On the Road – Absolventenshow – Staatliche Artistenschule Berlin – Wintergarten Varieté Berlin

Facebook erinnerte mich gestern freundlicherweise daran: auf den Tag genau vor einem Jahr war ich auch bei der Absolventenshow, genau wie im Jahr davor auch. Die Show ist immer wieder ein Garant für grandiose Artistik, für frische Gesichter und neufunkelnde Ideen. Man kann sich ziemlich sicher sein, auf der Wintergartenbühne die Showstars von morgen zu sehen, die man bald in wunderbaren, aufregenden Produktionen in ganz Deutschland oder auf der ganzen Welt sehen werden wird. Warum also nicht ganz am Anfang dabei sein und die ersten Schritte in die große Bühnenwelt beobachten, damit man später damit angeben kann.

In diesem Jahr hat Tobias Fiedler aus Hamburg (Circus Mignon, Roncalli, Palazzo…) die Regie der Show übernommen und hat die Absolventen und Absolventinnen der Staatlichen Artistenschule Berlin sowohl einzeln als auch gemeinsam als Ganzes prächtig in Szene gesetzt.  Wichtig ist dabei das „On the Road“, denn das Schild wird für jeden Performer gewechselt und der Straßenname passt sich dann dem Namen des oder der Auftretenden an. Eine witzige Idee und geschickte Überleitung.

Wie immer waren alle jungen Künstler ausnehmend gut, Florian (Florian Maertz) jongliert trotz Handschellen, mit denen er an eine Autotür gefesselt ist. Lukas (Lukas Köster)  jongliert auch, allerdings springen die Bälle dabei in rasanter Geschwindigkeit von den schrägen Ebenen zweier Dreiecke ab. Carina & Leonid (Carina Guillermo, Leonid Bethäuser) zeigen sehr schöne und reibungslose Hand-auf-Hand Artistik, aber später, am Trapez, entfaltet sich erst die volle Bandbreite ihres Könnens und sie erzeugen Staunen und Begeisterung im Publikum. Carina ist absolut furchtlos und lächelt immer gleichbleibend charmant, wenn sie wie eine Feder durch die Luft fliegt. Sehr schön anzusehen!

Miriam (Miriam van der Neut) nutzt mit dem Vertical Dancing Net ein artistisches Werkzeug, das man nicht allzu häufig sieht. Vielleicht, weil es für das Laienauge ein klein wenig abrupter wirkt als zum Beispiel Artistik am Tuch oder mit den Strapaten. Aber dafür ist natürlich ganz anderes Spiel damit möglich.

Jule (Jule Schuster) war umwerfend. Sie ist der Punk in der Runde und fällt mit ihren Klamotten und ihrem Gebaren ein wenig aus dem ansonsten sehr perfekten Rahmen, was sie in meinen Augen natürlich sofort besonders sympathisch macht. Aber sie zeigt auch beeindruckend Rasantes auf dem Slack Wire, unheimlich geschickt und sehr kraftvoll für so eine zierliche junge Frau!

Dana & Kyra (Dana Schulte-Siepmann und Kyra Reinert) zeigen eine fröhliche Mädelsfreundschaft und Rivalität, indem sie spielerisch um den besten Platz schubsend, abwechselnd meterhoch in die Luft federn und dort gekonnt Salti drehen. Es macht richtig Spaß, ihnen zuzusehen, wie sie das augenscheinlich so lockerleicht und problemlos meistern. Das Schleuderbrett sieht man auch nicht allzu häufig auf der Bühne, vielleicht ändert sich das jetzt ja!

Überaus elegant und elfenzart präsentiert sich Julia (Julia Grote) am Luftring, während Nicole (Nicole Ster) mit Handstand-Equilibristik verzaubert. Sie hat eine tolle Darbietung mit spritziger 20er Jahre Ästhetik zusammengestellt, die sie mit viel Witz und Charme und noch mehr Können meistert. Sie ist für mich auf jeden Fall eine der Kandidatinnen, von denen ich glaube, das eine große Karriere vor ihr liegt. Sie hat auf jeden Fall die unvergessliche Persönlichkeit.

Tim (Tim Kriegler) beendet den Abend mit seiner Darbietung an den Strapaten und legt eine der beeindruckensten Szenen des Abends hin, was gar nicht so leicht ist, wenn man bedenkt das alle Beteiligten ausnahmslos sehr gut sind. Aber die Strapaten sind auch einfach immer wunderschön, elegant, schwerelos und doch so kraftvoll. Darbietungen an den Strapaten sehe ich einfach immer wieder gerne. Und Tim beherrscht sie virtuos. Als Laie (unsportlicher Laie) kann man es kaum glauben, wenn man mal sieht, wozu der menschliche Körper mit viel harter Arbeit und Hingabe eigentlich fähig ist.

Die Absolventshow ist jedes Jahr wieder einen Besuch wert. Wer die Showstars von morgen schon heute sehen möchte, der sollte die Show 2018 nicht verpassen, wenn ihr nicht gar heute Abend noch zur Abendkasse eilen mögt. Ansonsten ist außer der aktuellen Show Sayonara Tokyo am 2. Oktober wieder ein Abend für besondere Artistik unter dem Sternenhimmel des Wintergarten Varieté: der Pabst bittet zur Audienz! Karten und Infos hier.

©Nicole Haarhoff

 

 

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Jack Woodhead – Most Wanted – On the Run (in Heels) – Wintergarten Varieté Berlin

Jack Woodhead ist allen Wintergarten-Fans gut bekannt – er war gemeinsam mit Contorsion-Star David Pereira der Gastgeber diverser Spotlights und außerdem die Schlüsselfigur in meiner All Time Favorite Show Der helle Wahnsinn. Ich mochte seine unvergleichliche, herzliche, überlebensgroße Art und Weise sofort, seine hautengen Kostüme und seine meterhohen High Heels, auf denen er besser läuft und tanzt als ich auf ihnen gehen könnte. Er ist eine schillernde, fröhliche Gallionsfigur für den Wintergarten und ein Allround-Talent als Moderator, singend oder am Piano! Wenn er selbstironisch und mit großen Gesten von seiner Jugend in Manchester erzählt,  wo er als bunter Paradiesvogel hervorstach, dann fliegen ihm alle Herzen zu. Daher war ich natürlich gestern Abend bei seiner Show Most WantedOn the Run (in Heels), bei der er viele Stars und Sternchen der Varietészene zu sich auf die Bühne bat.

Die Liste der teilnehmenden Künstler versprach viel und viel wurde auch geboten! Eine Neuentdeckung war für mich Jeß Gadani, die gemeinsam mit dem Gastgeber die Show Fish & Whips, eine Cabaret und Varieté Reihe im Comedyclub Kookaburra, ins Leben gerufen hat. Sie ist ein echtes Stimmwunder und wahnsinnig lustig, sie bot eine unglaubliche Bandbreite von Songs, die zeigten, was für eine unheimlich vielfältige Sängerin sie wirklich ist! Ich habe mit ihren Namen gleich rot unterstrichen und werde bei der nächsten Gelegenheit in den Comedyclub gehen, die Show verspricht sehr, sehr gut zu sein!

Ansonsten habe ich mich gefreut, einige bekannte Gesichter wiederzusehen, allen voran die von mir sehr bewunderte Sarah Bowden, die zur Zeit die Esmeralda in Der Glöckner von Notre Dame im Theater des Westens gibt. Zeitgleich plant sie gemeinsam mit Ashia Bison Rouge eine ganz eigene Show und hat uns gestern eine kleine Sneak Peak erlaubt. Auch Ashia ist kein unbeschriebenes Blatt, ich durfte sie schon mehrmals im Wintergarten erleben und ihr Stimme und ihr Cellospiel sind einmalig und einzigartig, wer sie einmal gehört hat, vergisst sie nicht so leicht. Gemeinsam ergeben Ashias Spiel und Sarahs Tanz eine einnehmende Symbiose. Sehr sehens- und hörenswert, ich bin schon sehr neugierig auf diese Show!

Anna & Saleh, die beiden jungen Artisten des Abends, habe ich bereits im letzten Jahr, bei der Absolventenshow der Staatlichen Artistenschule Berlin, gesehen. Die beiden harmonieren ganz wunderbar, aber besonders schön war der Auftritt von Anna am doppelten Trapez. Kraftvoll und gleichzeitig verletzlich schön, eine beeindruckende Vorstellung, die im Gedächtnis bleibt.

Ebenfalls bei einer Absolventenshow zum ersten Mal gesehen, allerdings schon 2015: Donial Kalex, der musikalisch und mit Jonglage brilliert. Gemeinsam mit Nicole Ratjen ist er auch Bestandteil der Comedyeinlagen, die den Abend ganz speziell machen. Nicole Ratjen ist an diesem Abend das Nummerngirl und der Augenschmaus, rezitiert aber auch ganz wunderbar … ihren Einkaufszettel!

Insgesamt ein wunderbarer Abend im schönen Wintergarten Varieté Berlin. Host Jack Woodhead verzaubert wieder einmal in gewohnt spektakulärer Art und Weise und beweist ein sicheres Händchen bei der Auswahl seiner Bühnenpartner. Die Spotlight Shows sind grundsätzlich immer einen Besuch wert und die momentane Show Sayonara Tokyo natürlich auch! Ein Blick in das Showprogramm lohnt sich, zum Beispiel um die nächste Absolventenshow nicht zu verpassen, wie man an meinem Text sieht, sieht man da die Stars von morgen am Beginn ihrer Showkarriere!

©Nicole Haarhoff
 

Potsdamer Schlössernacht 2017 – Das Staunen kehrt zurück – Schloss Sanssouci und Schlossgärten in Potsdam

Glück gehabt! Nachdem das Eröffnungskonzert mit Daniel Hope vor dem Neuen Palais am Freitagabend buchstäblich ins Wasser fiel, war uns der Wettergott am Samstag gnädiger gestimmt. Statt Blitz, Donner und Starkregen, der uns beinahe von unseren Stühlen schwemmte, gab es am Samstag dann schönstes Sommersonnenwetter! Ich muss wirklich sagen, Hut ab vor dem Publikum, am Freitagabend blieb der Großteil tapfer sitzen bis die letzten Töne verklungen und das Großfeuerwerk bunt über uns explodiert war.

Zur Belohnung für so viel Standhaftigkeit strahlte dann am Samstag die Sonne besonders schön für uns. Ich war zum allerersten Mal bei der Schlössernacht in Potsdam, ich kann also leider keine Vergleiche zu den Vorjahren anstellen. Ich kann euch nur berichten, wie es mir dieses Mal gefallen hat und das war ganz wunderbar! Der Park ist einfach wunderschön, makellos gepflegt und allein für sich schon eine Augenweide, aber die neuen Veranstalter, die 2017 angetreten sind, um das Staunen wieder zurückzubringen, die haben wirklich eine tolle Veranstaltung auf die Beine gestellt. Gleich zu Beginn begeistert die Compagnie des Quidams mit ihren gigantischen weißen Pferden, die auf der weltberühmten Weintreppe vor dem Schloß Sanssouci tanzen. Eine poetisch-schöne und märchenhafte Vorstellung, wie gemacht für den beeindruckenden Hintergrund.

 

 

Danach besichtigen wir staunend die Bildergalerie, ehe wir eine Fee in einer riesigen Kugel über das Wasser der Fontäne unterhalb der Bildergalerie tanzen sehen, eine zauberhafte Idee, wie ich finde. Dadurch, dass alle Aufführungen zu verschiedenen Zeiten erneut gezeigt werden, stehen nicht alle Besucher gleichzeitig an einer Stelle an und durch die gezielte Verteilung ist es auch möglich, dass man sich einen ganz persönlichen Laufplan erstellt, nach dem man dann alle Punkte rechtzeitig ansteuert. Es lohnt sich wegen der schieren Masse an Angeboten wirklich, sich schon vorher einmal hinzusetzen und sich seine Gedanken zu machen, was man sehen möchte, damit man kein Highlight verpasst, auf der Webseite der Potsdamer Schlössernacht gab es im Vorfeld alle Infos und auch Pläne zum downloaden. Dabei sollte man auch die Entfernungen einrechnen, denn allein die Hauptstraße, die bis zum Neuen Palais führt, ist zwei Kilometer lang! Mein Tipp: die persönlichen Must-Sees auswählen und alles, was man dann noch schafft ist ein Bonus. So ist man auch hinterher nicht enttäuscht.

 

 

Für mich war ein weiteres Highlight das menschliche Mobile: Transe Express, eine Musiker/Artistentruppe aus Frankreich wurde mithilfe eines gigantischen Krans meterhoch über die Köpfe des staunenden Publikums getragen, immernoch fröhlich trommelnd. Eine unglaublicher Anblick! Auf den Wandelwegen zwischen den einzelnen Attraktionen begegnen uns wunderbar gekleidete Flaneure in großen Roben oder fantasievollen Kostümen. Über die Wiesen ist aus allen Richtungen Musik zu hören, wir lauschen dem Perner Carillon, auf der kleinen Bühne am Holzplatz unterhält uns Aydar Gaynullin mit seinem Akkordeon und Oli Bott am Vibrafon. Die römischen Bäder sind zur Feier des Tages geöffnet und werden eifrig fotografiert, im malerischen Innenhof ertönt Spaghetti Swing. Eigentlich möchte man sich überall in Ruhe niederlassen und lauschen, aber es gibt noch so viel zu sehen und zu erleben, daher fliegen wir an der Lasershow am Maschinenteich vorbei und steuern das Schloss Charlottenhof an, um uns von Simonetta Ginelli an der Harfe verzaubern zu lassen. Langsam wird es dunkel und im Park Sanssouci erstrahlen die Lichter. Ein zauberhafter Anblick!

 

 

Am Freundschaftstempel unterbricht Martin Klenk sein Cello-Spiel, um für einen ganz besonderen Herren Platz zu machen: Kammerherr Karl Ludwig von Pöllnitz gibt sich die Ehre. Er war seines Zeichens Oberzeremonienmeister am Hofe Friedrichs des Großen und kannte alle und jeden. Jedes noch so kleine Geheimnis, jedes Gerücht, jeder herzhafte Skandal – Herr von Pöllnitz wusste Bescheid. Und er plaudert nur allzu gerne vor seinen gespannt lauschenden Zuhörern aus dem Nähkästchen.

Nach unserem Ausflug in die Gerüchteküche haben wir nun tatsächlich Hunger und wir schlagen einen Bogen zur Genießermeile. Die farbenfrohen Streedfoodtrucks sind von der Ketering GmbH, das gleiche Unternehmen, das auch den malerischen Streedfood Market in der Kulturbrauerei organisiert. Dementsprechend kann man sich hier kulinarisch einmal um die Welt transportieren lassen, von Burgern über Empanadas, Trüffelgnocci, duftendem Käseraclette bis hin zu indonesischen Pancakes gibt es hier wirklich alles. Und alles frisch und liebevoll zubereitet. Dazu Erdbeerbowle oder einen schönen eiskalten Hugo – perfekt! Wer es lieber traditionell mag, der bekommt natürlich auch eine zünftige Bratwurst und ein kaltes Bier!

Alles in allem hatte ich einen wunderbaren Nachmittag und Abend bei der Potsdamer Schlössernacht und dabei habe ich nicht einmal die Hälfte von dem gesehen, was geboten war. Im Endeffekt kann jeder selbst entscheiden, ob man bis zum bombastischen Abschlussfeuerwerk um Mitternacht durch die Gegend powert und möglichst alles sieht oder ob man lieber langsamer flaniert und ausführlich genießt. Im nächsten Jahr bin ich auf jeden Fall gerne wieder dabei und nehme mir dann mehr Zeit, auch die verschiedenen Führungen zu sehen. Mein Tipp: vorher die Route zumindest in etwa planen, bequeme Schuhe sind ein Muss, Mückenspray und Regencape nicht vergessen, Decke einpacken (echte Kenner haben gar einen kleinen Campingstuhl dabei). Powerbank nicht vergessen! Die nächste Schlössernacht befindet sich schon in der Planung und steigt am 18. August 2018! Gleich rot im Kalender anstreichen!

©Nicole Haarhoff

 

Ashton Brothers – Enfants Terribles – Wühlmäuse

Wart ihr schon mal ziemlich heftig angeheitert? Und mit einer Gruppe eurer Freunde unterwegs, die ebenfalls heftig angeheitert waren? Und haben einige von euch vielleicht (teilweise) ihre Klamotten unterwegs verloren? Und ihr habt euch kaputtgelacht? Und habt Dinge gemacht, die euch verwegen und abenteuerlich vorkamen, die bei Licht betrachtet dann aber doch vor allem ziemlich gefährlich waren? Und ihr habt gelacht und gelacht…

Ja? Na, dann hättet ihr mal dabei bleiben sollen, denn dann wärt ihr jetzt vielleicht einer der Ashton Brothers.

Die Jungs aus den Niederlanden sind Artisten und Clowns und Zauberer und Musiker und Sänger und überhaupt. Und sie haben mit ihrem fünften Programm Enfants Terrible ein schräges, witziges, wildes und ungewöhnliches Stück Zirkuscomedy mit Anspruch und Klamauk auf die Beine gestellt, wie ich es sonst so noch nie erlebt habe. Es gibt böse Clowns, tanzende Skelette und waghalsige Artistik, alles in fliegendem Wechsel und beinahe komplett ohne Worte. Man ist als Zuschauer ganz atemlos vor Staunen und Lachen. Und wenn die Gags manchmal am Albernen kratzen, dann wird man in nächstem Moment mit beeindruckender Artistik wieder ernstlich geblendet. Was chaotisch anmuten mag, ist eben doch vor allem eins: schieres Können.

Die Ashton Brothers sind noch bis Sonntag, den 13. August in Berlin, schaut in den Wühlmäusen vorbei, ich kann euch die Truppe nur empfehlen, ich hab mich kaputtgelacht! Auch sonst lohnt sich natürlich immer ein Blick in den Spielplan. Mehr zu den Ashton Brothers findet ihr hier und hier.

©Nicole Haarhoff

Like Berlin – Die Show zur Kampagne – Wintergarten Varieté Berlin

Ich habe mir gestern noch einmal die aktuelle Show Like Berlin im Wintergarten Varieté angeschaut! Eigentlich mache ich das ja nicht, mir etwas zweimal oder gar mehrmals anzuschauen, aber hier habe ich eine Ausnahme gemacht, weil sich einige der Künstler zwischenzeitlich geändert hatten. Philipp Tigris zum Beispiel, der uns gerade von so vielen Plakaten überall in der Stadt herunter, anblickt, aus einer nahezu unmöglich verdrehten Pose, war wegen anderen Verpflichtungen erst am 15. Mai dazugestoßen und ich wollte ihn unbedingt sehen!

Eigentlich hatte ich nicht geplant, erneut darüber schreiben, aber ich hatte beinahe das Gefühl, noch einmal eine ganz andere Show zu sehen, daher ein neuer Bericht von mir! Es stimmt eben doch, dass sich eine Show im Laufe der Aufführungen immer noch ein wenig verändert, vielleicht gar verbessert. Vor allem, wenn die Künstler auch wechseln und kontinuierlich gefeilt und gearbeitet wird. Like Berlin erschien mir straffer und pointierter als beim ersten Mal (5. März) und lief viel besser ineinander. Anissa Elakel und Nathalie Wecker beginnen den Abend mit dem Ende einer Berliner Clubnacht. Auf einem großen Bett zeigen sie Handstand der ganz besonderen Art. Girma Tsehai zeigt rasante Jonglage und neckisches Grinsen, Vinzenz Wagner performt eine aufsehenerregende Mischung aus Kontorsion, Breakdance und Tanz. Tarik Usman kann mit seinem Cyr Wheel beinahe fliegen und danach ist es endlich soweit: Philipp Tigris! Ich würde ja gern etwas über seine tolle und sehr sehenswerte Darbietung mit leuchtenden Hula Reifen erzählen, aber da waren Bauchmuskeln… und diese Tattoos… und im Wintergarten war es plötzlich recht warm und stickig…

Zurück zum Thema, über Girmas nackten Hütchentanz hatte ich ja bereits im letzten Bericht erzählt und die erste Hälfte beendet Bence mit seiner schwerelos schönen Performance am Luftring. Im zweiten Teil, eine meiner absoluten Lieblingsszenen dieser Show: Die fröhliche Marie Oldenbourg am Doppelschwungseil, lässig in durchlöcherten Jeans und unangestrengt sexy – für mich die Szene, die am meisten Berlin sagt! Tigris erobert noch einmal die Bühne und sicherlich einige Herzen, mit charmantem Lächeln, sexy Tattoos und einem Körper, den er unmenschlich weit verbiegen kann. Manchmal kann man kaum hinschauen, so krass wirken die Körperverrenkungen, zu denen dieser Mann fähig ist, auf das Auge. Guillaume Karpowicz hat mich bereits bei meinem letzten Besuch nachhaltig beeindruckt mit seiner sehr außergewöhnlichen Show mit einem Diabolo, das dahintickt wie die Zeit! Die Show wird mit großem Staunen beendet, Artistik am Chinesischen Mast ist immer unheimlich beeindruckend, aber Tarik und Girma bringen hier wirkungsvoll Können, Schnelligkeit und Humor in Einklang. Ein schönes Ende für eine insgesamt tolle Show!

Like Berlin kann man noch bis zum 11. Juni im wunderschönen Wintergarten Varieté erleben! Danach startet die neue Show: Sayonara Tokyo, einer Varieté Revue mit dem Thema Japan, auf die ich schon unheimlich gespannt bin! Karten, Infos etc., hier.

 

Like Berlin – Die Show, Wintergarten Varieté Berlin

Vor einer Weile hingen sie überall – die B-förmigen Plakate der „Like Berlin“ Kampagne. Fünf Fragen stehen darauf und sie sollen das zeigen, was so häufig in Artikeln, Blogs, Reiseführern und an Stammtischen in Bayern erörtert werden will – was macht eigentlich Berlin aus: Was sind Berlins drei Grundwerte? Was dürfen Berliner niemals tun? Was gehört in Berlin zum guten Ton? Woher weißt du, dass du Berliner bist? Ab wann bist du Berliner?

Die Fragen sollten von Berlinern beantwortet werden, nicht von einem Autoren von oben herab als Meinung beschlossen sein. Und die Berliner antworteten. Kurz angebunden, rotzig, witzig, individuell – genau wie Berlin eben. Und aus all diesen Antworten und aus vielen Gesprächsrunden entstand dann das Buch „Der Berlin Code“, eine unheimlich lesenswerte und sehr ehrliche Liebeserklärung an Berlin und die Berliner. Ich habe Tränen gelacht! Manche der Antworten auf den Plakaten sind einfach zu köstlich! Und wahnsinnig kreativ.

Und nun gibt es, wo sonst als im Wintergarten Varieté, der Wiege der Kreativität, die Show zur Kampagne! Mit vielen Künstlern versucht man, auf der Bühne dem Geist und der Seele Berlins nachzuspüren, der exzessiv ausgelebten Rotzigkeit und der gern zur Schau getragenen „Is mir egal“-Einstellung. Und mit genau dieser Einstellung habe ich zu Beginn der Show zu kämpfen – außer der grandiosen Stimme von Ena Wild haut mich bis zum letzten Act vor der Pause (Bence am Luftring – großartig!!) nichts so richtig aus den Socken. Im Gegenteil, bei Ostalgie mitsamt Russen-Wodka-Klischees muss ich sehr berlinerisch mit den Augen rollen. Aber die 2. Hälfte der Show entschädigt mich für alles, gleich die erste Szene, in der Marie Oldenbourg in engen Jeans mit großen Löchern an den Knien eine grandiose Luftshow an Doppelseilen bietet, da denke ich zum ersten Mal, das ist Berlin! Und dann der immer wieder tolle Florian Zumkehr mit seiner Handstand Artistik, der schon in meiner Lieblingsshow „Der helle Wahnsinn“ so großartig war!  Dann ändert Guillaume Karpowicz  mit einer wirklichen außergewöhnlichen Diabolo-Performance meine von Angst geprägte Meinung über dieses Spielgerät.

Alle Künstler kommen für eine Performance auf dem riesigen B zusammen, dass die einzige Bühnendeko und gleichzeitig auch die namengebende Kampagne darstellt. Tarik Usman und Girma Tsehai, der im ersten Teil vor allem mit zwei witzigen Einlagen, einmal mit Bällen und einmal mit Nackt-Jonglage  auf sich aufmerksam machte, glänzen mit blitzschneller Artistik am Chinesischen Mast. Jakob Vonau und Nathalie Wecker zeigen berührende Hand auf Hand Artistik und am Ende bin ich versöhnt mit der Show „Like Berlin“. Die große Vielfalt von Berlin, die Individualität und die Freude an allem Neuen und Anderem wird auf jeden Fall zelebriert! Und Klischees gehören eben auch irgendwie dazu.

Das Wintergarten Varieté bietet passend zur neuen Show eine Speisekarte mit Gourmet-Döner und Senfeiern mit Kartoffelstampf an, man kann also ganz stilecht schmausen und Berlins Seele erkunden. Noch bis zum 11. Juni 2017! Weitere Infos und Tickets gibt es hier.

Vorfreude! Der Zirkus kommt! Roncalli Weihnachtscircus im Tempodrom- 16.12. bis 02.01.2017

Bald ist es wieder soweit! Ein Datum, das ich mir ganz fett im Kalender angestrichen habe, ist der 17.12.2016, denn da ist die große Premiere des neuen Roncalli Weihnachtscircus Programms im Tempodrom. Zum 13. Mal gastiert der Circus bereits zur Weihnachtszeit im Tempodrom und außerdem wird in diesem Jahr noch ein weiteres großes Jubiläum gefeiert: der Circus Roncalli begeht seinen 40. Geburtstag!

1976 hatte das allererste Programm „Die größte Poesie des Universums“ Weltpremiere. Art Director Bernhard Paul hatte zuvor seinen gutbezahlten Job bei einem Wiener Nachrichtenmagazin gekündigt und sich daran gemacht, seinen Kindheitstraum vom schönsten Circus der Welt wahr zu machen. Gemeinsam mit André Heller stellt er das Programm auf die Beine und liefert acht Wochen lang auf dem „Bonner Sommer“ eine viel beachtete Show ab, danach ist aber leider erstmal wieder Schluss für den Circus. Mit Clownauftritten hält sich Paul über Wasser, ehe er 1980 mit dem Programm „Die Reise zum Regenbogen“ auf dem Kölner Neumarkt so richtig durchstartet.

Die größten Größen der Circuswelt geben sich die Ehre. Ein Highlight jagt das nächste. Heinz Rühmann singt 1984 das Lied vom Clown in der Manege von Roncalli. Das erste Buch über Roncalli erscheint. Das Fernsehen klopft an. Der Circus kann sich vor Zuschauern kaum noch retten.

Mittlerweile gibt es kaum jemanden, der den Circus Roncalli nicht zumindest dem Namen nach kennt. Unzählige Menschen (ich zum Beispiel) freuen sich das ganze Jahr über auf die Rückkehr der Circuswagen zur Weihnachtszeit. Ich war vor einigen Jahren zum ersten Mal im Weihnachtscircus und dort wurde der Grundstein für meine Liebe zum Varieté gelegt. Vorher hatte ich Circus immer mit etwas Albernem, Kindischem verbunden, aber dort wurde ich eines Besseren belehrt. Ich werde nie vergessen, wie nachhaltig beeindruckt ich war und wie begeistert. Magie, Zauber, Nostalgie – im Roncalli Weihnachtscircus erlebt man das alles. Man kommt aus dem Staunen gar nicht mehr heraus und in jedem neuen Programm gibt es auch für den eingefleischtesten Fan von Akrobatik etwas Neues und Nie-Dagewesenes zu bestaunen.

Der Roncalli Circus setzt Maßstäbe. Und auch in diesem Jahr wird er wieder Kindheitserinnerungen wachrufen, Glanzlichter in Augen zaubern und staunende Münder formen.

Weitere Informationen und Tickets gibt es hier.

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