Jack Woodhead & Band, Reflections, Bar jeder Vernunft

Der helle Wahnsinn

Es gab eine Zeit, da habe ich Jack Woodhead gefühlt jeden Monat mindestens einmal gesehen. Er war regelmäßig im Wintergarten Varieté zu sehen, meist zusammen mit dem großartigen Contortionist David Pereira. Bei Pereiras eigener Show The Trip war er immer der Gastgeber und führte mit seinem Klavierspiel und auf meterhohen High Heels stöckelnd durch das Programm.

Außerdem spielte er eine wichtige Rolle in meinem All Time Favorite – Varieté im Wintergarten: Der helle Wahnsinn. Als Herbert Maria Freiherr von Heymann spielt er einen homosexuellen jungen Lebemann der zur Nazizeit zuerst im KZ und dann in einer Irrenanstalt landet. Dort fällt er wegen seiner Paradiesvogelart, die auch eine Zwangsjacke nicht komplett wegwischen kann, natürlich auf und rüttelt all die anderen Insassen aus ihrem ergebenem Dämmerzustand. Eine wundervolle Show, bei der Themen wie Homophobie, Rassismus und mentale Gesundheit sich tatsächlich nahtlos in ein Varieté mit Artistik, Tanz und Musik hineinfügen. Meiner Meinung nach eine Show die noch immer absolut unerreicht ist, einzigartig!

Jack Woodhead

Aber zurück zum Star des Abends, Jack Woodhead aus Manchester, klassisch ausgebildeter Pianist, groß, noch größer auf seinen ausgefallenen High Heels, schlank, oft gekleidet in enge Korsetts und Lack und Leder. Er hat einen großen ausdrucksstarken Mund und ebenso große, geschminkte Augen mit denen er oft erschrocken und scheinbar pikiert in die Welt hinaus schaut, nur um dann im nächsten Moment mit schriller, sich überschlagender Stimme von einem großen peinlichen Missgeschick zu erzählen, welches ihn, das Ficken3000 und einen enorm großen Dildo beinhaltet!

Und dann schwingt er seine langen Beine zurück ans Klavier und spielt hingebungsvoll Beethoven. Ein Mann, eine bunte Tüte an Überraschungen. Sein Solo-Programm Reflections, bei dem er mit einer vierköpfigen Band auf der Bühne der Bar jeder Vernunft steht, war eine abwechslungsreiche, schrille, mitreißende und ungemein witzige Achterbahnfahrt. Der Song „The Lost Child’s Waltz“ mit Musik von Woodhead und Lyrics von Mark Wartenberg, geht mir seitdem gar nicht mehr aus dem Kopf, ein wunderschönes Lied! Überhaupt sind die allermeisten Lieder des Abends von Jack Woodhead und Mark Wartenberg. Ich hoffe sehr darauf, dass es beim nächsten Solo-Abend auch wieder einige Geschichten über Mama Woodhead zu hören geben wird, in schönstem Denglisch vorgetragen.

Die nächste Chance Jack Woodheads Reflections zu erleben ist am 13. Juni 2022, Karten bekommt man hier. Er sagte, jede Show sei ein wenig anders, daher werde ich auf jeden Fall wieder dabei sein und bin schon sehr gespannt! Jack Woodhead ist auf jeden Fall ein Garant für einen ganz besonderen Musikabend, er ist quasi gelebtes Varieté, mal laut, mal leise, mal schrill, mal beeindruckend schön und immer voller Talent und Können!

Die Band: Lukas Thielecke, Tobias Tinker, Eldar Tsalikov und Sid Werner.

Regie: Mark Wartenberg

©Nicole Haarhoff ©Bilder: Barbara Braun, Bar jeder Vernunft

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Berlinerin mit Herz und Seele, auch wenn ich einstmals zugezogen bin! In den Theatern und Veranstaltungsorten meiner Stadt fühle ich mich am wohlsten.

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