Break the Tango – Tango meets Streetdance – German Cornejo – Admiralspalast Berlin

German Cornejo ist ein Ausnahmetalent. Er tanzt seit seinem zehnten Lebensjahr Tango, wurde mit fünfzehn zum Master of Tango deklariert und hat seither jeden renommierten Preis gewonnen, den die Tangowelt zu vergeben hat. Er tanzte in unzähligen Fernsehshows, choreografiert, coacht und lehrt mittlerweile selbst und ist als einer der weltweit besten Tangolehrer, mit vielen Schülern die längst ebenfalls berühmt sind. Seit 2011 tanzt er mit Gisela Galeassi, die ihrerseits eine Weltklassetänzerin ist, mit unzähligen gewonnen Preisen und Titeln.

Für seine eigene Show Break the Tango nun hatte German die Idee, Tango und Streetdance zu vereinen. Zu diesem Zweck hat er die Crème de la Crème der Tanzwelt zusammengeholt. Eine B-Boy Crew der Extraklasse, herausragende Tangotänzer und dazu eine großartige Liveband. Es fällt mir wirklich schwer, nicht mit lauter Superlativen um mich zu werfen, aber die Show ist einfach gigantisch. Ich fand die Idee dahinter, Tango und Streetdance, erst einmal ein wenig befremdlich, wusste nicht recht etwas damit anzufangen, bin aber im nachhinein vollends überzeugt worden.

Es beginnt mit einem Paar das ganz klassisch Tango tanzt, rassig, feurig, leidenschaftlich, ganz wie man sich das vorstellt. Aber plötzlich werden sie von einer Gruppe fröhlich-pöbelnden B-Boys unterbrochen. Herablassend und ein wenig amüsiert schauen die Jungs auf die klassischen Tänzer herab. Und ebenso hochmütig schaut das Paar zurück auf die Streetwear tragenden Rowdys. Machomäßig umkreist man sich, gibt ein wenig an, wirft sich in Pose. Wann immer einer der Tangotänzer etwas zeigt, versucht einer der Breakdancer ihn zu übertreffen. Aber nach und nach, Stück für Stück und Tanzschritt für Tanzschritt wird aus einem Gegeneinander ein Miteinander. Wird aus Herablassung Bewunderung für das jeweilige Können. Und am Ende findet man gar Gemeinsamkeiten bei einer Milonga der besonderen Art.

Um diese Annährung zu schaffen, muss natürlich der Tango etwas angepasst werden. Die Paare tanzen unheimlich schnell, die Tanzfiguren sind sehr sportlich, beinahe schon akrobatisch. Manchmal bekommt man richtig Angst um die zarten Tänzerinnen, wenn sie zackig in die Luft gewirbelt werden und Millimeter über dem Boden wieder aufgefangen werden. Langsame Lieder kommen allerdings ebenfalls zum tragen, auch die Breakdance Crew zeigt ihre Vielseitigkeit mit langsameren und sanfteren Bewegungen. Eines der absoluten Highlights des Abends ist dann ein eleganter, kraftvoller Tangotanz – in der Luft! (Edgar & Pamela) Oder ist vielleicht doch der Tanz des Hauptpaares German & Gisela das Beste? Oder wenn Gisela Lepio ihre Version von Halo singt und mir den Song damit wieder näherbringt? Schwer zu sagen. Der Abend ist einfach komplett großartig. Die Tänzer sind schlichtweg atemberaubend und auch die Livemusik ist großartig, würde die Band ein Konzert in Berlin geben, dann würde ich auf jeden Fall in der ersten Reihe stehen!

TänzerInnen: Nicolas Schell, Noelia Pizzo, Ezequiel Lopez, Camila Alegre, Edgar Luizaga, Pamela Pucheta, Mariano Pardo, Micaela Spina, Jose Fernandez, Martina Waldmann

Breakdancer: „Bboy Prince Henry“ Henry Monsanto, „Bboy Jonathan“ Jonathan Anzalone, „Bboy Hill“ Gil Adan Hernandez Candelas, „Bboy Issue“ Kwangsuk Park,
„Bboy Cho“ Joo Hyosung

Band: Gisela Lepio, Ovidio Velazquez, Luciano Bassi, Clemente Carrascal, Jerónimo Izarrualde

Break the Tango ist eine Tanzshow der Extraklasse, die den Tango Argentino sowohl ehrt als auch in eine neue Zeit bringt und ihm ein ganz neues Leben einhaucht! Wer Tanz liebt, der darf diese Show nicht verpassen! Nur noch bis zum 24. September im Admiralspalast Berlin.

©Nicole Haarhoff, Bilder: @René Tanner

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The Tap Pack – Tipi am Kanzleramt

Am Freitag feierte The Tap Pack im Tipi am Kanzleramt seine Deutschlandpremiere und Berlin ist um eine aufsehenerregende Aussie-Sehenswürdigkeit reicher. Im Chamäleon am Hackeschen Markt macht zur Zeit die Company 2 mit ihrer Show „Scotch & Soda“ von sich reden, die Jungs und Mädels kommen aus Brisbane.

Und im schönen Veranstaltungszelt „Tipi am Kanzleramt“ sind nun fünf weitere gutaussehende Importe aus Down Under angekommen, um Berlin in Erstaunen zu versetzen. Ihre Show ist so rasant, so schweißtreibend und mitreißend, dass es eine reine Freude ist. Die Bühne ist sehr clever aufgeteilt, sodass eine Bar im Hintergrund entsteht, auf der auch getanzt wird, ein bisschen wie in Coyote Ugly! Dadurch, dass die „Bartheke“ stufenförmig aufgebaut ist, kann man die Beinarbeit der jungen Männer auch sehr gut sehen, wenn man nicht direkt vor der Bühne sitzt. Und auf die Beinarbeit kommt es ja an! Denn zuallererst und hauptsächlich sind die fünf Männer außergewöhnliche Step-Tänzer. Die Schnelligkeit und Präzision ihrer Füße ist wirklich atemberaubend. Unglaublich, was für ein Können da so locker und flockig auf die Bühne gebracht wird, immer mit einem verschmitzten Lächeln und einem neckischen Lupfen des Hutes.

Das Rat Pack würde sich sicherlich nicht schämen, Inspiration und Quasi-Namensgeber für diese tolle Gruppe zu sein. Die Jungs sind charmant und einnehmend, große Künstler und Publikumslieblinge. Wer denkt, da würde nun „einfach nur gesteppt“, der ist schief gewickelt. Die Show ist von vorne bis hinten gut durchdacht, immer wieder gibt es etwas neues zu sehen und vor allem auch zu hören, denn Sean Mulligan, Ben Brown, Jesse Rasmussen, Tom Egan und Jordan Pollard sind nicht nur begnadete Tänzer, sondern auch ausnehmend gute Sänger. Vor allem Ben Brown hat mich sehr beindruckt. Während Sean Mulligan eine Honig- und Whiskeystimme hat, hat Brown eine im Gegensatz zu seiner Körpergröße stehende gewaltige und sehr abwechslungsreiche Stimme. Die beiden treten bei einem Battle der klassischen Musik und der modernen Songs gegeneinander an – ein Ohrenschmaus!

Außerdem gibt es einen Western-Showdown der Tanzschritte, Jesse Rasmussen zeigt anhand verschiedener Step-Schritte die Einflüsse großer Tänzer. Überhaupt hat jeder der Tänzer einen eigenen Stil oder eine eigene Vorliebe, die ebenfalls auf die Bühne gebracht wird. Insgesamt ein wunderbarer Abend mit großartiger Musik, die von Nat King Cole und Cole Porter ein Brücke bis zu Ed Sheeran und Noel Gallagher schlägt.

Man kann The Tap Pack noch bis Ende Juli im Tipi am Kanzleramt erleben. Die Platzwahl ist innerhalb der gebuchten Kategorie frei, daher, wer schlau ist, der bucht gleich mit Menü! Dann braucht man nicht mehr über der Speisekarte zu brüten und hat außerdem schon einen festen, sicheren Sitzplatz. Das Menü für Mai & Juni klingt toll, aber das Pasta-Arrangement kann ich auch empfehlen.

© Nicole Haarhoff

Cihangir präsentiert, zum letzten Mal: Orientesque IV – ufaFabrik Berlin

Wirklich schade – ich war am Wochenende zum ersten Mal bei Cihangirs Tanzshow Orientesque und damit leider auch zum letzten Mal, denn die Showreihe ist damit zu ihrem fulminanten Ende gekommen. In der Zukunft wird sich der Organisator, Tänzer und Allroundkünstler Cihangir Gümüstürkmen, anderen Projekten widmen, am 11. September 2017 startet zum Beispiel seine Open Stage Show. Ebenfalls in der ufaFabrik: motley monday!

Aber erst einmal zur vorhergegangenen Showreihe: Orientesque. Der Name hatte mich schon mehrfach neugierig werden lassen und in diesem Jahr wollte ich es endlich mal dorthin schaffen, vor allem, als sich abzeichnete, dass es nun die letzte Show sein würde!

Nachdem Ideengeber und Organisator des Abends, Cihangir, der den Abend mit wunderschönem Kostüm und elegant-fließendem Bauchtanz einläutet, erobert Dina Abdel die Bühne. Die energische und fröhliche ägyptische Tänzerin bringt sowohl mit ihrem Kostüm als auch mit ihren Bewegungen Feuer und Temperament auf die Bühne. Das Zusammenspiel aus ihrem fliegenden Rock und den elegant fließenden Schleierfächern lässt flackernde und spielende Flammen auf der Bühne entstehen! Einen der spannendsten und am längsten in mir nachhallenden Auftritte legt dann Madlen Werner hin. Sie ist in dem klassischen indischen Tanz „Kathak“ und in Orientalischem Tanz ausgebildet und vor allem ihr erster Tanz des Abends, in einem wundervollen Sari, ist sehr eindrücklich und einfach wunderschön. Die eleganten Hand- und Armbewegungen, das Langsame, Fließende und doch Kraftvolle des Tanzes, das ich sonst noch nie auf diese Art gesehen habe, hat mich sehr beeindruckt. Ich hatte vorher, das muss ich zu meiner Schande gestehen, mit „Indischem Tanz“ eher Bollywood und kitschige Musicalfilme verbunden.

Überhaupt trägt der Orientesque-Tanzabend sehr dazu bei, Vorurteile zu beheben, die man vielleicht gegenüber dem Bauchtanz gehegt hat. Keine fragwürdige Erotikshow, keine reines „Bauchgewackel“. Und auch mit dem Vorurteil, Bauchtanz sei eine rein weibliche Domäne räumt der Abend auf, nicht nur wegen Cihangir sondern auch wegen dem Tänzer Mustafa Roshan, der sich auf libanesischen Tanz spezialisiert hat. Der fröhlich-sympathische Tänzer reißt mit seiner Energie und seinem Elan das Publikum unwillkürlich mit sich!

Neben bestechenden Einzelperformances gibt es an diesem Abend auch mehrere großartige Ensembles zu bestaunen, die mit Schönheit, Anmut und Gelenkigkeit entzücken. Da ist zunächst das Ensemble Hayalina um die Tänzerin und Choreographin Shalymar. Die schwangere Schönheit und ihre Grazien zeigten neben wunderschönen Kostümen auch harmonisch-elegante und sinnlich-schöne Tanzbewegungen. Sehr schön anzusehen, mal sanft und dann wieder fröhlich und zum Klatschen animierend. Die Schauspielerin und Tänzerin Suzan Demircan hat das Ensemble Suzanour zusammengestellt und extra aus Magdeburg angereist ist Carmen Puschmann mit ihrem Ensemble Arabianna. Während die elfenhaften Schönheiten rund um Suzan klassisch-schönen orientalischen Tanz zeigen, zeigt Carmen mit ihrem Team eine sehr spezielle Plastik-Performance und einen Tanz der Dunklen Elfe. Die Ensemblechefin beeindruckt in fantasievollem Elfenkostüm und tanzt auch fantastisch-wild. Das preisgekrönte Tanzstück des Ensembles ist düster, die schwarzgekleideten Tänzerinnen sind umschlungen und umwirbelt von Plastikfahnen. So sind die Auftritte, obwohl alle unter dem Hut des Orientalischen Tanzes zusammengefasst, doch abwechslungsreich und mannigfaltig. Ich konnte auf jeden Fall sehr viel dazulernen und war ganz begeistert davon, wie vielfältig und unterhaltend der Orientalische Tanz doch ist.

Den Abschluss der Show bildet dann die Moderatorin, Shosha Lilienthal. Nachdem sie amüsant durch den Abend führte, zeigt sie zum Schluss noch ihre artistischen und komödiantischen Talente, als „Prißilla“, die tollpatschige Trapezkünstlerin.

Wer sich nun von meiner Begeisterung anstecken lassen möchte, kann zum Beispiel am 13. Mai das Ensemble Hayalina mit ihrer eigenen Show Wa Bas!  im Tiyatrom Berlin erleben. Und den Spielplan der ufa Fabrik findet man hier.

© Nicole Haarhoff

Darauf freue ich mich: Meine kulturellen Highlights in Berlin, Ende April

Es gibt wieder wahnsinnig viel zu erleben! Über die Osterfeiertage wird Berlin zwar wieder leerer werden, weil Verwandschaftsbesuche oder Urlaubsreisen anstehen, aber gegen Ende des Monats, wenn die Ferien zu Ende sind, gibt es auch wieder viel Neues zu sehen und zu entdecken! Hier sind ein paar Tipps für das Osternest:

19- April 2017 – African Angels – der Cape Town Opera Chorus ist zu Gast in der Berliner Philharmonie! Aus insgesamt 1.500 Nominierten aus 41 Ländern wurde der Cape Town Opera Chorus 2013 in London zum besten Opernchor des Jahres gewählt. Das abwechslungsreiche Repertoire (Oper, Gospel, African Traditonals) verspricht einen tollen Abend!

21. April 2017 – Duato / Shechter – doppelter Ballettabend mit einem neuen Werk von Staatsballett-Intendanten Nacho Duato, der in „Erde“ auf die Zerstörung unseres Planeten aufmerksam macht. Und in „The Art of Not Looking Back“ tritt der gefeierte britisch-israelisch Choreograph Hofesh Shechter den Beweis an, dass er nicht (nur) mit Männern arbeiten kann. Klingt sehr spannend! Weitere Informationen und Karten gibt es hier.

23. April 2017 – Blancanieves – ein ganz besonderes Ereignis im Konzerthaus, auf das ich schon sehr gespannt bin: Der im Stil eines alten Stummfilms gedrehte Märchenfilm „Blancanieves“, der locker an Schneewittchen angelehnt ist und mit Preisen und lobenden Kritiken nur so überhäuft wurde. An diesem Abend wird er im schönen Großen Saal des Konzerthauses live mit Musik untermalt. Weitere Informationen und Karten hier.

30. April 2017 – Premiere am Kudamm: „Wir sind die Neuen“ sagen locker-flockig drei Alt-Hippies und lassen ihre alten WG-Zeiten wieder aufleben. Allerdings haben sie die Rechnung ohne die andere WG im Haus gemacht. Die jungen Leute dort sind keineswegs locker-flockig, sondern ernst und strebsam und man gerät schnell aneinander. Die erfolgreiche Filmkomödie aus dem Jahr 2014 nun auf der Bühne! Bin gespannt. Karten und Infos gibt es hier.

Es gibt natürlich noch viel mehr zu sehen, aber das sind die Highlights, die ich so in meinen Kalender geschrieben habe. Was habt ihr so vor?

©Nicole Haarhoff

 

 

 

 

Berlin Nights – Die Show Sensation, Theater am Potsdamer Platz

Kennt ihr dieses Gefühl? Ihr kommt aus einem Club oder aus einer Show und die Musik oder das, was ihr gerade erlebt habt, vibriert noch durch euren Körper, erfüllt euer Herz und eure Seele, singt auf eurer Haut. Und ihr würdet euch am liebsten umdrehen und es gleich noch einmal sehen und erleben! Und all eure Freunde, Bekannte und Verwandte anrufen, damit sie mitkommen, weil das, was ihr da gerade gesehen habt, einfach so toll, so sehenswert, so besonders ist! Genau das, dieses Gefühl, ist der Grund, warum ich diesen Blog schreibe. Weil, wenn man etwas Tolles erlebt, man es am liebsten mit allen teilen möchte und es jedem erzählen und ans Herz legen möchte.

Und Berlin Nights ist genau so eine besondere Show, die ich aus vollem Herzen empfehlen möchte, denn sie macht einfach nur Spaß! Samuels Entertainment wollte das vielseitige Berliner Nachtleben auf die Bühne bringen und zu diesem Zweck wurde das ehemalige Musicaltheater am Potsdamer Platz in einen Nachtclub verwandelt. An süßen Bouncern vorbei geht es über einen schmalen Gang hinein ins schummrige Clublicht, ein DJ spielt House, man stößt mit Cocktails an oder genießt sie direkt als Eis am Stiel! (SchleckDruff – was für ’ne krasse Idee!!) Im Theatersaal beginnt der Abend mit dem Pianisten Timothy Thorsen, der mit Liszt die Gruppe Zanshin zu einem romantisch-fließenden, modernen Tanz animiert. Der nachfolgend notwendige Umbau wird gekonnt einbezogen, die Fothamockaz räumen eifrig um – zumindest drei von ihnen. Einer muss erst einmal ausführlich Pause machen, ehe seine Kollegen ihn ruppig zurück an den Besen beordern. Sie sind quasi die Pausenclowns – aber mit einer gehörigen Portion Talent und Können: Breakdance, HipHop, dazu etwas Akrobatik und die Kunst, über sich selbst zu lachen!

Nach dem Intermezzo formt sich schnell eine Schlange vor Türsteher Sascha Thies. Alle wollen hinein in den coolen neuen Club, in dem der legendäre DJ Tomekk auflegt, die Berlin Showgirls aufreizend tanzen und in dem Showbarkeeper Florent Rabaté geschickt die Flaschen fliegen lässt. Schnell füllt sich die Tanzfläche und Airdit, die M.I.K Family, Tridiculous und Samuels Crew zeigen Moves, die der Schwerkraft zu trotzen scheinen. Breakdance, HipHop, Locking, Popping und Akrobatik gehen locker Hand in Hand, sind mitreißend und aufregend. Das Publikum geht unwillkürlich mit, man hat das Gefühl mittendrin zu sein, man möchte am liebsten aufstehen und tanzen! Dann schwebt Renee auf die Bühne, tolle Haare, Beine bis zum Himmel und singt den von DJ Tomekk produzierten Titelsong der Show: I am Berlin!

Nach der Pause gibt es handgemachte Musik, die Gruppe Nader Rahy ist nun für den rockigen Soundtrack zuständig, Röhre Stefanie kann sanft genauso gut wie wuchtig-laut. Die Liebesgeschichte, die eines der Paare von Zanshin zu Beginn der Show erzählte, gipfelt in einem tragisch-schönen Tanz und in einer unheimlich beeindruckenden Performance an den Strapaten von Rostyslav aus der Tridiculous Crew. Atemberaubend!

Die Verknüpfung der einzelnen Künstler und ihres Könnens zu einer gemeinsamen Show ist einzigartig gut. Alles fasst makellos ineinander, vom Drumherum (Türsteher, Vorraum, Barcrew) über die Bühne (Bühnedeko, Licht, Sound) bis hin zu den Performern, die nicht nur einzeln glänzen, sondern auch gemeinsam. Sie haben sehr viel Spaß und Freude auf der Bühne, ihre gute Laune zieht das Publikum unweigerlich mit. Am Ende hält es niemanden mehr auf seinem Sitz.

Es gibt nur noch einige wenige Termine, an denen ihr die ultimative Berlin-Tanzshow Berlin Nights erleben könnt! Nur noch an diesem und am nächsten Wochenende! Also ranhalten! Diese Show wollt ihr nicht verpassen! Als besonderes Schmankerl habe ich noch einen geheimen Geheimcode für euch, mit dem könnt ihr 50% vom Kartenpreis abziehen: dermensch50. Weitere Informationen und Tickets gibt es hier.

Alle Bilder: ©Nicolas Ritter

Sissi -ExperiDance – Budapester Zigeuner Symphonieorchester -Admiralspalast

Ich habe mich einfach mal überraschen lassen, von „Sissi“, aufgeführt von ExperiDance. Ich hatte überhaupt keine Vorstellung davon, was mich auf der Bühne erwarten würde. Sissi war für mich vor allem immer die monumentale Filmreihe mit Romy Schneider zu Weihnachten. Bis ich vor kurzem in dem Musical „Elisabeth“ auch die düstere Seite der Ungarischen Königin und Österreichischen Kaiserin erleben durfte. Daher mein Interesse für diese Tanzadaption der weltberühmten Geschichte um die schöne Adelige mit dem endlos langen Haar.

In dieser Show nun ist alles eine Mär von romantischen Verwicklungen, es könnte auch um jeden anderen Adeligen und jede schöne junge Königin in einer Grimmschen Erzählung gehen, das spielt eigentlich keine Rolle. Da die Geschichte durch Tanz, Mimik und große Gesten erzählt wird, besteht sie aus einfachen und aussagekräftigen Szenen. Zunächst sehen wir einen schicken jungen Adeligen (Norbert Patonai), etwas grimmig weist er nach und nach jede Frau des Hofes ab, keine der hübschen Damen gefällt ihm. In der Ferne erahnt man bereits Sissi (Anna Dóra Lázár), ein Brief kündigt sie an. Trotzdem lässt sich der stolze Mann auf ein Techtelmechtel mit einer schönen Zigeunerin (Veronika Morvai) ein, die ihn inbrünstig antanzt. Just als die Beiden sich leidenschaftlich küssen, betritt die Königin den Thronsaal und erstarrt geschockt. Die Zigeunerin flieht beschämt, die Königin ist verständlicherweise tief verletzt, der Graf reagiert arrogant.

Stolz und anmutig versucht die Königin daraufhin, das beste aus der Situation zu machen und die Nebenbuhlerin auf elegante Weise aus dem Weg zu räumen: sie kleidet sie neu ein und stellt sie dem Hof vor. Die Männerwelt ist natürlich entzückt und ein schneidiger junger Recke (Dávid Benkő) ist ganz besonders angetan. Dummerweise lässt der Graf sich nicht so einfach ausbooten, auch nicht, als das Zigeunermädchen sich seinerseits in den jungen Herzog verliebt. Bevor es ein märchenhaftes Happy End geben kann, kommt es zum Kampf auf Leben und Tod!

Die Tanzgruppe ExperiDance wurde 2000 gegründet und möchte seither unter der Leitung von Sándor Román Ballett und Ungarische Folklore vereinen. Und das gelingt auch, gerade beim Erfolgsstück Sissi ganz hervorragend. Das Budapester Zigeuner Orchester, das mit auf der Bühne agiert, spielt bekannte Stücke in schneller, unvergleichlicher Csárdás-Manier, so das es eine richtige Freude ist! Hacken knallen immer wieder auf den Tanzboden, die Röcke wirbeln wild im Kreis, Klatschen, Pfeifen und Rufen durchschneidet die Luft und der wilde Rhytmus geht automatisch in die Beine! Dazu eine romantische Liebesgeschichte, ein sturer Mann, eine schöne und kluge Frau – perfekt! Ein sehr ungewöhnlicher Tanzshow-Abend, wie ich ihn so noch nicht erlebt habe. Mal etwas ganz Anderes!

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Les Ballets Trockadero de Monte Carlo – Komische Oper Berlin

swan_lake_2008-2Zugegeben – als Balletttänzer hat man es nicht leicht. Man schleppt ständig elfengleiche Tänzerinnen herum, hält sie elegant in die Luft, wirbelt sie herum. Ab und zu bekommt man zwar einen Solopart, aber eigentlich sind doch die Tänzerinnen die Hauptpersonen und der Hauptaugenfang im klassischen Ballett. Irgendwie denkt man als Zuschauer, denkt man an Ballett, auch eher an zarte, kleine weibliche Wesen, die mit scheinbarer Mühelosigkeit ihren Körper weit über das menschlich Mögliche hinaus biegen und formen.

imagesNicht so bei den „Trocks“! Hier gibt es nur Männer und sie tanzen alle Parts der klassischen Ballettstücke, die sie im Repertoire haben. Ob Swan Lake, Giselle oder den Nussknacker, hier wird bewiesen, dass auch Männer elfengleich schweben können. Dass auch sie die Schwerkraft Lüge strafen und auf den Spitzen tanzen können.

Natürlich gehen sie die Sache mit Humor an. Manchmal, ganz ansatzlos und überraschend, fällt ein Tänzer aus der Formation und krachend auf die Nase. Oder jemand holt eine Banane hervor und kaut genüsslich, die stark geschminkten Wimpern unschuldig und neugierig weit aufgerissen. Aber eigentlich sind hier absolute Tanzprofis am Werk und das sieht man bei jedem Schritt, bei jeder Drehung und bei jedem Sprung. Die Wirkung der breiten Schultern in eleganten Spitzenkleidchen sollte albern sein, aber durch ihr grandioses Können gewöhnt man sich rasch daran und es irritiert schnell gar nicht mehr, ganz im Gegenteil. Hier wird Ballett nicht veralbert oder gar in den Schmutz gezogen, nein, es wird liebevoll geneckt und doch spektakulär dargeboten. bosdyingswan

Weder eingefleischte Balletfans noch Leute, die Ballett bisher als zu bierernst oder gar langweilig abgetan haben, kommen hier zu kurz. Es ist lustig, es ist atemberaubend schwere Arbeit mit einem betörenden Lächeln dargeboten. Nicht einer der Zuschauer hat die ausverkaufte Komische Oper an diesem Abend ohne ein Lächeln auf dem Gesicht verlassen!

Die Trocks sind noch einige Tage in Berlin, Tickets gibt es hier. Mehr über die männlichen Ballettdiven erfährt man hier. Und die Tourdaten gibt es hier.