Das Wintermärchen – Shakespeare Company – Theater im Delphi

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Kurz vor dem Jahreswechsel hatte ich die Chance, noch schnell ein Stück zu sehen, auf das ich mich schon lange freute: die Shakespeare Company spielte „Das Wintermärchen“, ausnahmsweise einmal nicht im Freien sondern im Theater im Delphi. Das ehemalige Stummfilmkino in Prenzlauer Berg, gleich neben der Backfabrik, ist ein wirklich sehr schöner Hintergrund für Theaterstücke, ich war zum ersten Mal dort und gleich begeistert. Und das, obwohl der Naturpark im Schöneberger Südgelände für mich sehr viel leichter zu erreichen ist. Aber zugegebenermaßen ist es gerade ein wenig zu kalt im Freien und die Lokhalle kann nicht mehr bespielt werden, weswegen das Ensemble in wärme Gefilde umgezogen ist.

Das Wintermärchen hat einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen, weil es mir nämlich vor vielen Jahren den Weg zur Ballettliebhaberin freimachte. Ich stand dem Spitzentanz eher skeptisch gegenüber, bis ich dann eine Live-Übertragung aus dem Royal Opera House sah, dass mich wirklich zu Tränen rührte. Eine solch ergreifende, zu Herzen gehende Aufführung, danach war ich dem Ballett gegenüber sehr viel offener und aufgeschlossener.

Umso größer meine Freude, dass meine liebste Shakespeare-Truppe, die Company, das Stück aufführte. Ihre Herangehensweise an die klassischen Werke, ihre fantasievollen Kostüme und vor allem das wirkungsvolle Einbringen von Musik, das die Shakespeare Company in all ihren Stücken so virtuos und untypisch verwebt, machen sie zu etwas ganz Besonderem  im Berliner Theaterkosmos. Und auch beim Wintermärchen wurden meine sehr hohen Erwartungen wieder übertroffen:

Leontes (Nico Selbach), der König von Sizilien ist seit seiner frühsten Kindheit mit dem König von Böhmen, Polixenes (Thilo Herrmann), eng befreundet. Auch Leontes‘ Frau Hermione (Katharina Kwaschik) mag den Jugendfreund ihres Mannes. Etwas zu sehr, wie der eifersüchtige Monarch plötzlich glaubt, nach jahrelanger Freundschaft. Alles erscheint ihm nun suspekt und die Zweifel treiben ihn schließlich gar dazu, einen Mörder (Johanna-Julia Spitzer) auf seinen guten Freund anzusetzen! Der macht allerdings gemeinsame Sache mit Polixenes und flüchtet mit ihm nach Böhmen, anstatt ihn zu töten. Leontes Wut richtet sich daher auf Hermione, er lässt die vollkommen verblüffte, hochschwangere Frau verhaften und in den Kerker werfen. Auch an seiner Vaterschaft ihres gemeinsamen Sohnes Mamilius, den er zuvor noch zärtlich liebte, zweifelt er nun plötzlich. Der Junge stirbt mit gebrochenem Herzen und die Mutter folgt dem geliebten Kind direkt nach. Leontes bleibt allein zurück, von Gewissensbissen und Zweifeln geplagt. Nun lebt nur noch seine kleine, neugeborene Tochter, die er in der Wildnis hat aussetzen lassen und das Orakel von Delphi weissagt ihm, dass er erst dann einen Erben bekommen würde, wenn wiedergefunden werde, was verloren sei…

Wer nun glaubt, dass dies ein niederschmetternd trauriges Stück sei, der hat die Rechnung ohne die Shakespeare Company gemacht! Vor allem Johanna-Julia hat einige grandiose Rollen, die sehr witzig angelegt sind, ob nun der zurückhaltende Mörder, der etwas dusselige Schäferssohn oder die resolute Paulina, die für ihre Herrin und Freundin Hermione einsteht, als es sonst keiner tut. Insgesamt eine wunderschöne, märchenhafte Romanze mit Puppenspiel, Musik und Gesang, sowie (wie immer eigentlich) tollen Kostümen. Leider wird das Stück in nächster Zeit nicht in Berlin, sondern unterwegs sein, schaut mal hier, vielleicht seid ihr ja mal in der Nähe! Ansonsten freuen wir uns gemeinsam schon mal auf die Sommersaison!

©Nicole Haarhoff

 

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37, eigentlich Buchhändlerin, aber meist unterwegs ins Theater, ins Varieté, zu Shows oder Ausstellungen.

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Die Flugbegleiterin, die gerne gute Filme und Serien guckt und darüber schreibt.

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