Jack Woodhead – Most Wanted – On the Run (in Heels) – Wintergarten Varieté Berlin

Jack Woodhead ist allen Wintergarten-Fans gut bekannt – er war gemeinsam mit Contorsion-Star David Pereira der Gastgeber diverser Spotlights und außerdem die Schlüsselfigur in meiner All Time Favorite Show Der helle Wahnsinn. Ich mochte seine unvergleichliche, herzliche, überlebensgroße Art und Weise sofort, seine hautengen Kostüme und seine meterhohen High Heels, auf denen er besser läuft und tanzt als ich auf ihnen gehen könnte. Er ist eine schillernde, fröhliche Gallionsfigur für den Wintergarten und ein Allround-Talent als Moderator, singend oder am Piano! Wenn er selbstironisch und mit großen Gesten von seiner Jugend in Manchester erzählt,  wo er als bunter Paradiesvogel hervorstach, dann fliegen ihm alle Herzen zu. Daher war ich natürlich gestern Abend bei seiner Show Most WantedOn the Run (in Heels), bei der er viele Stars und Sternchen der Varietészene zu sich auf die Bühne bat.

Die Liste der teilnehmenden Künstler versprach viel und viel wurde auch geboten! Eine Neuentdeckung war für mich Jeß Gadani, die gemeinsam mit dem Gastgeber die Show Fish & Whips, eine Cabaret und Varieté Reihe im Comedyclub Kookaburra, ins Leben gerufen hat. Sie ist ein echtes Stimmwunder und wahnsinnig lustig, sie bot eine unglaubliche Bandbreite von Songs, die zeigten, was für eine unheimlich vielfältige Sängerin sie wirklich ist! Ich habe mit ihren Namen gleich rot unterstrichen und werde bei der nächsten Gelegenheit in den Comedyclub gehen, die Show verspricht sehr, sehr gut zu sein!

Ansonsten habe ich mich gefreut, einige bekannte Gesichter wiederzusehen, allen voran die von mir sehr bewunderte Sarah Bowden, die zur Zeit die Esmeralda in Der Glöckner von Notre Dame im Theater des Westens gibt. Zeitgleich plant sie gemeinsam mit Ashia Bison Rouge eine ganz eigene Show und hat uns gestern eine kleine Sneak Peak erlaubt. Auch Ashia ist kein unbeschriebenes Blatt, ich durfte sie schon mehrmals im Wintergarten erleben und ihr Stimme und ihr Cellospiel sind einmalig und einzigartig, wer sie einmal gehört hat, vergisst sie nicht so leicht. Gemeinsam ergeben Ashias Spiel und Sarahs Tanz eine einnehmende Symbiose. Sehr sehens- und hörenswert, ich bin schon sehr neugierig auf diese Show!

Anna & Saleh, die beiden jungen Artisten des Abends, habe ich bereits im letzten Jahr, bei der Absolventenshow der Staatlichen Artistenschule Berlin, gesehen. Die beiden harmonieren ganz wunderbar, aber besonders schön war der Auftritt von Anna am doppelten Trapez. Kraftvoll und gleichzeitig verletzlich schön, eine beeindruckende Vorstellung, die im Gedächtnis bleibt.

Ebenfalls bei einer Absolventenshow zum ersten Mal gesehen, allerdings schon 2015: Donial Kalex, der musikalisch und mit Jonglage brilliert. Gemeinsam mit Nicole Ratjen ist er auch Bestandteil der Comedyeinlagen, die den Abend ganz speziell machen. Nicole Ratjen ist an diesem Abend das Nummerngirl und der Augenschmaus, rezitiert aber auch ganz wunderbar … ihren Einkaufszettel!

Insgesamt ein wunderbarer Abend im schönen Wintergarten Varieté Berlin. Host Jack Woodhead verzaubert wieder einmal in gewohnt spektakulärer Art und Weise und beweist ein sicheres Händchen bei der Auswahl seiner Bühnenpartner. Die Spotlight Shows sind grundsätzlich immer einen Besuch wert und die momentane Show Sayonara Tokyo natürlich auch! Ein Blick in das Showprogramm lohnt sich, zum Beispiel um die nächste Absolventenshow nicht zu verpassen, wie man an meinem Text sieht, sieht man da die Stars von morgen am Beginn ihrer Showkarriere!

©Nicole Haarhoff
 

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The New Crazy Queens – Eine Dame werd‘ ich nie – Theater O-TonArt

Am Samstag war ich mal wieder im kleinen und feinen Theater O-TonArt, dem Hoftheater für königliche Unterhaltung. Ich hatte die Crazy Queens oder zumindest eine Queen oder eine ehemalige Queen, ich bin mir jetzt nicht ganz sicher, mal bei Jurassica Parka in ihrer Late Night Show im BKA-Theater gesehen und sie war mir als sympathisch in Erinnerung geblieben, daher wollte ich die Show nicht verpassen und bin ohne weitere Vorkenntnisse ins Theater gekommen. Der kleine Vorraum war vollgepackt mit Freunden und Bewunderern von Diva Chou Chou Lafontaine und als die Dame selbst herauskam, um sich huldigen zu lassen, da gab es ringsherum Küsschen und Umarmungen. Der Theatersaal war dann auch proppenvoll bis auf den letzten Platz.

Ich weiß gar nicht, was ich eigentlich erwartet hatte. An Travestieshows kann ich schon auf einige Erfahrungen zurückblicken, ich war im La Vie en Rose auf dem ehemaligen Flugahfen Tempelhof und im Theater im Keller in Neukölln, aber eine solche Show wie sie die New Crazy Queens auf die Bretter bringen, habe ich noch nicht gesehen!

Chou Chou Lafontaine, Jessica Hart und Tamara InLove zünden genau das Kostümfeuerwerk, das sie in ihrer Werbung auch versprechen. Ein Kostüm ist ausgefallener, beeindruckender und fantasievoller als das andere. Ich habe mir sagen lassen, Diva Lafontaine designt und erarbeitet die größtenteils selbst! Von wagenradgroßen Federhüten bis hin zur perfekten Sissi-Inszenierung mitsamt langer Blumenkrone ist da wirklich alles dabei. Und dazu singt Jessica Hart live, während die anderen zu toll ausgesuchten Schlagern und Pophits um ihr Leben lipsyncen! Es war unheimlich witzig und das Publikum ging begeistert mit! Es wurde geschunkelt, gesummt und gesungen, jedes neue Kostüm wurde beooht und beaaht. Insgesamt ein toller, sehr lustiger und mitreissender Abend in warmer, herzlicher Atmosphäre.

Ihr findet die Crazy Queens auf Facebook oder hier, das aktuelle Programm des immer wieder schönen und überraschenden O-Tonart gibt es hier.

©Nicole Haarhoff

 

 

Potsdamer Schlössernacht 2017 – Das Staunen kehrt zurück – Schloss Sanssouci und Schlossgärten in Potsdam

Glück gehabt! Nachdem das Eröffnungskonzert mit Daniel Hope vor dem Neuen Palais am Freitagabend buchstäblich ins Wasser fiel, war uns der Wettergott am Samstag gnädiger gestimmt. Statt Blitz, Donner und Starkregen, der uns beinahe von unseren Stühlen schwemmte, gab es am Samstag dann schönstes Sommersonnenwetter! Ich muss wirklich sagen, Hut ab vor dem Publikum, am Freitagabend blieb der Großteil tapfer sitzen bis die letzten Töne verklungen und das Großfeuerwerk bunt über uns explodiert war.

Zur Belohnung für so viel Standhaftigkeit strahlte dann am Samstag die Sonne besonders schön für uns. Ich war zum allerersten Mal bei der Schlössernacht in Potsdam, ich kann also leider keine Vergleiche zu den Vorjahren anstellen. Ich kann euch nur berichten, wie es mir dieses Mal gefallen hat und das war ganz wunderbar! Der Park ist einfach wunderschön, makellos gepflegt und allein für sich schon eine Augenweide, aber die neuen Veranstalter, die 2017 angetreten sind, um das Staunen wieder zurückzubringen, die haben wirklich eine tolle Veranstaltung auf die Beine gestellt. Gleich zu Beginn begeistert die Compagnie des Quidams mit ihren gigantischen weißen Pferden, die auf der weltberühmten Weintreppe vor dem Schloß Sanssouci tanzen. Eine poetisch-schöne und märchenhafte Vorstellung, wie gemacht für den beeindruckenden Hintergrund.

 

 

Danach besichtigen wir staunend die Bildergalerie, ehe wir eine Fee in einer riesigen Kugel über das Wasser der Fontäne unterhalb der Bildergalerie tanzen sehen, eine zauberhafte Idee, wie ich finde. Dadurch, dass alle Aufführungen zu verschiedenen Zeiten erneut gezeigt werden, stehen nicht alle Besucher gleichzeitig an einer Stelle an und durch die gezielte Verteilung ist es auch möglich, dass man sich einen ganz persönlichen Laufplan erstellt, nach dem man dann alle Punkte rechtzeitig ansteuert. Es lohnt sich wegen der schieren Masse an Angeboten wirklich, sich schon vorher einmal hinzusetzen und sich seine Gedanken zu machen, was man sehen möchte, damit man kein Highlight verpasst, auf der Webseite der Potsdamer Schlössernacht gab es im Vorfeld alle Infos und auch Pläne zum downloaden. Dabei sollte man auch die Entfernungen einrechnen, denn allein die Hauptstraße, die bis zum Neuen Palais führt, ist zwei Kilometer lang! Mein Tipp: die persönlichen Must-Sees auswählen und alles, was man dann noch schafft ist ein Bonus. So ist man auch hinterher nicht enttäuscht.

 

 

Für mich war ein weiteres Highlight das menschliche Mobile: Transe Express, eine Musiker/Artistentruppe aus Frankreich wurde mithilfe eines gigantischen Krans meterhoch über die Köpfe des staunenden Publikums getragen, immernoch fröhlich trommelnd. Eine unglaublicher Anblick! Auf den Wandelwegen zwischen den einzelnen Attraktionen begegnen uns wunderbar gekleidete Flaneure in großen Roben oder fantasievollen Kostümen. Über die Wiesen ist aus allen Richtungen Musik zu hören, wir lauschen dem Perner Carillon, auf der kleinen Bühne am Holzplatz unterhält uns Aydar Gaynullin mit seinem Akkordeon und Oli Bott am Vibrafon. Die römischen Bäder sind zur Feier des Tages geöffnet und werden eifrig fotografiert, im malerischen Innenhof ertönt Spaghetti Swing. Eigentlich möchte man sich überall in Ruhe niederlassen und lauschen, aber es gibt noch so viel zu sehen und zu erleben, daher fliegen wir an der Lasershow am Maschinenteich vorbei und steuern das Schloss Charlottenhof an, um uns von Simonetta Ginelli an der Harfe verzaubern zu lassen. Langsam wird es dunkel und im Park Sanssouci erstrahlen die Lichter. Ein zauberhafter Anblick!

 

 

Am Freundschaftstempel unterbricht Martin Klenk sein Cello-Spiel, um für einen ganz besonderen Herren Platz zu machen: Kammerherr Karl Ludwig von Pöllnitz gibt sich die Ehre. Er war seines Zeichens Oberzeremonienmeister am Hofe Friedrichs des Großen und kannte alle und jeden. Jedes noch so kleine Geheimnis, jedes Gerücht, jeder herzhafte Skandal – Herr von Pöllnitz wusste Bescheid. Und er plaudert nur allzu gerne vor seinen gespannt lauschenden Zuhörern aus dem Nähkästchen.

Nach unserem Ausflug in die Gerüchteküche haben wir nun tatsächlich Hunger und wir schlagen einen Bogen zur Genießermeile. Die farbenfrohen Streedfoodtrucks sind von der Ketering GmbH, das gleiche Unternehmen, das auch den malerischen Streedfood Market in der Kulturbrauerei organisiert. Dementsprechend kann man sich hier kulinarisch einmal um die Welt transportieren lassen, von Burgern über Empanadas, Trüffelgnocci, duftendem Käseraclette bis hin zu indonesischen Pancakes gibt es hier wirklich alles. Und alles frisch und liebevoll zubereitet. Dazu Erdbeerbowle oder einen schönen eiskalten Hugo – perfekt! Wer es lieber traditionell mag, der bekommt natürlich auch eine zünftige Bratwurst und ein kaltes Bier!

Alles in allem hatte ich einen wunderbaren Nachmittag und Abend bei der Potsdamer Schlössernacht und dabei habe ich nicht einmal die Hälfte von dem gesehen, was geboten war. Im Endeffekt kann jeder selbst entscheiden, ob man bis zum bombastischen Abschlussfeuerwerk um Mitternacht durch die Gegend powert und möglichst alles sieht oder ob man lieber langsamer flaniert und ausführlich genießt. Im nächsten Jahr bin ich auf jeden Fall gerne wieder dabei und nehme mir dann mehr Zeit, auch die verschiedenen Führungen zu sehen. Mein Tipp: vorher die Route zumindest in etwa planen, bequeme Schuhe sind ein Muss, Mückenspray und Regencape nicht vergessen, Decke einpacken (echte Kenner haben gar einen kleinen Campingstuhl dabei). Powerbank nicht vergessen! Die nächste Schlössernacht befindet sich schon in der Planung und steigt am 18. August 2018! Gleich rot im Kalender anstreichen!

©Nicole Haarhoff

 

Ashton Brothers – Enfants Terribles – Wühlmäuse

Wart ihr schon mal ziemlich heftig angeheitert? Und mit einer Gruppe eurer Freunde unterwegs, die ebenfalls heftig angeheitert waren? Und haben einige von euch vielleicht (teilweise) ihre Klamotten unterwegs verloren? Und ihr habt euch kaputtgelacht? Und habt Dinge gemacht, die euch verwegen und abenteuerlich vorkamen, die bei Licht betrachtet dann aber doch vor allem ziemlich gefährlich waren? Und ihr habt gelacht und gelacht…

Ja? Na, dann hättet ihr mal dabei bleiben sollen, denn dann wärt ihr jetzt vielleicht einer der Ashton Brothers.

Die Jungs aus den Niederlanden sind Artisten und Clowns und Zauberer und Musiker und Sänger und überhaupt. Und sie haben mit ihrem fünften Programm Enfants Terrible ein schräges, witziges, wildes und ungewöhnliches Stück Zirkuscomedy mit Anspruch und Klamauk auf die Beine gestellt, wie ich es sonst so noch nie erlebt habe. Es gibt böse Clowns, tanzende Skelette und waghalsige Artistik, alles in fliegendem Wechsel und beinahe komplett ohne Worte. Man ist als Zuschauer ganz atemlos vor Staunen und Lachen. Und wenn die Gags manchmal am Albernen kratzen, dann wird man in nächstem Moment mit beeindruckender Artistik wieder ernstlich geblendet. Was chaotisch anmuten mag, ist eben doch vor allem eins: schieres Können.

Die Ashton Brothers sind noch bis Sonntag, den 13. August in Berlin, schaut in den Wühlmäusen vorbei, ich kann euch die Truppe nur empfehlen, ich hab mich kaputtgelacht! Auch sonst lohnt sich natürlich immer ein Blick in den Spielplan. Mehr zu den Ashton Brothers findet ihr hier und hier.

©Nicole Haarhoff

The Tap Pack – Tipi am Kanzleramt

Am Freitag feierte The Tap Pack im Tipi am Kanzleramt seine Deutschlandpremiere und Berlin ist um eine aufsehenerregende Aussie-Sehenswürdigkeit reicher. Im Chamäleon am Hackeschen Markt macht zur Zeit die Company 2 mit ihrer Show „Scotch & Soda“ von sich reden, die Jungs und Mädels kommen aus Brisbane.

Und im schönen Veranstaltungszelt „Tipi am Kanzleramt“ sind nun fünf weitere gutaussehende Importe aus Down Under angekommen, um Berlin in Erstaunen zu versetzen. Ihre Show ist so rasant, so schweißtreibend und mitreißend, dass es eine reine Freude ist. Die Bühne ist sehr clever aufgeteilt, sodass eine Bar im Hintergrund entsteht, auf der auch getanzt wird, ein bisschen wie in Coyote Ugly! Dadurch, dass die „Bartheke“ stufenförmig aufgebaut ist, kann man die Beinarbeit der jungen Männer auch sehr gut sehen, wenn man nicht direkt vor der Bühne sitzt. Und auf die Beinarbeit kommt es ja an! Denn zuallererst und hauptsächlich sind die fünf Männer außergewöhnliche Step-Tänzer. Die Schnelligkeit und Präzision ihrer Füße ist wirklich atemberaubend. Unglaublich, was für ein Können da so locker und flockig auf die Bühne gebracht wird, immer mit einem verschmitzten Lächeln und einem neckischen Lupfen des Hutes.

Das Rat Pack würde sich sicherlich nicht schämen, Inspiration und Quasi-Namensgeber für diese tolle Gruppe zu sein. Die Jungs sind charmant und einnehmend, große Künstler und Publikumslieblinge. Wer denkt, da würde nun „einfach nur gesteppt“, der ist schief gewickelt. Die Show ist von vorne bis hinten gut durchdacht, immer wieder gibt es etwas neues zu sehen und vor allem auch zu hören, denn Sean Mulligan, Ben Brown, Jesse Rasmussen, Tom Egan und Jordan Pollard sind nicht nur begnadete Tänzer, sondern auch ausnehmend gute Sänger. Vor allem Ben Brown hat mich sehr beindruckt. Während Sean Mulligan eine Honig- und Whiskeystimme hat, hat Brown eine im Gegensatz zu seiner Körpergröße stehende gewaltige und sehr abwechslungsreiche Stimme. Die beiden treten bei einem Battle der klassischen Musik und der modernen Songs gegeneinander an – ein Ohrenschmaus!

Außerdem gibt es einen Western-Showdown der Tanzschritte, Jesse Rasmussen zeigt anhand verschiedener Step-Schritte die Einflüsse großer Tänzer. Überhaupt hat jeder der Tänzer einen eigenen Stil oder eine eigene Vorliebe, die ebenfalls auf die Bühne gebracht wird. Insgesamt ein wunderbarer Abend mit großartiger Musik, die von Nat King Cole und Cole Porter ein Brücke bis zu Ed Sheeran und Noel Gallagher schlägt.

Man kann The Tap Pack noch bis Ende Juli im Tipi am Kanzleramt erleben. Die Platzwahl ist innerhalb der gebuchten Kategorie frei, daher, wer schlau ist, der bucht gleich mit Menü! Dann braucht man nicht mehr über der Speisekarte zu brüten und hat außerdem schon einen festen, sicheren Sitzplatz. Das Menü für Mai & Juni klingt toll, aber das Pasta-Arrangement kann ich auch empfehlen.

© Nicole Haarhoff

Company 2, Scotch & Soda, Chamäleon Theater

Im Jahr 2017 ist das Festival Australia Now zu Gast in Deutschland, eine Initiative der Australischen Botschaft, deren Ziel es ist, die Vielfältigkeit der australischen Kunst- und Kulturlandschaft zu präsentieren, die weit über prächtige Landschaften, Surfer und Kängurus hinausgeht. Das Programm umspannt die ganze kulturelle Vielfalt von Ausstellungen über Theaterstücke und Konzerte bis hin zur Artistik. Und damit sind wir bei der Company 2, einer kleinen Contemporary Circus-Truppe aus Brisbane, die im Rahmen dieses Festivals zu Gast im Chamäleon am Hackeschen Markt ist. Die Gruppe wurde auf dem berühmten Adelaide Fringe Festival mit Aufmerksamkeit und Preisen überhäuft und dass sie nun für Berlin eine eigene Show auf die Beine gestellt haben, ist ein großes Glück für alle Fans von New Circus und Akrobatik! Das Chamäleon hat sich ja sowieso den Ruf erarbeitet, die besten und innovativsten Circusshows von Berlin (oder gar Deutschland?) zu präsentieren und bestätigt das mit diesem Coup erneut!

Eine Hochzeit im australischen Outback. Vor einem gestreiften Festzelt sammeln sich die Gäste und die Band. Fröhlicher Jazz fährt rasch in die Beine und lädt zum Tanz. Wie es sich für eine zünftige Feier gehört, gibt es natürlich einen peinlichen Onkel, der bereits zu sehr dem Alkohol zugesprochen hat und die Hochzeitsgesellschaft torkelnd in Aufregung versetzt. Bei dieser Party ist allerdings alles ein wenig anders, denn die Gäste schwingen sich kraftvoll über den Tisch im Zentrum der Bühne, balancieren schwerelos auf den Kisten und Kästen, die die Bühnendeko darstellen. Auch die vielen Flaschen, die die Gäste leeren, dienen als Akrobatikwerkzeug und werden kurzerhand unter die Kisten und Koffer drapiert, nur damit man dann in schwindelerregender Höhe Handstand darauf machen kann. Auf Hand auf Hand Akrobatik folgen Kunststücke an den Strapaten und am Aerial Ring, die dem Zuschauer den Atem rauben!

Ich schaue ja gern und oft Akrobatik und ich bin immer wieder überrascht, dass das Chamäleon Theater es immer wieder schafft, mich zu überraschen. Ich bilde mir immer ein, schon alles gesehen zu haben, aber dann bin ich doch wieder wie vor den Kopf geschlagen von diesem unglaublichen Können, dieser makellosen Körperbeherrschung und diesem Mut, den die Akrobaten da an den Tag legen, um Dinge zu zeigen, die man eigentlich für menschenunmöglich hält. Die Künstler wechseln wie eine gut geölte Performance-Maschine die Positionen, fliegen scheinbar über die Bühne, ohne jemals ihr Lächeln und ihre gute Laune zu verlieren.

Das Besondere an der Scotch & Soda Crew ist außer ihrem großen akrobatischem Können die Tatsache, dass eine Live-Band direkt mit auf der Bühne steht und auch in das Geschehen eingebunden ist. So hat man als Zuschauer schnell das Gefühl, wirklich inmitten einer fröhlichen Hochzeitsgesellschaft zu sein und man möchte am liebsten aufstehen und tanzen. Auch der Humor kommt nicht zu kurz, ganz wie es sich für eine zünftige Feier gehört, gibt es neben nackten Tatsachen (der betrunkene Onkel, natürlich) auch eine handfeste Keilerei, bei der eine zarte junge Frau eindeutig die Oberhand behält. Und romantisch wird es auch, wenn der Bräutigam dann endlich die Herzallerliebste in seinen Armen hält.

Sehr zu empfehlen, wieder mal eine großartige, ungewöhnliche und feuchtfröhliche Sensationsshow im Chamäleon. Hier lohnt sich der Besuch wirklich immer! Auf der kleinen, aber feinen Speisekarte gibt es übrigens auch ein neues Highlight: Das Pulled Pork Sandwich ist ein Augen- und Gaumenschmaus!

Die Artisten und Musiker spielen insgesamt mehr als 170 Shows in Berlin, bis Ende August könnt ihr diese wilde Party noch erleben. Weitere Informationen und Infos gibt es hier. Die Musiker um Lucian McGuiness spielen übrigens am 30. April zum Tanz in den Mai auf, wer Swing und Lindy Hop liebt, kann um 21:30 einen kurzen Tanzkurs besuchen und ab 22 Uhr dann zu fescher Live-Musik den Rock schwingen und die Hosenträger schnalzen lassen!

The One – Grand Show – Friedrichstadtpalast – Berlin

Nach monatelanger Vorfreude war es gestern nun endlich soweit: Ich habe die neue grandiose Supershow im Friedrichstadtpalast gesehen! „The One“! Nachdem mir im letzten Jahr „The Wyld“ schon sehr gut gefallen hat und nachdem ich gehört hatte, dass dieses Mal der weltberühmte Designer Jean Paul Gaultier für die Kostüme zuständig sein würde, hatte ich dieses Mal vorgesorgt und schon lange, lange im Vorfeld Karten besorgt.

Und mein langes Warten wurde nicht enttäuscht. Der Friedrichstadtpalast kann sich erneut rühmen, eine bombastische, schillernde Revue der Superlative auf die Beine gestellt zu haben, die ein Augen- und Ohrenschmaus ist. Im Gegensatz zum überschäumend positiven Berlinstück „The Wyld“ war es dieses Mal deutlich melancholischer, sanfter und gefühlvoller. Die kleine Geschichte, die die einzelnen Erzählbilder lose verknüpft, erzählt von der Suche eines jungen Mannes nach „The One“, der Einen. Dementsprechend sehnsüchtig singt er nach ihr und dementsprechend liebevoll und zart erklingen die Ratschläge der anderen Sänger, die ihn auf seiner Reise unterstützen.

Es beginnt mit einem gewaltigen Showauftakt, der wirkt, als wäre YMCA wieder zu neuem Leben erwacht und der Polizist, der Indianer, der Seemann, der Bauarbeiter, der Cowboy und der Leatherdaddy versprühen nun deutlich mehr Glam, mehr Sex, mehr Chic! Mit Abstand am schärfsten: der Polizist, der unter seinen Chaps Netzstrümpfe trägt! Man weiß gar nicht, wo man zuerst hinschauen soll, die Kostüme sind einfach großartig. Unheimlich fantasievoll, schrill, schräg, aber auch unheimlich schön anzusehen.

Und danach wechseln sich wundervoll ruhige Momente, in denen man die Seele baumeln lassen und mit allen Sinnen genießen kann, mit atemberaubender Artistik und spektakulären Tanzszenen ab. Hauptakteur des Abends ist aber auf jeden Fall die sensationelle Technik des Friedrichstadtpalastes. Nur hier kann man in Berlin technische Tricks und Spielereien sehen, die wie Zauberei wirken und magische, beispiellose Bilder auf die Bühne bringen. Plötzlich entsteht eine grünschimmernde Tropfsteinhöhle, in der Wasser auf den Boden perlt und sich glitzernd in einen See ergießt. Darüber schweben märchenhafte Wesen, winden sich an Blütenranken hinab. Geheimnisvolle Figuren staksen majestätisch durch das grüne Wasser.

Die etwas sanftere Atmosphäre von „The One“ gefiel mir ausnehmend gut und war ganz anders als die vorhergehende Show. Ich finde es faszinierend, wie abwechslungsreich und immer wieder neu sich die Revuen im Palast darbieten können. In „The One“ muss man sich richtig hineinfallen lassen. Es ist ein farbenprächtiges Märchen aus Musik, Tanz und Akrobatik, aber ohne durchgehenden roten Erzählfaden. Die eigene Vorstellungskraft ist gefragt, ebenso die Lust am Staunen und Entdecken.

Weitere Informationen und Karten gibt es hier. Bis ins Jahr 2018 hinein hat man noch die Chance, diese gigantische Show zu erleben! Wen die Preise ein wenig abschrecken: Ich habe in der 8. Reihe und ganz außen am Rand gesessen. Der Blick von dort ist zwar nicht ganz optimal, aber trotzdem gut!