Break the Tango – Tango meets Streetdance – German Cornejo – Admiralspalast Berlin

German Cornejo ist ein Ausnahmetalent. Er tanzt seit seinem zehnten Lebensjahr Tango, wurde mit fünfzehn zum Master of Tango deklariert und hat seither jeden renommierten Preis gewonnen, den die Tangowelt zu vergeben hat. Er tanzte in unzähligen Fernsehshows, choreografiert, coacht und lehrt mittlerweile selbst und ist als einer der weltweit besten Tangolehrer, mit vielen Schülern die längst ebenfalls berühmt sind. Seit 2011 tanzt er mit Gisela Galeassi, die ihrerseits eine Weltklassetänzerin ist, mit unzähligen gewonnen Preisen und Titeln.

Für seine eigene Show Break the Tango nun hatte German die Idee, Tango und Streetdance zu vereinen. Zu diesem Zweck hat er die Crème de la Crème der Tanzwelt zusammengeholt. Eine B-Boy Crew der Extraklasse, herausragende Tangotänzer und dazu eine großartige Liveband. Es fällt mir wirklich schwer, nicht mit lauter Superlativen um mich zu werfen, aber die Show ist einfach gigantisch. Ich fand die Idee dahinter, Tango und Streetdance, erst einmal ein wenig befremdlich, wusste nicht recht etwas damit anzufangen, bin aber im nachhinein vollends überzeugt worden.

Es beginnt mit einem Paar das ganz klassisch Tango tanzt, rassig, feurig, leidenschaftlich, ganz wie man sich das vorstellt. Aber plötzlich werden sie von einer Gruppe fröhlich-pöbelnden B-Boys unterbrochen. Herablassend und ein wenig amüsiert schauen die Jungs auf die klassischen Tänzer herab. Und ebenso hochmütig schaut das Paar zurück auf die Streetwear tragenden Rowdys. Machomäßig umkreist man sich, gibt ein wenig an, wirft sich in Pose. Wann immer einer der Tangotänzer etwas zeigt, versucht einer der Breakdancer ihn zu übertreffen. Aber nach und nach, Stück für Stück und Tanzschritt für Tanzschritt wird aus einem Gegeneinander ein Miteinander. Wird aus Herablassung Bewunderung für das jeweilige Können. Und am Ende findet man gar Gemeinsamkeiten bei einer Milonga der besonderen Art.

Um diese Annährung zu schaffen, muss natürlich der Tango etwas angepasst werden. Die Paare tanzen unheimlich schnell, die Tanzfiguren sind sehr sportlich, beinahe schon akrobatisch. Manchmal bekommt man richtig Angst um die zarten Tänzerinnen, wenn sie zackig in die Luft gewirbelt werden und Millimeter über dem Boden wieder aufgefangen werden. Langsame Lieder kommen allerdings ebenfalls zum tragen, auch die Breakdance Crew zeigt ihre Vielseitigkeit mit langsameren und sanfteren Bewegungen. Eines der absoluten Highlights des Abends ist dann ein eleganter, kraftvoller Tangotanz – in der Luft! (Edgar & Pamela) Oder ist vielleicht doch der Tanz des Hauptpaares German & Gisela das Beste? Oder wenn Gisela Lepio ihre Version von Halo singt und mir den Song damit wieder näherbringt? Schwer zu sagen. Der Abend ist einfach komplett großartig. Die Tänzer sind schlichtweg atemberaubend und auch die Livemusik ist großartig, würde die Band ein Konzert in Berlin geben, dann würde ich auf jeden Fall in der ersten Reihe stehen!

TänzerInnen: Nicolas Schell, Noelia Pizzo, Ezequiel Lopez, Camila Alegre, Edgar Luizaga, Pamela Pucheta, Mariano Pardo, Micaela Spina, Jose Fernandez, Martina Waldmann

Breakdancer: „Bboy Prince Henry“ Henry Monsanto, „Bboy Jonathan“ Jonathan Anzalone, „Bboy Hill“ Gil Adan Hernandez Candelas, „Bboy Issue“ Kwangsuk Park,
„Bboy Cho“ Joo Hyosung

Band: Gisela Lepio, Ovidio Velazquez, Luciano Bassi, Clemente Carrascal, Jerónimo Izarrualde

Break the Tango ist eine Tanzshow der Extraklasse, die den Tango Argentino sowohl ehrt als auch in eine neue Zeit bringt und ihm ein ganz neues Leben einhaucht! Wer Tanz liebt, der darf diese Show nicht verpassen! Nur noch bis zum 24. September im Admiralspalast Berlin.

©Nicole Haarhoff, Bilder: @René Tanner

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Rumpelstil – 19. Taschenlampenkonzert – Waldbühne Berlin

In der Pommesschlange frage ich das kleine, vielleicht siebenjährige Mädchen mit den Glitzerturnschuhen vor mir, ob sie vorher schon einmal beim Taschenlampenkonzert war. Mich trifft einer dieser Blicke, den nur siebenjährige Mädchen mit Glitzerturnschuhen auf diese unnachahmliche Art und Weise hinbekommen, in gleichen Teilen hochherrschaftliche Herablassung (Erwachsene sind sooo hilflos) und Freude, ein klein wenig angeben zu können. Natürlich war sie vorher schon beim Taschenlampenkonzert. Schon zweimal! Pff! Und sie hat auch alle CDs und kann fast alle Lieder mitsingen! Pff!

Hinreichend zurechtgestutzt schleiche ich kleinlaut zurück auf meinen Platz. Natürlich bin ich weit und breit die einzige Person, die vorher noch nie bei einem Taschenlampenkonzert war. Das merke ich ziemlich deutlich, denn die vielen Familien um mich herum wirken eindeutig wie Routiniers. Sie tragen Leuchtstäbe auf dem Kopf und um den Hals, sind mit Decken und Regenjacken bewaffnet und mampfen fröhlich Pommes und Popcorn, während sie auf die Attraktion des Abends warten. Die Berliner Musiktruppe Rumpelstil macht, wie sie selbst sagen, Familienmusik. Bereits zum 19. Mal füllen sie die Waldbühne Berlin mit 20000 singenden Kindern und ihren Familien und schließen damit die Freiluftsaison ab. Mittlerweile eine Berliner Institution und für viele Familien ein fester Bestandteil des Sommers, beziehungsweise des Frühherbsts. Davon gehört habe ich natürlich auch schon oft, aber in diesem Jahr wollte ich endlich auch einmal dabei sein.

Ich war mir nicht ganz sicher, was mich erwarten würde und ob das Konzert auch Erwachsenen Spaß macht. Aber ich hätte mir wirklich keine Sorgen machen müssen. Blanche Elliz, Peter Schenderlein, Max Vonthien und Jörn Brumme wissen was sie tun. Ihre Songs (alle selbstgeschrieben) sind eingängig, mitreißend und man fällt ganz leicht mitten hinein. Ehe man sich versieht schunkelt und singt man schon fröhlich mit, genau wie 19999 andere Stimmen. Und der richtige Zauber beginnt erst dann, wenn es endlich dunkel wird! Wenn alle zusammen „funzeln“ können. Die ganze Waldbühne mit aberhunderten von Taschenlampen erleuchtet zu sehen ist ein erhabener Anblick! Und ein Teil davon zu sein, macht richtig, richtig viel Spaß! Kein Wunder, das auch so viele Mamas, Papas, Omas, Opas, Onkel und Tanten dabei sind, dieses Konzert erfreut Groß und Klein gleichermaßen. Man sieht weit und breit nur strahlende Augen. Und die mal schwungvollen, mal wieder träumerischen Lieder tun ihr übriges.

Kinder oder nicht – ich kann nur jedem das 20. Taschenlampenkonzert ans Herz legen. Und Rumpelstil ist natürlich auch im restlichen Jahr nicht untätig, ihre sonstigen Termine könnt ihr euch hier anschauen.

©Nicole Haarhoff

On the Road – Absolventenshow – Staatliche Artistenschule Berlin – Wintergarten Varieté Berlin

Facebook erinnerte mich gestern freundlicherweise daran: auf den Tag genau vor einem Jahr war ich auch bei der Absolventenshow, genau wie im Jahr davor auch. Die Show ist immer wieder ein Garant für grandiose Artistik, für frische Gesichter und neufunkelnde Ideen. Man kann sich ziemlich sicher sein, auf der Wintergartenbühne die Showstars von morgen zu sehen, die man bald in wunderbaren, aufregenden Produktionen in ganz Deutschland oder auf der ganzen Welt sehen werden wird. Warum also nicht ganz am Anfang dabei sein und die ersten Schritte in die große Bühnenwelt beobachten, damit man später damit angeben kann.

In diesem Jahr hat Tobias Fiedler aus Hamburg (Circus Mignon, Roncalli, Palazzo…) die Regie der Show übernommen und hat die Absolventen und Absolventinnen der Staatlichen Artistenschule Berlin sowohl einzeln als auch gemeinsam als Ganzes prächtig in Szene gesetzt.  Wichtig ist dabei das „On the Road“, denn das Schild wird für jeden Performer gewechselt und der Straßenname passt sich dann dem Namen des oder der Auftretenden an. Eine witzige Idee und geschickte Überleitung.

Wie immer waren alle jungen Künstler ausnehmend gut, Florian (Florian Maertz) jongliert trotz Handschellen, mit denen er an eine Autotür gefesselt ist. Lukas (Lukas Köster)  jongliert auch, allerdings springen die Bälle dabei in rasanter Geschwindigkeit von den schrägen Ebenen zweier Dreiecke ab. Carina & Leonid (Carina Guillermo, Leonid Bethäuser) zeigen sehr schöne und reibungslose Hand-auf-Hand Artistik, aber später, am Trapez, entfaltet sich erst die volle Bandbreite ihres Könnens und sie erzeugen Staunen und Begeisterung im Publikum. Carina ist absolut furchtlos und lächelt immer gleichbleibend charmant, wenn sie wie eine Feder durch die Luft fliegt. Sehr schön anzusehen!

Miriam (Miriam van der Neut) nutzt mit dem Vertical Dancing Net ein artistisches Werkzeug, das man nicht allzu häufig sieht. Vielleicht, weil es für das Laienauge ein klein wenig abrupter wirkt als zum Beispiel Artistik am Tuch oder mit den Strapaten. Aber dafür ist natürlich ganz anderes Spiel damit möglich.

Jule (Jule Schuster) war umwerfend. Sie ist der Punk in der Runde und fällt mit ihren Klamotten und ihrem Gebaren ein wenig aus dem ansonsten sehr perfekten Rahmen, was sie in meinen Augen natürlich sofort besonders sympathisch macht. Aber sie zeigt auch beeindruckend Rasantes auf dem Slack Wire, unheimlich geschickt und sehr kraftvoll für so eine zierliche junge Frau!

Dana & Kyra (Dana Schulte-Siepmann und Kyra Reinert) zeigen eine fröhliche Mädelsfreundschaft und Rivalität, indem sie spielerisch um den besten Platz schubsend, abwechselnd meterhoch in die Luft federn und dort gekonnt Salti drehen. Es macht richtig Spaß, ihnen zuzusehen, wie sie das augenscheinlich so lockerleicht und problemlos meistern. Das Schleuderbrett sieht man auch nicht allzu häufig auf der Bühne, vielleicht ändert sich das jetzt ja!

Überaus elegant und elfenzart präsentiert sich Julia (Julia Grote) am Luftring, während Nicole (Nicole Ster) mit Handstand-Equilibristik verzaubert. Sie hat eine tolle Darbietung mit spritziger 20er Jahre Ästhetik zusammengestellt, die sie mit viel Witz und Charme und noch mehr Können meistert. Sie ist für mich auf jeden Fall eine der Kandidatinnen, von denen ich glaube, das eine große Karriere vor ihr liegt. Sie hat auf jeden Fall die unvergessliche Persönlichkeit.

Tim (Tim Kriegler) beendet den Abend mit seiner Darbietung an den Strapaten und legt eine der beeindruckensten Szenen des Abends hin, was gar nicht so leicht ist, wenn man bedenkt das alle Beteiligten ausnahmslos sehr gut sind. Aber die Strapaten sind auch einfach immer wunderschön, elegant, schwerelos und doch so kraftvoll. Darbietungen an den Strapaten sehe ich einfach immer wieder gerne. Und Tim beherrscht sie virtuos. Als Laie (unsportlicher Laie) kann man es kaum glauben, wenn man mal sieht, wozu der menschliche Körper mit viel harter Arbeit und Hingabe eigentlich fähig ist.

Die Absolventshow ist jedes Jahr wieder einen Besuch wert. Wer die Showstars von morgen schon heute sehen möchte, der sollte die Show 2018 nicht verpassen, wenn ihr nicht gar heute Abend noch zur Abendkasse eilen mögt. Ansonsten ist außer der aktuellen Show Sayonara Tokyo am 2. Oktober wieder ein Abend für besondere Artistik unter dem Sternenhimmel des Wintergarten Varieté: der Pabst bittet zur Audienz! Karten und Infos hier.

©Nicole Haarhoff

 

 

Christine Bovill – Christine Bovill’s Paris – Bar jeder Vernunft

Mein Vater erzählt auf Familienfeiern immer wieder gerne, dass ich als kleines Mädchen nicht nur gerne weinte, sondern dass ich mein eigenes kleines trauriges tränenüberströmtes Gesicht gern dabei beobachtete. Ich war also schon immer fasziniert von Traurigkeit und suhlte mich anscheinend gar gern ein wenig darin. Und das mag der Grund dafür sein, dass ich heute Chansons so gerne mag. Schließlich schwingt in den Chansons der Goldenen Chansonära, von Piaf oder Brel oder Trenet, immer ein Hauch Dramatik mit, immer das ganz große Gefühl, die tiefe Verzweiflung, die sehnsüchtige Liebe.

Und gestern Abend bot das wunderschöne Veranstaltungszelt Bar jeder Vernunft wieder einmal einen unvergesslich wunderbaren Chansonabend, der lange in Herz und Seele nachhallte. Christine Bovill verwandelte das Zelt in eine verruchte Pariser Kneipe, durch den der Rauch teurer Zigaretten und noch teurer Parfüms wehte, während die Herren ihren Damen die Stühle zurechtrückten. Wertvolles Geschmeide schien im Kerzenlicht mit extravaganten Abendroben um die Wette zu schimmern. Die Glasgower Chansonette, die tagsüber Sprachen unterrichtet, nachdem sie sich als Teenie in Edith Piaf und die französische Sprache verliebte, hat eine grandiose, eine gewaltige Stimme. Sie hat genau dieses unvergleichliche, ein wenig heisere, leicht vibrierende Timbre, das eine herausragende Chansonette ausmacht. Ihre Stimme erfüllt den ganzen Raum, reicht bis ins Herz. Ich hatte bei den meisten Liedern eine Gänsehaut, aber als sie dann nach der Pause im zweiten Teil Piaf sang… Hach, da kamen sicher nicht nur mir die Tränen. Gefühlserschütternd!

Und Christine Bovill ist auch noch eine gute Geschichtenerzählerin, wenn sie in ihrem charmanten Glasgower Englisch über sich selbst oder über die Geschichten hinter den Liedern erzählt, die sie vorträgt, dann ist das unterhaltend, lehrreich und auch noch ungemein einnehmend. Sie würde gern nach Berlin ziehen, weil alle so nett seien, scherzt Madame Bovill und Berlin hätte da wirklich gar nichts dagegen! Zumindest so weit es das Publikum in der Bar jeder Vernunft betrifft, das mit tosendem Applaus nicht nur eine sondern noch zwei weitere Zugaben forderte!

Am 6. November ist Christine Bovill wieder in der Bar jeder Vernunft und ich kann euch nur empfehlen, schaut sie euch an! Sie ist grandios! Ich wünschte, sie würde auch mit ihrem reinen Piaf Programm nach Berlin kommen, vielleicht verwirklicht das die Bar ja im nächsten Jahr, das wäre wunderbar! Infos und Karten gibt es hier. Verpasst nicht das September & Oktober Menü, ich durfte gestern ausnahmsweise das Dessert probieren und es ist wundervoll.

©Nicole Haarhoff

Mother – Anita Vulesica – BKA-Theater Berlin

Manchmal werde ich gefragt: „Und? Was schaust du heute Abend?“ Und ich, selbst vollkommen ratlos, gebe irgendeine vage Erklärung ab, gespickt mit viel „da so, ähm, irgendwie so…“ Der Soloabend von Anita Vulesica im BKA-Theater war mal wieder so ein Fall. Ich konnte mir selbst gar nicht wirklich vorstellen, was mich da erwarten würde. Deutsches Theater-Ensemblemitglied Anita Vulesica erzählt anhand von 27 Madonnasongs über Verlassenheit, Vergänglichkeit und die Angst zu versagen. So weit der Text im Programm. Und meine Begleitung, eifrige Theatergängerin und häufige Besucherin des DT redete mit Begeisterung von der Künstlerin, also war ich gespannt.

In gleißenden, fließenden Abendkleid auf dem Boden knieend, so war der erste Eindruck von Anita Vulesica. Insbrünstig, mit flehend erhobenem Blick, spricht sie betend, bittend, fordernd zu ihrer Mutter. Bist du stolz auf mich? Geschickt verwebt sie die Lebensgeschichte der Popikone Madonna, die sie an diesem Abend manchmal darstellt mit ihrer eigenen Geschichte, indem sie manchmal, wenn sie von sich redet, tatsächlich von sich selbst und nicht von sich, Madonna, erzählt. So schlägt sie eine Brücke von ihrem eigenen 11jährigen Ich, von ihren hartarbeitenden Gastarbeitereltern plötzlich aus Deutschland zurück in die alte Heimat geschickt, unvermittelt allein in (damals) Jugoslawien stehend, zu Madonna, deren Songs sie gemeinsam mit den Mädchen ihres Ortes performt. Genau wie Madonna ist auch sie eine ehrgeizige, hartarbeitende Frau, erfolgreich in einem Job, der von Männern dominiert wird. Fragen, die sich wahrscheinlich oder vielleicht, auch Madonna stellt, stellt sich auch Anita. Gerüchte, Meinungen und Kritik, die es über Madonna seit jeher gibt und wohl auch für immer geben wird, Anita spricht sie an: junge Männer, Fitnesswahn, Schönheits- und OP-Wahn, religiöse Symbole und Toreros, was ist da los?

Dabei singt sie die Songs, die die Queen of Pop in den Musikolymp katapultiert haben und die wohl jeder kennt. Insgesamt entsteht so ein spannender, interessanter, schlauer und oft auch witziger Abend. Madonna-Biografie, Anita-Autobiografie, Konzert, Musiktheater, Gesellschaftskritik, Feminismus, hier ist wirklich alles drin. Anita Vulesica spielt sich die Seele aus dem Leib, ist mal herrisch und kühl, eine echte Diva. Mal unsicher und sympathisch-verwirrt und vollkommen erledigt von Madonnas Sportregime. Am Ende hat man über zwei Frauen und viele Frauen ein wenig mehr gelernt und ein wenig mehr nachgedacht.

Wer Anita Vulesica nun auch live erleben möchte, kann hier ihre Stücke am DT finden, der nächste Termin wäre Muttersprache Mameloschn am 2. Oktober. Und wer demnächst auch einmal solche Veranstaltungsperlen im BKA entdecken möchte, der findet deren Spielplan hier. Ich freue mich als nächstes auf Jade Pearl Baker am 10. September!

©Nicole Haarhoff

Jack Woodhead – Most Wanted – On the Run (in Heels) – Wintergarten Varieté Berlin

Jack Woodhead ist allen Wintergarten-Fans gut bekannt – er war gemeinsam mit Contorsion-Star David Pereira der Gastgeber diverser Spotlights und außerdem die Schlüsselfigur in meiner All Time Favorite Show Der helle Wahnsinn. Ich mochte seine unvergleichliche, herzliche, überlebensgroße Art und Weise sofort, seine hautengen Kostüme und seine meterhohen High Heels, auf denen er besser läuft und tanzt als ich auf ihnen gehen könnte. Er ist eine schillernde, fröhliche Gallionsfigur für den Wintergarten und ein Allround-Talent als Moderator, singend oder am Piano! Wenn er selbstironisch und mit großen Gesten von seiner Jugend in Manchester erzählt,  wo er als bunter Paradiesvogel hervorstach, dann fliegen ihm alle Herzen zu. Daher war ich natürlich gestern Abend bei seiner Show Most WantedOn the Run (in Heels), bei der er viele Stars und Sternchen der Varietészene zu sich auf die Bühne bat.

Die Liste der teilnehmenden Künstler versprach viel und viel wurde auch geboten! Eine Neuentdeckung war für mich Jeß Gadani, die gemeinsam mit dem Gastgeber die Show Fish & Whips, eine Cabaret und Varieté Reihe im Comedyclub Kookaburra, ins Leben gerufen hat. Sie ist ein echtes Stimmwunder und wahnsinnig lustig, sie bot eine unglaubliche Bandbreite von Songs, die zeigten, was für eine unheimlich vielfältige Sängerin sie wirklich ist! Ich habe mit ihren Namen gleich rot unterstrichen und werde bei der nächsten Gelegenheit in den Comedyclub gehen, die Show verspricht sehr, sehr gut zu sein!

Ansonsten habe ich mich gefreut, einige bekannte Gesichter wiederzusehen, allen voran die von mir sehr bewunderte Sarah Bowden, die zur Zeit die Esmeralda in Der Glöckner von Notre Dame im Theater des Westens gibt. Zeitgleich plant sie gemeinsam mit Ashia Bison Rouge eine ganz eigene Show und hat uns gestern eine kleine Sneak Peak erlaubt. Auch Ashia ist kein unbeschriebenes Blatt, ich durfte sie schon mehrmals im Wintergarten erleben und ihr Stimme und ihr Cellospiel sind einmalig und einzigartig, wer sie einmal gehört hat, vergisst sie nicht so leicht. Gemeinsam ergeben Ashias Spiel und Sarahs Tanz eine einnehmende Symbiose. Sehr sehens- und hörenswert, ich bin schon sehr neugierig auf diese Show!

Anna & Saleh, die beiden jungen Artisten des Abends, habe ich bereits im letzten Jahr, bei der Absolventenshow der Staatlichen Artistenschule Berlin, gesehen. Die beiden harmonieren ganz wunderbar, aber besonders schön war der Auftritt von Anna am doppelten Trapez. Kraftvoll und gleichzeitig verletzlich schön, eine beeindruckende Vorstellung, die im Gedächtnis bleibt.

Ebenfalls bei einer Absolventenshow zum ersten Mal gesehen, allerdings schon 2015: Donial Kalex, der musikalisch und mit Jonglage brilliert. Gemeinsam mit Nicole Ratjen ist er auch Bestandteil der Comedyeinlagen, die den Abend ganz speziell machen. Nicole Ratjen ist an diesem Abend das Nummerngirl und der Augenschmaus, rezitiert aber auch ganz wunderbar … ihren Einkaufszettel!

Insgesamt ein wunderbarer Abend im schönen Wintergarten Varieté Berlin. Host Jack Woodhead verzaubert wieder einmal in gewohnt spektakulärer Art und Weise und beweist ein sicheres Händchen bei der Auswahl seiner Bühnenpartner. Die Spotlight Shows sind grundsätzlich immer einen Besuch wert und die momentane Show Sayonara Tokyo natürlich auch! Ein Blick in das Showprogramm lohnt sich, zum Beispiel um die nächste Absolventenshow nicht zu verpassen, wie man an meinem Text sieht, sieht man da die Stars von morgen am Beginn ihrer Showkarriere!

©Nicole Haarhoff
 

Darauf freue ich mich! Mein Kulturseptember in Berlin:

Der Sommer ist, zumindest was die Theaterprogramme angeht, vorbei. Und die Berliner Kulturhäuser locken mit nagelneuen Programmheften voller Überraschungen, Sahneschnittchen und Neuinszenierungen. Ich freue mich daher im September auf einiges:

 

4. September – Wintergarten Varieté – Sexy Jack Woodhead, bekannt aus vielen Varietéstücken im Wintergarten, allen voran meine All-Time-Lieblingsshow „Der helle Wahnsinn“, lädt Freunde und Kollegen auf die Bühne ein. On the Run in Heels!

5. September – BKA Theater – Anita Vulesica in „Mother“. Am Deutschen Theater habe ich es damals verpasst, als Ensemblemitglied Anita Vulesica anhand von 27 Madonnasongs über Frau, Frauen, Mutter, Mütter und Madonna sprach, nun gibt es eine erneute Chance im BKA!

10. September – BKA Theater – Jade Pearl Baker – ich habe die Chansonette bereits bei einem Auftritt bei Waschen, Schneiden, Talken gesehen und war sofort hingerissen. Ich freue mich schon total auf ihren Soloabend!

11. September – Bar jeder Vernunft – Deutschlandpremiere! – Die Chansonette Christine Bovill, Schottin mit französisch klingendem Namen, singt zum ersten Mal live in der Bar jeder Vernunft die ganz Großen – Brel, Piaf, Barbara, Aznavour, Greco…

16. September – Waldbühne – Taschenlampenkonzert – Rumpelstil präsentiert bereits zum 19. Mal ihr legendäres Taschenlampenkonzert für Kinder und Kindgebliebene und ich bin dieses Mal zum ersten Mal dabei!! Ick freu mir schon!

Viel Spaß beim Kulturentdecken im September! Sagt mir Bescheid, wenn ich etwas Wichtiges nicht in meiner Liste habe und nicht verpassen soll!

©Nicole Haarhoff