Jack Woodhead – Most Wanted – On the Run (in Heels) – Wintergarten Varieté Berlin

Jack Woodhead ist allen Wintergarten-Fans gut bekannt – er war gemeinsam mit Contorsion-Star David Pereira der Gastgeber diverser Spotlights und außerdem die Schlüsselfigur in meiner All Time Favorite Show Der helle Wahnsinn. Ich mochte seine unvergleichliche, herzliche, überlebensgroße Art und Weise sofort, seine hautengen Kostüme und seine meterhohen High Heels, auf denen er besser läuft und tanzt als ich auf ihnen gehen könnte. Er ist eine schillernde, fröhliche Gallionsfigur für den Wintergarten und ein Allround-Talent als Moderator, singend oder am Piano! Wenn er selbstironisch und mit großen Gesten von seiner Jugend in Manchester erzählt,  wo er als bunter Paradiesvogel hervorstach, dann fliegen ihm alle Herzen zu. Daher war ich natürlich gestern Abend bei seiner Show Most WantedOn the Run (in Heels), bei der er viele Stars und Sternchen der Varietészene zu sich auf die Bühne bat.

Die Liste der teilnehmenden Künstler versprach viel und viel wurde auch geboten! Eine Neuentdeckung war für mich Jeß Gadani, die gemeinsam mit dem Gastgeber die Show Fish & Whips, eine Cabaret und Varieté Reihe im Comedyclub Kookaburra, ins Leben gerufen hat. Sie ist ein echtes Stimmwunder und wahnsinnig lustig, sie bot eine unglaubliche Bandbreite von Songs, die zeigten, was für eine unheimlich vielfältige Sängerin sie wirklich ist! Ich habe mit ihren Namen gleich rot unterstrichen und werde bei der nächsten Gelegenheit in den Comedyclub gehen, die Show verspricht sehr, sehr gut zu sein!

Ansonsten habe ich mich gefreut, einige bekannte Gesichter wiederzusehen, allen voran die von mir sehr bewunderte Sarah Bowden, die zur Zeit die Esmeralda in Der Glöckner von Notre Dame im Theater des Westens gibt. Zeitgleich plant sie gemeinsam mit Ashia Bison Rouge eine ganz eigene Show und hat uns gestern eine kleine Sneak Peak erlaubt. Auch Ashia ist kein unbeschriebenes Blatt, ich durfte sie schon mehrmals im Wintergarten erleben und ihr Stimme und ihr Cellospiel sind einmalig und einzigartig, wer sie einmal gehört hat, vergisst sie nicht so leicht. Gemeinsam ergeben Ashias Spiel und Sarahs Tanz eine einnehmende Symbiose. Sehr sehens- und hörenswert, ich bin schon sehr neugierig auf diese Show!

Anna & Saleh, die beiden jungen Artisten des Abends, habe ich bereits im letzten Jahr, bei der Absolventenshow der Staatlichen Artistenschule Berlin, gesehen. Die beiden harmonieren ganz wunderbar, aber besonders schön war der Auftritt von Anna am doppelten Trapez. Kraftvoll und gleichzeitig verletzlich schön, eine beeindruckende Vorstellung, die im Gedächtnis bleibt.

Ebenfalls bei einer Absolventenshow zum ersten Mal gesehen, allerdings schon 2015: Donial Kalex, der musikalisch und mit Jonglage brilliert. Gemeinsam mit Nicole Ratjen ist er auch Bestandteil der Comedyeinlagen, die den Abend ganz speziell machen. Nicole Ratjen ist an diesem Abend das Nummerngirl und der Augenschmaus, rezitiert aber auch ganz wunderbar … ihren Einkaufszettel!

Insgesamt ein wunderbarer Abend im schönen Wintergarten Varieté Berlin. Host Jack Woodhead verzaubert wieder einmal in gewohnt spektakulärer Art und Weise und beweist ein sicheres Händchen bei der Auswahl seiner Bühnenpartner. Die Spotlight Shows sind grundsätzlich immer einen Besuch wert und die momentane Show Sayonara Tokyo natürlich auch! Ein Blick in das Showprogramm lohnt sich, zum Beispiel um die nächste Absolventenshow nicht zu verpassen, wie man an meinem Text sieht, sieht man da die Stars von morgen am Beginn ihrer Showkarriere!

©Nicole Haarhoff
 

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Disney – Der Glöckner von Notre Dame – Das Musical – Theater des Westens

Ich habe Der Glöckner von Notre Dame in den Jahren zwischen 1999 und 2002, als es im Theater am Potsdamer Platz lief, bestimmt fünf Mal gesehen! Das mag für echte Hardcore-Musicalfans nicht nach sonderlich viel klingen, aber für meine Verhältnisse ist es das. Ich schaue eigentlich Shows und Stücke nicht unbedingt mehrmals. Aber Der Glöckner von Notre Dame ist einfach eine solch zeitlos traurig-schöne Geschichte und die Disney Version punktet mit so vielen grandiosen Songs, da konnte ich einfach nicht widerstehen! Ihr könnt euch also meine Begeisterung vorstellen, als ich hörte, dass der Bucklige wieder nach Berlin kommen würde, dieses Mal ins prächtige Theater des Westens! Und dem ganzen eine Krone aufgesetzt, hat die Tatsache, dass die Esmeralda von niemand anderem dargestellt wird als von Sarah Bowden! Ich liebe ihre Stimme, ihre Ausstrahlung, ihr Temperament seitdem ich sie mehrmals im Wintergarten Varieté sehen durfte, in der Soap Opera zum Beispiel oder in meinem All Time Favorite: Der helle Wahnsinn.

Ich konnte also gar nicht fernbleiben, selbst wenn ich gewollt hätte. Und ich wurde nicht enttäuscht! Was für ein bombastisches Werk! Allein der Bühnenaufbau – grandios! Beeindruckend echt hat man die berühmte Kathedrale Notre Dame auf die Bühne des Theaters transportiert. Das weltbekannte Buntglasfenster, der imposante Glockenturm, man fällt kopfüber hinein in die tragisch-heroische Geschichte von Victor Hugo: zwei ungleiche Brüder, einer stolz und selbstgefällig, einer fröhlich und freiheitsliebend. Sie werden als Waisen von der Kirche aufgezogen, einer folgsam, einer immer rebellisch. Als junge Männer trennen sich ihre Wege, der eine verliebt sich in eine schöne Zigeunerin, der andere bahnt sich langsam aber stetig einen Weg bis an die Spitze der Kirche. Jahre später treffen sie sich wieder, auf dem Sterbebett übergibt Jehan, der wilde Bruder seinem Bruder Claude sein Kind. Es ist missgestaltet und Claude Frollo nimmt sich nur sehr widerwillig seiner an. Er versteckt das Kind auf dem Glockenturm, niemals soll der Junge Notre Dame verlassen.

Als junger Mann schaut Quasimodo hinab auf Paris, das er bis dahin immer nur von oben sah. Sein eintöniger Alltag wird nur unterbrochen von den Besuchen Frollos, den er „Meister“ nennt. Frollo predigt vom Bösen im Menschen, er warnt Quasimodo immer wieder vor dem „Draußen“, aber der junge Mann kann einfach nicht anders, als sich dorthin zu sehnen. Das alljährliche Narrenfest lockt mit wilden Tänzen und allerlei Vergnüglichkeiten, Quasimodo schleicht sich hinab zwischen all die Feiernden. Auch die schöne Zigeunerin Esmeralda befindet sich an diesem Tag auf dem Fest und ohne es zu wissen, zieht sie die Blicke von drei ganz unterschiedlichen Männern auf sich und besiegelt damit ihrer aller Schicksal: Quasimodo, der sie staunend bewundert. Phoebus, ein junger Soldat, gerade von der Front zurückgekehrt und auf der Suche nach Zerstreuung. Und Frollo, der gleichzeitig angezogen und abgestoßen, den gierigen Blick nicht von ihr wenden kann.

Das Schicksal nimmt unweigerlich seinen Lauf, der alleszerstörende Hass, den Frollo auf sich selbst und seine eigenen Triebe hat, droht nicht nur die zart aufkeimende Liebe zwischen Esmeralda und Phoebus zu zerstören, sondern bedroht gar das Leben der beiden und auch das von Quasimodo, der bereit ist, für Esmeralda seinen Glockenturm, seine Zuflucht zu verlassen! Eine dramatisch-schöne Geschichte voller Liebe, Mitgefühl, Mut und Verzicht. Wen „Disney“ irgendwie abschreckt: Die Geschichte lehnt sich mehr an den Roman von Victor Hugo als an den Zeichentrickfilm, aber die wunderbaren Gänsehautlieder sind enthalten. Vom ersten Ton an, wenn der Kirchenchor (ORSO) seine Stimme erhebt, weiß man schon, was für ein musikalisch beeindruckender Abend es werden wird. Jede einzelne Stimme: perfekt. David Jakobs als Quasimodo, eine schauspielerische und gesangliche Meisterleistung! Sarah Bowden als Esmeralda: rassig, wild, temperamentvoll und wunderschön, aber auch  sanft und gefühlvoll in ihren sehnsuchtsvollen Liedern. Felix Martin als Claude Frollo, geradezu abstoßend selbstherrlich, herrisch, unnachgiebig, ein Erzschurke mit beeindruckender Stimme! Maximilian Mann als Phoebus, zunächst leichtlebig und nur auf der Suche nach Zerstreuung, aber dann doch auch ein Mann mit Herz und Anstand. Und auch jeder einzelne Zigeuner, Soldat und/oder Mönch ist wunderbar und vor allem sehr wandlungsfähig!

Ein richtig schönes Musical zum Schwärmen und Mitleiden. Genau so, wie man sich ein Musical wünscht, mit ganz großen Gefühlen, ganz großen Ohrwurmliedern und ganz großer Aufmachung. Rundherum bombastisch, ein Fest für alle Sinne. Man möchte am liebsten auf seinem Sitz sitzenbleiben und es gleich nochmal schauen! Meine absolute, totale und unumwundene Empfehlung für dieses Musical! Schaut es euch an! Ihr werdet es nicht bereuen! Infos und Tickets gibt es hier. Bis zum November gibt es Supersondersommerpreise!

©Nicole Haarhoff