Ghost – Nachricht von Sam – Theater des Westens

Zugegebenermaßen gehört „Ghost – Nachricht von Sam“ nicht zu meinen Lieblingsfilmen. Ich habe ihn gesehen, klar, aber nicht annährend so oft wie Dirty Dancing, Patrick Swayzes andere große Nummer. Trotzdem erinnere ich mich natürlich an die wichtigsten Schlüsselszenen, die romantische gemeinsame Töpferei zum Beispiel. Als sehr musikalischen Film hatte ich ihn allerdings nicht in Erinnerung, daher war ich mir gar nicht sicher, was ich von der Musicalversion dieser Fantasygeschichte halten sollte. Voller gespannter Erwartung bin ich also am Tag vor Weihnachten in das schön geschmückte Theater des Westens geeilt, um mich überraschen zu lassen.

Sam und Molly ziehen gerade in ihre erste gemeinsame Wohnung ein. Sie ist Künstlerin, ein Freigeist, unabhängig und fröhlich. Sam dagegen ist ein aufstrebender Banker und manchmal wissen die beiden selbst nicht, wieso sie trotz ihrer Unterschiede so sehr voneinander angezogen werden. Die Inneneinrichtung der neuen Wohnung birgt auf jeden Fall einige Streitpunkte. Gut, dass Sams bester Freund und Mitarbeiter Carl da ist, um die Wogen zu glätten. Nicht nur im Privaten, auch bei ihrer anstrengenden Arbeit in der Hochfinanz stärkt Carl immer Sams Rücken und ist für ihn da. Und als Terror Mollys und Sams verliebte Blase zerstört, da ist er ebenfalls ihr Fels. Denn nach einem romantischen Dinner werden Molly und Sam auf der Straße überfallen und Sam wird getötet.

Er braucht eine Weile, um überhaupt zu verstehen, was mit ihm geschehen ist. Andere Geister im Krankenhaus geben ihm erste Hinweise. Sie warten schon seit Ewigkeiten in den Gängen. Wessen Seele nicht sofort aufsteigt, weil derjenige noch unerledigte Dinge auf der Erde zu bedenken hat, der ist als Geist gefangen. Genau wie Sam es jetzt ist. Verzweifelt eilt er nach Hause, beobachtet Molly, die immer tiefer in Trauer und Verzweiflung versinkt. Carl versucht sie aus der Wohnung zu locken, aber sie ist so deprimiert, dass sie gar nicht bemerkt, was der Geist Sam deutlich mitbekommt: kaum verlässt sie mit Carl die Wohnung, betritt ein Fremder sie, mit Hilfe eines Schlüssels. Und er beginnt sofort alles zu durchsuchen. Der Fremde ist niemand anderes als derjenige, der Sam erschossen hat! Waren der Überfall und der Tod von Sam gar kein aus dem Ruder gelaufener Raubüberfall?

Sam muss Molly, die Liebe seines Lebens, unbedingt auf die drohende Gefahr aufmerksam machen. Verzweifelt sucht er nach einem Weg, zu ihr vorzudringen. Seine einzige Hoffnung? Ein durchgeknallter U-Bahn Geist und eine Schwindlerin, die sich als Medium ausgibt. Aber Sam hat nicht viel Zeit und muss nehmen, was er kriegen kann…

Ganz besonders beeindruckt hat mich der grandiose Bühneaufbau. Von Sams und Mollys Loft zur kühlen Bank bis hin zur U-Bahnstation verwandelt sich die Bühne innerhalb von Sekunden vor unseren Augen! Ich finde es immer wieder wahnsinnig bewundernswert, wie ein solches technisches Wunderwerk erdacht und umgesetzt wird! Aber natürlich waren auch alle Darsteller toll. Die Chemie zwischen Sam (Mathias Edenborn) und Molly (Willemijn Verkaik) stimmt und Carl (Andreas Bongard) ist wunderbar zweigesichtig. Die beste und farbenprächtigste Rolle ist natürlich die der Oda Mae Brown, des unfreiwilligen Mediums, die von Marion Campbell wunderbar witzig dargestellt wird. Schauspielerisch hat mir das Musical sehr gut gefallen, was ich allerdings vermisst habe, sind richtige Reißer. Also Ohrwürmer. Kracher. Die, bei denen man Gänsehaut bekommt oder bei denen einem unwillkürlich der Atem stockt. Die Lieder sind sehr schön und wirklich gefällig, aber nicht mehr. Ich bin erfreut und glücklich nach Hause gegangen, aber mein neues Lieblingsmusical ist Ghost – Nachricht von Sam nicht.

Weitere Infos und Karten für Ghost bekommt ihr hier.

©Nicole Haarhoff