Arnulf Rating präsentiert: Der Blaue Montag – Das lebende Stadtmagazin – Die Wühlmäuse

Zum 189. Mal hat Arnulf Rating gestern zum Blauen Montag in Die Wühlmäuse geladen. „Das lebende Stadtmagazin“ holt alte Hasen und junges Gemüse aus Comedy und Kabarett, aus Kleinkunst und Theater zusammen auf eine Bühne. Berliner Urgesteine genauso wie Künstler aus ganz Deutschland und, wie gestern der Fall, aus der Schweiz. Größtmögliche Abwechslung ist für das Publikum so gewährleistet, immerhin dreizehn verschiedene Künstler und Künstlerinnen versammelten sich gestern auf der blauen Bühne! Ich finde diese Abende immer großartig, sie sind quasi ein Einkaufszettel, denn man sieht bekannte Gesichter oder schreibt sich neue Namen und Daten auf, um gleich die ganze Show, das ganze Programm eines nagelneu für sich entdeckten Comedian bei der nächsten Gelegenheit zu erleben.

Ich mochte gestern jeden einzelnen der Auftretenden, habe mir aber auf meinen Merkzettel vor allem folgende Namen notiert:

Heger & Maurischat GbR, die beiden feschen jungen Damen treten am 25. April, 29. Mai & 07. Juli 2017 in der Bar jeder Vernunft auf. Sie sind quasi das Engelchen und das Teufelchen auf der Schulter, mal fröhlich, mal giftig, Singen und Blödeln, nehmen Aktuelles auf die Schippe. Waren mir gleich sympathisch!

Cloozy habe ich mittlerweile schon an verschiedenen Orten gesehen, immer nur kurz, aber ich muss unbedingt auch mal eine abendfüllende Show mit der nett-schusseligen Dame in Angriff nehmen. Für ihre ältere und sensible Haut nimmt sie eine leichte Wildlederpflege – na, den Tipp übernehme ich doch! Man kann sie in der Scheinbar sehen, zum Beispiel am 30. April!

Archie Clapp vergisst man nicht, wenn man ihn einmal gesehen hat, er hat die wohl auffälligste Frisur aller Comedians, ein Einhorn, wie er selbst sagt. Er luchst einem Gast in den Wühlmäusen nicht nur seine Jacke sondern gar sein T-Shirt ab, nur um es dann für einen Zaubertrick in Milch zu duschen! Gleich notiert, aber in der 1. Reihe möchte ich nicht sitzen!

Joël von Mutzebacher ist der schweizer Besuch des Abends. Der sympathische junge Mann war etwas geschockt von den Berliner Manieren im Berufsverkehr. Als Berliner kann man darüber aber lachen. Er hat in der nächsten Zeit keine weiteren Termine in Berlin, aber ist notiert!

Weitere Auftretende des Abends waren neben Arnulf Rating, dem Gastgeber: Barbara Thalheim und Band, Till Pöhlmann mit seinen wirbelnden Lichterjonglagen, Klaus Nothnagel mit seinen witzigen und informativen Bildvorträgen über Berlin (dieses Mal ging es um den Alexanderplatz). Die Primatonnen brachten ein wenig bayrischen Frohsinn auf die Bühne und HG Butzko war für die ernsteren Töne verantwortlich. Detlef Winterberg zeigte zwanzig Zauberstücke in drei Minuten, wortlose Komik hat auch was für sich! Und den Abschluss machte Sarah Goody mit kraftvoller Akrobatik am Vertikalseil! Wieder mal ein wunderbar abwechslungsreicher Abend in der Wühlmäusen, wer neue Humorimpulse sucht, dem kann ich den Blauen Montag nur empfehlen. Hier ist immer für jeden etwas dabei! Die Mischung machts!

Nächster Termin, Folge 190, ist am 12. Juni 2017! Weitere Informationen und Karten gibt es hier. Moderator und Gastgeber Arnulf Rating ist außerdem mit seinem aktuellen Soloprogramm „Rating AKUT“ am 21. und 22. April in der ufa-Fabrik zu sehen, die dazugehörigen Infos und Karten wiederum hier.

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Kaiser & Plain, Liebe in Zeiten von so lala, Musikkabarett im BKA Theater

Seitdem ich 2015 ihr erstes Programm „Denk ich nicht, sag ich nicht“ im Theater O-TonArt gesehen habe, bin ich ein großer Fan des Duos Kaiser & Plain. Ich finde, ihr Zusammenspiel ist einzigartig und sticht leuchtend heraus aus dem unübersichtlichen Meer der musizierenden Kabarettisten. Virginia Plain ist das Stimmwunder des Paares und damit meine ich nicht nur, dass sie eine schöne samtige Singstimme hat, sondern auch, dass sie sächselt, summt, schauspielert, schreit und schmeichelt. Sie kann total überraschend laut werden, wie eine großartig angezogene Überdrehte und dann säuselt sie wieder charmant, die Wogen geglättet. Es macht einfach Spaß ihr zuzusehen, was vielleicht auch an ihrer atemberaubenden rotglitzernden Robe mit tiefen Einblicken liegt, die sie im ersten Teil der Show trägt.

David Kaiser ist Virginias perfekter Gegenpart. Er rollt so oft seine Augen über ihre Eskapaden, sie rollen ihm beinahe aus dem Kopf! Er ist ihr ruhiger Pol am Klavier, die perfekte Stimmenunterstützung bei den Songs. Und er versucht sein Bestes, ihr zu helfen, als sie enthusiastisch kopfüber in die Irren und Wirren des Online-Datings springt. Beflissen sucht er ihr gar einen Adam zu ihrer Eva aus dem Publikum! Die Songs ihres neuen Programms drehen sich alle rund um das Thema Dating und Liebe finden, um verpatzte One Night Stands und alkoholgeschwängerte Fehlentscheidungen. Der G-Punkt wird gesucht (und nicht gefunden), es gibt nackte Tatsachen (nicht ganz freiwillig) und sehr, sehr viel zu lachen.

Ein toller Abend, großartig abgestimmt und wunderbar rund. Perfekt für einen fröhlichen Mädelsabend! Unbedingt anschauen! Weitere Termine im BKA Theater sind zum Beispiel am 20. April oder am 08. Juni. Oder am 17. und 18. März kann man einen schönen Ausflug zum Theaterschiff Potsdam machen und die beiden Grazien dort erleben! Außerdem: am 10. März feiert David Kaisers Soloabend im O-TonArt Premiere!!

Darauf freue ich mich:

Nachdem ich das Jahr 2017 mit einer Erkältung eingeläutet habe, bin ich nun endlich wieder fit und freue mich auf viele tolle neue Veranstaltungen in Berlin! Und es gibt auch unglaublich viel zu erleben. Alle Häuser haben ihre Spielpläne herausgeputzt und man kann sich kaum entscheiden, wo man zuerst hingehen möchte.

Hier habe ich eine kleine Auswahl herausgepickt. Das sind Veranstaltungen, die ich in nächster Zeit besuchen möchte, von denen ich mir sehr viel verspreche und die ich euch schon im Vorraus ans Herz legen möchte. Eine komplette Auflistung soll/kann es natürlich nicht sein, nur meine persönlichen Highlights.

Ab dem 20. Januar gibt es in meinem allerliebsten Prime Time Theater eine neue Folge von GWSW! „Kalle – Umwege zum Glück„.

Ab dem 24. Januar ist die weltberühmte Rhythmusgruppe Stomp in Berlin und zwar im schönen Admiralspalast. Ob Mülltonnen, Besenstiele oder Fingerschnipsen, man kann mit allem Töne erzeugen. Ich habe die Show noch nie live erlebt und bin schon wahnsinnig gespannt! Nur wenige Termine!

Ab dem 31. Januar wird es dann magisch! Neun der besten Magiere und Illusionisten haben sich zusammengefunden und haben gemeinsam eine nie dagewesene Sensationsshow auf die Beine gestellt. Ebenfalls im Admiralspalast: The Illusionists.

Am 14. Februar ist Valentinstag! Und die wunderbare Ikenna, ihres Zeichens Berlins eigene Whitney Houston, gibt ein Konzert im wunderbaren Wintergarten Varieté. Einen romantischeren Abend gibt es wohl kaum.

Und ab dem 24. Februar gibt es dann im Wintergarten Varieté eine nigelnagelneue Artistikshow! Thema ist unsere Lieblingsstadt Berlin und es verspricht wieder mal ein Knaller zu werden.

In meinem liebsten Artistiktheater, dem Chamäleon, gibt es ab dem 25. Februar ebenfalls eine neue Show. Die australische New Circus Truppe „Scotch & Soda“ bringt atemberaubende Artistik und Jazz zusammen.

Es gibt also unheimlich viel, worauf man sich freuen kann!

©Nicole Haarhoff

 

 

Idil Baydar als Jilet Ayse – Ghettolektuell – Bar jeder Vernunft

Dein Inneres ist wie ein Garten. Unkraut kommt von allein. Aber schöne Blumen musst du pflanzen und pflegen. Idil Baydars Oma

Ich habe Idil Baydar zum ersten Mal Ende letzten Jahres in der ufa-Fabrik gesehen. Sie moderierte einen Abend der Kabarettwochen und ihre Gäste waren Murat Topal und Masud Akbarzadeh. Seither wollte ich immer mal ihr Soloprogramm sehen und bin mit Begeisterung in die Bar jeder Vernunft zu ihrem neuen Programm „Ghettolektuell“ gegangen, das dort am 6. September seine Premiere feierte.

Was hatte ich erwartet? In der ufa-Fabrik war Idil bereits als schlaue, taffe Frau aufgefallen, die sich um Deutschland und was in Deutschland zur Zeit passiert, ernsthaft Sorgen machte. In ihren Trainingshosen, mit den großen Ohrringen und den blondgesträhnten Haaren erwartet man dann aber doch irgendwie mehr „Cindy-eskes“. Was durch ihren aufgesetzten türkisch-deutsch Neuköllnsprech auch noch unterstützt wird. Und an diesem Abend wurde ich eines Besseren belehrt.

Ghettolektuell ist amüsant, aber nicht zum Kaputtlachen. Im Gegenteil, manchmal sitzt man mit einem dicken Kloß im Hals im Publikum. Und am Ende des Abends nimmt garantiert jeder einzelne Besucher etwas für sich mit nach Hause. Es gab vielleicht keine Lachsalven, aber dafür viel stilles Nicken und anerkennendes, zustimmendes Klatschen, auch wenn einige von Idil Baydars Wahrheiten schwer zu schlucken waren. Sie hält uns allen einen Spiegel vor und macht anhand kleiner feiner Vergleiche unseren Alltagsrassismus sichtbar. Dabei ist sie sehr privat, sehr persönlich und immer im direkten Gespräch mit dem Publikum.

Und vor allem ist sie eins: voller Liebe. Für die Deutschen. Für die Türken. Für die Menschen. Und das transportiert sie mit jedem, manchmal auch sehr frechen und direktem Satz. Ihre Lösung für das aktuell brisante AfD-Problem: Liebe. Aufeinander zuegehen. Einander zuhören. Mal in die Schuhe des anderen steigen.

Mit ihrem Programm sollte Idil Baydar nicht nur durch Sachsen touren, wie es ihr Ziel ist, sondern auch durch die Schulen, Jugendclubs und Unis von Deutschland. Eigentlich sollten einfach alle mal zu Ghettolektuell gehen. Und ein bisschen in sich hinein horchen. Ein wirklich schöner Abend in der Bar jeder Vernunft. Klug, nachdenklich, politisch, witzig.

Bis Sonntag kann man Idil Baydar und „Ghettolektuell“ noch in der Bar jeder Vernunft erleben, danach in ganz Deutschland. Mehr Infos und Tickets für die Bar gibt es hier.

7 auf einen Streich – Die Kabarett Mix Show – Wühlmäuse am Theo

Am Montag war mal wieder Kabarett angesagt. 7 auf einen Streich – alle zwei Monate am ersten Montag des Monats kann man diesen vielfältigen Abend mit gleich sieben Künstlern und Künstlerinnen erleben.

Ich persönlich mag solche gemischten Abende sehr gern, da bekommt man einen kurzen, knackigen Einblick wie ein Comedian oder Kabarettist tickt. Dann kann man sich entscheiden, ob man sofort losgeht, um sich Karten für dessen Soloprogramm zu kaufen oder eben nicht. Leider geht diese Denkweise auch manchmal nach hinten los, weil man am Ende des Abends alle gut fand und eigentlich alle Künstler nochmal sehen möchte. So war es zum Beispiel am Montag, jeder einzelne der Auftretenden hatte etwas für sich, alle waren ganz unterschiedlich:

Moderator Timo Wopps Thema sind seine Kinder und Prenzlauer Berg und die Grenzen an die man als junge urbane Familie so stößt. Sehr bissig, sehr witzig, hab ich mir sofort notiert.

Cloozy ist die Quotenfrau des Abends, sie spricht über Altersarmut, ihr Plan dafür: Knast. Das ist bequemer und auch kostengünstiger als so manches Seniorenheim. Gruseligerweise fand ich die Idee irgendwie ganz schlüssig…

Christof Spörk ist Österreicher und macht Musikkabarett, mit einem sehr schmissigen Song besingt er zum Beispiel die majestätische Schönheit der Lärmschutzwände seiner Heimat.

Felix Lobrecht hat mir an diesem Abend am besten gefallen, allerdings waren meine Freundin und ich, zumindest soweit es mir erschien, mit Abstand am ehesten auf seiner Wellenlänge. Während wir uns ausschütteten, war der Anklang bei den älteren Semestern eher etwas verhalten. Er war aber auch ein wenig psychopathisch, wenn auch auf eine sehr sympathische Art und Weise. Wenn er körperliche Konsequenzen ankündigt, grinst er danach immer ein wenig manisch. Da fühle ich mich gleich verbunden.

Josef Brustmann spielt die Zitter und er spielt nicht bloß Heimatmusik, sondern auch KIassiker der Rockmusik! Sehr cool, so habe ich Stairway to Heaven noch nie gehört!

Tricky Niki, wie der Name schon sagt, zeigte Kartentricks, allerdings mit Bauchreden kombiniert, sehr witzig! Sein armes „Opfer“ setzt sich sicher nicht mehr so schnell in die erste Reihe!

Überhaupt hatte die erste Reihe es nicht leicht. Konrad Stöckel nämlich, der die für das Publikum und für ihn selbst am aufreibenste Show des Abends bot, zieht die erste Reihe ganz schön in Mitleidenschaft. Ich sage nur Bierregen! Aber seine Experimente sind klug und witzig, daher verzeiht man ihm alles. Selbst die Tingeltangel Bob-Frisur.

Alles in allem ein toller Abend! Sehr zu empfehlen. Mehr Infos und den kompletten Spielplan der Wühlmäuse hier. Übrigens präsentieren die Wühlmäuse nun auch im Quasimodo, dem Jazzclub in der Kantstraße, einiges von ihrem Programm.

 

Götz Frittrang – Kabarett – BKA Theater

Götz Frittrang nimmt die Zuschauer im BKA Theater mit auf eine wilde Jagd – tagesaktuelle Politik, Übergewicht, überbordende Mutterliebe, Haustiere, das  Liebesleben, Toilettenabenteuer – er spricht in seinem Programm „Wahnvorstellungen“ einfach alles an!

Ratzfatz und beinahe ohne Atem zu holen springt er von Thema zu Thema, von Aufreger zu Aufreger. Empört schnaufend verwundert er sich über die hohen und vielfältigen Hürden des Lebens, die sich einem Mann mittleren Alters aus Franken eben so in den Weg werfen. Sarkastisch, bitterböse und sehr überspitzt dehnt er manchmal die Grenzen des Geschmacks weit aus. Bei einer weitausholenden und detailgetreuen Geschichte über Toilettenunfälle zum Beispiel ruft eine empörte Frauenstimme aus dem Publikum: „Jetzt ist aber gut!“

Man muss also auf alles gefasst sein und keine zu dünne Haut haben, .dann kann man sich bei einem Frittrang Abend großartig amüsieren. Seine überspitzten Verschwörungstheorien und Lösungen für den Weltfrieden (Marzipan!) sind sehr verwinkelt gedacht und gerade darum sehr witzig. Man kann ihn an diesem Wochenende noch im Quatsch Comedy Club erleben! Wo er danach unterwegs ist, kann man hier nachschauen.

Arnulf Rating – Akut – BKA Theater

Ich habe Arnulf Rating nun bereits einige Male erlebt, allerdings hatte er immer die Gastgeberfunktion, so zum Beispiel beim Politischen Aschermittwoch 2016 im Tempodrom oder beim Blauen Montag in den Wühlmäusen. Am vergangenen Wochenende habe ich zum ersten Mal sein neues Soloprogramm „Akut“ gesehen, bei dem er allein, aber zusammen mit Schwester Hedwig und Hausmeister Kallkowski auftritt.

Arnulf Rating
RATING AKUT

Der große Mann mit den roten Schuhen ist der Herr der Schlagzeilen. Immer im Gepäck: ein Stapel Zeitungen, aktuelle und ältere, die Süddeutsche, die FAZ, die Welt, aber auch die mit den nackten Mädels. Und mit den Schlagzeilen der Zeitungen springt er behände von einem aktuellen Thema zum anderen, von Flüchtlingskrise zu Mutter Merkel zu Boateng. So schnell, dass man manchmal noch lacht, wenn schon längst die nächste Schlagzeile ins Rampenlicht gerückt wird. Schwester Hedwig versucht die Wogen mit medizinischer Hilfe zu glätten und Hausmeister Kallkowski hat ganz andere Probleme. Immerhin braucht er, um seine magere Rente auszubessern, einen 400-Euro Job und soll nun im BKA-Theater Feldbetten installieren. Wer braucht schon Kleinkunst?

Herr Rating schlägt zumindest noch Zeit bis 22:30 Uhr heraus, um sein Programm zu Ende bringen zu können. Fies und aktuell, blitzschnell und intelligent. Arnulf Rating fordert sein Publikum mit einem Kabarettschnellfeuer. Sehr zu empfehlen!

Im BKA Theater war Herr Rating nur am Sonntag, nun ist er auf Tour, bzw. bald auch wieder in den Wühlmäusen zu erleben! Trotzdem lohnt sich ein Blick ins Programm des BKA, vor allem auf „Wildes Berlin“ bin ich schon sehr gespannt!