Mata Hari und Krawattenkameras: Das Deutsche Spionagemuseum

Zurück aus der Corona-Pause

Nach einer monatelangen Corona-Pause geht es nun hier auf Berlineransichtssachen.com endlich wieder los! Ich kann es gar nicht richtig glauben. Die Berliner Kulturszene rappelt sich auf, rückt das Krönchen gerade und stöckelt weiter. Etwas lädiert zwar, aber noch immer stark! Und für uns Gäste und Kunden heißt es jetzt, Maske auf, Hände gewaschen und Zeitfenster gebucht! Hat ja auch sein Gutes, zum Beispiel beim Besuch eines Museums:

Das Deutsche Spionagemuseum

Es gab mehrere Auslöser für meinen Besuch im Deutschen Spionagemuseum am Leipziger Platz. Zum einen gab es vor kurzem einen Themenabend im Fernsehen über die Stasi und wechselseitiges deutsch-deutsches Abhören. Über Romeo-Spione und umgarnte Vorzimmerdamen. Sehr spannend! Außerdem hatte just der Ober-Spion und 007 ihrer Majestät, Sean Connery, Geburtstag. Und, last but not least, eine weniger schöne Sache: die erst kürzlich erfolgte Vergiftung des Kreml-Kritikers Alexej Nawalny. Dem Thema Gift und Giftmord ist im Spionage Museum ein ganzer Bereich gewidmet.

Mata Hari

Aber von Anfang an: durch eine geheimnisvolle Schleuse wird man direkt in die jahrhundertealte Geschichte der Spionage gebeamt. Anhand einer Timeline kann man verfolgen, wann, wo und warum es die ersten Aufzeichnungen von Geheimschriften gab, wer die ersten Undercover Agenten waren und welche Geheimnissen sie ausplauderten. Man lernt einige bekannte Spione kennen und auch einige, die etwas berühmter sind, als es ihnen wirklich zusteht: so wie Mata Hari. Noch heute weltberühmt, unzählige Bücher und Filme preisen ihre Taten, ihre Schönheit ist legendär. Allerdings ist nicht klar, ob sie überhaupt jemals über relevantes Geheimwissen verfügte, denn eigentlich waren ihre Kontakte und Verbindungen nie wirklich wichtig.

Das Werkzeug der Spione

In der 1. Etage geht es dann ans Eingemachte! Wir wandeln auf den Fußspuren von Alan Turing und können nun selbst Worte oder ganze Sätze fachmännisch verschlüsseln. Neben vielen Spionen und ihren abwechslungsreichen Biografieren, sehen wir hier auch ihr Handwerkzeug. Von winzigen Sendern im Hacken eines Schuhs über Seidenschals in denen geheime Botschaften verschwinden bis hin zur Kamera in der Krawatte – manche der ausgestellten Spionagewerkzeuge wirken aus der heutigen Sicht beinahe albern. Die „Mini“-Kameras sind recht riesig, es ist kaum vorstellbar, dass der Spion damit unauffällig zu Werke gehen konnte. Aber Einfallslosigkeit kann man den Geheimdiensten wirklich nicht vorwerfen! Waffen wurden in Geigenkästen versteckt, Nachrichten in Zigaretten, sogar Tiere sollten rekrutiert werden!

Mein innerer Jason Bourne

Wer nicht gern ausschließlich Texte liest, sondern Museen gern mit allen Sinnen erlebt, kommt im Deutschen Spionagemuseum auch voll auf seine Kosten. Man kann seinen inneren Jason Bourne herauslassen und nach Wanzen suchen, sein Können beim Lippenreden testen oder sich akrobatisch verrenken, im Laserparcours! Natürlich kommen auch die berühmten Filmspione nicht zu kurz, auch ihnen wurde ein Denkmal gebaut, den verschiedenen Bonds genauso wie den neueren Hollywood-Secret Agents.

Dr. Walter Katzungs Giftschrank

Alles in allem war ich rund drei Stunden im Deutschen Spionage Museum gut beschäftigt, auch wenn ich gar nicht alle Filmbeiträge vollständig angeschaut habe. Dabei gibt es sehr spannende Reportagen, alle von Fachleuten eingesprochen. Am meisten beeindruckt hat mich der Toxikologe Dr. Walter Katzung, der sehr sympathisch und verständlich über sein Fachgebiet Auskunft gibt. Zum Beispiel über den Fall des DDR-Fluchthelfers Welsch, der durch Thallium vergiftet wurde oder über den Fall von Alexander Litwinenko, bei dem es Polonium war. In Anbetracht der Tatsache, das sich ein solcher Fall aktuell gerade wieder abspielt, ist es doppelt morbide und topaktuell.

Das Museum bietet allerdings derart viele Informationen, man kann kaum alles aufnehmen. Zu einigen der Biografien, die ich heute dort kurz kennengelernt habe, werde ich nun auf jeden Fall noch ausführlicher recherchieren. Im Shop des Museums gibt es einige sehr interessante Bücher zum Thema Spionage, für alle Altersklassen ist etwas dabei.

Da ist für jeden was dabei!

Ich kann euch einen Besuch wirklich nur ans Herz legen! Bei meinem heutigen Besuch war vom kleinen Mädchen bis zur Oma jedes Alter vertreten und es ist tatsächlich auch für jeden spannend und lehrreich. Das Konzept ist sehr durchdacht, man kann mithilfe der verschiedensten Medien spielerisch oder auch ernsthaft in die Materie eintauchen so kurz oder auch tief wie man möchte. Entweder mit Kindern auf die lustige Art oder aber als erwachsener Mensch mit so viel Hintergrundwissen wie man nur aufnehmen kann und will.

Die Öffnungszeiten sind aktuell täglich von 10-20 Uhr und, wie bereits gesagt, es gibt aktuell natürlich Zeitfenster, um Besucher und Mitarbeiter zu schützen. Die Aufenthaltszeit ist allerdings unbegrenzt. Für den Ticketkauf bitte hier entlang.

©Nicole Haarhoff ©Titelbild: Deutsches Spionagemuseum

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37, eigentlich Buchhändlerin, aber meist unterwegs ins Theater, ins Varieté, zu Shows oder Ausstellungen.

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