Happy End – Renaissance Theater Berlin

Kurt Weill und Bertolt Brecht

Es ist quasi die Westside Story. Oder doch Dirty Dancing? Nur eben in den 20er Jahren, mit Musik und Texten von Kurt Weill, Bertolt Brecht und Elisabeth Hauptmann. Es ist eine Liebesgeschichte. Es ist „sie können nicht zueinander“ und „die Gesellschaft ist gegen sie“, aber mit viel Musik und Gesang. Und es hat, wie der Titel uns verrät und wie es uns auch gleich als erstes von der Bühne herab versichert wird: ein Happy End!

Die Unterwelt von Chicago

Die eifrige und ehrgeizige Lilian (Sophia Euskirchen) ist für die Heilsarmee in den armen Vierteln von Chicago unterwegs, immer auf der Suche nach verlorenen Schäfchen die religiöse Führung brauchen und Sehnsucht nach einem besseren Leben haben. Sie sucht sich dafür natürlich nicht irgendwen aus, sie möchte am liebsten die Schlimmsten der Schlimmen bekehren. Voller Enthusiasmus führt sie ihre Mitstreiter in die dreckigsten Slums zu den Alkoholikern, Gangstern und Taugenichtsen. Einer dieser Gangster ist der charismatische Bill (Gabriel Schneider), Anführer einer berüchtigten Gang. Der gewiefte Romanzenexperte wird es gleich durchschauen: da liegt natürlich Liebe in der Luft. Oder zumindest animalische Anziehungskraft. Lilian kann gar nicht anders als ihre brave Gutmenschenfassade über Bord zu werfen und mitsamt Zimmerpflanze und zahllosen Koffern zu ihrem Liebhaber zu ziehen. Leider ist das auch für ihn eine ziemliche Umstellung und seine Räuberkumpane und vor allem die mysteriöse Fliege, deren Weg von Leichen gepflastert wird, sehen diese Romanze so gar nicht gern. Bill will natürlich auch seinen Street Cred nicht so einfach für eine uncoole Heilsarmee-Schnecke verlieren, ganz egal wie mitreißend sie singen kann…

Surabaya Johnny

Sebastian Sommers Inszenierung holt Happy End aus 1928 in das Jahr 2022, mitsamt Ikea-Aufbauplänen und Genderfluidität. Die bekannten Songs (Surabaya Johnny, der Bilbao-Song, der Matrosentango und der Song von Mandalay) werden grandios und mitreißend dargestellt, ganz besonders Gabriel Schneider als Bill hat es mir sehr angetan, ich bin mir ganz sicher das wir noch einiges von ihm hören werden. Er hat sowas Lars-Eidingereskes. Ein unheimlich kurzweiliges, witziges und mitreißendes Stück mit toller Musik, ich kann es euch nur ans Herz legen!

Mit Sophia Euskirchen (Lilian Holiday), Gabriel Schneider (Bill Cracker), Jacqueline Macaulay (Dame in Grau, Die Fliege), Klaus Christian Schreiber (Major der Heilsarmee, Frederik Jackson), Noëlle Haeseling (Jane, Bob Merker), Felix Lüke (Sam Worlitzer), Martin Schneider (Jimmy Dexter), Moritz Carl Winklmayr (Johnny Flint), Johanna Asch (Touristin, Kommissarin, Mary), Lennart Preining (Tourist, Kommissar, Leutnant der Heilsarmee), Daniel Warland (Governor, Leutnant der Heilsarmee)

Weitere Termine im September und Oktober, sowie dann wieder im Juli 2023! Weitere Infos und Tickets gibt es hier.

©Nicole Haarhoff ©Bilder: Max Jackwerth

Musiktheater

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Berlinerin mit Herz und Seele, auch wenn ich einstmals zugezogen bin! In den Theatern und Veranstaltungsorten meiner Stadt fühle ich mich am wohlsten.

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