Raven – still hungry – Chamäleon Theater Berlin

Back in action!

Ich habe eine kleine Weile länger gebraucht um wieder in den Flow der Dinge zu kommen. Ich hatte das nicht erwartet, ich dachte eigentlich, sobald die Theater endlich wieder öffnen würde ich als Erste in der Schlange stehen um eingelassen zu werden. Stattdessen hatte ich mich während der langen unfreiwilligen Corona-Pause etwas zu sehr in einer Blase aus Bananenbrot, Gartenarbeit und Büchern eingemummelt und hatte so meine Schwierigkeiten wieder daraus hervorzukriechen. Dabei haben die Berliner Theater nun endlich wieder geöffnet und von 2G, 3G, Luca App, Maske und Leitsystem mal abgesehen geht es beinahe schöner zu als jemals zuvor, denn es herrscht überall eine Art enthusiastische, aufgeregte und übersprudelnde Atmosphäre des Willkommen und Schön-wieder-hier-zu-sein!

Raven – still hungry

Es wurde also höchste Zeit wieder ins Berliner Kulturleben einzutauchen und ich habe mir das absolut beste Stück dafür ausgesucht: „Raven“ von still hungry, einer Artistengruppe bestehend aus drei Frauen: Anke van Engelshoven, Lena Ries, Romy Seibt. Ganz aktuell sind sie in meinem liebsten New Circus Theater zu Gast, im Chamäleon Theater am Hackeschen Markt. Hier bin ich immer wieder und wieder davon überrascht worden, was Zirkus eigentlich alles sein, bedeuten und zeigen kann.

Die drei Raben sind Anke, Lena und Romy. Intelligente schwarze Vögel, aber auch berühmt in einem anderen Zusammenhang, nämlich als Rabenmutter. Übrigens ein Ausdruck den es nur im Deutschen gibt! Die drei Akrobatinnen sehen aus wie höchstens Mitte 20, knackig und durchtrainiert, ein Anblick an den man als New Circus und Varieté Fan gewöhnt ist. Erst als sie anfangen ein bißchen von sich zu erzählen fängt man an zu verstehen das sie eigentlich kein üblicher Anblick auf der Bühne sind: sie sind alle jenseits der 30 und sie sind Mütter. Und in dem Moment in dem sie Mütter wurden änderte sich das Leben, dass sie sich als professionelle Artistinnen erarbeitet hatten. Bei der Geburt ihres ersten Kindes sei das Haus voller Blumen gewesen, erinnert sich eine von ihnen, und sie hatte das Gefühl, es wären die Beerdigungsblumen für ihre Karriere.

Rabenmütter!

Die Drei zeigen an Seil und Strapaten, mal laut und mal ganz leise, was es für sie bedeutet eine Rabenmutter zu sein. Zumindest in den Augen von Außenstehenden. Was es heißt, seine Arbeit und Kunst zu lieben, aber auch das Kind zu vermissen wenn man auf der Bühne steht und auf Tour geht. Und was es für sie bedeutet in einem Meer aus ungewaschener Wäsche zu schwimmen während andere die heißersehnten Anrufe für grandiose Gigs mit unmöglich zu schaffenden Ansprüchen bekommen.

Dabei wird aber weder gejammert noch ist das Stück niederdrückend und durchweg negativ, tatsächlich ist es ziemlich witzig! An vielen Stellen kann man die Zustimmung aus dem Publikum deutlich hören und am Ende gibt es heftigen Applaus. Ich finde es grandios, wie lockerleicht hier aus einem so schwierigen und komplexen Thema mit dem sich viele, viele Frauen in der einen oder anderen Form konfrontiert sehen, ein sehenswertes Artistikstück gemacht wurde!

Großartig! Sehr zu empfehlen! Und nicht nur für Frauen und Mütter!

Noch am diesem Wochenende im Chamäleon Theater, Termine und Tickets hier.

©Nicole Haarhoff ©Beitragsbild: Chamäleon Theater, Daniel Porsdorf

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37, eigentlich Buchhändlerin, aber meist unterwegs ins Theater, ins Varieté, zu Shows oder Ausstellungen.

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