Potsdamer Schlössernacht 2017 – Das Staunen kehrt zurück – Schloss Sanssouci und Schlossgärten in Potsdam

Glück gehabt! Nachdem das Eröffnungskonzert mit Daniel Hope vor dem Neuen Palais am Freitagabend buchstäblich ins Wasser fiel, war uns der Wettergott am Samstag gnädiger gestimmt. Statt Blitz, Donner und Starkregen, der uns beinahe von unseren Stühlen schwemmte, gab es am Samstag dann schönstes Sommersonnenwetter! Ich muss wirklich sagen, Hut ab vor dem Publikum, am Freitagabend blieb der Großteil tapfer sitzen bis die letzten Töne verklungen und das Großfeuerwerk bunt über uns explodiert war.

Zur Belohnung für so viel Standhaftigkeit strahlte dann am Samstag die Sonne besonders schön für uns. Ich war zum allerersten Mal bei der Schlössernacht in Potsdam, ich kann also leider keine Vergleiche zu den Vorjahren anstellen. Ich kann euch nur berichten, wie es mir dieses Mal gefallen hat und das war ganz wunderbar! Der Park ist einfach wunderschön, makellos gepflegt und allein für sich schon eine Augenweide, aber die neuen Veranstalter, die 2017 angetreten sind, um das Staunen wieder zurückzubringen, die haben wirklich eine tolle Veranstaltung auf die Beine gestellt. Gleich zu Beginn begeistert die Compagnie des Quidams mit ihren gigantischen weißen Pferden, die auf der weltberühmten Weintreppe vor dem Schloß Sanssouci tanzen. Eine poetisch-schöne und märchenhafte Vorstellung, wie gemacht für den beeindruckenden Hintergrund.

 

 

Danach besichtigen wir staunend die Bildergalerie, ehe wir eine Fee in einer riesigen Kugel über das Wasser der Fontäne unterhalb der Bildergalerie tanzen sehen, eine zauberhafte Idee, wie ich finde. Dadurch, dass alle Aufführungen zu verschiedenen Zeiten erneut gezeigt werden, stehen nicht alle Besucher gleichzeitig an einer Stelle an und durch die gezielte Verteilung ist es auch möglich, dass man sich einen ganz persönlichen Laufplan erstellt, nach dem man dann alle Punkte rechtzeitig ansteuert. Es lohnt sich wegen der schieren Masse an Angeboten wirklich, sich schon vorher einmal hinzusetzen und sich seine Gedanken zu machen, was man sehen möchte, damit man kein Highlight verpasst, auf der Webseite der Potsdamer Schlössernacht gab es im Vorfeld alle Infos und auch Pläne zum downloaden. Dabei sollte man auch die Entfernungen einrechnen, denn allein die Hauptstraße, die bis zum Neuen Palais führt, ist zwei Kilometer lang! Mein Tipp: die persönlichen Must-Sees auswählen und alles, was man dann noch schafft ist ein Bonus. So ist man auch hinterher nicht enttäuscht.

 

 

Für mich war ein weiteres Highlight das menschliche Mobile: Transe Express, eine Musiker/Artistentruppe aus Frankreich wurde mithilfe eines gigantischen Krans meterhoch über die Köpfe des staunenden Publikums getragen, immernoch fröhlich trommelnd. Eine unglaublicher Anblick! Auf den Wandelwegen zwischen den einzelnen Attraktionen begegnen uns wunderbar gekleidete Flaneure in großen Roben oder fantasievollen Kostümen. Über die Wiesen ist aus allen Richtungen Musik zu hören, wir lauschen dem Perner Carillon, auf der kleinen Bühne am Holzplatz unterhält uns Aydar Gaynullin mit seinem Akkordeon und Oli Bott am Vibrafon. Die römischen Bäder sind zur Feier des Tages geöffnet und werden eifrig fotografiert, im malerischen Innenhof ertönt Spaghetti Swing. Eigentlich möchte man sich überall in Ruhe niederlassen und lauschen, aber es gibt noch so viel zu sehen und zu erleben, daher fliegen wir an der Lasershow am Maschinenteich vorbei und steuern das Schloss Charlottenhof an, um uns von Simonetta Ginelli an der Harfe verzaubern zu lassen. Langsam wird es dunkel und im Park Sanssouci erstrahlen die Lichter. Ein zauberhafter Anblick!

 

 

Am Freundschaftstempel unterbricht Martin Klenk sein Cello-Spiel, um für einen ganz besonderen Herren Platz zu machen: Kammerherr Karl Ludwig von Pöllnitz gibt sich die Ehre. Er war seines Zeichens Oberzeremonienmeister am Hofe Friedrichs des Großen und kannte alle und jeden. Jedes noch so kleine Geheimnis, jedes Gerücht, jeder herzhafte Skandal – Herr von Pöllnitz wusste Bescheid. Und er plaudert nur allzu gerne vor seinen gespannt lauschenden Zuhörern aus dem Nähkästchen.

Nach unserem Ausflug in die Gerüchteküche haben wir nun tatsächlich Hunger und wir schlagen einen Bogen zur Genießermeile. Die farbenfrohen Streedfoodtrucks sind von der Ketering GmbH, das gleiche Unternehmen, das auch den malerischen Streedfood Market in der Kulturbrauerei organisiert. Dementsprechend kann man sich hier kulinarisch einmal um die Welt transportieren lassen, von Burgern über Empanadas, Trüffelgnocci, duftendem Käseraclette bis hin zu indonesischen Pancakes gibt es hier wirklich alles. Und alles frisch und liebevoll zubereitet. Dazu Erdbeerbowle oder einen schönen eiskalten Hugo – perfekt! Wer es lieber traditionell mag, der bekommt natürlich auch eine zünftige Bratwurst und ein kaltes Bier!

Alles in allem hatte ich einen wunderbaren Nachmittag und Abend bei der Potsdamer Schlössernacht und dabei habe ich nicht einmal die Hälfte von dem gesehen, was geboten war. Im Endeffekt kann jeder selbst entscheiden, ob man bis zum bombastischen Abschlussfeuerwerk um Mitternacht durch die Gegend powert und möglichst alles sieht oder ob man lieber langsamer flaniert und ausführlich genießt. Im nächsten Jahr bin ich auf jeden Fall gerne wieder dabei und nehme mir dann mehr Zeit, auch die verschiedenen Führungen zu sehen. Mein Tipp: vorher die Route zumindest in etwa planen, bequeme Schuhe sind ein Muss, Mückenspray und Regencape nicht vergessen, Decke einpacken (echte Kenner haben gar einen kleinen Campingstuhl dabei). Powerbank nicht vergessen! Die nächste Schlössernacht befindet sich schon in der Planung und steigt am 18. August 2018! Gleich rot im Kalender anstreichen!

©Nicole Haarhoff

 

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Mittelalterlich Phantasie Spectaculum – Galopprennbahn Hoppegarten

Es gibt so Veranstaltungen, da hab ich gar keine speziellen Erwartungen. Ich bin einfach bloß neugierig und will „mal schauen“. Das Mittelalterlich Phantasie Spectaculum war so eine Veranstaltung. Ich hatte eine vage Idee, was mich dort erwarten würde, hatte Eckdaten wie Ritterturnier, Falkner-Show und Bands im Kopf und wollte einfach mal schauen, was mich da so erwarten würde. Und wurde vollkommen vor den Kopf geschlagen! So zwei, drei Stunden hatten meine Begleitung und ich angedacht. Stattdessen haben wir uns nach etwa acht Stunden nach Hause geschleppt, mit wunden Füßen, vollen Bäuchen und einigen Lachfalten mehr im Gesicht!

Eine tolle, vielfältige, lustige, interessante, spaßige und aufregende Veranstaltung hat man da auf die Beine gestellt, liebevoll bis ins Detail geplant, familienfreundlich und gleichzeitig Erwachsenenspaß! Ich war total von den Socken. Mit so viel Input, so viel Kunst und Kultur, tollen Kostümen, mitreißender Musik und leckerem Essen hatte ich absolut nicht gerechnet. Es gab so viel zu sehen und zu entdecken, dass man des Schauens nicht müde wurde. Besonders toll war auch die wunderbar harmonische und relaxte Atmosphäre des ganzen Tages, die netten Leute vor und hinter den Verkaufsständen. Gegen die gestressten und dann oft recht pampigen Marktschreier (zum Beispiel auf dem Weihnachtsmarkt) ist das wirklich eine Abwechslung wie Balsam auf der Seele. Und auch die Besucher, viele davon aufwändig kostümiert, waren bestens gelaunt.

Als wir am frühen Nachmittag auf das riesige Areal kamen, da wussten wir erst einmal gar nicht, wohin wir uns wenden sollten, so überwältigend erschien uns das Angebot. Wir sahen uns also zunächst das Ritterturnier an, das um 15 Uhr begann und jubelten unseren Favoriten hoch zu Ross zu, die elegant und schneidig, ganz wie es sich gehört, Siege für ihre Damen errungen. Danach lockten uns die Stände, an denen eine schier unübersichtliche Menge an wunderschönen Dingen angeboten wurde, die der Ritter von Welt und die Edeldame, die etwas auf sich hält, so braucht: Waffen aller Art, von Messer über Schwert bis zum Bogen, hier bekommt man alles. Wem noch ein Kostüm von hoher Qualität, von Hand geschneidert fehlt – hier wird man fündig. Die passenden Accessoires? Ob Edeldame, Prinzessin, Kriegerin oder Feenkönigin – wer immer du sein möchtest, hier findest du alles, was du brauchst.

Shoppen macht hungrig, wir steuern also die zünftigen Fress-Stände an und auch hier ist alles ein wenig anders, man kann seine Taler für Dracheneier ausgeben, für Räuberspieße und Baumstriezeln, die passenden Getränke gibt es in der Piraten-Cocktailbar Tortuga Inn. Wir haben tapfer versucht, uns von einer Ecke bis in die andere zu essen, mussten aber leider aufgeben. Es sah aber auch alles lecker aus – untypische Volksfestspeisen, die man nicht immer und überall bekommt. Zünftig und immer freundlich serviert, da langt man doch gerne kräftig zu.

Weiter ging es im Programm, wir wollten uns die Hände mit Henna bemalen lassen, den Lukas hauen, Speere werfen und die Falkner Show ist ein Must See! Das Stelzentheater Feuervögel bringt einen Hauch Märchen und Wunder, dann rockt die Mittelaltertruppe Comes Vagantes und die Fechtkampftruppe Fictum lässt die Schwerter aneinanderkrachen. Für die kleinen Knappen und Burgfräulein gibt es auch viel zu erleben. Man ist richtig traurig, das man selbst in die urigen kleinen Schiffsschaukeln oder in das handbetriebene Holzriesenrad nicht mehr hineinpasst. Außerdem gibt es einen Strohspielplatz mit Holzpferden zum Reiten und wilde Glücksspiele, wie Katzengoldwäsche oder Rattenwerfen!

Wir älteren „Kinder“ ziehen derweil weiter und klappern die Bühnen ab, wir schwingen feenhaft im Kreis zu sanften Klängen von Faun und rocken fröhlich mit Mr. Hurley & Die Pulveraffen, Versengold und Cultus Ferox. Ehe wir uns versehen, werden schon an den Ständen die Lichter entzündet und die ersten Lagerfeuer flackern auf. Die Reiter galoppieren nun mit Fackeln in der Hand und Saltatio Mortis gibt ein flammengetränktes letztes Konzert. Wenn man über die Zeltdächer schaut und in der Dunkelheit lodernden Lagerfeuer sieht, befindet man sich für einen Moment tatsächlich in einem mittelalterlichen Lager, man riecht das Stockbrot im Feuer, grüßt ehrerbietig die vorbeischwebende Prinzessin in großer Robe und träumt sich schon einmal zum MPS 2018, das am 2. und 3. Juni stattfinden wird! Ich werde auf jeden Fall wieder dabei sein und ihr solltet es auch!

© Nicole Haarhoff

 

Bilder: Mittelalterlich Phantasie Spectaculum