Les Ballets Trockadero de Monte Carlo – Admiralspalast Berlin

Im vorletzten Jahr machte mich eine Freundin auf die Trockaderos aufmerksam, ohne sie hätte ich diese grandiose Truppe nie entdeckt. Die sind unheimlich witzig, drängte sie, und tanzen unheimlich gut! Ich konnte mir trotzdem nicht so wirklich etwas unter dem klingenden Namen „Les Ballet Trockadero de Monte Carlo“ vorstellen und ging recht planlos in die Komische Oper, nur um dann geläutert und als fürderhin ergebener und treuer Fan der Trocks zu leben. Deswegen war ich natürlich auch begeistert, als ich erfahren habe, dass die Trocks wieder in Berlin gastieren werden, diesmal im Admiralspalast! Im Rahmen eines kleinen Presseevents durfte ich am Montag sogar bei einem Workshop dabei sein, bei dem wir lernten, elegant und doch witzig den Sterbenden Schwan zu tanzen. Ballettmeister Raffaele Morra versuchte zumindest sein Bestes, es den anwesenden Journalisten und Bloggern nahe zu bringen. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie unheimlich anstrengend es war! Ich habe sowieso großen Respekt vor Tänzern, aber nach diesen schweißtreibenden zwanzig Minuten, nach denen ich entkräftet aufgegeben habe, während die Tänzer der abendfüllenden Show dann erst richtig anfangen!

Die Trocks, das sind sechzehn professionelle Ballettänzer, die Compagnie ist in New York beheimatet und besteht schon seit den 70er Jahren! Zunächst vor allem humorig und mit Laientänzern besetzt, tanzten die Herren die Damenrollen und die Damen die Herrenrollen. Die Männer kamen allerdings am besten an und so bestehen die Trocks mittlerweile nur noch aus Männern! Jeder Tänzer hat eine männliche und eine weibliche Rolle zu besetzen, die jeweils ganz eigene Persönlichkeiten sind und ihre eigene Biografie haben. Mit einer augenzwinkernden Verbeugung an das Russische Ballett heißen die Damen dann etwa Nadia Doumiafeyva, Lariska Dumbchenko oder Nina Enimenimeynimova, was bei der traditionellen Namensverlesung vor der Aufführung zu ersten Lachsalven führt.

Das Repertoire der Testosterondivas ist groß, die gestrige Aufführung bestand aus den schönsten Stücken aus Tschaikowskis Schwanensee, Go for Borocco von Peter Anastos, Patterns in Space von Merce Cunningham und Raymonda’s Wedding von Marius Petipa.

Und was ist nun das Besondere an den tanzenden Männern? Nun, sie tanzen professionell und wunderbar Ballett. Aber mit einem Twist! Und der besteht nicht nur darin, dass sie auch die weiblichen Rollen übernehmen und dafür natürlich in Tutu, Spitzenschuh und Make-Up schlüpfen. Der besteht auch darin, dass sie das Ballett liebevoll und mit viel Respekt ein wenig auf die Schippe nehmen. Das ist mal eine vollkommen übertriebene Geste oder theatralische Mimiken. Das sind Schwäne, die ihrem Prinzen beinahe weglaufen oder Prinzen, die eitel ins Publikum flirten und vergessen, ihre Partnerin aufzufangen. Die Ballettdiven und auch die männlichen Charaktere (zum Beispiel Bruno Backpfeifengesicht,  Ketevan Iosifidi oder Stanislas Kokitch) haben große Egos, aber auch große Herzen und manchmal gehen eben einfach ihre Gefühle mit ihnen durch!

Ein ganz großer Spaß ist diese außergewöhnliche und unvergleichliche Tanzshow! Ich kann sie jedem nur wärmstens empfehlen. Auch wenn Ballett vielleicht bisher gar nicht euer Ding war, die Trocks werden euch überzeugen. Sie sind zum Schreien komisch, aber vor allem: passionierte und disziplinierte Ballettänzer! Denn eins kann ich euch nach meinem Workshop mit Sicherheit sagen: Um diesen Level des leichtfüßig Humorigen hinzubekommen, muss man erstmal ein verdammt guter Tänzer sein und das Ballett bis in die winzigste Ecke verstanden und verinnerlicht haben. Eine Slapstick-Verbeugung, könnte man sagen. Langanhaltender Applaus gab mir recht.

Die Trockaderos sind noch bis Sonntag im Admiralspalast Berlin zu Gast, weitere Informationen und Tickets bekommt ihr hier. Weitere Infos zu den Trocks und ihrer interessanten Geschichte findet ihr hier.

©Nicole Haarhoff