Verlorene Liebesmühe! – Shakespeare Company Berlin

Er hat sich das so schön ausgedacht. Und sich und seinen Hofherren solch hehre Ziele gesetzt! König Ferdinand von Navarra plant drei Jahre lang in Askese zu leben, wenig Schlaf, kaum Speis und Trank, dafür einmal in der Woche Fasten und vor allem: keine Frauengeschichten! Stattdessen erbauliches Studium. Diese strengen Regeln sollen natürlich für seinen kompletten Hof und all seine Untergebenen gelten, auch wenn sich bereits zu Beginn heftiger Widerstand regt und zwar vor allem in Form seines Hofherren Byron. Der kesse Gigolo ist dem schönen Geschlecht überaus zugetan und kann sich nicht wirklich vorstellen, geschlagene drei Jahre lang auf ihre Gegenwart zu verzichten. Aber alles Jammern, alles Drohen und alle schönen Worte schlagen fehl, auch Byron unterschreibt schließlich zähneknirschend und legt einen Eid darauf ab, in den nächsten Jahren wie ein Mönch zu leben.

Tja, schöner Plan hin oder her, sie haben die Rechnung ohne das Schicksal gemacht. Denn das Schicksal bringt ihnen gleich drei schöne Frauen an die Palasttür, nämlich die Prinzessin von Frankreich und ihre liebreizenden Hofdamen, die gekommen sind um über ausstehende Zahlungen zu verhandeln. Der König von Frankreich selbst liegt krank darnieder und kann diesen Pflichten daher nicht nachkommen. Was nun? Die Damen können natürlich nicht an den Hof geladen werden, immerhin hat man gerade erst ein Gelübde abgelegt. Die pikierten Besucherinnen werden also in Zelte ausquartiert. Dummerweise ist das auch keine Lösung – bereits nach dem ersten Treffen ist es um Ferdinand und seine Mannen geschehen – sie sind heillos verliebt. Ein wilder Reigen aus falsch geschickten Liebesbriefen, enttäuschenden Geschenken und Maskeraden beginnt, in den auch noch Don Armado und sein vorlauter Diener Motte verwickelt werden, sowie der dusselige Bauer Costard und die ein wenig leichtlebige Magd Jaquenette.

Unter den wogenden Bäumen im Naturpark Schöneberg fand am Dienstag die Premiere von Verlorene Liebesmühe! statt und in gewohnt kongenialer Manier rockt die Shakespeare Company Berlin den bisher wenig gespielten Stoff. Es gibt grandiose Wortwasserfälle, schlüpfrige Schlüpfrigkeiten, zotige Zoten, einen kreuz und quer verliebten Hofstaat und sanfte Weisen, live auf der Bühne geklimpert. Ein witziges, wortgewandtes und wohlgelauntes Stück Sommertheater, bei dem man so richtig Spaß hat, genau wie das spielfreudige Ensemble auf der Bühne, die nahtlos von Rolle zu Rolle springen und jedem Charakter ein ganz individuelles Äußeres verleihen. Besonders toll: Johanna-Julia Spitzer als tumb-turbulenter Bauer Costard und Thilo Herrmann als kokette Jaquenette. Unbedingt anschauen! Weitere Infos und Karten bekommt ihr hier.

WILLIAM‘S CREW
Isabelle Feldwisch, Vera Kreyer, Johanna-Julia Spitzer, Thilo Herrmann, Benjamin Plath, Thomas Weppel

Regie: Jens Schmidl, Musik: Nico Selbach, Kostüm & Bühne: Carla Satoca Berges
Kostüm & Bühne: Francesca Ercoli, Licht & Technik: Raimund Klaes, Übersetzung: Christian Leonard

©Nicole Haarhoff