Cats – Das Musical – Das englische Original auf Deutschlandtour – Admiralspalast Berlin

Es war einmal… vor vielen, vielen Jahren… Ein kleiner Junge namens Andrew bekam Abend für Abend von seiner Mutter zum Einschlafen Gedichte vorgelesen. Gedichte über Katzen. Über Rum Tum Tigger. Über Mungojerrie und Rumpleteazer. Über Old Deuteronomy. Und über viele, viele andere geheimnisvolle, schlaue, freche und liebe Katzen. Der kleine Junge namens Andrew liebte diese Geschichten und als er älter wurde und erfolgreich Musicals wie The Likes of us und Jesus Christ Superstar auf die Bühne gebracht hatte, da dachte er wieder an diese Geschichten. T.S. Eliot, der Lyriker, der die Katzen für seine Patenkinder erdacht hatte, war leider nicht mehr am Leben, aber dessen Witwe Valerie offenbarte Andrew Lloyd Webber weitere, unveröffentlichte Katzengeschichten und brachte damit die Entstehung eines der erfolgreichsten Musicals aller Zeiten in Gang:

CATS

1981 in London uraufgeführt, haben mittlerweile 73 Millionen Menschen auf der ganzen Welt Cats live gesehen. In seiner Heimat London spielte das Musical insgesamt 21 Jahre lang und ist damit eines der am längsten gespielten Musicals Englands. Und bis heute hat die magische, aufwendig inszenierte Show voller einzigartiger und eigenwilliger Katzencharaktere nichts von seinem Charme verloren. Der andauernde Erfolg des Stücks ist wirklich kein Wunder – die Musik ist zeitlos wunderbar und die Tanzszenen mitreißend wie eh und je. Bis in die Schnurrhaare hinein sind die detailverliebten Kostüme perfekt und jede katzenhafte Geste sitzt – vom Fell putzen bis zum Köpfchen geben.

 

Ich habe mich wahnsinnig auf CATS gefreut und all meine hohen Erwartungen wurden noch übertroffen! Das Sommerfestival im Admiralspalast hat sich wirklich als mein absolutes kulturelles Highlight des Jahres 2017 entpuppt. Von der temperamentvollen Camille O’Sullivan über das mysteriös-beeindruckende Ada/Ava bis zum witzigen Märchenmusical Grimm– alle bisherigen Shows waren auf ihre ganz eigene Art wunderbar, aber CATS ist mein persönlicher Höhepunkt!

Hier stimmt einfach alles, die tolle Bühnendeko, die aufwendigen Kostüme, die zeitlos schöne Musik und vor allem – die grandiosen Darsteller! Ich hab mich in Rum Tum Tugger (John Brannoch), den frechen, ein wenig arroganten Rock’n‘ Roll Kater verliebt, den alle Kätzchen verehren. Wollte mit Mungojerrie und Rumpelteazer (Joe Henry, Meg Astin) auf Diebestour gehen. Hab White Cats (Sophia McAvoy) Schönheit und Grazie bewundert und Munkustraps (Matt Krzan) Treue und Beflissenheit. Jeder einzelne Darsteller ist einfach wunderbar und so kätzisch, wie man es sich nur wünschen kann. Ihre Stimmen sind grandios und wenn sie zu einem Chor verschmelzen, dann bekommt man unwillkürlich eine Gänsehaut. Und wenn Grizabella (Joanna Ampil) den weltberühmten Klassiker „Memories“ anstimmt, dann war ich bestimmt nicht die einzige im Saal, die heimlich ein Tränchen verdrücken musste.

Zu der Geschichte von CATS muss ich, glaube ich, gar nicht mehr viel sagen, die ist sicher hinlänglich bekannt. Aber ich kann euch auf jeden Fall sagen, dass es sich lohnt, sich die englische Cats Musicaltour live anzuschauen, denn es ist wirklich ein imposantes, lange nachhallendes Erlebnis mit beeindruckenden Tanz- und Artistikszenen. Jeder einzelne Katzenpart ist liebevoll und detailverliebt ausgearbeitet, jeder Darsteller eine Augenweide und ein Hörgenuss. Dazu noch die traurig-schöne Geschichte um die verstoßene Glamourcat Grizabella, die zurück in den Schoß ihrer Familie möchte – hach. Einfach wunderschön. Wenn ich könnte, dann würde ich heute direkt nochmal in den Admiralspalast gehen. Und morgen auch!

Nicht verpassen! CATS ist bis zum 19. August in Berlin, hier bekommt ihr Infos und Karten. Rechts und links der Bühne gibt es übrigens deutsche Übertitel, allerdings nicht Wort für Wort! Ab Ende August touren die Kätzchen dann weiter durch Deutschland: Frankfurt am Main, Baden-Baden, Bremen, Duisburg und zum Schluß Köln! Vielleicht gönne ich mir da ja sogar nochmal eine Karte!

©Nicole Haarhoff

Bilder: © Alessandro Pinna

 

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Grimm! Die wirklich wahre Geschichte von Rotkäppchen und ihrem Wolf von Zaufke & Lund, Admiralspalast Berlin

Heute Abend ist die letzte Möglichkeit, Grimm! im Admiralspalast zu erleben und wer es dann verpasst hat, der hat wirklich etwas verpasst! Ich habe es schon damals sehen wollen, als 2015 die Plakate mit dem Rotkäppchen, das angriffslustig die Zähne fletscht, überall in der Stadt hingen, hatte es dann aber leider irgendwie versemmelt. Daher war ich sehr glücklich, als ich erfahren habe, dass diese Kooperation der Neuköllner Oper und des Studiengangs Musical/Show der UdK Berlin im Rahmen des SOFA Festivals im Admiralspalast erneut spielen würde!

Dorothea (Devi-Ananda Dahm) ist ein frecher Teenie und möchte eigentlich nicht mehr Rotkäppchen genannt werden, aus dem Alter für alberne Spitznamen ist sie doch eigentlich raus, oder? Aber die anderen Dorfbewohner sind altmodisch und hängen an ihren Traditionen, zähneknirschend setzt sie also doch wieder ihr Käppchen auf. Die drei kleinen Schweinchen (Markus Fetter, Dennis Hupka und Jasmin Eberl), die Mutter Geiss (Katharina Beatrice Hierl) und ihre Kinderschar (Anastasia Troska und Kiara Brunken) haben alle schon ihre schlechten Erfahrungen mit Wölfen gemacht, das weiß man ja, daher warnen sie mit erhobenem Zeigefinger vor den Gefahren des Waldes. Rotkäppchen will aber nicht hören und macht sich entgegen aller Vorurteile und alter Resentiments auf, um den Wald zu erkunden. Als sie selbst vom großen bösen Wolf entführt wurde, da war sie schließlich noch ein Baby, auch wenn der alte Hofhund Sultan (Michael Dixon) die uralte Geschichte immernoch gern als Warnung erzählt, so erinnert sie sich doch kaum und die schlaue alte Eule (Holger Off) sagt schließlich, so schlimm sei der Wald nicht.

Gesagt, getan. Doch kaum im Wald, trifft Rotkäppchen schon auf Grimm (Dennis Weißert), den vielbeschriebenen bösen Wolf! Und sie haben einander prompt zum Fressen gern! Doch als Rotkäppchen ihren neuen Freund mit ins Dorf nehmen will, da trifft das Pärchen auf eine Wand von Gegenwehr, bestehend aus neuen und alten Gefühlen der Ablehnung. Vor allem Schweinchen Schlau wettert gegen den Zuzug des Wolfes und er bekommt Rückendeckung von dem eifersüchtigen jungen Hofhund Rex (Anthony Curtis Kirby) und seinem hin und hergerissenen Bruder Schweinchen Doof, der sich nicht recht für eine Seite entscheiden kann. Schwesterchen Dicklinde, frischverliebt in eine Wildsau (Kiara Brunken), lehnt sich nämlich gegen die althergebrachte Schweinekonstellation auf und verwirrt damit auch Bruder Doof. Die alleinerziehende Mutter Geiss (grandios: Dreadlock-Hörner!!) soll mit ihren Kinderchen als Grund herhalten, warum der Wolf unmöglich ins Dorf ziehen kann, die Intrige geht allerdings nach hinten los, weil sie selbst den Überblick über die Anzahl ihrer vielen Geißlein verloren hat.

Trotzdem fühlen sich Wolf und Wildschwein nicht gerade herzlich willkommen im Dorf und wollen wieder in den Wald verschwinden. Wird wirklich alles beim alten bleiben und ist kein Happy End für die Liebenden in Sicht? Vielleicht kann Eulalia, die weise Eule, doch noch einige Ungereimtheiten aufklären. Was geschah zum Beispiel wirklich, als Rotkäppchen damals vom Wolf entführt wurde? Weiß Sultan mehr, als er vorgibt zu wissen?

Schmissige Tanzszenen, mitreißende Lieder, romantische Verwicklungen, was will man mehr? Das Publikum im gut gefüllten Admiralspalast Studio geht jedenfalls enthusiastisch mit, da wird geooht und geaaht und begeistert applaudiert, wenn Hausschwein und Wildschwein die Liebe finden oder wenn Eule und Hofhund das Tanzbein miteinander schwingen. Märchen sind eben in jedem Alter immernoch genauso wunderbar wie als Kind! Und in diesem wunderbaren Musicalmärchen glänzt wirklich jede einzelne Figur, vom unabhängigen Mädchen bis hin zum schizophrenen Schwein. Ein toller, sehr lustiger und fantasievoller Abend mit schöner Musik, verblüffend akrobatischen Tanzszenen und beeindruckenden Gesangseinlagen. Von diesen jungen Akteuren werden wir auf jeden Fall noch einiges sehen und hören!

Musik: Thomas Zaufke · Text und Regie: Peter Lund ·
Musikalische Leitung und Einstudierung: Hans-Peter Kirchberg / Tobias Bartholmeß
Choreographie: Neva Howard · Ausstattung: Ulrike Reinhard

Spielplan und Infos zum Sofa Festival gibt es hier. Spielplan der Neuköllner Oper hier. Bei diesem Wetter ist ein Indoor Sommerfestival wirklich die beste Lösung!

©Nicole Haarhoff

All you need is Love – A Tribute to The Beatles – Die Musical Biografie – Estrel Hotel

Es ist die Frage aller Fragen. Die Frage, die sicher schon so manches Date frühzeitig beendet hat. Die Frage, die für verblüffte Blicke, betretenes Schweigen oder gar einen handfesten Streit sorgte. Die Frage, die sich alle Rockabellas, Kuttenträger und Headbanger zu Beginn ihrer Rockkarriere schon irgendwann einmal gestellt haben: Beatles oder Stones?

Ich kann die Frage aller Fragen klar mit einem „Beide natürlich!“ beantworten. Ich mochte die Beatles schon immer, als Teenie war ich stolze Besitzerin aller Platten! Mittlerweile habe ich zwar leider keinen Plattenspieler mehr, aber noch immer alle Songs auf CD. Und daher bin ich natürlich mit Begeisterung und trotz Jahrhundertunwetter ins Estrel Hotel an der Sonnenallee gestürzt, um endlich das Beatles-Biografie-Musical All you need is Love zu sehen! Ganz genau 50 Jahre ist er mittlerweile alt, der bekannte und beliebte Ohrwurm „All you need is Love“. Am 30. Juni 1967 erschien die aus dem Album „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ ausgekoppelte Single und begann ihren sagenhaften Erfolgskurs. Zur Feier dieses  Welthits, den noch heute so gut wie jeder zumindest mitsummen kann, gibt es vom 28. Juni bis zum 23. Juli im Estrel erneut das beliebte Musical zu erleben, das die spannende Weltkarriere der Pilzköpfe aus England anhand ihrer besten Songs nachzeichnet. Der Berliner Schauspieler Nicolai Tegeler übernimmt den Job des Erzählers, als fiktiver Roadie der Band erzählt er dem Publikum, wie die Jungs zu Beginn in Hamburger Clubs und Spelunken Gassenhauer spielten, erst noch als Backgroundband für Tony Sheridan, irgendwann dann als Main Act.

Gespielt wird die weltberühmte Band dabei vom Twist & Shout Quartett, bestehend aus vier ausgezeichneten Musikern, jeder bereits solo überaus erfolgreich und nun handverlesen, um das bestmögliche Beatles-Erlebnis auf die Bühne zu bringen. Und das ist Produzent Bernhard Kurz eindeutig gelungen. Auch als eingefleischter Fan und damit größtmöglicher Kritiker, hat man das Gefühl, als stünden Paul, John, Ringo und George direkt vor einem, live auf der Estrel Bühne! Alan LeBoeuf (Paul McCartney), Howard Arthur (John Lennon), John Brosnan (George Harrison) und Carmine Francis Grippo (Ringo Starr) klingen so authentisch, so sehr wie die Beatles, es ist schon beinahe ein wenig unheimlich. Wer also nie die Ehre und das Vergnügen hatte, die Beatles live zu erleben, dem kann ich dieses Musical nur sehr ans Herz legen. Durch die geschickte Songauswahl und die eingestreuten Informationen kann man den Weg der Beatles vom legendären Hamburger Star-Club bis zu ihrem skandalösen letzten gemeinsamen Auftritt oben auf dem Apple-Gebäude verfolgen. Auch ihre musikalische Bandbreite lässt sich so ausgezeichnet verfolgen: trällernde, gefällige Beat Musik zu Beginn ihrer Karriere über härteren Rock, der die größten Kontroversen hervorrief und schlussendlich der verklärte Psychodelic Rock ihrer späten Jahre. Ein toller Weg, den Aufstieg der bekanntesten und erfolgreichsten Band der Musikgeschichte auf die Bühne zu bringen.

Sehr sehens- und vor allem sehr hörenswert! Für Beatlesfans und Musikfans, sowie alle, die es noch werden wollen! Das Estrel beweist hier einmal mehr, dass bei ihren Stars in Concert Produktionen immer die allerbesten Doppelgänger auf der Bühne stehen, die ihren Idolen grundsätzlich stimmlich in nichts nachstehen! Hier könnt ihr nochmal meinen Bericht zu Grahame Patrick als Elvis lesen, ebenfalls eine tolle Show! Ihr müsst euch allerdings ranhalten, denn Ende Juli sagen die Pilzköpfe schon wieder Good Bye, Berlin und machen die Bühne frei für einen anderen Ausnahmekünstler: Michael Jackson! Informationen und Tickets gibt es hier.

©Nicole Haarhoff

 

 

Disney – Der Glöckner von Notre Dame – Das Musical – Theater des Westens

Ich habe Der Glöckner von Notre Dame in den Jahren zwischen 1999 und 2002, als es im Theater am Potsdamer Platz lief, bestimmt fünf Mal gesehen! Das mag für echte Hardcore-Musicalfans nicht nach sonderlich viel klingen, aber für meine Verhältnisse ist es das. Ich schaue eigentlich Shows und Stücke nicht unbedingt mehrmals. Aber Der Glöckner von Notre Dame ist einfach eine solch zeitlos traurig-schöne Geschichte und die Disney Version punktet mit so vielen grandiosen Songs, da konnte ich einfach nicht widerstehen! Ihr könnt euch also meine Begeisterung vorstellen, als ich hörte, dass der Bucklige wieder nach Berlin kommen würde, dieses Mal ins prächtige Theater des Westens! Und dem ganzen eine Krone aufgesetzt, hat die Tatsache, dass die Esmeralda von niemand anderem dargestellt wird als von Sarah Bowden! Ich liebe ihre Stimme, ihre Ausstrahlung, ihr Temperament seitdem ich sie mehrmals im Wintergarten Varieté sehen durfte, in der Soap Opera zum Beispiel oder in meinem All Time Favorite: Der helle Wahnsinn.

Ich konnte also gar nicht fernbleiben, selbst wenn ich gewollt hätte. Und ich wurde nicht enttäuscht! Was für ein bombastisches Werk! Allein der Bühnenaufbau – grandios! Beeindruckend echt hat man die berühmte Kathedrale Notre Dame auf die Bühne des Theaters transportiert. Das weltbekannte Buntglasfenster, der imposante Glockenturm, man fällt kopfüber hinein in die tragisch-heroische Geschichte von Victor Hugo: zwei ungleiche Brüder, einer stolz und selbstgefällig, einer fröhlich und freiheitsliebend. Sie werden als Waisen von der Kirche aufgezogen, einer folgsam, einer immer rebellisch. Als junge Männer trennen sich ihre Wege, der eine verliebt sich in eine schöne Zigeunerin, der andere bahnt sich langsam aber stetig einen Weg bis an die Spitze der Kirche. Jahre später treffen sie sich wieder, auf dem Sterbebett übergibt Jehan, der wilde Bruder seinem Bruder Claude sein Kind. Es ist missgestaltet und Claude Frollo nimmt sich nur sehr widerwillig seiner an. Er versteckt das Kind auf dem Glockenturm, niemals soll der Junge Notre Dame verlassen.

Als junger Mann schaut Quasimodo hinab auf Paris, das er bis dahin immer nur von oben sah. Sein eintöniger Alltag wird nur unterbrochen von den Besuchen Frollos, den er „Meister“ nennt. Frollo predigt vom Bösen im Menschen, er warnt Quasimodo immer wieder vor dem „Draußen“, aber der junge Mann kann einfach nicht anders, als sich dorthin zu sehnen. Das alljährliche Narrenfest lockt mit wilden Tänzen und allerlei Vergnüglichkeiten, Quasimodo schleicht sich hinab zwischen all die Feiernden. Auch die schöne Zigeunerin Esmeralda befindet sich an diesem Tag auf dem Fest und ohne es zu wissen, zieht sie die Blicke von drei ganz unterschiedlichen Männern auf sich und besiegelt damit ihrer aller Schicksal: Quasimodo, der sie staunend bewundert. Phoebus, ein junger Soldat, gerade von der Front zurückgekehrt und auf der Suche nach Zerstreuung. Und Frollo, der gleichzeitig angezogen und abgestoßen, den gierigen Blick nicht von ihr wenden kann.

Das Schicksal nimmt unweigerlich seinen Lauf, der alleszerstörende Hass, den Frollo auf sich selbst und seine eigenen Triebe hat, droht nicht nur die zart aufkeimende Liebe zwischen Esmeralda und Phoebus zu zerstören, sondern bedroht gar das Leben der beiden und auch das von Quasimodo, der bereit ist, für Esmeralda seinen Glockenturm, seine Zuflucht zu verlassen! Eine dramatisch-schöne Geschichte voller Liebe, Mitgefühl, Mut und Verzicht. Wen „Disney“ irgendwie abschreckt: Die Geschichte lehnt sich mehr an den Roman von Victor Hugo als an den Zeichentrickfilm, aber die wunderbaren Gänsehautlieder sind enthalten. Vom ersten Ton an, wenn der Kirchenchor (ORSO) seine Stimme erhebt, weiß man schon, was für ein musikalisch beeindruckender Abend es werden wird. Jede einzelne Stimme: perfekt. David Jakobs als Quasimodo, eine schauspielerische und gesangliche Meisterleistung! Sarah Bowden als Esmeralda: rassig, wild, temperamentvoll und wunderschön, aber auch  sanft und gefühlvoll in ihren sehnsuchtsvollen Liedern. Felix Martin als Claude Frollo, geradezu abstoßend selbstherrlich, herrisch, unnachgiebig, ein Erzschurke mit beeindruckender Stimme! Maximilian Mann als Phoebus, zunächst leichtlebig und nur auf der Suche nach Zerstreuung, aber dann doch auch ein Mann mit Herz und Anstand. Und auch jeder einzelne Zigeuner, Soldat und/oder Mönch ist wunderbar und vor allem sehr wandlungsfähig!

Ein richtig schönes Musical zum Schwärmen und Mitleiden. Genau so, wie man sich ein Musical wünscht, mit ganz großen Gefühlen, ganz großen Ohrwurmliedern und ganz großer Aufmachung. Rundherum bombastisch, ein Fest für alle Sinne. Man möchte am liebsten auf seinem Sitz sitzenbleiben und es gleich nochmal schauen! Meine absolute, totale und unumwundene Empfehlung für dieses Musical! Schaut es euch an! Ihr werdet es nicht bereuen! Infos und Tickets gibt es hier. Bis zum November gibt es Supersondersommerpreise!

©Nicole Haarhoff

 

The Gentlemen of Musical – Jan Ammann und Kevin Tarte – Admiralspalast Studio Berlin

Das vergangene Wochenende, das Pfingstwochenende, war bis oben hin vollgestopft mit Kultur. Es gab in Berlin so viel zu sehen und zu erleben, dass es selbst für die verwöhnten Berliner beinahe ein wenig zu viel war! Karneval der Kulturen hier, Sportfest da, dazu noch unzählige weitere hochkarätige Veranstaltungen.

Eine davon konnte ich am Samstag dank meiner Bloggerfreundin und Kollegin Elena von Mein Event-Tipp besuchen, denn sie hatte mich zu Gentlemen of Musical im Admiralspalast Studio eingeladen. Jan Ammann und Kevin Tarte, die beiden beliebten Musicalgrößen, allseits bekannt vor allem für ihre Darstellung von Graf von Krolock, geben bereits seit mehreren Jahren gemeinsam Konzerte. Sie können zwar beide auf eine beeindruckende Liste von Musicalrollen zurückblicken, aber das Publikum im ausverkauften Admiralspalast Studio wartet natürlich mit angehaltenem Atem auf die Lieder aus Tanz der Vampire. Kein Wunder – immerhin lief das Musical bis vor einigen wenigen Monaten noch sehr erfolgreich im Theater des Westens. Aber die beiden sympathischen Musicaldarsteller, die einander gut leiden können und das auch sehr charmant auf die Bühne transportieren, haben eine abwechslungsreiche Show kreiert, in der Songs aus vielen, vielen, teilweise auch in Deutschland weniger bekannten Musicals zu hören sind.

Von City of Angels über Side Show bis hin zu Les Misérables und Rebecca, das begeisterte Publikum im Admiralspalast Studio bekommt einen Einblick in die immense Bandbreite von Musicals, von traurig bis heiter, von sanft und leise bis hin zu den großen Gassenhauern. Unterstützt werden die Gentlemen of Musical dabei von drei Damen, Marina Komissartchik am Flügel und Anne Görner und Christina Patten für die weiblichen Parts. Gemeinsam geben sie die schönsten und wehmütigsten, die fröhlichsten und schmissigsten Lieder zum Besten. Und im zweiten Teil der Show entlädt sich dann der gemeinsam angehaltene Atem: Mit „Gott ist tot“ steigen wir hinab in die Gruft und tanzen mit den Vampiren. Christina Patten findet sich nicht nur mit einem sondern tatsächlich gleich mit zwei Grafen von Krolock auf der Bühne wieder! Das musicalverrückte Publikum feiert natürlich kräftig mit.

Insgesamt ein tolles Konzert mit einem großartigen, feier- und klatschvergnügtem Publikum. Nicht nur auf der Bühne sondern auch davor herrschte einhellig Begeisterung und Spaß. An der Musik, an den Songs und natürlich auch an den beiden sehr sympathischen Herren, die sich perfekt darauf verstanden, ihren Zuhörern das Gefühl zu geben, in kleinem Rahmen an einem intimen Privatkonzert mit Freunden teilzunehmen.

Wer mag, kann sich direkt den 5. November im Kalender rot anstreichen, denn dann werden die Gentlemen für ein Winterspecial zurück in den Admiralspalast Berlin kommen. Ansonsten kann man die beiden Herren natürlich auch auf den Musicalbühnen Deutschlands erleben, Jan Ammann zum Beispiel in Stuttgart (Tanz der Vampire) oder in Füssen (Ludwig²) und Kevin Tarte steht ebenfalls in Füssen auf der Bühne, als Schattenmann.

©Nicole Haarhoff

 

 

The Addams Family – Das Broadway Musical – Admiralspalast Berlin

Sie ist da! Eine schreckliche morbide Familie ist in Berlin eingereist, im Gepäck fleischfressende Pflanzen, geheimnis- und verhängnisvolle Gebräue und diverse Waffen… Die Rede ist von der Addams Family! Die skurrilen und schwarztragenden Sonderlinge, die schon seit Jahrzehnten in Cartoons, Fernsehserien und Kinofilmen mit ihren makabaren Hobbys und ihrem seltsamen Gebaren begeistern, haben nun die Bühne des Admiralspalastes erobert und ihre unheimliche, verwitterte Villa gleich mitgebracht!

Wenn die ersten Töne der altbekannten Serienmusik erklingen, dann geht direkt ein aufgeregtes Raunen durch das Premierenpublikum – wir betreten durch Nebel und moosbewachsene knorrige Bäume hindurch direkt die bizarre, verstörende Welt der Addams Family. Mit unglaublich geschickt gebauten Bühnenaufbauten wird die düstere Villa mitten im Central Park in der die Addams leben vor unseren Augen lebendig. Gomez Addams (Uwe Kröger), Oberhaupt der Familie, Gigoloäußeres, immer eine Zigarre in der Hand, aber ein Herz aus Gold, das nur für seine Familie und vor allem für seine schöne Frau Morticia schlägt. Morticia Addams (Edda Petri) groß, gertenschlank, streng, immer in hautenger nachtschwarzer Robe. Unnahbar und stolz wirkend, aber ihrem Gatten und ihren Kindern in düsterer, ewiger Liebe zugetan. Wednesday und Pugsley (Henriette Schreiner und André Haedicke) die Addams Sprösslinge sind älter geworden, sie sind nun Teens, aber noch immer ist ihre liebste Beschäftigung Folter und Qual, wobei Wednesday die Täterin und Pugsley das willige und begeisterte Opfer ist. Hausdiener Lurch (Gerhard Karzel), Granny (Petra Lamy) und natürlich der notorische Onkel Fester (Oliver Mülich) machen den exzentrischen Haushalt komplett.

Aber Wolken ziehen auf, am dunkeldrohenden Himmel der Addams-Familienfreude: Tochter Wednesday, eigentlich stoisch und kaltblütig, hat sich tatsächlich verliebt! Und dazu auch noch in einen „Normalen“. Sie wollen gar heiraten! Und zu diesem Zweck hat sich der Bräutigam (Benedikt Ivo) mitsamt seinen Eltern (Andreas Zaron und Franziska Becker) zum Antrittsabendessen angekündigt. Verzweifelt wendet sich Wednesday an ihren Vater, sucht seinen Rat. Er soll dafür sorgen, dass sich die Familie möglichst normal benimmt und die Schwiegereltern in spe nicht zu sehr schockt. Und er soll die Verlobung vor seiner geliebten Morticia geheim halten! Dabei gibt es für das Ehepaar Addams nichts wichtigeres als die Tatsache, dass man keinerlei Geheimnisse voreinander hat! Gomez steuert zielsicher in eine Ehekrise hinein, Wednesday hat die Krise schon vor der Ehe und die restlichen Familienmitglieder haben ihre ganz eigenen Probleme. Dazu kommen die zum Leben erweckten Addams Ahnen, die fröhlich durch die verrottete Villa tanzen, Fester hatte sie aus ihren Gräbern geholt und sie sollen nun bei der Lösung der verschiedenen Familien Irrungen und Wirrungen helfen!

Die Schwiegereltern in spe, Alice und Mel Beineke stehen vor dem Kulturschock ihres Lebens! Nachdem sie beobachten durften wie Morticia ihre Lieblingspflanze mit einer lebenden Maus füttert, man ihnen verstörende Familienbilder zeigte (Was ist das? – Oh, nur ihr zweiter Kopf!) und Gomez seine liebsten Folterinstrumente vorführte, sind sie nicht mehr wirklich begeistert ob der herannahenden Bindung zu dieser ganz speziellen Familie! Allerdings stößt ein aus Versehen ausgegebener Wahrheitstrank die Beiden dann auf ihre eigenen Eheprobleme, denn auch die Normalos haben es nicht leicht!

Gibt es hier irgendwo einen Raum für kleine Mädchen? -Alice

Ja, aber die haben wir alle freigelassen. -Gomez

Außergewöhnliche, düstere und dennoch ungemein witzige Musicalhommage an diese wunderbar-seltsame Familie, die alles auf den Kopf stellten, was man je über die „normale“ Durchschnittsfamilie zu wissen glaubte. Es wird fröhlich gefoltert und mit Waffen gespielt, aber tief im Innern liebt man einander doch innig, mit allen Macken und Fehlern, selbst wenn man seinen Bruder mal auf die heiße Herdplatte setzt (Wednesday) oder leidenschaftlich den Mond anbetet (Fester). Alle Fans der alten Serie oder der Kinofilme kommen hier total auf ihre Kosten, es gibt viele, viele kleine Verbeugungen und Kopfnicken in Richtung der alten Vorlagen, die man als wahrer Fan versteht und schätzt! Aber auch Neulinge werden sich in diese schrillste aller schrillen Familien verlieben, wie kann man auch tanzenden Toten, historischen Folterinstrumenten und Monstern unter dem Bett widerstehen?

Die Auftretenden sind alle großartig, allen voran natürlich der wunderbare Uwe Kröger, der den Gomez bis in die Fingerspitzen hinein perfekt zu verkörpern weiß. Und die fantastische Edda Petri als imposante und erotisch-kühle Morticia – hinreißend! Lurch, der langsamste aller untoten Hausdiener und ein Stimmwunder ist ebenso zielsicher besetzt wie Onkel Fester, der schrullig-verschrobene und doch unsterblich Verliebte. Ich habe selten bei einem Musical so sehr gelacht! Ein riesiger Spaß mit liebenswert kauzigen Helden, stimmigen Songs, toller Musik und sexy Tanzeinlagen. Ein Muss für alle Fans und alle die es werden wollen! Nicht verpassen!

Weitere Infos und Tickets gibt es hier. Nur noch bis Sonntag im Admiralspalast Berlin zu erleben! Packt eure schwarzen Klamotten aus, gelt eure Haare streng zurück, die Addams Family ist in Town!

©Nicole Haarhoff

 

Klassenkampf – Musical – Heimathafen Neukölln

Constanze Behrends hat das Prime Time Theater im Wedding, eines meiner absoluten Lieblingstheater, mitbegründet und hundert Folgen der erfolgreichen Wedding-Sitcom „Gutes Wedding, Schlechtes Wedding“ geschrieben, hat Regie geführt und einige der besten Rollen der Serie selbst gespielt (zum Beispiel Ulla, die runde, fleischliebende Mutter der Punkerin Ratte!). Nun wandelt sie auf neuen Wegen und hat diverse eigene Projekte am Start, was ich mit Argusaugen beobachte, weil ich ihren Humor und ihre scharfen Beobachtungen der zwischenmenschlichen Schrullen und Eigenheiten großartig finde. Zwei ihrer aktuellen Stücke laufen im schönen Heimathafen Neukölln, „Beziehungskiste“ und „Klassenkampf“, das Stück, das ich am Wochenende gesehen habe.

An der Neuköllner Karl Marx Schule ist das Chaos groß, leider nur nicht groß genug. Die knallharte Rektorin Frau Eisner (Constanze Behrends) äugt eifersüchtig auf den Rütli-Campus. Ach, gäbe es doch an ihrer Schule auch einen Brandbrief! Oder irgendeinen handfesten Skandal, um mediale Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Marode sind schließlich alle Berliner Schulen, damit lockt man die Sensationspresse nicht hinterm Ofen hervor.

In der Assi-Klasse (Arbeit statt Strafe Initiative) hat sich derweil längst Resignation breit gemacht. Chill mal, ist die Parole, die der ambitionierte Sozialpädagoge Lars (Tom-Veit Weber) immer wieder an den Kopf geknallt bekommt. Sein aufbauendes Gitarrenspiel ruft bei den Schülern eher Fremdscham hervor. Vor allem Drogendealer und Schläger Samir (Walid Al-Atiyat) reagiert mit Abwehr. Die aggressive Gülcan (Lodi Doumit), die zarte Trinkerin Rosa (Romina Küper), der obercoole Ali (Ugur Kaya) und der schlaue Lex (Florian Bamborschke), die alle als Strafe zusammen mit der Hausmeisterin Frau Karl die Wände schrubben sollen, wissen gar nicht so recht, warum, wieso und gegen wen sie sich eigentlich auflehnen sollten. Dass an ihrer Schule nicht alles in Ordnung ist, das wissen sie, klar. Aber wenn sie ihre Probleme formulieren sollen, dann sind sie sprachlos.

Dabei haben sie eigentlich genug, worüber sie reden müssten. Samir kümmert sich allein um seine kleinere Schwester. Rosas Eltern liefern sich eine epische Scheidungsschlacht. Lex‘ Eltern sind vor Jahren dem Bosnienkrieg entflohen, aber nie wirklich in Deutschland angekommen. Dazu kommen Banden, Gewalt und Drogenprobleme in der Schule. Als „NDH“-Schüler, also nicht deutscher Herkunft, fühlen sie sich alle unverstanden und von den deutschen Lehrern im Stich gelassen. Auf die schlechten Zukunftsprognosen, die Rektorin Eisner ihnen pauschal überhilft, reagieren sie mit gespieltem Gleichmut. Chill mal.

Hausmeisterin Karl (Christiane Ziehl), die ihre karge Rente aufbessern muss, ist es, die den Assis zum ersten Mal von Kommunismus erzählt, von der DDR und den Gedanken, die Marx und Engels einst formulierten, die aber niemals erfolgreich umgesetzt wurden. Die Jugendlichen sind begeistert. Vor allem Samir ist vom Gedanken der Revolution gefesselt. Schnell läuft allerdings alles aus dem Ruder und die eigentlich gewaltfreie Aktion der Schüler wird zu einem Politikum, als die haifischartige Reporterin Hanna Köster (Britta Steffenhagen) Blut wittert und aus dem arglosen Ali einen gewaltbereiten Terroristen mit einer Bombe macht.

Wer jetzt allerdings an ein dröges, schwieriges, niederschmetterndes Stück erwartet, ist vollkommen schief gewickelt. Das liegt nicht nur an den vielen tollen Songs, die vor allem die vier „Assis“ großartig darbieten, sondern auch daran, dass das Stück sehr witzig ist. Constanze Behrends hat einfach ein Händchen dafür, schwierige und kontroverse Themen lustig zu verpacken, sodass der Zuschauer zwar zum Nachdenken angeregt, aber auch gut unterhalten wird! Obwohl so viele wuchtige Themen angesprochen werden, hat man nicht das Gefühl, als würden diese auf die leichte Schulter genommen.

Klassenkampf kann man noch am 19. und 20. April, sowie am 12. und 13. Mai erleben, am 19. gibt es außerdem ein von Theaterscoutings organisiertes Publikumsgespräch mit Constanze Behrends. Weitere Infos und Karten hier.

Text und Regie: Constanze Behrends
Musik: Tillmann von Kaler zu Lanzenheim
Regieassistenz: Philipp Hardy Lau
Kostüm: Gregor Marvel
Bühne: Julia von Schacky
Requisite: Caro Walter