#theaterimnetz – Blogparade – Kulturfritzen

Seit geraumer Zeit folge ich interessiert dem Blog der Kulturfritzen, das sind Marc und Anne, die aus Berlin und Wien (und überhaupt) schreiben und denen das Thema Theater im Netz besonders am Herzen liegt. Anlässlich einer Konferenz haben die Fritzen 95 Thesen zum Thema Theater im Netz aufgestellt. Einige sind albern, andere witzig, einige werden wohl nie umgesetzt werden (aber wer weiß), andere hoffentlich schon bald! Manche Thesen sprachen mich nicht an, bei anderen konnte ich nicht laut genug „Hier!“ brüllen.

Eine der Thesen hat mich aber ganz besonders angesprochen und mich nun auch dazu animiert, zum ersten Mal überhaupt an einer Blogparade teilzunehmen und meine Gedanken kundzutun.

These 70
Das Theater zerstört das lineare Fernsehen und startet im Netz eine neue Ära.

These 70 ist so in etwa der Grund warum ich eigentlich blogge. Warum und wieso, dazu muss ich ein kleines bisschen ausholen. Im Jahr 2011 war ich noch kein großer Theatergänger. Dass ich jemals einen Kulturblog haben würde, das hätte ich zu dem Zeitpunkt niemals gedacht. Aber ich war frisch getrennt, zog in eine Mädels-WG und… schaffte mir keinen Fernseher mehr an. Stattdessen meldete ich mich bei Twotickets.de an, um abends rauszukommen und etwas Neues zu erleben. Zuerst dachte ich, dass ich so öfter mal in ein Konzert gehen würde, an Theater dachte ich noch gar nicht wirklich. Aber dann besuchte ich nach und nach immer mehr Stücke. Klassische, Unbekannte, Verrückte, Ernste, Witzige. In den großen Berliner Theaterhäusern und in solchen, von denen ich noch nie etwas gehört hatte. Ich sah Stücke, die einfach einen netten Abend bescherten und Stücke, die lange in mir nachhallten.

Meine Wohnsituation änderte sich wieder, aber einen Fernseher schaffte ich mir nicht mehr an. Immerhin war ich mittlerweile an vier oder fünf Abenden in der Woche unterwegs! Und ich erzählte jedem, der lange genug still stand, was ich so gesehen und erlebt hatte. Schnell war mir das aber nicht mehr genug und ich wollte mehr Leute erreichen. Ich habe das Gefühl, dass viele, viele Leute, gerade jüngere BerlinerInnen, abends auf die Couch fallen und durch die Kanäle zappen. Ins Theater gehen, das kommt vielen gar nicht in den Sinn. Das ist etwas, das macht man zu besonderen Gelegenheiten. Einfach mal für den Abend Theaterkarten bestellen, wie man sich Kinokarten bestellt, das macht doch kaum jemand. Dabei kann man für viele Theater Karten zum gleichen Preis bekommen wie eine Kinokarte.

Woran liegt es also, dass nicht viel mehr Leute regelmäßig ins Theater gehen? Warum gibt es da diese Hemmschwelle? Am Angebot der Theaterstücke kann es jedenfalls nicht liegen. Ganz egal ob man etwas Witziges sehen möchte, eine Kriminalgeschichte, eine Serie, etwas Klassisches, alles, was man im Fernsehen sehen kann, kann man auch im Theater sehen. Nur live, ohne Werbung, mit echten Menschen, echten Schauspielern und Künstlern, mit Livemusik und kreativer Bühnendeko. Garantiert besser als die hunderste Quizshow und die tausendste Tausch-deine-Kinder-und-Haustiere-Sendung!

Und um aus meiner Sicht, aus meiner ganz normalen Nicht-professioneller-Kritiker-mit-Theaterwissenschaftsstudium-Sicht empfehlen zu können, habe ich dann meinen Blog gestartet. Ich wollte einfach eine Alternative aufzeigen und mit ganz normalen Worten (für Theaterkritiken braucht man manchmal ein Wörterbuch, sie sind komplizierter als das Stück, um das es geht) tolle, interessante Theaterstücke oder sonstige Events präsentieren, die mir Spaß gemacht haben und die ich empfehlen kann. Im besten Falle sorge ich mit meinen Texten dafür, dass der eine oder andere ein Stück schaut, das er/sie sonst nie auf dem Schirm gehabt hätte. Und irgendwann trifft dann ganz automatisch These 70 ein. So ist jedenfalls der Plan.

Momentan bin ich als private Kulturbloggerin mit Empfehlungen noch recht allein auf weiter Flur. Als Kollegin, zumindest hier in Berlin, könnte ich auf Anhieb nur Elena von Mein-Eventtipp nennen. Zumindest im Gegensatz zum weiten Feld der Modeblogger oder Foodblogger ist das ziemlich mau. Aber das wird sich sicherlich mit der Zeit ändern und ich freue mich schon sehr darauf, dass dann einige der Thesen dann Wirklichkeit werden!

©Nicole Haarhoff