Semianyki – Russisches Clownstheater – Tipi am Kanzleramt

Schrill, skurril und urkomisch! Aber nichts für schwache Nerven! Diese Clowns können nämlich auch ganz anders!

Eine Familie. Mama, Papa und vier Kinder. Mama ist hochschwanger. Es wird geherzt, geküsst, aber auch mal eine Schelle verteilt. Denn die Kinder sind nicht gerade die einfachsten. Zu Beginn des Abends sind sie gerade dabei, ihren schlafenden Vater von oben bis unten mit Wäscheklammern zu bestücken. Sogar auf die Nase setzen sie dem schnarchenden Mann eine der Klammern! Das Publikum ist amüsiert. Aber dann ziehen die braven Kleinen auf einmal Paketklebeband hervor und verschließen damit auch den Mund des Vaters! Das Lachen der Zuschauer gefriert überrascht.

Und das ist nur der Anfang. Die lieben Kleinen schwingen Sägen, ballern wild durch die Gegend, sodass erlegte Hühner von der Decke fallen, sie rasen auf quitschenden Rollerreifen über die Bühne. Die Jüngste, das schnullerlutschende Baby, hat eine verstörende Vorliebe dafür, ihren Puppen die Köpfe und diverse Gliedmaßen abzureißen. Wer jetzt an einen Horrorzirkus denkt, liegt aber auch falsch. Es herrscht immer auch Liebe und Zuneigung zwischen den Familienmitgliedern. Vor allem das Elternpaar kann oft kaum die Finger voneinander lassen, die hochschwangere Mama flirtet und kokettiert liebevoll. Trotzdem kann sie ihren Mann, der immer mal wieder mit einer Flucht vor Kindern und Verantwortung droht, nicht halten. Als er die Familie still und heimlich verlässt, ist sie die einzige, die alle zusammen halten kann.

Ein sehr spezieller Abend! Mir hat es sehr gut gefallen, aber ich bin auch ein Fan von Skurrilitäten und dem Unvorhersehbaren. Ich mag es, wie der Humor in den kleinen Gesten und der dramatischen Mimik und Gestik der Clowns liegt. Außerdem sind die Protagonisten einfach unheimlich mitreißend und gehen vollkommen in ihren Rollen auf. Man mag sie, genau wie man auch seine eigene spezielle Familie eben einfach mag. Eine überaus sehens- und erlebenswerte Kuriosität, die ich auf diese Art und Weise noch nirgendwo gesehen habe.

Man kann die schrecklich nette Clownsfamilie aus St. Petersburg noch bis zum 25. Februar im Tipi am Kanzleramt erleben. Weitere Informationen und Showzeiten gibt es hier.

Advertisements

Slava’s Snowshow – Fantastische Clownerie im Admiralspalast Berlin

Ich kann mich gar nicht erinnern, wann ich zum letzten Mal bewusst einen Clown gesehen habe. Im Zirkus Flic Flac (gastiert zur Zeit noch am Zoologischen Garten!!) gab es zwar eine komische Szene mit einem Künstler, der theoretisch auch ein Clown ist, aber übergroße Schuhe und eine rote Nase hatte er nicht. Er hat auf ganz andere Art und Weise für Lacher gesorgt und war wirklich toll, aber nicht die klassische Art von Clown, an die man sich noch aus seiner Kindheit erinnert.

Slava dagegen ist ein richtig „echter“, traditioneller Clown mit dicker roter Nase und naiv-stolpernder, sympathisch-trauriger Manier. Er spricht auch nicht. Rein pantomimisch, mit seinem ausdrucksstarkem Gesicht und seinen großen Gesten, erzählt er seine kleinen Geschichten. Überhaupt lebt Slava’s Snowshow von seinen Bildern. Von bunten, starken Bildern, die die Fantasie beflügeln und die Magie dieses Abends ausmachen. Wer den besonderen Zauber dieser Show in vollen Zügen genießen will, muss sich fallen lassen können, muss am Eingang zum Admiralspalastsaal tief einatmen und dann, wenn die Luft wieder entweicht, erneut ein Kind sein, bereit, zu staunen und aus vollem Hals zu lachen! Es gibt keinen roten Faden, keine eigentliche Geschichte, der man folgen kann. Es gibt einfach einen Clown, der mit seinen Freunden die Welt erkundet. Aus einem Bett und einem Besen wird, ein wenig wie bei Peterchens Mondfahrt, ein Segelboot und sie stechen in See gegen einen gigantischen Dampfer und gegen gefährliche Haie im Wasser, Rettung in letzter Sekunde!

Es gibt viele schöne, fantasievolle Überraschungen und das Publikum wird schnell zum Mitwirkenden, zum Komplizen und zum Fan. Wie leicht es doch ist, auch Erwachsene mit einer Bälleschlacht zu erfreuen! Am Ende ist man um einige Jährchen jünger und die Seele ein paar Kilo leichter gworden. Slava’s Snowshow ist poetisches, wortloses Theater, oft geht nur von der Mimik oder von einer kleinen Geste der Künstler der Humor der Situation aus. Um richtig genießen zu können, sollte man entweder Kind sein oder zumindest eine Kinderseele haben. Ich habe eine und habe mich großartig amüsiert! Slava Polunin, der berühmte russische Clown, der zum Beispiel beim Cirque Soleil Erfolge feierte, ist bereits seit 1993 mit dieser ganz besonderen Show in der ganzen Welt unterwegs. Sein ganz besonderer Humor und das, was seiner Ansicht nach die Clownerie ausmacht, steckt in jeder bunten Kostümfalte, in jeder neckisch wippenden Bewegung der Schlapphüte!

Noch bis zum Sonntag im Admiralspalast zu sehen, am Wochenende gibt es familienfreundlich zwei Shows. Weitere Informationen und Tickets gibt es hier. Die Webseite von Clown Slava ist hier.