Romeo und Julia – Choreographie von John Cranko, Musik von Serge Prokofieff – Deutsche Oper Berlin

Ich hatte es in einem anderen Beitrag schon einmal erwähnt: ich habe in den letzten Monaten mehrmals Romeo und Julia gesehen, immer in vollkommen anderer Art und Weise auf die Bühne gebracht. Auch als Ballett habe ich die bekannteste Liebesgeschichte der Welt schon mehrfach gesehen, zuletzt in der Version von Nacho Duato. Aber manche Geschichten werden eben niemals alt und daher habe ich am Wochenende nochmal Tränchen für das tragische Paar verdrückt, dieses mal als Ballett, getanzt von Polina Semionova (Julia) und Alejandro Virelles (Romeo).

In 180 Minuten wird die tragische Liebe der beiden jungen Leute in allen Details ausgeleuchtet und in der Choreographie von John Cranko, die er 1962 für das Stuttgarter Ballett ersann, versteht selbst jemand, der vorher noch niemals etwas von Romeo und Julia gehört hat (falls es so jemanden denn überhaupt gibt) worum es geht. Die Tänzer formulieren Gefühle so glasklar, als würde jemand auf der Bühne die Worte vorlesen. Die plötzlich und kraftvoll erblühende Liebe zwischen den beiden Tänzern ist so schön dargestellt, so herzergreifend, es ist einfach wunderschön. Lodernde Blicke, verstohlen zugeworfenes Lächeln und schließlich der erste zaghafte Kuss… Obwohl ich die Geschichte schon so oft gesehen habe und ich natürlich weiß, auf welches tragische Ende die beiden Liebenden unweigerlich zusteuern, in diesen zarten Momenten hoffe ich trotzdem immer wieder auf einen anderen Ausgang. Die Art und Weise, wie Romeo, der Wankelmütige, mit seiner unerfüllten Schwärmerei (Rosalinde) und seinen beiden besten Freunden interagiert, mit der einen turtelt und mit den anderen spielt und tollt, zeigt eindrucksvoll, wie jung die beiden Charaktere doch noch sind, wie unerfahren und arglos. Auch Julia, die ganz liebevoll ihre gute Amme neckt, sie wirkt so zart und süß, man wünscht ihr wirklich nur das Beste! Die eindrucksvollen Kostüme, mit denen die Capulets von den Montagues auch farblich abgehoben werden, tun ihr übriges, um bestechende Bilder auf die Bühne zu zaubern. Die ist überhaupt sehr schön, eine Brücke im Hintergrund agiert mal als Marktpatz, mal als Balkon (ihr wisst schon, wann) und ist plötzlich Tanzsaal zum Maskenball der Capulets.

Insgesamt ein wunderbares, farbenprächtiges Spektakel. Mitreißend und wunderschön. Serge Prokofieffs Musik ist für mich persönlich einfach Romeo und Julia, wenn ich bestimmte Noten höre, bin ich direkt wieder mitten in der Geschichte, auch während ich jetzt diesen Text schreibe. Und die Tänzerinnen und Tänzer erzählen die Geschichte so eindrücklich, so zu Herzen gehend, es ist kein Wunder, dass ich natürlich wieder in Tränen aufgelöst war, als ich die Deutsche Oper verließ.

Wer jetzt Lust hat, sich zunächst zu verlieben und dann todunglücklich zu sein, Termine und Tickets für Romeo und Julia in der Deutschen Oper gibt es hier. Und… es gibt eine Vorstellung am Valentinstag! Wenn das mal nicht passt!

©Nicole Haarhoff

 

 

Ballett

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37, eigentlich Buchhändlerin, aber meist unterwegs ins Theater, ins Varieté, zu Shows oder Ausstellungen.

Tommy Berlin

„Unsere Jugend ist heruntergekommen und zuchtlos. Die jungen Leute hören nicht mehr auf ihre Eltern. Das Ende der Welt ist nahe“ (Keilschrifttext, Chaldäa, um 2000 v. Chr.)

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