Staunen – Circus der Stars – Wintergarten Varieté Berlin

Ich bin ja sowieso und seit jeher ein großer Fan von New Circus, von Artistik und Varieté. Und am allerliebsten mag ich es, wenn ein Hauch von alten Zeiten durch den Saal schwebt, wenn große Gesten, prachtvolle Kostüme und donnernde Stimmen an Grandeur, Glanz und Zauber erinnern, an Zeiten als das Publikum in großer Robe zur Show erschien und perlenden Champagner aus Kristallschalen trank, während der Conférencier einen Programmhöhepunkt nach dem anderen anpries.

Und wo sonst kann man Geschichte so schön zelebrieren wie im Wintergarten Varieté, wo bereits im Jahre 1888 die ersten Akrobaten und Zauberkünstler aus aller Welt auf der Bühne standen. Und für sie, für diese großen Stars des Varieté, ist die neue Show am Wintergarten nun entstanden: eine Hommage, eine Verbeugung, ein Handkuss.

Es beginnt zauberhaft, ein einzelner Scheinwerfer, ein elegant tänzelnder Clown mit feinen Gesten: Crsto – Kennern schon aus vorangegangenen Wintergarten Shows ein Begriff. Er wird für uns auch noch Send in the clowns schnurren, hach, ein wunderbarer Einstieg in eine grandiose Show, bei der es Schlag auf Schlag kommt: Handstandartistik auf höchstem Niveau mit chinesischer Teufelsmaske. Alexander Veligosha hat merklich Spaß daran, seinen Körper auf unglaubliche Art und Weise zu verrenken! Das Duo Minasov zeigt etwas, was immer ein bisschen unspektakulär klingt: Quick Change, blitzschnelles Umziehen. Die beiden machen das in einem so derart rasanten Tempo, es ist unglaublich, wirklich! Von den Werbeplakaten ist er uns schon bekannt: Andrej Ivakhnenko, das merkwürdige rote Stacheltier. Was soll ich euch sagen. Er steht für atemlose Sekunden auf einer Leiter. Auf dem Schlappseil! Oben drauf!

Durch das Programm führt übrigens der Zauberkünstler Thomas Otto, der uns natürlich ebenfalls mit seinen Tricks zum Staunen bringt. Das wird allerdings nicht so bleiben, die Moderatoren wechseln im Laufe der Spielzeit mehrmals. Im Dezember und Januar zum Beispiel wird die wunderbare Sophie Berner durch das Programm führen, zur Premiere steuerte sie bereits einen Song bei. Man konnte sie gerade erst im Tipi am Kanzleramt als Sally Bowles bewundern und sie war einfach umwerfend! Da auch die Künstler sich nochmal ändern werden, werde ich mir Staunen auf jeden Fall im Winter erneut anschauen, das ist klar! Strahlemann & Söhne revolutioniert mal eben die Jonglagewelt, indem sie erst zusammen die gleichen Keulen schleudern, nicht hin und her, sondern tatsächlich zusammen. Und dann tauschen sie mal eben die Kleidung, also ziehen sich aus und die Kleider ihres Mitspielers wieder an und das alles, während die Jonglagekeulen zwischen ihnen hin und her fliegen! Das Duo Leosvel & Diosmani fliegt dagegen selbst. Am Chinesischen Mast, an dem die Kunststücke sowieso immer beeindruckend sind, setzten sie allem, was ich bisher gesehen habe, nochmal die Krone auf.

Wer jetzt vom Lesen schon erschöpft ist und denkt, da kann eigentlich nicht mehr kommen, dem muss ich jetzt noch die Maraschinokirsche auf die Sahne legen: das Duo Elja schwebt engelsgleich und in perfekter Synchronität am Trapez über unsere Köpfe hinweg. Zauberkünstler Otto Wessely und seine bezaubernde Partnerin scheinen überaus alberne Slapstickzauberei zu zeigen, bei der gerne auch mal etwas schiefgeht. Aber bei all der Albernheit zieht der Zaubermeister dann mal eben nonchalant eine lange Kette von Rasierklingen aus seinem Mund. Bäm!

Alles in allem eine wunderschöne und sehr beeindruckende Show mit einem guten Löffel Nostalgie und Zauber der vergangenen Zeiten bestreut. Für Varietékenner und Circusneulinge gleichermaßen ein Genuss. Weitere Informationen und Tickets bekommt ihr hier. Ein Blick in den Spielplan lohnt sich ebenfalls, da es bei den Wintergarten Spotlights in den nächsten Wochen und Monaten noch so einige Schmankerl geben wird!

 

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©Nicole Haarhoff  ©Bilder: Wintergarten Varieté Berlin