Billy Budd – Benjamin Britten – Deutsche Oper Berlin

Düster dräuend erhebt sich das Kriegsschiff Indomitable über dem Handelsschiff Rights o’Man. Eine Entereinheit kehrt siegreich zurück und zerrt drei mehr oder weniger widerstrebende Männer an Bord. Einer, ein Kaufmann, protestiert besonders lautstark gegen die Zwangsrekrutierung, aber tun kann er nichts dagegen. Die Befehlshabenden an Bord sind nur wenig begeistert von ihrem Fang. Einzig Billy Budd (John Chest), ein hübscher junger Mann, der vormals auf der Rights o’Man als Seemann diente, gefällt den Obrigkeiten, er scheint seetüchtig und fähig. Außerdem ist er auch als einziger aus seiner kleinen Truppe dem Schiffswechsel nicht abgeneigt. Im Gegenteil, für ihn bedeutet das vor allem eine bessere Position an Bord. John Claggart (Gidon Saks), der brutale und allseits gefürchtete Waffenmeister, sieht Billy und entbrennt gegen seinen Willen sofort in Begehren zu ihm. Er versucht das ungewollte Gefühl im Keim zu ersticken und schickt einen schleimigen Möchtegern namens Squeak (Paul Kaufmann) aus, um den Neuling auszuspionieren und nach Möglichkeit gar zu diskreditieren.

Billy Budd lebt sich schnell auf dem Schiff ein, versteht sich gut mit seinen Kameraden, mag seine Arbeit. Er ist sich den drohenden Wolken, die sich über ihm zusammenziehen, bis ganz zum Schluss gar nicht bewusst. Die Intrigen, die Claggart hinter seinem Rücken spinnt, die Gefühle, die er für den schönen jungen Seemann hegt, das alles bemerkt dieser gar nicht. Er träumt stattdessen von einer Beförderung und bewundert still den prächtigen Kapitän Edward Fairfax Vere (Richard Croft), der ihm intelligent und gerecht erscheint.

Die Arbeit auf dem Schiff, der Krieg und die Kampfhandlungen, die auf die Schiffsbesatzung warten, alles ist düster und schwer. Auch das herannahende Drama um den fröhlich-naiven Billy, der wie ein Lamm zur Schlachtbank unwissend auf das Schiff kommt und alles in Gang setzt, legt einen Schleier von Traurigkeit über die Oper. Die Männer sind stark und stolz, grimmig und entschlossen. Einzig die Gesänge der Matrosen nach einem langen Arbeitstag an Bord ergeben ein wenig Heiteres.

Der Schiffsrumpf, die Kapitänskajüte, alles wird in der Deutschen Oper auf unnachahmliche grandiose Art und Weise auf die Bühne gebracht. Bewunderswert einfallsreich! (Bühne: Paul Steinberg) Die Arbeit der Männer auf dem Deck und in den Takelagen wird mit schweren Tauen dargestellt. Man glaubt tatsächlich, man könne die Wellen ans Schiff schlagen hören und die Gischt riechen! Gefällig ist die Oper allerdings nicht, nicht romantisch oder auch nur schön. Die Männer sind hart, die Situation aussichtslos, das Ende unausweichlich. Zwischen den kühlen und abrupten Offizieren ist der jugendlich-enthusiastische Billy Budd der einzige Lichtschein, ansonsten bestimmen Arbeit, Krieg und Peitsche den Alltag. Die Musik ist militärisch geprägt, seemännisch und nur manchmal erklingen süße Jungenstimmen.

Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie schwer es für den musikalischen Leiter Moritz Gnann und das Orchester der Deutschen Oper Berlin ist, so reibungslos und perfekt von einem so heiteren Opernabend (Der Liebestrank) zu solch schwerer Kost zu wechseln. Schwieriges, aber sehr hörens- und sehenswertes Werk des britischen Komponisten Benjamin Britten, der Billy Budd nach dem letzten Roman von Melville erschuf. Während der Roman unvollendet blieb und viele Fragen aufwarf, machte Britten aus dem Stoff ein tragisches Liebesdreieck und ein schwules Drama der Begehrlichkeiten. In der Deutschen Oper bleibt dieser Teil der Geschichte teilweise verborgen und wird nicht speziell hervorgehoben.

©Nicole Haarhoff

 

 

 

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Der Liebestrank – Gaetano Donizetti – Deutsche Oper Berlin

Was für ein Spaß!

Eine solch lockerleichte, lustige und wundervoll aufgeführte Oper habe ich lange nicht gesehen! Der Liebestrank ist wie ein leckerer Hugo in der Vorstellungspause: spritzig und süffig, geht ein bisschen in den Kopf und macht fröhlich.

In der italienischen Provinz stehen auf einem Marktplatz die Wohnwagen einer Theatertruppe im Kreis um eine kleine Bühne herum. Das fahrende Volk probt für die nächste Aufführung. Die Leiterin der Truppe plant etwas Neues, eine antike Oper im Stil von Tristan und Isolde soll es sein. Ganz große Gefühle auf der ganz kleinen Bühne. Adina selbst ist auch voller großer Gefühle. Die zauberhafte, charmante junge Dame (Aleksandra Kurzak) kokettiert und spielt gern. Sie ist schön und sie weiß das formvollendet einzusetzen. Heimlich angebetet wird Adina von Nemorino (Roberto Alagna), der nicht Schauspieler sondern Hausmeister ist. Der schüchterne, zurückhaltende und sanftmütige Nemorino hat seine Gefühle schon ein ums andere Mal erklärt, aber die stolze Adina hat ihn nicht erhört. Verzweifelt beobachtet der arme Nemorino, wie Adina stattdessen demonstrativ mit dem schneidigen Sergeanten Belcore (Thomas Lehman) anbändelt.

Für alle Beteiligten verändert sich alles, als der schmierige Quacksalber Dulcamara (Mikheil Kiria) mit seinem Wägelchen voller Tinkturen, geheimnisvollen Mittelchen und Pulvern im Lager auftaucht. Mit Hilfe seines Handlangers eröffnet er sofort eine aufsehenerregende Verkaufsshow und zieht die Aufmerksamkeit aller auf sich. Auch Nemorino kann sich dem glitzernden Pomp des Scharlatans nicht entziehen. Er wendet sich hilfesuchend an ihn. Einen Zaubertrank braucht er! Einen Liebestrank, um die schöne Adina endlich zu erobern! Dulcamaras Vorrat ist leider gerade zur Neige gegangen, aber das hindert den gewieften Verkäufern nicht, ein Geschäft zu tätigen: Er gibt Nemorino einfach schnöden Rotwein als Liebestrank. Durch diesen flüssigen Mut beseelt, erklärt Nemorino erneut seine Liebe, nur um wieder brutal abgewiesen zu werden. Adina hält Treue für einen Wahn und weist Nemorino hochmütig an, doch lieber jeden Tag die Liebhaber zu wechseln, das sei der einzige Weg, das Leben zu leben. Nemorino gibt sich, vom Alkohol den Rücken gestärkt, desinteressiert und reizt Adina damit bis zu völlig überstürzten Trotzreaktionen: Sie verspricht, den arroganten Belcore zu ehelichen – noch am selben Abend!

Eine wunderschöne, ungemein lustige und sympathische Oper, die einfach gute Laune macht. Man summt sich danach, mit der Liebe und dem Leben versöhnt, tänzelnd hinaus auf die Berliner Straßen. Die Besetzung des Liebespaars in spe mit den Eheleuten Kurzak und Alagna ist schlichtweg genial, die Luft zwischen den beiden vibriert und funkelt nur so. Sie verkörpert die freiheitsliebende, moderne und unabhängige Schönheit bis in die Fingerspitzen. Er ist genau auf die richtige Art und Weise charmant und dennoch arglos, naiv, aber sympathisch. Man wünscht ihm alles Liebesglück der Erde. Dulcamara ist nicht wirklich ein Bösewicht, sondern eher ein charismatischer Halunke, der mit seiner rechten Hand eine gelungene Show abliefert und dem man eigentlich nicht böse sein kann. Die Musik, unter der Leitung von Moritz Gnann, tanzt und hüpft durch die amüsante Geschichte. Ein großer Opernspaß! Sehr zu empfehlen für alle Opernneulinge, Romantikfans und Wagnergeplagten.

Am 27. Mai zum letzten Mal in dieser Spielzeit in der Deutschen Oper, Info und Karten hier.

© Nicole Haarhoff

 

Tod in Venedig – Benjamin Britten – Deutsche Oper Berlin

Ich bin ein großer Bewunderer von Thomas Mann, er (und seine wunderbare, verschlungene Sprache) haben dafür gesorgt, dass ich die Literatur so sehr liebe. Tod in Venedig ist vielleicht nicht mein Lieblingswerk von Thomas Mann, aber ich wollte auf jeden Fall die Opernversion seiner berühmten und berüchtigten Novelle in der Deutschen Oper nicht verpassen.

Meine erste Oper von Benjamin Britten und auch (glaube ich zumindest) die erste, die ich live auf Englisch erlebt habe. Ein ungewöhnliches Gefühl, wenn man die gesungenen Worte ausnahmsweise tatsächlich versteht, statt sie wie meist üblich auf Italienisch zu hören. Lustigerweise konnte ich sogar besser folgen als bei den deutschen Txten von Wagner, den ich erst vor kurzem, auch in der Deutschen Oper, erleben durfte. Aber zurück zu Tod in Venedig: Das Bühnenbild ist grandios, neben einem gigantischen Bild in einem opulenten Bilderrahmen, in dem Protagonist Gustav von Aschenbach, wie ein großes Abbild der sich abspielenden Geschichte, ungraziös vor sich hin altert, liegt ein riesiger Strauß verwelkter lila Blumen.

Gustav von Aschenbach (Paul Nilon), ein bekannter Schriftsteller, für seine Werke geadelt und schon lange verwitwet, möchte sich aus seinem Umfeld und einem Gefühl der Ruhelosigkeit entfernen und plant einen längeren Aufenthalt in Venedig. Bereits auf der Fähre sieht er sich mit einem älteren Gecken (Seth Carico) konfrontiert, der, übermäßig zurechtgemacht, versucht mit den jungen Männern an Bord mitzuhalten. Von Aschenbach ist peinlich berührt von dieser schamlosen Anbiederei und diesem unrühmlichen Gehabe. Kaum angekommen, fällt ihm jedoch der blutjunge Tadzio auf, dessen engelhafte Schönheit ihn sofort in seinen Bann zieht.

Bei jeder sich bietenden Gelegenheit beobachtet er fortan den jungen Knaben, der in Begleitung seiner Mutter, einem Kindermädchen und seiner Schwestern Urlaub macht. Ohne jemals wirklich in Kontakt mit dem Jungen zu treten, verfällt er dessen Charme immer mehr und mehr. Und obwohl er sich zu Beginn seiner Reise noch über den nach Jugend und Anerkennung heischenden Gecken empört hatte, so verwandelt er sich doch unwiderruflich selbst in einen. Von einem stoischen und seiner Arbeit vollkommen verschriebenen Mann bis zu einem gefärbten und angemalten Clown steigt von Aschenbach hinab.

Die sommerliche Umgebung wird meisterhaft mit Licht und sich sonnig öffnenden Türen dargestellt. Die großen lila Blumen auf der Bühne sind einerseits Anzeichen von von Aschenbachs Verfall, dienen aber ebenso mal als Pier, dann wieder als Strand und sind den jungen Leuten und dem Urlaubspublikum Bühne und Spielplatz. Sehr sehenswert und vor allem hörenswert. Seth Carico schlüpft in nicht weniger als sieben Rollen! Paul Nilon stellt den alternden und zunehmend verzweifelten von Aschenbach hervorragend dar. Mein Thomas Mann und seine wunderbare, strahlendschöne Sprache, seine verstiegenen Sätze, die man wie Perlenschnüre auseinandernehmen muss, die bleiben dafür leider ein wenig auf der Strecke.

Vorerst kann man Tod in Venedig nun nicht mehr an der Deutschen Oper sehen, dafür gibt es aber am 24. und 26. Mai sowie am 2. Juni wieder Billy Budd zu sehen, ebenfalls von Benjamin Britten. Weitere Information und Karten dafür gibt es hier.

Darauf freue ich mich: Meine kulturellen Highlights in Berlin, Ende April

Es gibt wieder wahnsinnig viel zu erleben! Über die Osterfeiertage wird Berlin zwar wieder leerer werden, weil Verwandschaftsbesuche oder Urlaubsreisen anstehen, aber gegen Ende des Monats, wenn die Ferien zu Ende sind, gibt es auch wieder viel Neues zu sehen und zu entdecken! Hier sind ein paar Tipps für das Osternest:

19- April 2017 – African Angels – der Cape Town Opera Chorus ist zu Gast in der Berliner Philharmonie! Aus insgesamt 1.500 Nominierten aus 41 Ländern wurde der Cape Town Opera Chorus 2013 in London zum besten Opernchor des Jahres gewählt. Das abwechslungsreiche Repertoire (Oper, Gospel, African Traditonals) verspricht einen tollen Abend!

21. April 2017 – Duato / Shechter – doppelter Ballettabend mit einem neuen Werk von Staatsballett-Intendanten Nacho Duato, der in „Erde“ auf die Zerstörung unseres Planeten aufmerksam macht. Und in „The Art of Not Looking Back“ tritt der gefeierte britisch-israelisch Choreograph Hofesh Shechter den Beweis an, dass er nicht (nur) mit Männern arbeiten kann. Klingt sehr spannend! Weitere Informationen und Karten gibt es hier.

23. April 2017 – Blancanieves – ein ganz besonderes Ereignis im Konzerthaus, auf das ich schon sehr gespannt bin: Der im Stil eines alten Stummfilms gedrehte Märchenfilm „Blancanieves“, der locker an Schneewittchen angelehnt ist und mit Preisen und lobenden Kritiken nur so überhäuft wurde. An diesem Abend wird er im schönen Großen Saal des Konzerthauses live mit Musik untermalt. Weitere Informationen und Karten hier.

30. April 2017 – Premiere am Kudamm: „Wir sind die Neuen“ sagen locker-flockig drei Alt-Hippies und lassen ihre alten WG-Zeiten wieder aufleben. Allerdings haben sie die Rechnung ohne die andere WG im Haus gemacht. Die jungen Leute dort sind keineswegs locker-flockig, sondern ernst und strebsam und man gerät schnell aneinander. Die erfolgreiche Filmkomödie aus dem Jahr 2014 nun auf der Bühne! Bin gespannt. Karten und Infos gibt es hier.

Es gibt natürlich noch viel mehr zu sehen, aber das sind die Highlights, die ich so in meinen Kalender geschrieben habe. Was habt ihr so vor?

©Nicole Haarhoff

 

 

 

 

Roméo et Juliette – live aus der MET – Kino in der Kulturbrauerei

Ich bin ein großer Fan der Live Übertragungen aus der Metropolitan Opera, bzw. überhaupt die Übertragungen aus Theatern und Opernhäusern aus der ganzen Welt. Natürlich ist es nicht genau das gleiche Feeling, als würde man direkt im Publikum sitzen, aber dafür hat man einen unschlagbar guten, unverstellten Blick auf die Bühne und auf die Darsteller darauf. Nicht einmal aus der ersten Reihe ist man derart nah an der Mimik der Auftretenden. Außerdem interviewt die Moderatorin in den Pausen wichtige Personen und man bekommt unbezahlbare Einblicke hinter die Kulissen.

Am Wochenende habe ich auf diese Art und Weise „Roméo et Juliette“, die Oper von Charles Gounod, live aus der MET in der Kulturbrauerei gesehen und war absolut begeistert. Zunächst, auf den ersten Blick, war ich nicht ganz überzeugt von Diana Damrau als jugendliche Julia, aber die Sopranistin hat mich im Laufe der Oper vollkommen für sich eingenommen. Nicht nur hat sie eine grandiose Stimme, sie spielt auch ganz wunderbar und verwandelt sich vor unseren Augen in eine zunächst fröhlich-kokette, dann eine zärtlich-verliebte und schließlich in eine verzweifelt-liebende Julia. Die Chemie zwischen Demrau und ihrem Roméo (Vittorio Grigolo) funkelt nur so, die beiden sind bezaubernd miteinander.

Überhaupt wurde jede einzelne Rolle sehr gut besetzt, auch der temperamentvolle und wilde Mercutio (Elliot Madore) nimmt für sich ein, auch Virginie Verrez als Stéphano und Mikhail Petrenko als Frére Laurent sind einfach wunderbar, sowohl von ihren Stimmen als auch von ihrer Darstellung her.Verona wird vor den Augen des Publikums wie ein magisches opulentes Gemälde zum Leben erweckt. Die Bühnenausstattung mit den dunkel dräuenden Herrenhausfassaden ist der perfekte Hintergrund für die farbenprächtigen und opulenten Kostüme, die wie Regenbögen wogenden Krinolinen und die blass geschminkten Gesichter. Eine herzzerreißend schöne Oper zum Schwelgen und Träumen, selbst das unausweichlich bittere Ende ist voller Schönheit.

Ich kann euch die Live-Übertragungen nur ans Herz legen. Die Kinos bereiten sich auch für diese „speziellen“ Gäste vor, es gibt eine seperate Lounge mit einer kostenlosen Garderobe und einer einem Opernbesuch angepassten kleinen Speisekarte. Demnächst kann man live aus der MET „Rusalka“, „La Traviata“ und „Idomeneo“ genießen. Weitere Termine und Informationen findet man hier.

 

Mozarts Operngala – Große Orangerie – Schloss Charlottenburg – Residenz Konzerte

Eigentlich bin ich gar kein großer Klassikfan. Als mein Vater zu seinem 50. Geburtstag die ganze Familie nach Verona rief, um in der Arena di Verona seine liebsten Verdi Opern zu erleben, da dachte ich eher an Romeo & Julia und an ein schönes Wochenende im warmen Italien als an Musik. Das kommt ganz von allein, wenn du älter wirst, meinte mein Vater. Und anscheinend bin ich nun in diesem gewissen Alter. Ich gehe zwar immernoch nicht in die Philharmonie um das Klavierkonzert Soundso zu hören, aber bestimmte Opern oder Klassikveranstaltungen, gerade wenn sie in besonderer Umgebung stattfinden, ziehen mich doch an.

2-Rotunde-große-Orangerie-Berlin-1Und die Große Orangerie des Schloss Charlottenburg ist eindeutig eine besondere Location. Pittoresk von einem gepflegten Garten eingerahmt, wird man im Foyer von elegant gekleideten Damen in höfischem Barock empfangen. Der Zeremonienmeister lächelt huldvoll, der Sekt prickelt in den Gläsern. Es duftet wunderbar. Das liegt daran, das in einem Flügel das Dinner stattfindet, das man zum Konzert dazubuchen kann und das vom Marriott gecatert wird. Ich habe das an diesem Abend leider nicht in Anspruch genommen und habe es sehr bereut, denn das Menü klang wunderbar und ich konnte einen Blick in den wundervoll dekorierten und ausgeleuchteten Saal erhaschen. Sicher ein grandioses Erlebnis, das den Abend perfekt abrundet.

Dann beginnt das Konzert. Unter der Leitung des Konzertmeisters Vladi Corda betretenadventskonzert_auenkirche_tickets_2015 die in elegantem Schwarz gekleideten Musiker die Bühne und spielen die schönsten Stücke von Mozart. Von der Hochzeit des Figaro über Cosi fan Tutte zu Don Giovanni bis zur Zauberflöte. Die bekannten und unsterblichen Werke erklingen im Ostflügel der Orangerie, wundervoll von Kerzenlicht und sanftem rosa Licht erleuchtet. Durch die großen Flügeltüren sieht man in den Schlossgarten hinaus, während der Zeremonienmeister mit galanten Gesten durch den Abend geleitet. Die Gesangparts übernehmen Alena Karmanova und Denis Milo. Beide nehmen mit ihren fantastischen Stimmen, passenden Gewandungen und ihrer Chemie das Publikum für sich ein. Überhaupt scheint die gute Stimmung unter den Musikern und zwischen Orchester und Sängern zu funkeln und zu schimmern. Ein perfekter Abend in entzückendem Ambiente.

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Neben Mozarts Operngala kann man in der Orangerie zur Zeit auch argentinische Klänge genießen, mehr Informationen zu Tango Pasión gibt es hier. Wer Mozarts Operngala genießen möchte, bekommt hier mehr Informationen und Karten. Ich lege euch, obwohl ich es selbst nicht erlebt habe, auch das Dinner sehr ans Herz, ich stelle mir das als wunderbar runden Abend vor, wenn man vorher noch in dieser schönen Umgebung speisen kann. Das ist das Menü:

 

Vorspeise
Bunte Mini Salate
Ziegenkäsenougat, Oliven, Kirschtomaten

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Hauptgang
Gegrilltes Perlhuhn
Ratatouille, Gratinkartoffeln, Lavendeljus

Vegetarische Alternative
Gefüllter Portobello
Ratatouille, Gratinkartoffeln, Tomatenjus

***

Dessert
Mousse au Chocolate
Krokant, Orangensauce, Minze

 

Luci Mie Traditrici – Staatsoper im Schillertheater – Oper in zwei Akten

Tim Burton! Das war mein erster Eindruck nach den ersten Minuten „Luci mie Traditrici“. Die wild-ungezähmte drapierte Haarpracht der Hausherrin La Malaspina (Katharina Kammerloher) zu ihrer theatralischen violetten Robe, die silbergesträhnte Bohemian-Mähne ihres Gatten Il Malaspina (Otto Katzameier). Sweeney Todd und Helena Bonham Carter erschienen vor meinem inneren Auge. Passend zum düsteren Thema dieser Oper in zwei Akten ist der Vergleich allemal. luci_ohp_mb0463

Es werden keine Namen genannt, in diesem Kammerspiel mit nur vier Personen. Der Dorne, die Dorne, ein Gast und ein Servierer. Das sind die Namen. Aber das Geschehen auf der Bühne beruht auf einer wahren Begebenheit und Personen, die tatsächlich gelebt haben. Im Jahre 1590 ermordete der Fürst von Venosa, Carlo Gesualdo, seine Ehefrau und deren Geliebten. Er hatte ihnen eine perfide Falle gestellt und sie in flagranti im ehelichen Gemach erwischt. Zeitzeugenberichte erzählen von einem besonders grausigen Verbrechen. Belangt wurde Carlo Gesualdo jedoch nie, fiel seine Tat doch unter die Kategorie Ehrenmord. Seine Schuld spiegelte sich allerdings in seinen musikalischen Werken wider. Mehr als hundert kirchliche Madrigale und weitere geistliche Werke hinterließ der Komponist, der gegen Ende seines Lebens immer tiefer in Depressionen versank.

Auf der Bühne der Staatsoper im Schillertheater wird dieser Kriminalfall nun in sehr spezieller Form gespielt. Salvatore Sciarrino, berühmt dafür, sich vor allem für Obertöne und die „Farbe“ der Klänge zu interessieren, fordert dem Orchester einiges ab. Statt der üblichen Töne entlocken sie ihren Instrumenten Klappern und Pfeifen, es klingt ein wenig, als würden die Musiker ihre Instrumente stimmen oder reinigen. Auf merkwürdige Art und Weise passt das aber wunderbar zum Stück und unterstreicht die unheimliche Stimmung, das dräuende Unheil, die verzweifelt-selbstzerstörerische Liebe von Il Malaspina zu seiner Frau.

luci_ohp_mb0610Während Il Malaspina seiner Frau nicht viel mehr als eine kühl gereckte Augenbraue abringt, ist L’Ospite (Lena Haselmann), der Gast, der Liebhaber, kühn und verführerisch. Bei ihm wird die stolze Hausherrin zum Backfisch, kann unmöglich widerstehen. Der eifersüchtige Diener, Un Servo (Christian Oldenburg), sieht das gar nicht gern, böse murmelnd strauchelt er meist durch den Hintergrund oder am Rand entlang und sorgt für heitere Momente, aber auch für das unausweichlich böse Ende.

Ein sehr spezieller Abend, der mir persönlich sehr gut gefallen hat. Wer bei italienischer Oper vor allem an Verdi oder Puccini denkt und gerne auf dem Heimweg Opernjuwelen wie Nessun Dorma schmettert, der wird hier umdenken müssen oder vielleicht gar enttäuscht sein. Denn während alle Sängerstimmen wirklich tadellos sind, so wiederholen sie sich doch oft, es klingt oft abgehackt, kurz aufflackernd, temperamentvoll, dann wieder wird es ganz still. Beeindruckend, aber nicht unbedingt schmeichelnd oder massentauglich.

Ich habe die letzte Vorstellung von Luci mie Traditrici in der Staatsoper gesehen, überhaupt das letzte Stück vor den Theatersommerferien. Aber im Herbst geht es wieder los, Tosca eröffnet die neue Saison. Tickets gibt es hier.