On the Road – Absolventenshow – Staatliche Artistenschule Berlin – Wintergarten Varieté Berlin

Facebook erinnerte mich gestern freundlicherweise daran: auf den Tag genau vor einem Jahr war ich auch bei der Absolventenshow, genau wie im Jahr davor auch. Die Show ist immer wieder ein Garant für grandiose Artistik, für frische Gesichter und neufunkelnde Ideen. Man kann sich ziemlich sicher sein, auf der Wintergartenbühne die Showstars von morgen zu sehen, die man bald in wunderbaren, aufregenden Produktionen in ganz Deutschland oder auf der ganzen Welt sehen werden wird. Warum also nicht ganz am Anfang dabei sein und die ersten Schritte in die große Bühnenwelt beobachten, damit man später damit angeben kann.

In diesem Jahr hat Tobias Fiedler aus Hamburg (Circus Mignon, Roncalli, Palazzo…) die Regie der Show übernommen und hat die Absolventen und Absolventinnen der Staatlichen Artistenschule Berlin sowohl einzeln als auch gemeinsam als Ganzes prächtig in Szene gesetzt.  Wichtig ist dabei das „On the Road“, denn das Schild wird für jeden Performer gewechselt und der Straßenname passt sich dann dem Namen des oder der Auftretenden an. Eine witzige Idee und geschickte Überleitung.

Wie immer waren alle jungen Künstler ausnehmend gut, Florian (Florian Maertz) jongliert trotz Handschellen, mit denen er an eine Autotür gefesselt ist. Lukas (Lukas Köster)  jongliert auch, allerdings springen die Bälle dabei in rasanter Geschwindigkeit von den schrägen Ebenen zweier Dreiecke ab. Carina & Leonid (Carina Guillermo, Leonid Bethäuser) zeigen sehr schöne und reibungslose Hand-auf-Hand Artistik, aber später, am Trapez, entfaltet sich erst die volle Bandbreite ihres Könnens und sie erzeugen Staunen und Begeisterung im Publikum. Carina ist absolut furchtlos und lächelt immer gleichbleibend charmant, wenn sie wie eine Feder durch die Luft fliegt. Sehr schön anzusehen!

Miriam (Miriam van der Neut) nutzt mit dem Vertical Dancing Net ein artistisches Werkzeug, das man nicht allzu häufig sieht. Vielleicht, weil es für das Laienauge ein klein wenig abrupter wirkt als zum Beispiel Artistik am Tuch oder mit den Strapaten. Aber dafür ist natürlich ganz anderes Spiel damit möglich.

Jule (Jule Schuster) war umwerfend. Sie ist der Punk in der Runde und fällt mit ihren Klamotten und ihrem Gebaren ein wenig aus dem ansonsten sehr perfekten Rahmen, was sie in meinen Augen natürlich sofort besonders sympathisch macht. Aber sie zeigt auch beeindruckend Rasantes auf dem Slack Wire, unheimlich geschickt und sehr kraftvoll für so eine zierliche junge Frau!

Dana & Kyra (Dana Schulte-Siepmann und Kyra Reinert) zeigen eine fröhliche Mädelsfreundschaft und Rivalität, indem sie spielerisch um den besten Platz schubsend, abwechselnd meterhoch in die Luft federn und dort gekonnt Salti drehen. Es macht richtig Spaß, ihnen zuzusehen, wie sie das augenscheinlich so lockerleicht und problemlos meistern. Das Schleuderbrett sieht man auch nicht allzu häufig auf der Bühne, vielleicht ändert sich das jetzt ja!

Überaus elegant und elfenzart präsentiert sich Julia (Julia Grote) am Luftring, während Nicole (Nicole Ster) mit Handstand-Equilibristik verzaubert. Sie hat eine tolle Darbietung mit spritziger 20er Jahre Ästhetik zusammengestellt, die sie mit viel Witz und Charme und noch mehr Können meistert. Sie ist für mich auf jeden Fall eine der Kandidatinnen, von denen ich glaube, das eine große Karriere vor ihr liegt. Sie hat auf jeden Fall die unvergessliche Persönlichkeit.

Tim (Tim Kriegler) beendet den Abend mit seiner Darbietung an den Strapaten und legt eine der beeindruckensten Szenen des Abends hin, was gar nicht so leicht ist, wenn man bedenkt das alle Beteiligten ausnahmslos sehr gut sind. Aber die Strapaten sind auch einfach immer wunderschön, elegant, schwerelos und doch so kraftvoll. Darbietungen an den Strapaten sehe ich einfach immer wieder gerne. Und Tim beherrscht sie virtuos. Als Laie (unsportlicher Laie) kann man es kaum glauben, wenn man mal sieht, wozu der menschliche Körper mit viel harter Arbeit und Hingabe eigentlich fähig ist.

Die Absolventshow ist jedes Jahr wieder einen Besuch wert. Wer die Showstars von morgen schon heute sehen möchte, der sollte die Show 2018 nicht verpassen, wenn ihr nicht gar heute Abend noch zur Abendkasse eilen mögt. Ansonsten ist außer der aktuellen Show Sayonara Tokyo am 2. Oktober wieder ein Abend für besondere Artistik unter dem Sternenhimmel des Wintergarten Varieté: der Pabst bittet zur Audienz! Karten und Infos hier.

©Nicole Haarhoff

 

 

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Like Berlin – Die Show zur Kampagne – Wintergarten Varieté Berlin

Ich habe mir gestern noch einmal die aktuelle Show Like Berlin im Wintergarten Varieté angeschaut! Eigentlich mache ich das ja nicht, mir etwas zweimal oder gar mehrmals anzuschauen, aber hier habe ich eine Ausnahme gemacht, weil sich einige der Künstler zwischenzeitlich geändert hatten. Philipp Tigris zum Beispiel, der uns gerade von so vielen Plakaten überall in der Stadt herunter, anblickt, aus einer nahezu unmöglich verdrehten Pose, war wegen anderen Verpflichtungen erst am 15. Mai dazugestoßen und ich wollte ihn unbedingt sehen!

Eigentlich hatte ich nicht geplant, erneut darüber schreiben, aber ich hatte beinahe das Gefühl, noch einmal eine ganz andere Show zu sehen, daher ein neuer Bericht von mir! Es stimmt eben doch, dass sich eine Show im Laufe der Aufführungen immer noch ein wenig verändert, vielleicht gar verbessert. Vor allem, wenn die Künstler auch wechseln und kontinuierlich gefeilt und gearbeitet wird. Like Berlin erschien mir straffer und pointierter als beim ersten Mal (5. März) und lief viel besser ineinander. Anissa Elakel und Nathalie Wecker beginnen den Abend mit dem Ende einer Berliner Clubnacht. Auf einem großen Bett zeigen sie Handstand der ganz besonderen Art. Girma Tsehai zeigt rasante Jonglage und neckisches Grinsen, Vinzenz Wagner performt eine aufsehenerregende Mischung aus Kontorsion, Breakdance und Tanz. Tarik Usman kann mit seinem Cyr Wheel beinahe fliegen und danach ist es endlich soweit: Philipp Tigris! Ich würde ja gern etwas über seine tolle und sehr sehenswerte Darbietung mit leuchtenden Hula Reifen erzählen, aber da waren Bauchmuskeln… und diese Tattoos… und im Wintergarten war es plötzlich recht warm und stickig…

Zurück zum Thema, über Girmas nackten Hütchentanz hatte ich ja bereits im letzten Bericht erzählt und die erste Hälfte beendet Bence mit seiner schwerelos schönen Performance am Luftring. Im zweiten Teil, eine meiner absoluten Lieblingsszenen dieser Show: Die fröhliche Marie Oldenbourg am Doppelschwungseil, lässig in durchlöcherten Jeans und unangestrengt sexy – für mich die Szene, die am meisten Berlin sagt! Tigris erobert noch einmal die Bühne und sicherlich einige Herzen, mit charmantem Lächeln, sexy Tattoos und einem Körper, den er unmenschlich weit verbiegen kann. Manchmal kann man kaum hinschauen, so krass wirken die Körperverrenkungen, zu denen dieser Mann fähig ist, auf das Auge. Guillaume Karpowicz hat mich bereits bei meinem letzten Besuch nachhaltig beeindruckt mit seiner sehr außergewöhnlichen Show mit einem Diabolo, das dahintickt wie die Zeit! Die Show wird mit großem Staunen beendet, Artistik am Chinesischen Mast ist immer unheimlich beeindruckend, aber Tarik und Girma bringen hier wirkungsvoll Können, Schnelligkeit und Humor in Einklang. Ein schönes Ende für eine insgesamt tolle Show!

Like Berlin kann man noch bis zum 11. Juni im wunderschönen Wintergarten Varieté erleben! Danach startet die neue Show: Sayonara Tokyo, einer Varieté Revue mit dem Thema Japan, auf die ich schon unheimlich gespannt bin! Karten, Infos etc., hier.

 

Berlin Nights – Die Show Sensation, Theater am Potsdamer Platz

Kennt ihr dieses Gefühl? Ihr kommt aus einem Club oder aus einer Show und die Musik oder das, was ihr gerade erlebt habt, vibriert noch durch euren Körper, erfüllt euer Herz und eure Seele, singt auf eurer Haut. Und ihr würdet euch am liebsten umdrehen und es gleich noch einmal sehen und erleben! Und all eure Freunde, Bekannte und Verwandte anrufen, damit sie mitkommen, weil das, was ihr da gerade gesehen habt, einfach so toll, so sehenswert, so besonders ist! Genau das, dieses Gefühl, ist der Grund, warum ich diesen Blog schreibe. Weil, wenn man etwas Tolles erlebt, man es am liebsten mit allen teilen möchte und es jedem erzählen und ans Herz legen möchte.

Und Berlin Nights ist genau so eine besondere Show, die ich aus vollem Herzen empfehlen möchte, denn sie macht einfach nur Spaß! Samuels Entertainment wollte das vielseitige Berliner Nachtleben auf die Bühne bringen und zu diesem Zweck wurde das ehemalige Musicaltheater am Potsdamer Platz in einen Nachtclub verwandelt. An süßen Bouncern vorbei geht es über einen schmalen Gang hinein ins schummrige Clublicht, ein DJ spielt House, man stößt mit Cocktails an oder genießt sie direkt als Eis am Stiel! (SchleckDruff – was für ’ne krasse Idee!!) Im Theatersaal beginnt der Abend mit dem Pianisten Timothy Thorsen, der mit Liszt die Gruppe Zanshin zu einem romantisch-fließenden, modernen Tanz animiert. Der nachfolgend notwendige Umbau wird gekonnt einbezogen, die Fothamockaz räumen eifrig um – zumindest drei von ihnen. Einer muss erst einmal ausführlich Pause machen, ehe seine Kollegen ihn ruppig zurück an den Besen beordern. Sie sind quasi die Pausenclowns – aber mit einer gehörigen Portion Talent und Können: Breakdance, HipHop, dazu etwas Akrobatik und die Kunst, über sich selbst zu lachen!

Nach dem Intermezzo formt sich schnell eine Schlange vor Türsteher Sascha Thies. Alle wollen hinein in den coolen neuen Club, in dem der legendäre DJ Tomekk auflegt, die Berlin Showgirls aufreizend tanzen und in dem Showbarkeeper Florent Rabaté geschickt die Flaschen fliegen lässt. Schnell füllt sich die Tanzfläche und Airdit, die M.I.K Family, Tridiculous und Samuels Crew zeigen Moves, die der Schwerkraft zu trotzen scheinen. Breakdance, HipHop, Locking, Popping und Akrobatik gehen locker Hand in Hand, sind mitreißend und aufregend. Das Publikum geht unwillkürlich mit, man hat das Gefühl mittendrin zu sein, man möchte am liebsten aufstehen und tanzen! Dann schwebt Renee auf die Bühne, tolle Haare, Beine bis zum Himmel und singt den von DJ Tomekk produzierten Titelsong der Show: I am Berlin!

Nach der Pause gibt es handgemachte Musik, die Gruppe Nader Rahy ist nun für den rockigen Soundtrack zuständig, Röhre Stefanie kann sanft genauso gut wie wuchtig-laut. Die Liebesgeschichte, die eines der Paare von Zanshin zu Beginn der Show erzählte, gipfelt in einem tragisch-schönen Tanz und in einer unheimlich beeindruckenden Performance an den Strapaten von Rostyslav aus der Tridiculous Crew. Atemberaubend!

Die Verknüpfung der einzelnen Künstler und ihres Könnens zu einer gemeinsamen Show ist einzigartig gut. Alles fasst makellos ineinander, vom Drumherum (Türsteher, Vorraum, Barcrew) über die Bühne (Bühnedeko, Licht, Sound) bis hin zu den Performern, die nicht nur einzeln glänzen, sondern auch gemeinsam. Sie haben sehr viel Spaß und Freude auf der Bühne, ihre gute Laune zieht das Publikum unweigerlich mit. Am Ende hält es niemanden mehr auf seinem Sitz.

Es gibt nur noch einige wenige Termine, an denen ihr die ultimative Berlin-Tanzshow Berlin Nights erleben könnt! Nur noch an diesem und am nächsten Wochenende! Also ranhalten! Diese Show wollt ihr nicht verpassen! Als besonderes Schmankerl habe ich noch einen geheimen Geheimcode für euch, mit dem könnt ihr 50% vom Kartenpreis abziehen: dermensch50. Weitere Informationen und Tickets gibt es hier.

Alle Bilder: ©Nicolas Ritter

Darauf freue ich mich:

Nachdem ich das Jahr 2017 mit einer Erkältung eingeläutet habe, bin ich nun endlich wieder fit und freue mich auf viele tolle neue Veranstaltungen in Berlin! Und es gibt auch unglaublich viel zu erleben. Alle Häuser haben ihre Spielpläne herausgeputzt und man kann sich kaum entscheiden, wo man zuerst hingehen möchte.

Hier habe ich eine kleine Auswahl herausgepickt. Das sind Veranstaltungen, die ich in nächster Zeit besuchen möchte, von denen ich mir sehr viel verspreche und die ich euch schon im Vorraus ans Herz legen möchte. Eine komplette Auflistung soll/kann es natürlich nicht sein, nur meine persönlichen Highlights.

Ab dem 20. Januar gibt es in meinem allerliebsten Prime Time Theater eine neue Folge von GWSW! „Kalle – Umwege zum Glück„.

Ab dem 24. Januar ist die weltberühmte Rhythmusgruppe Stomp in Berlin und zwar im schönen Admiralspalast. Ob Mülltonnen, Besenstiele oder Fingerschnipsen, man kann mit allem Töne erzeugen. Ich habe die Show noch nie live erlebt und bin schon wahnsinnig gespannt! Nur wenige Termine!

Ab dem 31. Januar wird es dann magisch! Neun der besten Magiere und Illusionisten haben sich zusammengefunden und haben gemeinsam eine nie dagewesene Sensationsshow auf die Beine gestellt. Ebenfalls im Admiralspalast: The Illusionists.

Am 14. Februar ist Valentinstag! Und die wunderbare Ikenna, ihres Zeichens Berlins eigene Whitney Houston, gibt ein Konzert im wunderbaren Wintergarten Varieté. Einen romantischeren Abend gibt es wohl kaum.

Und ab dem 24. Februar gibt es dann im Wintergarten Varieté eine nigelnagelneue Artistikshow! Thema ist unsere Lieblingsstadt Berlin und es verspricht wieder mal ein Knaller zu werden.

In meinem liebsten Artistiktheater, dem Chamäleon, gibt es ab dem 25. Februar ebenfalls eine neue Show. Die australische New Circus Truppe „Scotch & Soda“ bringt atemberaubende Artistik und Jazz zusammen.

Es gibt also unheimlich viel, worauf man sich freuen kann!

©Nicole Haarhoff

 

 

Leo – Chamäleon Theater

Ein junger Mann steht in einem kahlen, nüchternen Raum. Der Boden ist rot, die Wände sind blau, außer einer nackten Glühbirne gibt es nichts zu sehen. Der junge Mann ist vielleicht ein Reisender, er hat zumindest einen großen Koffer dabei. Auf jeden Fall ist er ein Wartender. Gelangweilt, wütend, resigniert, er durchläuft alle Phasen des Wartens, das kann wohl jeder nachempfinden. Bis die dumme Glühlampe flackert. Ohne etwas anderes zu tun zu haben wird die Birne nun plötzlich zu seinem einzigen Fokus. Und um sie zu erreichen, muss er sich einiges einfallen lassen. Und während er sich dehnt, streckt, auf die Zehenspitzen stellt und die Wände hinaufzugehen versucht, wird ihm mit einem Mal eines klar: Da stimmt etwas nicht! Da ist irgendetwas anders in diesem Raum. Seine Krawatte zum Beispiel, die hängt nicht ordentlich nach unten, sie scheint der Schwerkraft zu trotzen und steht starr zur Seite ab. Zunächst irritiert, dann ängstlich und schließlich freudig erregt testet der Wartende nun aus, zu was er in diesem geheimnisvollen Raum so fähig ist. Er klettert die Wände hinauf und hinunter, hängt wie eine riesige Spinne in einem Winkel unter der Decke.

Der Trick hinter „Leo“ ist eigentlich ein ganz einfacher. Wir sehen den Reisenden, den Wartenden in seinem kleinen Raum, auf einer großen Leinwand, die links auf der Bühne steht. Neben der Leinwand gibt es noch einen weiteren Raum. Hier ist der Boden blau, eine Wand ist rot und eine andere ist ebenfalls blau. Es ist also der gleiche Raum, nur quasi auf die Seite gelegt. In diesem Raum befindet sich der Akteur tatsächlich. Wenn der Wartende sich in seinem Raum nonchalant mit einer Hand gegen die Wand gestützt entspannt, dann muss der Künstler im anderen Raum schweißtreibend horizontal zum Boden auf einer Hand stehend ausharren. Alles, was auf seiner Seite kompliziert und sportlich anstrengend wirkt, lässt der Wartende ganz einfach aussehen. Und wenn der Wartende etwas schier unglaubliches tut, wie zum Beispiel schwerelos unter der Decke kleben wie Spiderman – dann entspannt sich der Akteur auf dem Boden kauernd.

Einfach und mit einer solch wuchtigen Wirkung! Als Zuschauer weiß man schnell gar nicht mehr, wo man hinschauen soll! Der Charakter des Wartenden entwickelt ein Eigenleben und scheint eine ganz eigene Persönlichkeit zu sein, losgelöst von dem jungen Akteur auf der rechten Seite. Obwohl man die Lösung, das Geheimnis, eigentlich direkt vor den Augen hat, freut und wundert man sich mit ihm. Eine clevere und lustige Sinnestäuschung, die einen mitreisst und erstaunt. Absolut sehenswert.

Regie: Daniel Brière

Idee und Original-Darsteller: Tobias Wegner
Kreativproduzent: Gregg Parks
Licht und Setdesign: Flavia Hevia
Videodesign: Heiko Kalmbach
Animationen: Ingo Panke
Performer:William Bonnet, Julian Schulz and Tobias Wegner

Jeweils montags um 20 Uhr, nur bis zum 5. Dezember! Weitere Informationen und Tickets gibt es hier.

Relax – Die 80s Show – Wintergarten Varieté

Seit September gibt es die 80er Show „Relax“ im schönen Wintergarten Varieté, aber erst jetzt bin ich endlich dazu gekommen, sie mir auch anzuschauen! Noch bis in den Februar 2017 hinein kann man sich dort unter dem Wintergartensternenhimmel zurück in die Vergangenheit beamen lassen. Mitten hinein in die wilden 80er, mit ihren krassen Föhnfrisuren und den gigantischen Schulterpolstern.

Liederando – das ist die Idee des Abends, eine App, mit der ein Lied und eine Performance zusammen geliefert werden. Die Moderatoren und Sänger des Abends Crsto, Fannie L. und Vanessa S. stellen ihre neue Geschäftsidee vor und bieten auch gleich einen Einblick in ihre Arbeit: zu jedem Song oder Medley aus den bekanntesten Krachern der 80er gibt es ein akrobatisches Highlight zu bestaunen. Eigentlich könnte man mit dem Rücken zur Bühne sitzen, denn schon allein für die Musik lohnt sich ein Besuch der Show! Ein Smasher nach dem anderen! Ich glaube, es gab keinen Zuschauer im Publikum, bei dem nicht die eine oder andere Erinnerung an durchtanzte Nächte, die erste große Liebe oder Teenieschwärmereien für Wham! oder Rick Astley zurück kam. Kaum einer konnte die Beine still halten.

Aber natürlich waren auch die Artisten wieder großartig, Darkan schwebte, ganz in schwarz und scheinbar schwerelos, majestätisch an den Strapaten zu „Everything I do“ durch die Luft, Geraldine Philadelphia zeigte zu einem temperamentvollen Madonna Medley eine rasante Spielerei mit Reifen in allen Größen. Etwas sehr ungewöhnliches zeigten die drei Performer vom „Halves Project„. Vor einem dunklen Hintergrund scheinen hellen Figuren scheinbar ein Eigenleben aus halben Körperteilen zu führen. Eine lustige Einlage und etwas, was man wirklich nicht so häufig sieht!

Danach wird das Tempo extrem hochgedreht, die Skating Nistorov zeigen unglaublich halsbrecherische Kunststücke auf Rollschuhen, man traut sich kaum hinzuschauen! Brandon und Brennan alias BD Cerceau zeigen eine makellos schöne, perfekt aufeinander eingespielte Performance am Aerial Hoop. Das Trio Threestyle wirkt wie gerade aus einem originalen Jane Fonda Video aus den 80er Jahren entsprungen. Von den Stirnbändern bis zu den Stulpen, alles stimmt. Allerdings haben die Fonda Anhänger wohl niemals derart kraftvolle Hand auf Hand Artistik gezeigt, während sie dabei immerzu lieblich lächelten.

Mein Highlight des Abends, zumindest atristenmäßig, war allerdings Fleeky. Ich bin nun mal ein Grunge-Kid. Obwohl ich die Lieder der 80er toll finde – die Cranberries und ihr größter Hit „Zombie“ aus dem Jahr 1994 ist eine Hymne meiner Jugend und dazu der grungy Look von Fleeky und die beinahe unheimlich anmutende, spinnengleiche Performance des „Schlangenmenschen“ – grandios! Ich hoffe jetzt sehr, das mal jemand eine Show in genau diesem Stil macht! Da würde ich sofort in der ersten Reihe sitzen.

Ansonsten bleibt nur noch der Gastgeber des Abends und das Covermodel der Anzeigenkampagne der Show zu erwähnen, Paul A. Jackson, der mit seinen schwindelerregend hohen Stiefeln und seinen fantasievollen Kostümen (sechs originalgroße Totenköpfe auf einem Skeletorkostüm!!) das i-Tüpfelchen Glamour und Charme auf die Showspitze setzt.

Mal wieder ein toller Abend im wunderschönen Wintergarten Varieté. Weitere Informationen, Showzeiten und Preise findet man hier.

Initial – Die Absolventenshow – Wintergarten Varieté

Bereits zum 12. Mal hat „Wundercircus – Büro für Varietékünste“ mit Schülern des Abschlussjahrgangs der Berliner Artistenschule mit einer großen Gala den Abschluss der Schule und den Einstieg in die bunte Welt des Circus gefeiert. Mit einer grandiosen Show tourten die neun Artisten durch ganz Deutschland und sind nun, zum Schluss, wieder in Berlin angekommen.

Im ausverkauften Wintegarten Varieté, vor vielen Freunden und Mitschülern, sowie staunenden Gästen, zeigen die ehemaligen Schüler und Schülerinnen, was sie gelernt haben und womit sie bald in den Zelten und auf den Bühnen der ganzen Welt glänzen werden. Ich war nun zum dritten Mal bei dieser alljährlichen Galashow dabei und war wieder vollkommen hin und weg! Ich bin ja sowieso ein großer Artistikfan, habe auch schon vieles gesehen, aber was diese junge Generationen von Künstlern zeigt, ist wieder ganz neu, ganz frisch und absolut sehenswert.

Während die Artisten einzeln glänzen, verschmelzen sie zwischen den Solodarbietungen auch sehr gelungen zu einem funkelnden Ganzen, durch die zueinander passenden Kostüme und die Gruppendarbietungen wird die Show zu einem runden Gesamtkunstwerk.

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Aber auch einzeln sind sie wunderbar. Ich bin überzeugt, dass man von jedem einzelnen Act noch einiges hören wird! Über das Duo Sienna (Sina Brunner und Vienna Holz) hatte ich ja bereits berichtet, sie haben auch dieses Mal wieder mit ihrer unheimlich schön anzusehenden Spiegelnummer an den Aerial Hoops geglänzt, sowie am Vertical Pole. Ihre Bewegungen fließen so makellos ineinander, es ist beinahe schon unnatürlich schön.

 

Über Anna (Anna Shvedkova) steht im Programmheft ein Satz der ihre Haare betrifft und mich ein wenig befremdet hat, aber später hab ich es dann verstanden! Sie hat wunderschöne, dicke, dunkle Haare, die in ihren Tanzacts sowie am Doppeltanztrapez und in ihrer atemberaubenden Performance mit Saleh eine nicht unwichtige Rolle spielen!  initial-kuenstler-overlay-anna

Saleh macht unglaubliche Handstand-Equilibristik auf einem großen Schaukelpferd aus Holz. Klingt erst einmal merkwürdig, sieht aber toll aus!  Er ist, wie ja alle an diesem Abend, zu unglaublichen Dingen fähig. Am besten gefiel er mir allerdings gemeinsam mit Anna, sie harmonieren als Artistikpaar einfach wunderbar.

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Monalaura (Mona Tesch und Laura Borkowski) performen am Vertikaltuch und an einem großen Kubus am Boden, das hatte ich vorher so auch noch nicht gesehen, so ergeben sich tolle Bilder! Ich finde es immer wieder unglaublich, wie solche klein und zart wirkenden Mädchen dann ganz locker lächelnd solch kräftezehrenden Positionen in schwindelerregenden Höhen einnehmen können. Solch harte Arbeit, die so schön anzusehen ist!

Rosalie (Rosalie Held) zeigt Blumiges, ein sehr schön anzusehender Act mit Blumen nicht nur auf ihrem Kostüm…

Vor Sir Adam hatte ich, da ich in der ersten Reihe saß, ein wenig Angst, denn er jonglierte zu schottischen Volksweisen schwungvoll mit seinen Diabolos. Es ging zwar nichts daneben, aber unwillkürlich zuckte ich jedes Mal zur Seite, wenn die Dinger rasant in meine Richtung schwangen! Ansonsten sind die Plätze ganz vorn wirklich zu empfehlen, man sieht einiges, was man sonst von weiter hinten gar nicht mitbekommt. Für den besseren Blick auf die Bühne als Gesamtes sind aber die Plätze in der 2. oder 3. Reihe immer noch am besten!

Wer die Absolventenshow 2016 noch erleben möchte, hat nur noch heute die Chance, ansonsten auf jeden Fall schon mal für 2017 notieren!