hautblitzer! Wer einen aufregenden und witzigen Mädelsabend plant – bitte schön!

Sammy Tavalis beweist Humor und großes musikalisches Können mit der kleinsten One Man Band der Welt, selbstgebaut und selbstgespielt. Bianca Capri, die einzige weibliche Artistin des Abends, schwebt danach scheinbar vollkommen schwerelos und mit anmutigen Lächeln an roten Vertikaltüchern hinauf bis unter die Decke des Sommerzelts, wozu die Band passenderweise „Gravity“ spielt. Die kreativ-witzige Truppe bekommt es sogar hin, aus Umbaupausen noch etwas Tolles zu machen, bevor Ihor Yakymenko wie eine Art Rockin‘ Jon Schnee am Chinesischen Mast das Publikum in Erstaunen versetzt. Semion Bazavlouk, Rostyslav Hubaydulin und Ihor Yakymenko formen zusammen Tridiculous, eine Tanz/Akrobatik Formation, die ich bereits bei der grandiosen Berlin Nights Show sehr bewundert habe. Bei All 4 One setzen sie noch einmal einen drauf, indem sie zeigen, dass sie nicht „nur“ diverse Tanzstile beherrschen und als Artisten glänzen können, sondern dass sie auch tolle Musik machen können. Es ist beinahe ein wenig unmenschlich und man schwankt zwischen schierer Bewunderung und etwas giftiger Eifersucht, wenn man ihnen zusieht, wie sie mühelos von Können zu Begabung zu Talent wechseln.

Nach der Pause gibt es mehr nackte Tatsachen. Der preisgekrönte Seiltänzer Lucas Bergandi wurde unter der Dusche von seinem Auftritt überrascht und tritt daher nur mit einem Handtuch bekleidet auf. Er muss sehr sorgfältig knoten, aber das hindert ihn nicht daran, auf dem Seil nicht nur zu laufen, sondern auch zu tanzen, zu springen und gar einen Salto zu machen! Sammy Tavalis, Herrscher über die selbstgebauten Mini-Instrumente, baut uns ein funktionierendes Kontrabass aus dem Inhalt einer Streichholzschachtel und Mr. Wow beweist, das auch er seinen Platz unter all diesen Multitalenten mehr als verdient hat, indem er an seinen inneren Jimi Hendrix appelliert. Semion von Tridiculous gibt dem Ausdruck „DJ am Plattenteller“ eine ganz neue Bedeutung, indem er mit den Platten einfach mal jongliert!

Insgesamt ein unheimlich abwechslungsreicher Variéteabend, der vor allem dadurch besticht, dass alle Künstler einzeln genauso glänzen wie sie es alles Gesamtkunstwerk tun. Sie sind alle ungemein vielseitig begabt und zeigen nicht nur ihr eigenes herausragendes Können, sondern interagieren auch fröhlich mit den anderen Auftretenden. Spannend, aufsehenerregend und vor allem auch sehr, sehr lustig! Wer noch nach einem tollen Veranstaltungstipp für einen lauen Sommerabend sucht, dem kann ich All 4 One sehr empfehlen. Noch bis zum 18. Juli! Spielplan und Karten bekommt ihr hier.

©Nicole Haarhoff

 

 

Frau Müller muss weg – Komödie über einen Elternabend – Grips Theater Hansaplatz

Seit mehreren Jahren begeistert das Stück „Frau Müller muss weg“ schon das Publikum im Grips Theater am Hansaplatz. Premiere war am 4. Februar 2012 und nun habe ich es endlich auch einmal geschafft, mir die vielgelobte Komödie von Sönke Wortmann anzuschauen. Von allen Seiten wurde mir das Stück ans Herz gelegt und empfohlen, endlich bin ich dem Ruf gefolgt und war natürlich prompt ebenfalls begeistert!

Ein Klassenzimmer wie überall in Deutschland, unbequeme, zerkratzte Holztische mit Ausrichtung auf das Herbstprojekt. Liebevoll wurde aus Kastanien und bunten Blättern eine große Herbstauslage gebastelt. Drumherum versammeln sich fünf festentschlossene Eltern. Man ist nicht zum Spaß hier: Frau Müller muss weg! Die fünf ganz unterschiedlichen Frauen und Männer haben eins gemeinsam: ein Kind, dessen Noten voraussichtlich nicht sonderlich gut sein werden und dessen Übergang ins Gymnasium gefährdet ist. Die Möglichkeit der Integrierten Sekundarstufe (oh Schreck!) hängt wie ein Damoklesschwert über den besorgten Erziehungsberechtigten. Jessica (Katja Hiller, wie immer grandios) hat sich zur Rädelsführerin erklärt. Die coole Geschäftsfrau ist sich der Probleme ihrer rebellischen Tochter mehr als bewusst, sie trägt da keine rosarote Brille. Das soll aber kein Hindernis für ihren missratenen Sprößling (Orginalton Jessica) sein, aufs Gymnasium zu gehen. Marina und Patrick Jeskow (Nina Reithmeier, Roland Wolf) sind neu in Berlin, ihr Sohn ist ein ganzheitlich aufwachsendes Engelchen, das im feindlichen Umfeld der neuen Klasse nicht richtig wachsen und sich entfalten kann, der arme Kleine. Wolfs Tochter wird von ihrem Vater (René Schubert) erbarmungslos in Richtung Schulerfolg gepeitscht, allerdings ist es natürlich Frau Müllers Schuld, dass sich das arme Kind vor Schule und Misserfolg fürchtet. Der cholerische Papa will schließlich nur das Beste für seine Kleine! Und dann ist da noch Katja (Esther Agricola), deren Sohn der Klassenprimus ist, aber der Solidarität wegen ist sie an diesem Abend ebenfalls angetreten, um Frau Müller aus ihrem Job zu kicken. Sie hat für dieses Anliegen allerdings als einzige auch ein Strauß Blümchen dabei.

Nachdem der Kampfplan fertig ist, kommt sie auch schon, die Schuldige. Frau Müller (Regine Seidler) ist überrascht von dem einberufenen Elternabend und blickt den versammelten Eltern arglos-verwirrt entgegen. Auf den freundlich formulierten Rauswurf mit Blumenstrauß reagiert sie zunächst überrascht und ruhig, mit den Vorwürfen und Anschuldigungen wächst aber ihr Unmut und schließlich auch ihre Wut. Auf die versammelte Elternschar warten einige unschöne Wahrheiten und am Ende des Abends kommt alles ganz anders, als es die Kämpfer für die vermeintliche Gerechtigkeit erwartet und erhofft hatten.

Spitzzüngige und scharfäugig beobachtete Komödie der Eitelkeiten, in denen sich die Gemüter an Abschlusszeugnissen, Bastelprojekten und Gesprächsrunden erhitzen. Prenzlbergeltern, Erklärbären, rasende Helikopterpiloten, Karrierefrauen und immer wieder eins: Noten, Noten, Noten! Dabei zerfleischt sich das Ehepaar Jeskow genüsslich gegenseitig, Geschäftsfrau Jessica will die Sache schnell und einfach wie eine feindliche Übernahme abarbeiten und schießt dabei gerne auf Feinde wie auf Verbündete. Wolf sieht vor allem sich selbst, Ossi, arbeitslos, zurückgelassen, als Opfer und seine Tochter gleich mit. Umso wütender macht ihn Lehrerin Müller. Und Katja, stolze Strebermama, flattert wie ein Fähnchen im Wind von Meinung zu Meinung.

Jeder Schauspieler, jede Schauspielerin passt perfekt in seine, ihre Rolle, allen voran Katja Hiller als zackig-scharfe Kostümchenträgerin, die ihre missratene Schlägertochter mit allen Mitteln durchboxen will. Auch das Ehepaar Jeskow wird so lebensecht und gut beobachtet dargestellt, dass es beinahe schmerzhaft ist, ihnen zuzusehen. Wutbürger Wolf ist genauso aus dem Leben gegriffen und zielsicher dargestellt wie die sanfte Opportunistin Katja.

Hochamüsant! Böse. Fies. Schlau. Witzig!

Am 19. und 20. Oktober wieder im Grips Theater, falls es jemand von euch auch noch nicht gesehen hat. Spielplan und Karten gibt es hier.

©Nicole Haarhoff

Darauf freue ich mich – Mein Kulturjuni in Berlin

Endlich wird es richtig warm und neben See und Badeanstalt locken tolle Kulturangebote in Berlin. Neben vielen, vielen Angeboten in angenehm  klimaanlagegekühlten Räumen gibt es natürlich auch einiges zu entdecken, was sich Open Air abspielt. Zuallererst möchte ich euch auf das Sommervariéte in der ufa Fabrik aufmerksam machen, auf das ich mich schon sehr freue. Die Sommerbühne dort ist eine der schönsten von Berlin, wie ich finde. Nach einem leckeren Abendessen im Café Ole kann man sich mit einem kühlen Getränk unter das luftige Zeltdach setzen und eine tolle, abwechslungsreiche Show genießen:

14. Juni bis 9. Juli – All 4 One – Sommervariéte – ufa Fabrik
Sammy Tavalis, Comedian, Moderator und All-Round Talent präsentiert diese spannende und abwechslungsreiche Show. Ich freue mich vor allem sehr darauf, Tridicolous wiederzusehen, die ich bereits in der Erfolgsshow Berlin Nights sehr bewundert habe. Hier könnt ihr nochmal meinen Bericht dazu lesen, hier geht es zu Spielplan und Kartenverkauf der ufa-Fabrik.

17. und 18. Juni – Mittelalterlich Phantasie Spectaculum – Galopprennbahn Hoppegarten
Ich war noch nie auf einem Mittelalterfestival und bin daher sehr gespannt! Das Programm klingt auf jeden Fall aufregend: Ritterturnier, Greifvogelshow, diverse namhafte Mittalterbands, Gaukler, Hexen, Zauberer, Workshops, Feuershow und Mittelaltermarkt! Verspricht spannend zu werden, ich freue mich schon sehr. Das Programm für beide Tage findet man hier.

18. Juni bis 23. Juli – Bette & Joan – Biografie-Theaterstück – Theater am Kurfürstendamm
Manon Straché und Desiree Nick treten in ganz große Fußstapfen – Für den neusten Streich des Theaters am Kudamm spielen die beiden zwei grandiose Hollywooddiven: Bette Davis und Joan Crawford. Die einen sagen, die beiden Filmgrößen hätten einander abgrundtief gehasst, andere sagen, sie wären Rivalinnen, aber auch Freundinnen gewesen. Beim gemeinsamen Film „What ever happened to Baby Jane“ trafen die beiden, damals beide in einem Karrieretief, aufeinander. Klingt großartig! Spielplan, Karten, hier.

23. und 24. Juni – Carmela de Feo – Musikkabarett – BKA Theater
Ich selbst habe La Signora noch nie live erlebt, aber da sie mir von allen Seiten wärmstens empfohlen wurde, bin ich sehr gespannt auf die Premiere ihres neuen Programms! Nur zwei Termine im Juni, dann erst wieder im Oktober im BKA-Theater zu sehen!

ab 29. Juni – Ades Zabel & Company – Fly Edith Fly – Neuköllnical – BKA Theater
Endlich gibt es etwas Neues von meinen Lieblingsneuköllnern! Edith Schröder und ihre Busenfreundinnen Jutta und Brigitte machen sich auf zu neuen Abenteuern: Dieses Mal ist der obligatorische Sommerurlaub auf Malle angesagt! Meine Blogleser wissen es, ich bin ein Riesenfan von Ades Zabel & Company, wer mag, kann das hier und hier und hier nachprüfen! Daher freue ich mich natürlich wahnsinnig auf die neuste Episode der Wilden Weiber von Neukölln. Den Spielplan und Karten  man hier.

Natürlich gibt es noch viel mehr zu entdecken, aber das ist mein Plan für den Juni. Ich wünsche euch viel Spaß beim Kulturentdecken!

©Nicole Haarhoff