Jack Woodhead – Most Wanted – On the Run (in Heels) – Wintergarten Varieté Berlin

Jack Woodhead ist allen Wintergarten-Fans gut bekannt – er war gemeinsam mit Contorsion-Star David Pereira der Gastgeber diverser Spotlights und außerdem die Schlüsselfigur in meiner All Time Favorite Show Der helle Wahnsinn. Ich mochte seine unvergleichliche, herzliche, überlebensgroße Art und Weise sofort, seine hautengen Kostüme und seine meterhohen High Heels, auf denen er besser läuft und tanzt als ich auf ihnen gehen könnte. Er ist eine schillernde, fröhliche Gallionsfigur für den Wintergarten und ein Allround-Talent als Moderator, singend oder am Piano! Wenn er selbstironisch und mit großen Gesten von seiner Jugend in Manchester erzählt,  wo er als bunter Paradiesvogel hervorstach, dann fliegen ihm alle Herzen zu. Daher war ich natürlich gestern Abend bei seiner Show Most WantedOn the Run (in Heels), bei der er viele Stars und Sternchen der Varietészene zu sich auf die Bühne bat.

Die Liste der teilnehmenden Künstler versprach viel und viel wurde auch geboten! Eine Neuentdeckung war für mich Jeß Gadani, die gemeinsam mit dem Gastgeber die Show Fish & Whips, eine Cabaret und Varieté Reihe im Comedyclub Kookaburra, ins Leben gerufen hat. Sie ist ein echtes Stimmwunder und wahnsinnig lustig, sie bot eine unglaubliche Bandbreite von Songs, die zeigten, was für eine unheimlich vielfältige Sängerin sie wirklich ist! Ich habe mit ihren Namen gleich rot unterstrichen und werde bei der nächsten Gelegenheit in den Comedyclub gehen, die Show verspricht sehr, sehr gut zu sein!

Ansonsten habe ich mich gefreut, einige bekannte Gesichter wiederzusehen, allen voran die von mir sehr bewunderte Sarah Bowden, die zur Zeit die Esmeralda in Der Glöckner von Notre Dame im Theater des Westens gibt. Zeitgleich plant sie gemeinsam mit Ashia Bison Rouge eine ganz eigene Show und hat uns gestern eine kleine Sneak Peak erlaubt. Auch Ashia ist kein unbeschriebenes Blatt, ich durfte sie schon mehrmals im Wintergarten erleben und ihr Stimme und ihr Cellospiel sind einmalig und einzigartig, wer sie einmal gehört hat, vergisst sie nicht so leicht. Gemeinsam ergeben Ashias Spiel und Sarahs Tanz eine einnehmende Symbiose. Sehr sehens- und hörenswert, ich bin schon sehr neugierig auf diese Show!

Anna & Saleh, die beiden jungen Artisten des Abends, habe ich bereits im letzten Jahr, bei der Absolventenshow der Staatlichen Artistenschule Berlin, gesehen. Die beiden harmonieren ganz wunderbar, aber besonders schön war der Auftritt von Anna am doppelten Trapez. Kraftvoll und gleichzeitig verletzlich schön, eine beeindruckende Vorstellung, die im Gedächtnis bleibt.

Ebenfalls bei einer Absolventenshow zum ersten Mal gesehen, allerdings schon 2015: Donial Kalex, der musikalisch und mit Jonglage brilliert. Gemeinsam mit Nicole Ratjen ist er auch Bestandteil der Comedyeinlagen, die den Abend ganz speziell machen. Nicole Ratjen ist an diesem Abend das Nummerngirl und der Augenschmaus, rezitiert aber auch ganz wunderbar … ihren Einkaufszettel!

Insgesamt ein wunderbarer Abend im schönen Wintergarten Varieté Berlin. Host Jack Woodhead verzaubert wieder einmal in gewohnt spektakulärer Art und Weise und beweist ein sicheres Händchen bei der Auswahl seiner Bühnenpartner. Die Spotlight Shows sind grundsätzlich immer einen Besuch wert und die momentane Show Sayonara Tokyo natürlich auch! Ein Blick in das Showprogramm lohnt sich, zum Beispiel um die nächste Absolventenshow nicht zu verpassen, wie man an meinem Text sieht, sieht man da die Stars von morgen am Beginn ihrer Showkarriere!

©Nicole Haarhoff
 

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Ashton Brothers – Enfants Terribles – Wühlmäuse

Wart ihr schon mal ziemlich heftig angeheitert? Und mit einer Gruppe eurer Freunde unterwegs, die ebenfalls heftig angeheitert waren? Und haben einige von euch vielleicht (teilweise) ihre Klamotten unterwegs verloren? Und ihr habt euch kaputtgelacht? Und habt Dinge gemacht, die euch verwegen und abenteuerlich vorkamen, die bei Licht betrachtet dann aber doch vor allem ziemlich gefährlich waren? Und ihr habt gelacht und gelacht…

Ja? Na, dann hättet ihr mal dabei bleiben sollen, denn dann wärt ihr jetzt vielleicht einer der Ashton Brothers.

Die Jungs aus den Niederlanden sind Artisten und Clowns und Zauberer und Musiker und Sänger und überhaupt. Und sie haben mit ihrem fünften Programm Enfants Terrible ein schräges, witziges, wildes und ungewöhnliches Stück Zirkuscomedy mit Anspruch und Klamauk auf die Beine gestellt, wie ich es sonst so noch nie erlebt habe. Es gibt böse Clowns, tanzende Skelette und waghalsige Artistik, alles in fliegendem Wechsel und beinahe komplett ohne Worte. Man ist als Zuschauer ganz atemlos vor Staunen und Lachen. Und wenn die Gags manchmal am Albernen kratzen, dann wird man in nächstem Moment mit beeindruckender Artistik wieder ernstlich geblendet. Was chaotisch anmuten mag, ist eben doch vor allem eins: schieres Können.

Die Ashton Brothers sind noch bis Sonntag, den 13. August in Berlin, schaut in den Wühlmäusen vorbei, ich kann euch die Truppe nur empfehlen, ich hab mich kaputtgelacht! Auch sonst lohnt sich natürlich immer ein Blick in den Spielplan. Mehr zu den Ashton Brothers findet ihr hier und hier.

©Nicole Haarhoff

Sayonara Tokyo – Wintergarten Varieté Berlin

Da hat das Wintergarten Varieté sich wieder einmal selbst übertroffen. Und hat den absoluten Varieté Sommerhit gelandet! Selbst als abgebrühtester Kulturfreak von Berlin, wenn man schon alles mögliche und unmögliche gesehen hat, kann man eben trotzdem immernoch überrascht werden!

Bei der neusten Showsensation im Wintergarten ist alles anders, das merkt man schon, wenn man den Saal betritt. Da wurden keine Kosten und Mühen gescheut, um den traditionsreichen Theatersaal mit dem glitzernden Sternenhimmel in eine quietschbunte mangaeske Märchenwelt aus Drachen, Tempeln und Nintendo zu verwandeln. Und die reizenden Servicedamen sind in traditionelle Kimonos gewandet und servieren  (natürlich) Sushi und andere japanisch inspirierte Speisen. Man fühlt sich als Gast also prompt in den fernen Osten verpflanzt und kann mit Leib und Seele hineintauchen, in die Japan Varieté Show „Sayonara Tokyo“. Die drei Sängerinnen Yuri Yoshimura (Japan), Gina Marie Hudson (USA) und Jacqueline Macaulay (Deutschland) stolpern mit den Zuschauern gemeinsam mitten in eine schrille Tour durch das moderne Japan. Es gibt Sake und Reis in einer kleinen Garküche und der „Kellner“ Senmaru jongliert derweil mit echten Keramikteekannen auf einem dünnen Stab.

Arisa Meguro verbiegt sich für uns graziös auf dem Boden und an den Strapaten, Naoto spielt so rasend schnell mit seinem Jojo, dass man mit den Augen kaum folgen kann und die Tokyo Jumpz springen derart artistisch Springseil, wie man das früher auf dem Schulhof wohl kaum hinbekommen hätte. Alles fließt mit den Gesangseinlagen der drei Damen, die immer das Thema Japan haben (wer hätte gedacht, dass es so viele Songs mit und um Japan gibt) zusammen in ein rasantes, witziges und farbenfrohes Bild, als wäre das Tokyoter Vergnügungsviertel Shibuya plötzlich mitten in Berlin neu entstanden. Lebensgroße Winkekatzen und Pokémon trudeln ebenso auf die Bühne wie Mädels in schrillen Lolitaoutfits. Und als ganz besonderer Stargast  kommt dann auch noch Takeo Ischi dazu, ein japanischer Jodler! Wem das jetzt langsam zu merkwürdig wird, dem kann ich nur sagen, es passt! Es passt alles absolut perfekt zusammen und ergänzt sich ganz hervorragend! Niemand braucht Angst zu haben, plötzlich im Musikantenstadl zu sitzen. Stattdessen bekommt man ein schrillbuntes Gesamtabbild des modernen Japan zu sehen, mit allen möglichen Klischees und liebenswerten Besonderheiten. Hauptaugenmerk liegt dabei in dieser Show nicht auf der Artistik, sondern bei Musik und Gesang, sowie bei der Ausstattung. Denn die Kostüme und die Bühnenausstattung sind sicher ein wahrer Traum für alle Beteiligten! Wer also Lust hat, mal etwas ganz anderes zu sehen und zu erleben, weit ab der üblichen Shows, einen Kurztrip nach Japan zu unternehmen sozusagen, dem kann ich die nagelneue Show im Wintergarten nur ans Herz legen! Allein das Drumherum, die liebevolle, verschwenderische Deko in allen Räumen des Hauses  und die passend arrangierte Speisekarte machen den Besuch der Show schon zu etwas ganz Besonderem.  Dazu die ungewöhnliche, meisterhaft vorgetragene Musik (Jodeln ist vielleicht nicht jedermanns Sache, aber eindeutig eine Kunst für sich!) und die wunderbaren Kostüme!

Die Tanzgruppe, bestehend aus Annakanako Mohri, Keiko Morijama, Yoriko Maeno und Yuri Shimaoka, zeigt modernen Tanz, schlägt aber auch eine Brücke in die Vergangenheit, wenn eine Tänzerin in langherabfallendem Kimono und unter einem filigranen Sonnenschirm lustwandelnd sich plötzlich in eine schicke Japanerin des Jahres 2017 verwandelt.

Insgesamt war ich unheimlich beeindruckt von der schieren Fantasie und Vorstellungskraft der Macher von „Sayonara Tokyo“. Sie haben es geschafft, eine vollkommen neue Welt auf der Bühne zu schaffen, aus Kostümen, Deko, Gesang, Musik und Artistik und nehmen den Zuschauer mit auf eine bunte Kitschreise, wobei ich Kitsch als Kompliment meine!

Regie: Stephan Prattes    Musikalische Leitung: Jo Roloff
Choreografie: Hakan T. Aslan
Regie- und Bühnenbildassistenz: Sascha Röder

Weitere Infos und Karten für die Show bekommt ihr hier. Und auf die Liste der Spotlights müsst ihr auch achten, da jagt ein Schmankerl das nächste! (Jack Woodhead! Absolventenshow! Sheila Wolf!)

©Nicole Haarhoff

 

 

All 4 One – Sommervariéte – ufaFabrik Berlin

Was für ein durch und durch perfekter Abend in der ufaFabrik Berlin! Wer selbst noch nicht dort war, ich kann euch das Gelände unweit des Tempelhofer Hafens  nur sehr ans Herz legen. Es gibt eine Menge Platz für Kunst und Kultur, auf mehreren Bühnen habe ich von witzig über sexy bis dramatisch schon alles mögliche gesehen und erlebt. Das Programm ist so bunt und vielfältig wie die Besucher auf der Terrasse des schönen Café Ole, wo ich gestern vor dem Abendprogramm noch leckeren Spargel mit Schnitzel gegessen habe! Aber Obacht – das Café ist ein wenig geheimer Geheimtipp, nicht nur unter den Kulturbesuchern, sondern auch für Freunde und Nachbarn, also lieber nicht zu spät hereinschneien!

Die sicher mit Abstand schönste Bühne auf dem ufa-Gelände ist die Sommerbühne. Luftig, wie unter einem Zeltdach, sitzt man von Bäumen umgeben in der Sommerwärme. Und in diesem Sommer kann man in diesem schönen Ambiente eine grandiose, wundervolle Show erleben, die mich gestern sehr begeistert hat: All 4 One, eine Variéteshow, erdacht und moderiert von Allround-Künster Sammy Tavalis. Der musische Komiker oder witzige Musiker mit den ausdrucksvoll rollenden Augen hat Künstler auf der Bühne versammelt, die genau wie er absolute Multitalente sind. Es wird im fliegenden Wechsel gesungen, Musik gemacht, Akrobatik performt und bei all dem gibt es für das Publikum auch noch sehr viel zu lachen!

Die Show beginnt mit Rostyslav Hubaydulin an den Strapaten, eine sehr ungewöhnliche, kraftvolle Darbietung mit vielen Bewegungen am Boden, danach zeigen alle Künstler des Abends zum ersten Mal, worauf sich das Publikum freuen darf: Jeder der auftretenden Artisten beherrscht auch mindestens ein Instrument und das zeigen alle zusammen mit dem Song „All about that Bass“ in einer „Pitch Perfect-Cups“ Version! Kreischende Frauen und kichernde Mädchen kommen danach voll auf ihre Kosten, wenn Mr. Wow nicht nur meisterhaft mit seinen Diabolos wirbelt, sondern dabei auch noch auf allercoolste und sexy Art und Weise seine Kleidung verliert. Zumindest teilweise. Überhaupt, wappnet euch, der Abend bietet sehr viele aufregende Hinguckermomente und Hautblitzer! Wer einen aufregenden und witzigen Mädelsabend plant – bitte schön!

Sammy Tavalis beweist Humor und großes musikalisches Können mit der kleinsten One Man Band der Welt, selbstgebaut und selbstgespielt. Bianca Capri, die einzige weibliche Artistin des Abends, schwebt danach scheinbar vollkommen schwerelos und mit anmutigen Lächeln an roten Vertikaltüchern hinauf bis unter die Decke des Sommerzelts, wozu die Band passenderweise „Gravity“ spielt. Die kreativ-witzige Truppe bekommt es sogar hin, aus Umbaupausen noch etwas Tolles zu machen, bevor Ihor Yakymenko wie eine Art Rockin‘ Jon Schnee am Chinesischen Mast das Publikum in Erstaunen versetzt. Semion Bazavlouk, Rostyslav Hubaydulin und Ihor Yakymenko formen zusammen Tridiculous, eine Tanz/Akrobatik Formation, die ich bereits bei der grandiosen Berlin Nights Show sehr bewundert habe. Bei All 4 One setzen sie noch einmal einen drauf, indem sie zeigen, dass sie nicht „nur“ diverse Tanzstile beherrschen und als Artisten glänzen können, sondern dass sie auch tolle Musik machen können. Es ist beinahe ein wenig unmenschlich und man schwankt zwischen schierer Bewunderung und etwas giftiger Eifersucht, wenn man ihnen zusieht, wie sie mühelos von Können zu Begabung zu Talent wechseln.

Nach der Pause gibt es mehr nackte Tatsachen. Der preisgekrönte Seiltänzer Lucas Bergandi wurde unter der Dusche von seinem Auftritt überrascht und tritt daher nur mit einem Handtuch bekleidet auf. Er muss sehr sorgfältig knoten, aber das hindert ihn nicht daran, auf dem Seil nicht nur zu laufen, sondern auch zu tanzen, zu springen und gar einen Salto zu machen! Sammy Tavalis, Herrscher über die selbstgebauten Mini-Instrumente, baut uns ein funktionierendes Kontrabass aus dem Inhalt einer Streichholzschachtel und Mr. Wow beweist, das auch er seinen Platz unter all diesen Multitalenten mehr als verdient hat, indem er an seinen inneren Jimi Hendrix appelliert. Semion von Tridiculous gibt dem Ausdruck „DJ am Plattenteller“ eine ganz neue Bedeutung, indem er mit den Platten einfach mal jongliert!

Insgesamt ein unheimlich abwechslungsreicher Variéteabend, der vor allem dadurch besticht, dass alle Künstler einzeln genauso glänzen wie sie es alles Gesamtkunstwerk tun. Sie sind alle ungemein vielseitig begabt und zeigen nicht nur ihr eigenes herausragendes Können, sondern interagieren auch fröhlich mit den anderen Auftretenden. Spannend, aufsehenerregend und vor allem auch sehr, sehr lustig! Wer noch nach einem tollen Veranstaltungstipp für einen lauen Sommerabend sucht, dem kann ich All 4 One sehr empfehlen. Noch bis zum 18. Juli! Spielplan und Karten bekommt ihr hier.

©Nicole Haarhoff

 

 

Bohéme Sauvage – Jubiläumsball – Gesellschaft für mondäne Unterhaltung – Wintergarten Variéte Berlin

Bereits das 11jährige Jubiläum beging Bohème Sauvage am Wochenende! Mit einer rauschenden Ballnacht feierte die Gesellschaft für mondäne Unterhaltung ihre sehr erfolgreiche Veranstaltungsreihe und sich selbst. Die Gastgeberin und Schirmherrin des Abends, Else Edelstahl, schwebte charmant und apart durch die Schar ihrer wunderbar und ausgefallen gekleideten Gäste. Pailettenbestickte Kleider glitzerten bei jeder Bewegung, Zylinder wurden galant gezogen, Zigarettenspitzen machten aus dem Glimmstengel ein vornehmes Accessoire der weltgewandten Dame.

Der Wintergarten ist ja sowieso immer ein wunderschöner Veranstaltungsort, aber als Kulisse für Bohème Sauvage präsentiert er sich einmal mehr von seiner allerbesten Seite. Im Foyer wurde aus dem Kassenräumchen ein Foto-Atelier. Die Damen zeigen ihre Perlenstränge und die eleganten Roben, um sich in Sepia ablichten zu lassen, die Herren strecken den Oberkörper heraus und schauen streng in die Kamera. An der Bar fließen die Cocktails und Longdrinks in Strömen, die reizenden Bardamen sind ebenfalls dem Anlass entsprechend gekleidet. Wer  sich an der Bar niederlässt, der kann die großen Auftritte der Gäste bestaunen, die auf den geschwungenen Treppen des Wintergartens natürlich besonders mondän vonstatten gehen. Wo sonst hat man als Frau noch die Gelegenheit, geziert der Rock anzuheben und dem Mann die Hand zu reichen, damit er einem ritterlich die Treppe hinab oder hinauf helfe?

Gute Manieren und galante Gesten kommen ganz automatisch mit der eleganten Kleidung. In der oberen Etage kann man sie dann aber auch gleich wieder über Bord werfen, wenn man möchte, bei Absinth und Glücksspiel kann man sich um Haus und Hemd bringen! Die Spieltische sind heiß umschwärmt, die Millionen Reichsmark, die man am Eingang zusammen mit seinen Billets und seiner Tanzkarte bekommt, wollen ja schließlich auch an den Mann gebracht werden.

Auf der großen Bühne des Wintergarten Varietés führt derweil Coco, der bekannte und beliebte Conférencier der Bohème Sauvage, durch das fulminante Bühnenprogramm. Wie immer beginnt der Abend mit einer kleinen Einführung in die Tänze des Abends. Während Swingin‘ Swanee auflegt, zeigen die Tänzerinnen und Tänzer der Swing Patrol Berlin die wichtigsten Schritte. Für den Schönheitstanz ist an diesem Abend Mdlle Parfait de la Neige zuständig. Die liebreizende Dame zeigt nicht nur viel Haut, sie beweist auch sehr viel Fantasie und Cleverness bei ihrer sehr speziellen und auch sehr witzigen Show!

Zur Feier des Jubiläums gibt es auch noch eine Überraschungsshow von „The Treatures“ und danach reißen Chloe et les Enfants Terribles mit ihrer grandiosen und mitreißenden Live-Musik beinahe den Wintergarten ab. Da steht kein Fuß still! Die eleganten Roben und die sexy Flapperkleidchen wollen bewegt werden. Wer im Getümmel seine Haarbänder oder Hosenträger verliert, die das 20er Jahre Outfit komplett machen, der kann sich im Bauchladen von Fräulein Mausweh Nachschub holen. Fräulein Edelstahl  hat mit dieser Veranstaltungsreihe eine ganz wunderbare Sache ins Leben gerufen, wie ich finde. Eine Nacht, in der man sich kopfüber in die extravagante und feinsinnige Welt der goldenen Zwanziger stürzen kann, bis hinein ins kleinste Detail liebevoll zum Leben erweckt. Man kann das schönste Kleid aus dem Kleiderschrank fischen oder man kann sich gar im Le Boudoir komplett von oben bis unten in Originalkleidung aus jener Zeit ausstaffieren. Der Laden von Tilda Knopf und Elsa Edelstahl in Friedrichshain hält alles bereit, was man für einen perfekten Abend braucht, von Kleider über Schuhe bis hin zum Haarschmuck.

Im Sommer wird auf der Spree zu einem eleganten Yachtausflug mit Twenties-Flair geladen, am 30. Juli + 27. August 2017, im Oktober gibt es dann wieder die Abendveranstaltungen, im Oktober im Meistersaal und im November im Heimathafen Neukölln! Großartig klingt auch der Silvesterball, der dann wieder im schönen Ambiente des Wintergarten Varietés stattfinden wird. Packt schon mal eure Federboas aus und legt die Perlen bereit!

© Nicole Haarhoff

 

Bilder: Heinrich von Schimmer

Like Berlin – Die Show zur Kampagne – Wintergarten Varieté Berlin

Ich habe mir gestern noch einmal die aktuelle Show Like Berlin im Wintergarten Varieté angeschaut! Eigentlich mache ich das ja nicht, mir etwas zweimal oder gar mehrmals anzuschauen, aber hier habe ich eine Ausnahme gemacht, weil sich einige der Künstler zwischenzeitlich geändert hatten. Philipp Tigris zum Beispiel, der uns gerade von so vielen Plakaten überall in der Stadt herunter, anblickt, aus einer nahezu unmöglich verdrehten Pose, war wegen anderen Verpflichtungen erst am 15. Mai dazugestoßen und ich wollte ihn unbedingt sehen!

Eigentlich hatte ich nicht geplant, erneut darüber schreiben, aber ich hatte beinahe das Gefühl, noch einmal eine ganz andere Show zu sehen, daher ein neuer Bericht von mir! Es stimmt eben doch, dass sich eine Show im Laufe der Aufführungen immer noch ein wenig verändert, vielleicht gar verbessert. Vor allem, wenn die Künstler auch wechseln und kontinuierlich gefeilt und gearbeitet wird. Like Berlin erschien mir straffer und pointierter als beim ersten Mal (5. März) und lief viel besser ineinander. Anissa Elakel und Nathalie Wecker beginnen den Abend mit dem Ende einer Berliner Clubnacht. Auf einem großen Bett zeigen sie Handstand der ganz besonderen Art. Girma Tsehai zeigt rasante Jonglage und neckisches Grinsen, Vinzenz Wagner performt eine aufsehenerregende Mischung aus Kontorsion, Breakdance und Tanz. Tarik Usman kann mit seinem Cyr Wheel beinahe fliegen und danach ist es endlich soweit: Philipp Tigris! Ich würde ja gern etwas über seine tolle und sehr sehenswerte Darbietung mit leuchtenden Hula Reifen erzählen, aber da waren Bauchmuskeln… und diese Tattoos… und im Wintergarten war es plötzlich recht warm und stickig…

Zurück zum Thema, über Girmas nackten Hütchentanz hatte ich ja bereits im letzten Bericht erzählt und die erste Hälfte beendet Bence mit seiner schwerelos schönen Performance am Luftring. Im zweiten Teil, eine meiner absoluten Lieblingsszenen dieser Show: Die fröhliche Marie Oldenbourg am Doppelschwungseil, lässig in durchlöcherten Jeans und unangestrengt sexy – für mich die Szene, die am meisten Berlin sagt! Tigris erobert noch einmal die Bühne und sicherlich einige Herzen, mit charmantem Lächeln, sexy Tattoos und einem Körper, den er unmenschlich weit verbiegen kann. Manchmal kann man kaum hinschauen, so krass wirken die Körperverrenkungen, zu denen dieser Mann fähig ist, auf das Auge. Guillaume Karpowicz hat mich bereits bei meinem letzten Besuch nachhaltig beeindruckt mit seiner sehr außergewöhnlichen Show mit einem Diabolo, das dahintickt wie die Zeit! Die Show wird mit großem Staunen beendet, Artistik am Chinesischen Mast ist immer unheimlich beeindruckend, aber Tarik und Girma bringen hier wirkungsvoll Können, Schnelligkeit und Humor in Einklang. Ein schönes Ende für eine insgesamt tolle Show!

Like Berlin kann man noch bis zum 11. Juni im wunderschönen Wintergarten Varieté erleben! Danach startet die neue Show: Sayonara Tokyo, einer Varieté Revue mit dem Thema Japan, auf die ich schon unheimlich gespannt bin! Karten, Infos etc., hier.

 

StageDiven – All Female Comedy Mix Show – ufa Fabrik

Ich habe zum ersten Mal die StageDiven Show in der ufa Fabrik besucht! Obwohl ich schon öfter von der Show gehört hatte, hab ich es bisher irgendwie nie geschafft, mal vorbei zu schauen und werde das jetzt auf jeden Fall ändern, vor allem wegen der sehr sympathischen, quirligen Moderatorin: Playmobilfrisur Bartuschka!

Die Comedienne und Pantomimin hat die Show ins Leben gerufen und moderiert nun bereits seit 2004 die All Female-Abende. Sie brilliert vor allem beim herzlichen und schlagfertig-witzigen Zusammenspiel mit dem Publikum. Vor allem die Männer müssen sich sehr in Acht nehmen, wenn sie publikumsscheu sind, sollten sie sich vielleicht nicht in die 1. Reihe setzen! Bartuschka stellt auf jeden Fall witzig und spritzig, mit tagesaktuellen Spitzen, die Künstlerinnen des Abends vor, die aus allen Ecken und Enden der Welt, bzw aus allen Ecken und Enden der Kleinkunst auf die ufa-Bühne geeilt sind.

Den Anfang macht Sari, ich bin mir sicher, sie schon einmal irgendwo gesehen zu haben, bloß wo? Sie kommt auf jeden Fall als schüchterne Dutt-Trägerin mit dicker Brille auf die Bühne und hula-hoopt sich dann bis auf ein Supergirl-Kostüm hinunter! Sehr sehenswert.

Dann wirbelt Gerlinde Hellwein (Franziska Traub) über die Bühne, die schwäbische Frohnatur kiekst über Männer vs. Frauen und lädt einen Herren aus dem Publikum zum Putzlappen-Workshop auf die Bühne. Später gibt sie noch eine überraschend gute Kuhglockenversion von „Freude schöner Götterfunken“ zum Besten!

Estrella ist eine geradezu ätherisch schlanke Erscheinung, die makellos schöne Handbalance zeigt und ihren Körper beinahe unheimlich weit verbiegen kann.

Extra aus New York eingeflogen und zur Zeit für ihre aufsehenerregenden Performances heiß diskutiert: Narcissister! Die junge Frau trägt immer eine Maske, niemand kennt ihr Gesicht. Sie zeigt Burlesque andersherum, könnte man sagen, denn sie beginnt ihre Performance nackt, nur mit einer gigantischen Afrofrisur und einem Höschen bekleidet und ist zum Schluß überraschend vollständig gekleidet.

Bridge Markland, vielen Berlinern längst durch diverse Auftritte an der unterschiedlichsten Orten zu den verschiedensten Anlässen bekannt, gibt sich ebenfalls die Ehre. Zuletzt hatte ich sie im Ballhaus beim Kabarett der Namenlosen gesehen, bei den StageDiven verwandelte sich die schönste Frau der Welt zum coolsten Gentleman der Welt!

Jessie Rose aus England hat Glowing Hoops im Gepäck, bei ihr wirbeln bunte Farbspiele und wie brennend erscheinende Hula Hoops durch die Luft, ein sehr schöner Anblick!

Insgesamt ein sehr schöner und abwechslungsreicher Abend. Einen ausschließlich weiblichen Abend zu gestalten, finde ich eine wunderbare Idee und ich werde ab jetzt auf jeden Fall öfter dabei sein. Ein Besuch in der ufa-Fabrik lohnt sich sowieso immer, hier könnt ihr einen Blick in der Spielplan werfen. Die StageDiven spielen in einer ähnlichen Formation (Narcisster war nur für einen einzigen Gastauftritt in Deutschland) noch am 13., 14. und 15. April!

 

©Nicole Haarhoff