Die Tanzstunde – Komödie am Kurfürstendamm

Eine wunderbare Liebesgeschichte der ganz besonderen Art!

Eine karge, moderne Wohnung mit einem exklusiven Blick über das Lichtermeer von Manhattan. Und in der Wohnung die reine Verzweiflung: Die Tänzerin Senga Quinn (Tanja Wedhorn) hat nach einem Unfall eine niederschmetternde Diagnose erhalten. Die Chancen, dass sie jemals wieder tanzen kann, stehen sehr schlecht. Senga trinkt, nimmt Tabletten, trinkt. Auf der Höhe von Trauer und Hoffnungslosigkeit schüttet sie eine ganze Dose Schmerztabletten in eine Tasse Rotwein und setzt an, um sie zu trinken. Als es plötzlich klingelt. Und klingelt. Und wieder klingelt…

Nachbar Ever Montgomery (Oliver Mommsen) gibt einfach keine Ruhe. Er will unbedingt, dass Senga ihm eine Tanzstunde gibt und er bietet ihr für ihre Dienste eine obszöne Menge Geld an. Senga ist empört und versucht nachdrücklich, den Störenfried abzuwimmeln. Aber sehr schnell stellt sich heraus, dass das bei Ever gar nicht so leicht ist. Er hat das Asperger Syndrom. Nuancen der zwischenmenschlichen Kommunikation sind ihm vollkommen suspekt. Er sagt unerbittlich, was er denkt, wann immer er es denkt. Und damit ist er vielleicht ganz genau das, was Senga jetzt braucht…

Eine wunderschöne, zarte Geschichte, die trotzdem beim Publikum wahre Lachsalven auslöst. Wenn Ever unwissentlich in einen Fettnapf nach dem anderen tritt, bloß weil er die Dinge eben beim Namen nennt, dann ist das oft zum Schreien komisch. Und Oliver Mommsen spielt Ever einfach wunderbar! Ich habe ihn zuletzt als stolzen Soldaten im Schlosspark Theater gesehen, in Minna von Barnhelm. Ihn jetzt in dieser vollkommen anderen Rolle zu sehen, war surreal, kaum vorstellbar, dass da der gleiche Schauspieler dahintersteckt! Fantastisch. Und zwischen ihm und Tanja Wedhorn stimmt einfach die Chemie auf der Bühne. Sie ist so voller Angst und Verzweiflung und springt doch über ihren Schatten, um ihm zu helfen… Die verletzte Tänzerin und der Autist – eine wirklich sehenswerte, tiefberührende Geschichte, noch bis zum 25. Februar in der Komödie am Kurfürstendamm zu erleben!

Weitere Infos und Karten gibt es hier. Nicht Vergessen, es ist nicht mehr lange Zeit, das Theater und die Komödie am Kudamm in ihren schönen Räumen zu besuchen. Ab Ende Mai geht es dann erst einmal im Schillertheater weiter. Aber vorher wird noch kräftig Abschied gefeiert, ein Blick in den Spielplan lohnt sich also.

©Nicole Haarhoff