Frau Luna – Operette nach Paul Lincke – Tipi am Kanzleramt

Eigentlich schaue ich mir ja Shows und Stücke nur selten zweimal oder gar mehrmals an, aber bei Frau Luna musste ich einfach eine Ausnahme machen! Ich habe die schmissige Berlin-Operette von Paul Lincke aus dem Jahr 1922 im Oktober 2016 zum ersten Mal gesehen, kurz nach der Premiere und habe Anfang 2017 schon Karten für Anfang 2018 gekauft, um überhaupt noch welche zu bekommen! Das muss man sich mal vorstellen! Und das zeigt auch recht deutlich, wie beliebt diese Operette ist. Da ist dem Tipi am Kanzleramt wirklich ein ganz großer Wurf gelungen. Ich lehne mich mal weit aus dem Fenster und sage, dass mir Frau Luna sogar besser gefällt als das jahrelange Aushängeschild des Tipis: Cabaret.

Da ich in meinem Premierenbericht ja schon einiges über die Geschichte sage, die die Operette erzählt, möchte ich dieses Mal nur nochmals darüber schwärmen, wie großartig es ist, dass die sahningen Sahnehäubchen der Berliner Bühne alle zusammen gekommen sind, um diese Operette zu ihrem silbrigglänzenden Höhepunkt zu bringen. Jede, wirklich jede Rolle ist perfekt bestzt von einem bekannten Gesicht mit einer großen eigenen Persönlichkeit, die sich perfekt in ihre Rolle einfindet. Ob Christoph Marti als resolut-herrische Vermieterin Frau Pusebach, die später die strengen Röcke lüpft und mit strammen Waden fröhlich Berliner Luft Luft Luft tanzt. Oder Anna Mateur, die wunderbare Wuchtbrumme, als Stella, die schüchterne Zofe und verzagte Verlobte des Lebemanns Theophil. Sich die willensstarke Pusebach als Vorbild nehmend, wächst die Zofe später über sich selbst hinaus! Mit Anna Mateurs ausdrucksstarker Mimik und großen Gesten ein reiner Augen- und Ohrenschmaus!

Und eine ganz besondere Freude war für mich, dass Prinz Sternschnuppe dieses Mal von Katharina Thalbach dargestellt wurde! Gustav Peter Wöhler war zwar ebenfalls wunderbar, aber hach, die Thalbach sehe ich so gern! Und sie ist ein prächtiger wollüstiger Prinz, verzweifelt verliebt in die schöne Frau Luna, aber auch nicht den süßen Mondelfen abgeneigt. Eine weitere Veränderung war Venus, sie wurde dieses Mal statt von Cora Frost von Fausto Israel dargestellt. Fans der Schwesternzelte Tipi und Bar jeder Vernunft werden ihn kennen: Er spielte in der Bar jeder Vernunft in La Cage aux Folles den verführerischen Butler, der lieber Zofe wäre!

Insgesamt hat mir das Stück auch beim zweiten Mal wieder wunderbar gefallen. Die Akteure, die Musik, die schmissigen Lieder, die witzige Geschichte, die grandiosen Kostüme – hier stimmt einfach alles. Da fängt auch der coolste Hipster an zu schunkeln, das kann ich euch versprechen! Tipp für alle Nachtschwärmer: Es gibt auch eine Mondparty, am 3. März lädt das Ensemble von Frau Luna ab 23 Uhr zur Late Night Show!

Regie: Bernd Mottl, Arrangements & Musikalische Leitung: Johannes Roloff, Bühnenbild: Friedrich Eggert, Kostüme: Heike Seidler, Choreografie: Christopher Tölle, Dramaturgie: Ilka Seifert, Maske: Oliver Hildebrandt, Choreografische Mitarbeit: Chiara Cook

Weitere Informationen und Karten bekommt ihr hier.

©Nicole Haarhoff ©Bilder: Barbara Braun