Grimm! Die wirklich wahre Geschichte von Rotkäppchen und ihrem Wolf von Zaufke & Lund, Admiralspalast Berlin

Heute Abend ist die letzte Möglichkeit, Grimm! im Admiralspalast zu erleben und wer es dann verpasst hat, der hat wirklich etwas verpasst! Ich habe es schon damals sehen wollen, als 2015 die Plakate mit dem Rotkäppchen, das angriffslustig die Zähne fletscht, überall in der Stadt hingen, hatte es dann aber leider irgendwie versemmelt. Daher war ich sehr glücklich, als ich erfahren habe, dass diese Kooperation der Neuköllner Oper und des Studiengangs Musical/Show der UdK Berlin im Rahmen des SOFA Festivals im Admiralspalast erneut spielen würde!

Dorothea (Devi-Ananda Dahm) ist ein frecher Teenie und möchte eigentlich nicht mehr Rotkäppchen genannt werden, aus dem Alter für alberne Spitznamen ist sie doch eigentlich raus, oder? Aber die anderen Dorfbewohner sind altmodisch und hängen an ihren Traditionen, zähneknirschend setzt sie also doch wieder ihr Käppchen auf. Die drei kleinen Schweinchen (Markus Fetter, Dennis Hupka und Jasmin Eberl), die Mutter Geiss (Katharina Beatrice Hierl) und ihre Kinderschar (Anastasia Troska und Kiara Brunken) haben alle schon ihre schlechten Erfahrungen mit Wölfen gemacht, das weiß man ja, daher warnen sie mit erhobenem Zeigefinger vor den Gefahren des Waldes. Rotkäppchen will aber nicht hören und macht sich entgegen aller Vorurteile und alter Resentiments auf, um den Wald zu erkunden. Als sie selbst vom großen bösen Wolf entführt wurde, da war sie schließlich noch ein Baby, auch wenn der alte Hofhund Sultan (Michael Dixon) die uralte Geschichte immernoch gern als Warnung erzählt, so erinnert sie sich doch kaum und die schlaue alte Eule (Holger Off) sagt schließlich, so schlimm sei der Wald nicht.

Gesagt, getan. Doch kaum im Wald, trifft Rotkäppchen schon auf Grimm (Dennis Weißert), den vielbeschriebenen bösen Wolf! Und sie haben einander prompt zum Fressen gern! Doch als Rotkäppchen ihren neuen Freund mit ins Dorf nehmen will, da trifft das Pärchen auf eine Wand von Gegenwehr, bestehend aus neuen und alten Gefühlen der Ablehnung. Vor allem Schweinchen Schlau wettert gegen den Zuzug des Wolfes und er bekommt Rückendeckung von dem eifersüchtigen jungen Hofhund Rex (Anthony Curtis Kirby) und seinem hin und hergerissenen Bruder Schweinchen Doof, der sich nicht recht für eine Seite entscheiden kann. Schwesterchen Dicklinde, frischverliebt in eine Wildsau (Kiara Brunken), lehnt sich nämlich gegen die althergebrachte Schweinekonstellation auf und verwirrt damit auch Bruder Doof. Die alleinerziehende Mutter Geiss (grandios: Dreadlock-Hörner!!) soll mit ihren Kinderchen als Grund herhalten, warum der Wolf unmöglich ins Dorf ziehen kann, die Intrige geht allerdings nach hinten los, weil sie selbst den Überblick über die Anzahl ihrer vielen Geißlein verloren hat.

Trotzdem fühlen sich Wolf und Wildschwein nicht gerade herzlich willkommen im Dorf und wollen wieder in den Wald verschwinden. Wird wirklich alles beim alten bleiben und ist kein Happy End für die Liebenden in Sicht? Vielleicht kann Eulalia, die weise Eule, doch noch einige Ungereimtheiten aufklären. Was geschah zum Beispiel wirklich, als Rotkäppchen damals vom Wolf entführt wurde? Weiß Sultan mehr, als er vorgibt zu wissen?

Schmissige Tanzszenen, mitreißende Lieder, romantische Verwicklungen, was will man mehr? Das Publikum im gut gefüllten Admiralspalast Studio geht jedenfalls enthusiastisch mit, da wird geooht und geaaht und begeistert applaudiert, wenn Hausschwein und Wildschwein die Liebe finden oder wenn Eule und Hofhund das Tanzbein miteinander schwingen. Märchen sind eben in jedem Alter immernoch genauso wunderbar wie als Kind! Und in diesem wunderbaren Musicalmärchen glänzt wirklich jede einzelne Figur, vom unabhängigen Mädchen bis hin zum schizophrenen Schwein. Ein toller, sehr lustiger und fantasievoller Abend mit schöner Musik, verblüffend akrobatischen Tanzszenen und beeindruckenden Gesangseinlagen. Von diesen jungen Akteuren werden wir auf jeden Fall noch einiges sehen und hören!

Musik: Thomas Zaufke · Text und Regie: Peter Lund ·
Musikalische Leitung und Einstudierung: Hans-Peter Kirchberg / Tobias Bartholmeß
Choreographie: Neva Howard · Ausstattung: Ulrike Reinhard

Spielplan und Infos zum Sofa Festival gibt es hier. Spielplan der Neuköllner Oper hier. Bei diesem Wetter ist ein Indoor Sommerfestival wirklich die beste Lösung!

©Nicole Haarhoff

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Sayonara Tokyo – Wintergarten Varieté Berlin

Da hat das Wintergarten Varieté sich wieder einmal selbst übertroffen. Und hat den absoluten Varieté Sommerhit gelandet! Selbst als abgebrühtester Kulturfreak von Berlin, wenn man schon alles mögliche und unmögliche gesehen hat, kann man eben trotzdem immernoch überrascht werden!

Bei der neusten Showsensation im Wintergarten ist alles anders, das merkt man schon, wenn man den Saal betritt. Da wurden keine Kosten und Mühen gescheut, um den traditionsreichen Theatersaal mit dem glitzernden Sternenhimmel in eine quietschbunte mangaeske Märchenwelt aus Drachen, Tempeln und Nintendo zu verwandeln. Und die reizenden Servicedamen sind in traditionelle Kimonos gewandet und servieren  (natürlich) Sushi und andere japanisch inspirierte Speisen. Man fühlt sich als Gast also prompt in den fernen Osten verpflanzt und kann mit Leib und Seele hineintauchen, in die Japan Varieté Show „Sayonara Tokyo“. Die drei Sängerinnen Yuri Yoshimura (Japan), Gina Marie Hudson (USA) und Jacqueline Macaulay (Deutschland) stolpern mit den Zuschauern gemeinsam mitten in eine schrille Tour durch das moderne Japan. Es gibt Sake und Reis in einer kleinen Garküche und der „Kellner“ Senmaru jongliert derweil mit echten Keramikteekannen auf einem dünnen Stab.

Arisa Meguro verbiegt sich für uns graziös auf dem Boden und an den Strapaten, Naoto spielt so rasend schnell mit seinem Jojo, dass man mit den Augen kaum folgen kann und die Tokyo Jumpz springen derart artistisch Springseil, wie man das früher auf dem Schulhof wohl kaum hinbekommen hätte. Alles fließt mit den Gesangseinlagen der drei Damen, die immer das Thema Japan haben (wer hätte gedacht, dass es so viele Songs mit und um Japan gibt) zusammen in ein rasantes, witziges und farbenfrohes Bild, als wäre das Tokyoter Vergnügungsviertel Shibuya plötzlich mitten in Berlin neu entstanden. Lebensgroße Winkekatzen und Pokémon trudeln ebenso auf die Bühne wie Mädels in schrillen Lolitaoutfits. Und als ganz besonderer Stargast  kommt dann auch noch Takeo Ischi dazu, ein japanischer Jodler! Wem das jetzt langsam zu merkwürdig wird, dem kann ich nur sagen, es passt! Es passt alles absolut perfekt zusammen und ergänzt sich ganz hervorragend! Niemand braucht Angst zu haben, plötzlich im Musikantenstadl zu sitzen. Stattdessen bekommt man ein schrillbuntes Gesamtabbild des modernen Japan zu sehen, mit allen möglichen Klischees und liebenswerten Besonderheiten. Hauptaugenmerk liegt dabei in dieser Show nicht auf der Artistik, sondern bei Musik und Gesang, sowie bei der Ausstattung. Denn die Kostüme und die Bühnenausstattung sind sicher ein wahrer Traum für alle Beteiligten! Wer also Lust hat, mal etwas ganz anderes zu sehen und zu erleben, weit ab der üblichen Shows, einen Kurztrip nach Japan zu unternehmen sozusagen, dem kann ich die nagelneue Show im Wintergarten nur ans Herz legen! Allein das Drumherum, die liebevolle, verschwenderische Deko in allen Räumen des Hauses  und die passend arrangierte Speisekarte machen den Besuch der Show schon zu etwas ganz Besonderem.  Dazu die ungewöhnliche, meisterhaft vorgetragene Musik (Jodeln ist vielleicht nicht jedermanns Sache, aber eindeutig eine Kunst für sich!) und die wunderbaren Kostüme!

Die Tanzgruppe, bestehend aus Annakanako Mohri, Keiko Morijama, Yoriko Maeno und Yuri Shimaoka, zeigt modernen Tanz, schlägt aber auch eine Brücke in die Vergangenheit, wenn eine Tänzerin in langherabfallendem Kimono und unter einem filigranen Sonnenschirm lustwandelnd sich plötzlich in eine schicke Japanerin des Jahres 2017 verwandelt.

Insgesamt war ich unheimlich beeindruckt von der schieren Fantasie und Vorstellungskraft der Macher von „Sayonara Tokyo“. Sie haben es geschafft, eine vollkommen neue Welt auf der Bühne zu schaffen, aus Kostümen, Deko, Gesang, Musik und Artistik und nehmen den Zuschauer mit auf eine bunte Kitschreise, wobei ich Kitsch als Kompliment meine!

Regie: Stephan Prattes    Musikalische Leitung: Jo Roloff
Choreografie: Hakan T. Aslan
Regie- und Bühnenbildassistenz: Sascha Röder

Weitere Infos und Karten für die Show bekommt ihr hier. Und auf die Liste der Spotlights müsst ihr auch achten, da jagt ein Schmankerl das nächste! (Jack Woodhead! Absolventenshow! Sheila Wolf!)

©Nicole Haarhoff

 

 

Eine kleine Wellnessauszeit in Werder: Hotel Mohr & Spa, Töplitz

Jeder braucht mal eine Auszeit! Und das manchmal ganz kurzfristig und in letzter Sekunde. Besonders wichtig war mir daher bei meiner Last Minute Suche nach meinem optimalen Wellnesshotel, dass es nicht zu weit weg und gut per BVG zu erreichen ist. Einige der schönsten Wellnesshotels für ein langes Wochenende sind nämlich irgendwo einsam und idyllisch in allerschönster Natur gelegen und dann leider nur mit dem Auto zu erreichen. Im Endeffekt entschied ich mich dann für das Hotel Mohr & Spa in Werder. Die Bilder sahen toll aus, die Anwendungen klangen gut und man kann mit dem Bus bis direkt vor die Eingangstür fahren. Perfekt! Gesagt, gebucht. Am Samstag online gebucht, stand ich am Sonntag bereits vor der Tür.

Nach einem herzlichen Empfang und einem kurzen Blick in mein gemütliches kleines Zimmer, bekam ich direkt eine kurze Wellness-Einweisung und danach gehörte der Bereich für ganze drei wunderbare, entspannte, lange Tage nur mir allein! Ich hatte mit meiner Spontanentscheidung nämlich Glück und rutschte direkt zwischen die Fashion Week Gäste und die Ferienzeit. Ich konnte also vollkommen frei und ungestört zwischen den Saunen hin und her wandern. Ich bin totaler Wellness-Laie, kann aber jetzt mit Nachdruck sagen, dass die Finnsauna (75°C) nichts für mich ist, die Dampfsauna (45°C), von der ich erst dachte, dass sie so eine Art perfide Foltermethode ist, fand ich dagegen überraschend angenehm. Man merkt richtig, wie die Haut weicher wird. Am schönsten fand ich aber das liebevoll eingerichtete Hamam: wunderbar warme Steinbänke und kleine Messingschalen aus denen man sich regelmäßig mit warmen Wasser übergießen kann. Unheimlich entspannend für alle Sinne. Überhaupt ist der kleine, aber feine Wellnessbereich detailverliebt und elegant eingerichtet, unschlagbar schön ist natürlich der überdachte Whirlpool, der draußen auf der Terrasse, mit Blick in die Baumwipfel zum Baden und Träumen in der Natur einlädt. Im Winter, wenn der Kamin lodert und draußen Schnee fällt, sicher auch nochmal ein ganz besonderes Erlebnis! Man kann alle möglichen und unmöglichen Anwendungen buchen, von der Ganzkörpermassage bis hin zum Schoko-Peeling. In meinem Rundherum-Sorglospaket war sowohl eine Massage als auch ein Fußbad-Ritual inklusive, beides kann ich aus vollem Herzen empfehlen.

Das Hotel Mohr befindet sich auf der Insel Töplitz, in Neu-Töplitz, um ganz genau zu sein. Nur wenige Schritte und man befindet sich am Seeufer des Großen Zernsee, ringsherum ist Wald, Wiese und Wasser, so weit das Auge blickt. Man kann wandern, Rad fahren und natürlich alle Arten von Wassersport betreiben und das nur einige wenige Busminuten von Potsdam entfernt. Für alle gestressten Großstädter der perfekte Ort, um mal so richtig die Seele baumeln zu lassen, ohne vorher ein paar Stunden auf der Autobahn im Stau zu stehen. Aktivurlaub ist genauso eine Möglichkeit wie Wellnessurlaub. Für mich war neben der Erreichbarkeit und den Wellnessangeboten auch die Gemütlichkeit wichtig und das Hotel vereint moderne Anwendungen mit der Herzlichkeit und Wärme eines Landgasthofs. Die Küche ist gutbürgerlich und reichlich, ein richtiges Schlemmerparadies mit viel frischem Fisch, großen Schnitzeln und knusprigen Bratkartoffeln. Hier ist Wellness nicht gleich Askese:

Insgesamt ein wunderbares langes Wochenende, das ich nur jedem ans Herz legen kann, der mal eine Verschnaufpause braucht und mal wieder mitten in der Natur nur seine eigenen Gedanken hören möchte. Bei langen Spaziergängen oder einem Nachmittag im Whirlpool kann man wieder ganz zu sich kommen und Kraft für die Großstadt tanken! Wenn es mal keine Fernreise sein kann oder soll, dann reicht dafür auch ein Relaxwochenende im Töplitz! Weitere Informationen zum Hotel & Spa Mohr und die schönsten Arrangements findet ihr hier. Und weitere Informationen zur Insel Töplitz gibt es hier.

©Nicole Haarhoff

 

Fly, Edith, Fly – Ades Zabel & Company, BKA-Theater

Eigentlich bin ich ja eher eine Feindin von Schlagern. Wenn aber Edith Schröder und ihre Freundinnen auf der BKA-Bühne stehen, dann ist das der einzige Moment, in dem ich Schlagermucke nicht nur ertrage, sondern sogar fröhlich mitwippe! Sogar mitschunkeln und mitklatschen ist manchmal drin. Ich frage mich, woher ich die Lieder eigentlich kenne, obwohl ich seit jeher keine Schlager mag? Aber irgendwie saugt man die anscheinend auf, auch gegen seinen Willen. Und Ades Zabel & Company nehmen die nervigen Ohrwürmer und machen witzige Kracher daraus!

Für alle, die Edith Schröder noch nicht kennen, hier ein kleiner Crashkurs: Edith Schröder (Ades Zabel) ist eine Hartz8-Empfängerin aus dem schönen Neukölln. Sie trägt schrille Kik-Klamotten, lacht dreckig und trinkt gerne Futschi. Ihre allerbesten Busenfreundinnen sind Jutta Hartmann (Bob Schneider), die im Vorderhaus eine Kneipe betreibt und Brigitte Wuttke (Biggy van Blond), die eine Leggings-Boutique besitzt. Die drei Neuköllner Damen sind seit ewigen Jahren gute Freundinnen und Saufkumpaninnen. Jutta und Brigitte sind recht rege und erfolgsorientiert, immer wieder mal haben sie eine brandneue Idee, um sich in der Neuköllner Hipsterschwemme zu behaupten. Edith dagegen interessiert sich vor allem für Futschi (River Cola und Chantre, im Verhältnis 20:80) und schwankt bei den Abenteuern ihrer Freundinnen fröhlich immer mal wieder in den Weg.

Im neusten Abenteuer der drei feschen Mädels steht Berlins größte Bauruine im Mittelpunkt: der BER. Der ist gleich von doppelter Bedeutung für unsere Edith, denn erstens hat sich ihre beste Freundin Jutta einfach auf und davon gemacht, nach Malle! Um am Ballermann eine Schlagerkneipe zu eröffnen! Ohne Edith Bescheid zu sagen!! Und zweitens zieht es Brigitte hinaus zum BER, denn dort will sie nach der Eröffnung eine Filiale ihrer Leggings-Boutique eröffnen und schon mal zur Probe einziehen. Edith soll als Probekundin mitkommen und so stolpern die beiden Grazien bald auf High Heels durch die endlosen leeren Hallen. Lange hält es Edith aber natürlich in keinem Job aus und stattdessen macht sie sich mit Zufallsbekanntschaft Horst (Roman Shamov) in seinem klapprigen Flugzeug auf nach Mallorca, um die abspenstige Jutta wieder zurück an den heimischen Biertresen zu holen.

Die neuste Folge der zeit-und schrankenlosen Neuköllnsaga um Edith Schröder und ihre schrillen Freundinnen besticht mit vielen tollen Videoeinspielungen, mit grandiosen Polyesterkostümen, Dirndls, Schlagern und haufenweise Diskoschnee. Es wird gesoffen, geblasen, geschnieft und gelacht, was das Zeug hält. Ein unglaublicher Spaß für Fans und Möchtegern-Fans, die das Ungewöhnliche lieben. Werft euch in eine krassbunte Bluse mit Glitzerapplikationen, holt euch was von der Bar und bewundert die Dancemoves von Ades, Bob und Biggy, Biggys berühmte endlose Beine in Leopardenprint und kommt mit nach Malle an den Ballermann! Futschi für alle!!

Bernd Mottl Regie
Sven Ihlenfeld Musikarrangements, Sound- und Videodesign
Jörn Hartmann Graphik & Filmeinspieler
Jenny Dechêne Ausstattung & Kostüm
Moritz Piefke Choreographie & Requisiten
Josep Maria Jorda Lichtdesign

Weitere Termine im Juli, Ende August und dann den ganzen September über! Informationen und Tickets bekommt ihr hier. Besonderes Schmankerl, besonders geeignet für Neu-Fans und Neugierige: Am 30. Juli gibt es ein Open Air, in der Hasenheide, „Edith Sommernachtstraum“ mit Best of the Best aus vielen Jahren Ades Zabel & Company! Und Vorband ist niemand anders als Kaiser & Plain, Schwärmereien findet ihr hier und hier. Geht hin, schaut es euch an, lasst euch überzeugen, habt ganz viel Spaß!

©Nicole Haarhoff

 

Darauf freue ich mich: Mein Kulturjuli in Berlin

Irgendwie sieht es ja so aus, als würde das ein Sommer für Indoor-Aktivitäten werden. Regen, Regen, nichts als Regen. Aber ich bin da positiv eingestellt, es gibt tolle Shows auf den schönsten Bühnen Berlins zu sehen. Und wenn es doch mal schön sein sollte, dann gibt es ebenso großartige Open Air Theater! Wie zum Beispiel die Freilichtbühne am Wasserturm im NATURPARK Schöneberger Südgelände, wo die Shakespeare Company zu Hause ist. Großartige, ungewöhnliche und mitreißende Shakespeare-Aufführungen, die ich euch nur ans Herz legen kann. Wer noch nicht dort war, sollte in diesem Sommer auf jeden Fall mal hingehen!

Eine weitere sehr schöne Sommerbühne hat die ufa-Fabrik, diese ist sogar überdacht, hat aber trotzdem ein luftiges, sommerleichtes Zeltfeeling. Vom 12. bis zum 15. Juli kann man dort über den Orient Comedy Express lachen, mit dabei sind dieses Mal Murat Topal, Fatih Çevikkollu und Özcan Coşar.

15. Juli: Mit einem Konzert von The Tiger Lillies beginnt es, das SOFA Festival im Admiralaspalast, auf das ich mich schon seit Monaten freue! Eine großartige Veranstaltung jagt da die nächste. Von tollen Konzerten über grandiose Musicals bis hin zu Kindertheater und Märchen aus Sand! Da ist wirklich für jeden etwas dabei! Denkt daran, bis zum 15. Juli könnt ihr noch bei meinem Gewinnspiel mitmachen und Karten für Cats und für Der Hauptmann von Köpenick gewinnen!

20. Juli: Noch so eine Sache, auf die ich mich schon wahnsinnig freue: eine funkelnagelneue Show im Wintergarten Varieté! Sayonara Tokyo. Und der Name ist Programm, versprochen wird eine alle Sinne betörende Japanshow, bis oben hin angefüllt mit fernöstlichem Zauber! Das wird sicher grandios! Kawaii!!!

27. Juli: Nachdem ich ja gerade das beeindruckende Beatles Musical im Estrel besucht habe, freue ich mich nun schon auf das nächste Highlight: Ab dem 27. Juli bis zum 13. August wird William Hall den King of Pop, Michael Jackson, in einer Tribute Show darstellen. Trotz aller Kontroversen bin ich ein eingefleischter Michael-Fan und freue mich sehr darauf, seine Songs nochmal live zu erleben!

Es gibt also diverse Highlights und Neuheiten im Juli in Berlins Kulturlandschaft, ich wünsche euch ganz viel Spaß beim Kulturentdecken!

©Nicole Haarhoff

 

Inside IS – Grips Theater Hansaplatz

Ich finde es immer wieder bewundernswert, wie das Grips Theater es schafft, mit einfachen Mitteln und wenigen, doch kraftvollen Worten, ganz große Geschichten zu erzählen. Auch bei Inside IS ist das Bühnenbild nicht allzu aufwendig, die Kleidung und die Hilfsmittel, mit denen sich die Schauspieler auf der Bühne in ihre verschiedenen Rollen verwandeln, befinden sich in großen Holzklappen versteckt, auf denen die Geschichte auch stattfindet.

Im Sommer 2014 sprach der deutsche Journalist Jürgen Todenhöfer via Skype mit mehreren deutschen Islamisten. Ihn interessierte, aus welchem Grund sich die Männer und Frauen dafür entschieden hatten, sich dem Islamischen Staat anzuschließen. Er wollte wissen, warum gerade so viele junge Leute, in Europa aufgewachsen und erzogen, sich zu solch einem strikten, unmenschlichen Regime hingezogen fühlen. Was lockt zum Beispiel auch junge Mädchen, warum wollen sie die Frau eines IS-Kämpfers werden? Was sind das für Mädchen und Jungen? Nach vielen Gespächen fährt Todenhöfer im November 2014 schließlich als erster westlicher Reporter nach Mossul, in die IS-Hochburg, und führt dort diverse Interviews. Anhand seines 2015 erschienem Buch „Inside IS – 10 Tage im Islamischen Staat“ entstand nun dieses Theaterstück, in dem sowohl die Reise von Todenhöfer dargestellt wird, als auch einige Schicksale von jungen Leuten nachgezeichnet werden, die nach Syrien gingen und von denen nicht alle wieder heimkehrten.

Eine spannende, nachdenklich machende Geschichte ist entstanden. Die Jugendlichen, deren Wege wir hier verfolgen, sind ganz normale Jugendliche, ihre Wünsche und Träume ganz alltäglich, aber ihre Entscheidungen sind es nicht. Theaterautor Yüksel Yolcu hat aus Gesprächen, die er mit einem Iman führte, der mit jungen Moslems im Gefängnis arbeitet, sowie dem Buch „Inside IS“ eine breitgefächerte Darstellung von Problemen und Sorgen erarbeitet, von Sehnsüchten und Erwartungen, die junge Leute dazu getrieben haben, sich dem IS zuzuwenden. Sich zu radikalisieren, sich von der Familie abzuwenden, in den Krieg zu ziehen. Yolcu lässt den Iman zu Wort kommen, eine Mutter, die fassungslos auf den Weg schaut, den ihr Sohn eingeschlagen hat, Jugendliche und junge Leute, manche zurück in Deutschland, manche, die nie wieder zurückkehren werden. Und er stellt die Frage, was wir, was die Gesellschaft, was Deutschland getan hat und tut, um solche Lebenswege zu ermöglichen. Unterstützen wir es gar, das Jugendliche sich derart radikalisieren?

Eine starke, aufrüttelnde Geschichte. Ein spannender Theaterabend. Ich denke, das größtmögliche Kompliment für das Grips Theater und die Schauspieler ist folgendes: Als wir uns setzten, war das Publikum durchsetzt von ziemlich lautstarken Teenies, während der Vorstellung war es mucksmäuschenstill.

Inside IS kann man im Juli noch am 4. und am 6. sehen, jeweils mit anschließendem Publikumsgespräch, danach erst wieder im September! Weitere Infos und Karten gibt es hier.

Auftretende: Esther Agricola, David Brizzi, Patrik Cieslik, Christian Giese, Florian Kroop und Asad Schwarz. Musik: Thomas Keller, Sonny Thet.

©Nicole Haarhoff

 

All you need is Love – A Tribute to The Beatles – Die Musical Biografie – Estrel Hotel

Es ist die Frage aller Fragen. Die Frage, die sicher schon so manches Date frühzeitig beendet hat. Die Frage, die für verblüffte Blicke, betretenes Schweigen oder gar einen handfesten Streit sorgte. Die Frage, die sich alle Rockabellas, Kuttenträger und Headbanger zu Beginn ihrer Rockkarriere schon irgendwann einmal gestellt haben: Beatles oder Stones?

Ich kann die Frage aller Fragen klar mit einem „Beide natürlich!“ beantworten. Ich mochte die Beatles schon immer, als Teenie war ich stolze Besitzerin aller Platten! Mittlerweile habe ich zwar leider keinen Plattenspieler mehr, aber noch immer alle Songs auf CD. Und daher bin ich natürlich mit Begeisterung und trotz Jahrhundertunwetter ins Estrel Hotel an der Sonnenallee gestürzt, um endlich das Beatles-Biografie-Musical All you need is Love zu sehen! Ganz genau 50 Jahre ist er mittlerweile alt, der bekannte und beliebte Ohrwurm „All you need is Love“. Am 30. Juni 1967 erschien die aus dem Album „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ ausgekoppelte Single und begann ihren sagenhaften Erfolgskurs. Zur Feier dieses  Welthits, den noch heute so gut wie jeder zumindest mitsummen kann, gibt es vom 28. Juni bis zum 23. Juli im Estrel erneut das beliebte Musical zu erleben, das die spannende Weltkarriere der Pilzköpfe aus England anhand ihrer besten Songs nachzeichnet. Der Berliner Schauspieler Nicolai Tegeler übernimmt den Job des Erzählers, als fiktiver Roadie der Band erzählt er dem Publikum, wie die Jungs zu Beginn in Hamburger Clubs und Spelunken Gassenhauer spielten, erst noch als Backgroundband für Tony Sheridan, irgendwann dann als Main Act.

Gespielt wird die weltberühmte Band dabei vom Twist & Shout Quartett, bestehend aus vier ausgezeichneten Musikern, jeder bereits solo überaus erfolgreich und nun handverlesen, um das bestmögliche Beatles-Erlebnis auf die Bühne zu bringen. Und das ist Produzent Bernhard Kurz eindeutig gelungen. Auch als eingefleischter Fan und damit größtmöglicher Kritiker, hat man das Gefühl, als stünden Paul, John, Ringo und George direkt vor einem, live auf der Estrel Bühne! Alan LeBoeuf (Paul McCartney), Howard Arthur (John Lennon), John Brosnan (George Harrison) und Carmine Francis Grippo (Ringo Starr) klingen so authentisch, so sehr wie die Beatles, es ist schon beinahe ein wenig unheimlich. Wer also nie die Ehre und das Vergnügen hatte, die Beatles live zu erleben, dem kann ich dieses Musical nur sehr ans Herz legen. Durch die geschickte Songauswahl und die eingestreuten Informationen kann man den Weg der Beatles vom legendären Hamburger Star-Club bis zu ihrem skandalösen letzten gemeinsamen Auftritt oben auf dem Apple-Gebäude verfolgen. Auch ihre musikalische Bandbreite lässt sich so ausgezeichnet verfolgen: trällernde, gefällige Beat Musik zu Beginn ihrer Karriere über härteren Rock, der die größten Kontroversen hervorrief und schlussendlich der verklärte Psychodelic Rock ihrer späten Jahre. Ein toller Weg, den Aufstieg der bekanntesten und erfolgreichsten Band der Musikgeschichte auf die Bühne zu bringen.

Sehr sehens- und vor allem sehr hörenswert! Für Beatlesfans und Musikfans, sowie alle, die es noch werden wollen! Das Estrel beweist hier einmal mehr, dass bei ihren Stars in Concert Produktionen immer die allerbesten Doppelgänger auf der Bühne stehen, die ihren Idolen grundsätzlich stimmlich in nichts nachstehen! Hier könnt ihr nochmal meinen Bericht zu Grahame Patrick als Elvis lesen, ebenfalls eine tolle Show! Ihr müsst euch allerdings ranhalten, denn Ende Juli sagen die Pilzköpfe schon wieder Good Bye, Berlin und machen die Bühne frei für einen anderen Ausnahmekünstler: Michael Jackson! Informationen und Tickets gibt es hier.

©Nicole Haarhoff