Ich bin nicht Mercury – Schlosspark Theater Berlin

Der Graf gibt sich die Ehre

Graf Krolock (Tanz der Vampire – für alle Musical-Laien oder Namen-Vergesser, wie ich einer bin) Thomas Borchert gibt sich die Ehre und mimt aktuell im Schlosspark Theater im schönen Steglitz den Freddie Mercury. Ach nein – er ist ja, wie der Titel des Stücks schon sagt, nicht Mercury! Sondern der Leadsänger einer Coverband. Sie singen auch, aber nicht ausschließlich, Songs von Queen. Aber einige Ähnlichkeiten zwischen den beiden Männern gibt es doch: sie sind zum Beispiel beide schwul. Und unser Leadsänger Chris ist, genau wie damals Freddie, nicht geoutet. Er bekommt es ja kaum selbst über die Lippen, das Wort schwul. Stattdessen belügt und betrügt er seine Freundin und Bandkollegin Lisa (Frederike Haas), bis sie eben von selbst drauf kommt, was ihn so mitnimmt. Kein Wunder also, das bei dieser Band die Fetzen fliegen. Nicht nur das Paar Chris und Lisa ist involviert, alle Bandkollegen leiden unter den andauernden Streitereien.

Und das, obwohl ein großer Meilenstein in ihrer Karriere bevorsteht: sie stecken eigentlich gerade mitten in den Proben für einen Aufnahmetermin in einem Tonstudio, um ihr Repertoire auf Scheibe zu pressen. Nicht wirklich die Zeit, um Liebesquerelen auszutragen und die Proben immer wieder hinzuwerfen, um sich mit Schmackes anzubrüllen. Bandkollegen Ken (Marco Billep) und Frank (Michael Ernst) sind schon wahnsinnig genervt. Statt sich immer nur mit dem Gefühlsleben von Primadonna Chris auseinanderzusetzen, haben die beiden nämlich selbst genug eigene Probleme…

Mehr Konzert als Bühnenstück!

Bei Ich bin nicht Mercury werden viele Songs von Queen gesungen, aber auch einige andere sorgfältig ausgewählte Lieder, die den Musikconnaisseuren im Publikum natürlich wohlbekannt sind. Die Lebenskrisen der Beteiligten sind ein kleiner Teil der Performance, aber vor allem gibt es viel, viel Livemusik. Eine absolute All Star Riege aus Musicalstars und Gesangswundern ist dort zusammengekommen, allen voran Thomas Borchert, bekannt zum Beispiel aus ebenjenem Tanz der Vampire, aus Rock of Ages, Der Graf von Monte Christo oder Don Camillo. Neben ihm brillieren, alternierend die Lisa spielend, entweder Frederike Haas oder Sophie Berner. Die Berner liebe ich ja sehr, aber auch Frederike Haas konnte mich schon in dem wunderbaren Musicaldrama Stella in der Neuköllner Oper überzeugen. Marco Billep kannte ich durch sein Musik-Kabarett-Ensemble Vocal Recall und der süße Michael Ernst hat ebenfalls eine eigene Band, Whatasound, ist aber auch umtriebiger Musicaldarsteller, Synchronschauspieler und -regisseur.

Die Band: UnderPressured

Und auch die Band ist mit Vollblutmusikern besetzt: Ben Barritt (Gitarre/Gesang), Philipp Schmitt (Keyboard/Schlagzeug und Gesang), Sebastian Vogel (Bass, Gitarre, Cello und Gesang), sowie Harry Ermer (Musikalische Leitung) machen eine richtig fette Party und lassen selbst das gediegene Schlosspark Theater-Publikum headbangen!

Insgesamt ein toller Abend, für alle Queen-Fans natürlich, aber auch für alle Musikbegeisterten. Keine Musikalische Biografie, wie zum Beispiel das tolle Doris Day-Stück, das ich mit Begeisterung im gleichen Theater gesehen habe, aber trotzdem auch kein reines Konzert!

Weitere Infos und Tickets gibt es hier.

©Nicole Haarhoff ©Bild: DERDEHMEL/Urbschat

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37, eigentlich Buchhändlerin, aber meist unterwegs ins Theater, ins Varieté, zu Shows oder Ausstellungen.

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