battleRoyal – Parade – Chamäleon Theater

Alle die noch nie im Chämeleon Theater waren und denen der Begriff New Circus vielleicht überhaupt nichts sagt, möchte ich jetzt bitten, einmal die Augen zu schließen und an den Zirkus zu denken. An Zirkus wie man ihn als Kind kannte. Das schier riesige bunte Zelt. Der Geruch nach Süßigkeiten und Bratwurst mit Senf und darunter, irgendwie fremd und ein wenig wild, der Geruch nach den Tieren. Fröhliche Clowns, mächtige Elefanten, beeindruckende Dompteure – und ja, es gab auch Akrobaten. Aber im meiner Kindererinnerung sehe ich da vor allem enganliegende Glitzerkostüme und angestrengt lächelnde Gesichter. Als Kind wollte ich lieber die Clowns sehen.

Heute ist das alles anders. Wir alle wissen längst, dass man keine Tiere im Zirkus hält und die wandernden Zelte sind weniger geworden. Die Artistik jedoch ist lebendig, kreativ und aufregend wie nie zuvor. Und der Berliner Hotspot für innovative Artistikshows ist das Chamäleon Theater am Hackeschen Markt. Zuletzt beeindruckten sie mit der fröhlichen Hochzeitsgesellschaft Scotch & Soda, nun brilliert seit August eine neue Truppe im Saal: battleRoyal. Die Berliner Firma ist darauf spezialisiert, weltweit innovative und spektakuläre Events zu gestalten. Für das Chamäleon haben sie nun eine eigens konzipierte neue Show auf die Theaterbühne gebracht: Parade. Und statt Glitzerkostümchen und angestrengtem Lächeln sehen wir nun acht junge Leute, asymetrisch und streng in grau gekleidet, die langsam aber stetig einen Raum entdecken, der zunächst mit weißen Tüchern verhangen ist. Die Artisten fließen zusammen und wieder auseinander, in einem nahtlosen Tanz von Kraft und Anmut. Sie zeigen ihr Können einzeln, zum Beispiel Emma Serjeant, die ihren Körper durch einen winzigen Reifen quetschen kann. Oder Beata Surmiak, die kraftvolle Hand-auf-Hand- und Handstandakrobatik zeigt. Und dann kommen sie wieder zusammen und Jamie Swan, Justin Sherry, Jon Allingham und Laurie Marchand bilden einen Artistikreigen, dessen schneller Abfolge man kaum mit den Augen folgen kann.

Alvaro Medrano Lopez bereichert die Artistentruppe als Tänzer, seine Breakdance Moves sind absolut sehenswert. Der Abend besticht außerdem mit toller, recht ungewöhnlicher Musik. Wer viel Artistik schaut, der wird einige Lieder schon als „Strapatensongs“ abgespeichert haben, da sie sehr gerne verwendet werden und man sie immer mal wieder hört. An diesem Abend jedoch ist Sebastian Trimolt als Perkussionist für die Musik zuständig und der mal treibende, fröhliche Beat, mal esoterisch angehauchte Klangschalen-Sound ist neu und frisch und passt großartig zu dem, was auf der Bühne gezeigt wird. Ingesamt eine artistisch perfekte, stilvoll inszenierte Artistikshow vom Feinsten. Sie war für mich persönlich ein wenig zu clean und akkurat, um meine magisch-zauberhaft-altmodische Lieblingsshow Roots vom Sockel zu werfen, hat aber trotzdem zu fesseln gewusst.

Bis zum 18. Februar könnt ihr battleRoyal und Parade noch im Chamäleon Theater genießen. Weitere Informationen zur Show und Tickets bekommt ihr hier.

 ©Nicole Haarhoff ©Bilder: Chamäleon Theater