On the Road – Absolventenshow – Staatliche Artistenschule Berlin – Wintergarten Varieté Berlin

Facebook erinnerte mich gestern freundlicherweise daran: auf den Tag genau vor einem Jahr war ich auch bei der Absolventenshow, genau wie im Jahr davor auch. Die Show ist immer wieder ein Garant für grandiose Artistik, für frische Gesichter und neufunkelnde Ideen. Man kann sich ziemlich sicher sein, auf der Wintergartenbühne die Showstars von morgen zu sehen, die man bald in wunderbaren, aufregenden Produktionen in ganz Deutschland oder auf der ganzen Welt sehen werden wird. Warum also nicht ganz am Anfang dabei sein und die ersten Schritte in die große Bühnenwelt beobachten, damit man später damit angeben kann.

In diesem Jahr hat Tobias Fiedler aus Hamburg (Circus Mignon, Roncalli, Palazzo…) die Regie der Show übernommen und hat die Absolventen und Absolventinnen der Staatlichen Artistenschule Berlin sowohl einzeln als auch gemeinsam als Ganzes prächtig in Szene gesetzt.  Wichtig ist dabei das „On the Road“, denn das Schild wird für jeden Performer gewechselt und der Straßenname passt sich dann dem Namen des oder der Auftretenden an. Eine witzige Idee und geschickte Überleitung.

Wie immer waren alle jungen Künstler ausnehmend gut, Florian (Florian Maertz) jongliert trotz Handschellen, mit denen er an eine Autotür gefesselt ist. Lukas (Lukas Köster)  jongliert auch, allerdings springen die Bälle dabei in rasanter Geschwindigkeit von den schrägen Ebenen zweier Dreiecke ab. Carina & Leonid (Carina Guillermo, Leonid Bethäuser) zeigen sehr schöne und reibungslose Hand-auf-Hand Artistik, aber später, am Trapez, entfaltet sich erst die volle Bandbreite ihres Könnens und sie erzeugen Staunen und Begeisterung im Publikum. Carina ist absolut furchtlos und lächelt immer gleichbleibend charmant, wenn sie wie eine Feder durch die Luft fliegt. Sehr schön anzusehen!

Miriam (Miriam van der Neut) nutzt mit dem Vertical Dancing Net ein artistisches Werkzeug, das man nicht allzu häufig sieht. Vielleicht, weil es für das Laienauge ein klein wenig abrupter wirkt als zum Beispiel Artistik am Tuch oder mit den Strapaten. Aber dafür ist natürlich ganz anderes Spiel damit möglich.

Jule (Jule Schuster) war umwerfend. Sie ist der Punk in der Runde und fällt mit ihren Klamotten und ihrem Gebaren ein wenig aus dem ansonsten sehr perfekten Rahmen, was sie in meinen Augen natürlich sofort besonders sympathisch macht. Aber sie zeigt auch beeindruckend Rasantes auf dem Slack Wire, unheimlich geschickt und sehr kraftvoll für so eine zierliche junge Frau!

Dana & Kyra (Dana Schulte-Siepmann und Kyra Reinert) zeigen eine fröhliche Mädelsfreundschaft und Rivalität, indem sie spielerisch um den besten Platz schubsend, abwechselnd meterhoch in die Luft federn und dort gekonnt Salti drehen. Es macht richtig Spaß, ihnen zuzusehen, wie sie das augenscheinlich so lockerleicht und problemlos meistern. Das Schleuderbrett sieht man auch nicht allzu häufig auf der Bühne, vielleicht ändert sich das jetzt ja!

Überaus elegant und elfenzart präsentiert sich Julia (Julia Grote) am Luftring, während Nicole (Nicole Ster) mit Handstand-Equilibristik verzaubert. Sie hat eine tolle Darbietung mit spritziger 20er Jahre Ästhetik zusammengestellt, die sie mit viel Witz und Charme und noch mehr Können meistert. Sie ist für mich auf jeden Fall eine der Kandidatinnen, von denen ich glaube, das eine große Karriere vor ihr liegt. Sie hat auf jeden Fall die unvergessliche Persönlichkeit.

Tim (Tim Kriegler) beendet den Abend mit seiner Darbietung an den Strapaten und legt eine der beeindruckensten Szenen des Abends hin, was gar nicht so leicht ist, wenn man bedenkt das alle Beteiligten ausnahmslos sehr gut sind. Aber die Strapaten sind auch einfach immer wunderschön, elegant, schwerelos und doch so kraftvoll. Darbietungen an den Strapaten sehe ich einfach immer wieder gerne. Und Tim beherrscht sie virtuos. Als Laie (unsportlicher Laie) kann man es kaum glauben, wenn man mal sieht, wozu der menschliche Körper mit viel harter Arbeit und Hingabe eigentlich fähig ist.

Die Absolventshow ist jedes Jahr wieder einen Besuch wert. Wer die Showstars von morgen schon heute sehen möchte, der sollte die Show 2018 nicht verpassen, wenn ihr nicht gar heute Abend noch zur Abendkasse eilen mögt. Ansonsten ist außer der aktuellen Show Sayonara Tokyo am 2. Oktober wieder ein Abend für besondere Artistik unter dem Sternenhimmel des Wintergarten Varieté: der Pabst bittet zur Audienz! Karten und Infos hier.

©Nicole Haarhoff

 

 

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Darauf freue ich mich! Mein Kulturseptember in Berlin:

Der Sommer ist, zumindest was die Theaterprogramme angeht, vorbei. Und die Berliner Kulturhäuser locken mit nagelneuen Programmheften voller Überraschungen, Sahneschnittchen und Neuinszenierungen. Ich freue mich daher im September auf einiges:

 

4. September – Wintergarten Varieté – Sexy Jack Woodhead, bekannt aus vielen Varietéstücken im Wintergarten, allen voran meine All-Time-Lieblingsshow „Der helle Wahnsinn“, lädt Freunde und Kollegen auf die Bühne ein. On the Run in Heels!

5. September – BKA Theater – Anita Vulesica in „Mother“. Am Deutschen Theater habe ich es damals verpasst, als Ensemblemitglied Anita Vulesica anhand von 27 Madonnasongs über Frau, Frauen, Mutter, Mütter und Madonna sprach, nun gibt es eine erneute Chance im BKA!

10. September – BKA Theater – Jade Pearl Baker – ich habe die Chansonette bereits bei einem Auftritt bei Waschen, Schneiden, Talken gesehen und war sofort hingerissen. Ich freue mich schon total auf ihren Soloabend!

11. September – Bar jeder Vernunft – Deutschlandpremiere! – Die Chansonette Christine Bovill, Schottin mit französisch klingendem Namen, singt zum ersten Mal live in der Bar jeder Vernunft die ganz Großen – Brel, Piaf, Barbara, Aznavour, Greco…

16. September – Waldbühne – Taschenlampenkonzert – Rumpelstil präsentiert bereits zum 19. Mal ihr legendäres Taschenlampenkonzert für Kinder und Kindgebliebene und ich bin dieses Mal zum ersten Mal dabei!! Ick freu mir schon!

Viel Spaß beim Kulturentdecken im September! Sagt mir Bescheid, wenn ich etwas Wichtiges nicht in meiner Liste habe und nicht verpassen soll!

©Nicole Haarhoff

 

Darauf freue ich mich: Mein Kulturjuli in Berlin

Irgendwie sieht es ja so aus, als würde das ein Sommer für Indoor-Aktivitäten werden. Regen, Regen, nichts als Regen. Aber ich bin da positiv eingestellt, es gibt tolle Shows auf den schönsten Bühnen Berlins zu sehen. Und wenn es doch mal schön sein sollte, dann gibt es ebenso großartige Open Air Theater! Wie zum Beispiel die Freilichtbühne am Wasserturm im NATURPARK Schöneberger Südgelände, wo die Shakespeare Company zu Hause ist. Großartige, ungewöhnliche und mitreißende Shakespeare-Aufführungen, die ich euch nur ans Herz legen kann. Wer noch nicht dort war, sollte in diesem Sommer auf jeden Fall mal hingehen!

Eine weitere sehr schöne Sommerbühne hat die ufa-Fabrik, diese ist sogar überdacht, hat aber trotzdem ein luftiges, sommerleichtes Zeltfeeling. Vom 12. bis zum 15. Juli kann man dort über den Orient Comedy Express lachen, mit dabei sind dieses Mal Murat Topal, Fatih Çevikkollu und Özcan Coşar.

15. Juli: Mit einem Konzert von The Tiger Lillies beginnt es, das SOFA Festival im Admiralaspalast, auf das ich mich schon seit Monaten freue! Eine großartige Veranstaltung jagt da die nächste. Von tollen Konzerten über grandiose Musicals bis hin zu Kindertheater und Märchen aus Sand! Da ist wirklich für jeden etwas dabei! Denkt daran, bis zum 15. Juli könnt ihr noch bei meinem Gewinnspiel mitmachen und Karten für Cats und für Der Hauptmann von Köpenick gewinnen!

20. Juli: Noch so eine Sache, auf die ich mich schon wahnsinnig freue: eine funkelnagelneue Show im Wintergarten Varieté! Sayonara Tokyo. Und der Name ist Programm, versprochen wird eine alle Sinne betörende Japanshow, bis oben hin angefüllt mit fernöstlichem Zauber! Das wird sicher grandios! Kawaii!!!

27. Juli: Nachdem ich ja gerade das beeindruckende Beatles Musical im Estrel besucht habe, freue ich mich nun schon auf das nächste Highlight: Ab dem 27. Juli bis zum 13. August wird William Hall den King of Pop, Michael Jackson, in einer Tribute Show darstellen. Trotz aller Kontroversen bin ich ein eingefleischter Michael-Fan und freue mich sehr darauf, seine Songs nochmal live zu erleben!

Es gibt also diverse Highlights und Neuheiten im Juli in Berlins Kulturlandschaft, ich wünsche euch ganz viel Spaß beim Kulturentdecken!

©Nicole Haarhoff

 

Bohéme Sauvage – Jubiläumsball – Gesellschaft für mondäne Unterhaltung – Wintergarten Variéte Berlin

Bereits das 11jährige Jubiläum beging Bohème Sauvage am Wochenende! Mit einer rauschenden Ballnacht feierte die Gesellschaft für mondäne Unterhaltung ihre sehr erfolgreiche Veranstaltungsreihe und sich selbst. Die Gastgeberin und Schirmherrin des Abends, Else Edelstahl, schwebte charmant und apart durch die Schar ihrer wunderbar und ausgefallen gekleideten Gäste. Pailettenbestickte Kleider glitzerten bei jeder Bewegung, Zylinder wurden galant gezogen, Zigarettenspitzen machten aus dem Glimmstengel ein vornehmes Accessoire der weltgewandten Dame.

Der Wintergarten ist ja sowieso immer ein wunderschöner Veranstaltungsort, aber als Kulisse für Bohème Sauvage präsentiert er sich einmal mehr von seiner allerbesten Seite. Im Foyer wurde aus dem Kassenräumchen ein Foto-Atelier. Die Damen zeigen ihre Perlenstränge und die eleganten Roben, um sich in Sepia ablichten zu lassen, die Herren strecken den Oberkörper heraus und schauen streng in die Kamera. An der Bar fließen die Cocktails und Longdrinks in Strömen, die reizenden Bardamen sind ebenfalls dem Anlass entsprechend gekleidet. Wer  sich an der Bar niederlässt, der kann die großen Auftritte der Gäste bestaunen, die auf den geschwungenen Treppen des Wintergartens natürlich besonders mondän vonstatten gehen. Wo sonst hat man als Frau noch die Gelegenheit, geziert der Rock anzuheben und dem Mann die Hand zu reichen, damit er einem ritterlich die Treppe hinab oder hinauf helfe?

Gute Manieren und galante Gesten kommen ganz automatisch mit der eleganten Kleidung. In der oberen Etage kann man sie dann aber auch gleich wieder über Bord werfen, wenn man möchte, bei Absinth und Glücksspiel kann man sich um Haus und Hemd bringen! Die Spieltische sind heiß umschwärmt, die Millionen Reichsmark, die man am Eingang zusammen mit seinen Billets und seiner Tanzkarte bekommt, wollen ja schließlich auch an den Mann gebracht werden.

Auf der großen Bühne des Wintergarten Varietés führt derweil Coco, der bekannte und beliebte Conférencier der Bohème Sauvage, durch das fulminante Bühnenprogramm. Wie immer beginnt der Abend mit einer kleinen Einführung in die Tänze des Abends. Während Swingin‘ Swanee auflegt, zeigen die Tänzerinnen und Tänzer der Swing Patrol Berlin die wichtigsten Schritte. Für den Schönheitstanz ist an diesem Abend Mdlle Parfait de la Neige zuständig. Die liebreizende Dame zeigt nicht nur viel Haut, sie beweist auch sehr viel Fantasie und Cleverness bei ihrer sehr speziellen und auch sehr witzigen Show!

Zur Feier des Jubiläums gibt es auch noch eine Überraschungsshow von „The Treatures“ und danach reißen Chloe et les Enfants Terribles mit ihrer grandiosen und mitreißenden Live-Musik beinahe den Wintergarten ab. Da steht kein Fuß still! Die eleganten Roben und die sexy Flapperkleidchen wollen bewegt werden. Wer im Getümmel seine Haarbänder oder Hosenträger verliert, die das 20er Jahre Outfit komplett machen, der kann sich im Bauchladen von Fräulein Mausweh Nachschub holen. Fräulein Edelstahl  hat mit dieser Veranstaltungsreihe eine ganz wunderbare Sache ins Leben gerufen, wie ich finde. Eine Nacht, in der man sich kopfüber in die extravagante und feinsinnige Welt der goldenen Zwanziger stürzen kann, bis hinein ins kleinste Detail liebevoll zum Leben erweckt. Man kann das schönste Kleid aus dem Kleiderschrank fischen oder man kann sich gar im Le Boudoir komplett von oben bis unten in Originalkleidung aus jener Zeit ausstaffieren. Der Laden von Tilda Knopf und Elsa Edelstahl in Friedrichshain hält alles bereit, was man für einen perfekten Abend braucht, von Kleider über Schuhe bis hin zum Haarschmuck.

Im Sommer wird auf der Spree zu einem eleganten Yachtausflug mit Twenties-Flair geladen, am 30. Juli + 27. August 2017, im Oktober gibt es dann wieder die Abendveranstaltungen, im Oktober im Meistersaal und im November im Heimathafen Neukölln! Großartig klingt auch der Silvesterball, der dann wieder im schönen Ambiente des Wintergarten Varietés stattfinden wird. Packt schon mal eure Federboas aus und legt die Perlen bereit!

© Nicole Haarhoff

 

Bilder: Heinrich von Schimmer

Like Berlin – Die Show zur Kampagne – Wintergarten Varieté Berlin

Ich habe mir gestern noch einmal die aktuelle Show Like Berlin im Wintergarten Varieté angeschaut! Eigentlich mache ich das ja nicht, mir etwas zweimal oder gar mehrmals anzuschauen, aber hier habe ich eine Ausnahme gemacht, weil sich einige der Künstler zwischenzeitlich geändert hatten. Philipp Tigris zum Beispiel, der uns gerade von so vielen Plakaten überall in der Stadt herunter, anblickt, aus einer nahezu unmöglich verdrehten Pose, war wegen anderen Verpflichtungen erst am 15. Mai dazugestoßen und ich wollte ihn unbedingt sehen!

Eigentlich hatte ich nicht geplant, erneut darüber schreiben, aber ich hatte beinahe das Gefühl, noch einmal eine ganz andere Show zu sehen, daher ein neuer Bericht von mir! Es stimmt eben doch, dass sich eine Show im Laufe der Aufführungen immer noch ein wenig verändert, vielleicht gar verbessert. Vor allem, wenn die Künstler auch wechseln und kontinuierlich gefeilt und gearbeitet wird. Like Berlin erschien mir straffer und pointierter als beim ersten Mal (5. März) und lief viel besser ineinander. Anissa Elakel und Nathalie Wecker beginnen den Abend mit dem Ende einer Berliner Clubnacht. Auf einem großen Bett zeigen sie Handstand der ganz besonderen Art. Girma Tsehai zeigt rasante Jonglage und neckisches Grinsen, Vinzenz Wagner performt eine aufsehenerregende Mischung aus Kontorsion, Breakdance und Tanz. Tarik Usman kann mit seinem Cyr Wheel beinahe fliegen und danach ist es endlich soweit: Philipp Tigris! Ich würde ja gern etwas über seine tolle und sehr sehenswerte Darbietung mit leuchtenden Hula Reifen erzählen, aber da waren Bauchmuskeln… und diese Tattoos… und im Wintergarten war es plötzlich recht warm und stickig…

Zurück zum Thema, über Girmas nackten Hütchentanz hatte ich ja bereits im letzten Bericht erzählt und die erste Hälfte beendet Bence mit seiner schwerelos schönen Performance am Luftring. Im zweiten Teil, eine meiner absoluten Lieblingsszenen dieser Show: Die fröhliche Marie Oldenbourg am Doppelschwungseil, lässig in durchlöcherten Jeans und unangestrengt sexy – für mich die Szene, die am meisten Berlin sagt! Tigris erobert noch einmal die Bühne und sicherlich einige Herzen, mit charmantem Lächeln, sexy Tattoos und einem Körper, den er unmenschlich weit verbiegen kann. Manchmal kann man kaum hinschauen, so krass wirken die Körperverrenkungen, zu denen dieser Mann fähig ist, auf das Auge. Guillaume Karpowicz hat mich bereits bei meinem letzten Besuch nachhaltig beeindruckt mit seiner sehr außergewöhnlichen Show mit einem Diabolo, das dahintickt wie die Zeit! Die Show wird mit großem Staunen beendet, Artistik am Chinesischen Mast ist immer unheimlich beeindruckend, aber Tarik und Girma bringen hier wirkungsvoll Können, Schnelligkeit und Humor in Einklang. Ein schönes Ende für eine insgesamt tolle Show!

Like Berlin kann man noch bis zum 11. Juni im wunderschönen Wintergarten Varieté erleben! Danach startet die neue Show: Sayonara Tokyo, einer Varieté Revue mit dem Thema Japan, auf die ich schon unheimlich gespannt bin! Karten, Infos etc., hier.

 

Like Berlin – Die Show, Wintergarten Varieté Berlin

Vor einer Weile hingen sie überall – die B-förmigen Plakate der „Like Berlin“ Kampagne. Fünf Fragen stehen darauf und sie sollen das zeigen, was so häufig in Artikeln, Blogs, Reiseführern und an Stammtischen in Bayern erörtert werden will – was macht eigentlich Berlin aus: Was sind Berlins drei Grundwerte? Was dürfen Berliner niemals tun? Was gehört in Berlin zum guten Ton? Woher weißt du, dass du Berliner bist? Ab wann bist du Berliner?

Die Fragen sollten von Berlinern beantwortet werden, nicht von einem Autoren von oben herab als Meinung beschlossen sein. Und die Berliner antworteten. Kurz angebunden, rotzig, witzig, individuell – genau wie Berlin eben. Und aus all diesen Antworten und aus vielen Gesprächsrunden entstand dann das Buch „Der Berlin Code“, eine unheimlich lesenswerte und sehr ehrliche Liebeserklärung an Berlin und die Berliner. Ich habe Tränen gelacht! Manche der Antworten auf den Plakaten sind einfach zu köstlich! Und wahnsinnig kreativ.

Und nun gibt es, wo sonst als im Wintergarten Varieté, der Wiege der Kreativität, die Show zur Kampagne! Mit vielen Künstlern versucht man, auf der Bühne dem Geist und der Seele Berlins nachzuspüren, der exzessiv ausgelebten Rotzigkeit und der gern zur Schau getragenen „Is mir egal“-Einstellung. Und mit genau dieser Einstellung habe ich zu Beginn der Show zu kämpfen – außer der grandiosen Stimme von Ena Wild haut mich bis zum letzten Act vor der Pause (Bence am Luftring – großartig!!) nichts so richtig aus den Socken. Im Gegenteil, bei Ostalgie mitsamt Russen-Wodka-Klischees muss ich sehr berlinerisch mit den Augen rollen. Aber die 2. Hälfte der Show entschädigt mich für alles, gleich die erste Szene, in der Marie Oldenbourg in engen Jeans mit großen Löchern an den Knien eine grandiose Luftshow an Doppelseilen bietet, da denke ich zum ersten Mal, das ist Berlin! Und dann der immer wieder tolle Florian Zumkehr mit seiner Handstand Artistik, der schon in meiner Lieblingsshow „Der helle Wahnsinn“ so großartig war!  Dann ändert Guillaume Karpowicz  mit einer wirklichen außergewöhnlichen Diabolo-Performance meine von Angst geprägte Meinung über dieses Spielgerät.

Alle Künstler kommen für eine Performance auf dem riesigen B zusammen, dass die einzige Bühnendeko und gleichzeitig auch die namengebende Kampagne darstellt. Tarik Usman und Girma Tsehai, der im ersten Teil vor allem mit zwei witzigen Einlagen, einmal mit Bällen und einmal mit Nackt-Jonglage  auf sich aufmerksam machte, glänzen mit blitzschneller Artistik am Chinesischen Mast. Jakob Vonau und Nathalie Wecker zeigen berührende Hand auf Hand Artistik und am Ende bin ich versöhnt mit der Show „Like Berlin“. Die große Vielfalt von Berlin, die Individualität und die Freude an allem Neuen und Anderem wird auf jeden Fall zelebriert! Und Klischees gehören eben auch irgendwie dazu.

Das Wintergarten Varieté bietet passend zur neuen Show eine Speisekarte mit Gourmet-Döner und Senfeiern mit Kartoffelstampf an, man kann also ganz stilecht schmausen und Berlins Seele erkunden. Noch bis zum 11. Juni 2017! Weitere Infos und Tickets gibt es hier.

Darauf freue ich mich: Kulturmärz in Berlin… und Potsdam!

Endlich die ersten Sonnenstrahlen! Der Frühling kommt, ich bin endlich meine Erkältung los und die Theater von Berlin haben ihre Spielpläne frühlingsfrisch poliert und bieten einen Knaller neben dem anderen an. Ich kann mich kaum entscheiden, wo ich zuerst hingehen will! Hier eine kleine Auswahl von den Stücken, auf die ich mich im März ganz besonders freue:

Am 25. Februar feiert in der Komödie am Kudamm „Alles muss glänzen“ Premiere, eine Untergangs-Komödie, die von Ilan Ronen inszeniert wird, der zuvor bereits der Regisseur von „Eine Familie“ war, ebenfalls am Kudamm, ein grandioses, herzzerschmetterndes Stück, das mich zutiefst beeindruckt hat. Maria Furtwängler wird hier in ihrer ersten Theaterhauptrolle als singende, besenschwingende Übermutter zu sehen sein!

Ein Doppelpack David Kaiser gibt es im März zu bewundern, brandneu und taufrisch. Einmal gemeinsam mit seiner reizenden Partnerin in Crime, Virginia Plain, mit ihrem neuen gemeinsamen Programm „Liebe in Zeiten von so Lala„. Premiere ist am 1. März im BKA-Theater. Und dann wandelt David Kaiser auf Solopfaden, am 10. März feiert er mit seinem Musikabend „Abgeschminkt“ im Theater O-TonArt Premiere. Die passende Verlosung für Glücksritter gibt es übrigens hier.

Am 15. März mache ich einen Ausflug: statt in Berlin bin ich mal wieder in Potsdam unterwegs, ich besuche zum ersten Mal überhaupt den Nikolaisaal, weil dort die Tributeshow „Whitney – One Moment in Time“ mit der umjubelten Nya King als Whitney Houston stattfindet. In Berlin macht diese sicher tolle Show keinen Halt auf ihrer Tournee, daher pilgere ich dafür doch gern nach Potsdam!

Im Wintergarten Varieté wartet die nagelneue Show „Like Berlin“ auf euch, aber auch bei den Spotlights, also den einmaligen Sondervorstellungen, gibt es lauter Bonbons. Zum Beispiel Sheila Wolfs „Vaudeville Variety Burlesque Revue„. Am 19. März bereits zum 5. Mal bringt die bekannte Berliner Diva die Schönsten, Besten, Heißesten, Krassesten, Besondersten der Branche zusammen auf eine Bühne und fackelt die Hütte ab. Ein Fest für alle Sinne! Nicht verpassen! Und nicht zu lange warten, denn die Tickets gehen weg wie heiße Semmeln.

Am 29.03. schließlich habt ihr nochmal die Möglichkeit ein großartiges Stück im Renaissance Theater zu sehen, das ich euch sehr empfehlen kann. In dem Chanson-Musical spielt und singt sich Antonia Bill als „Das kunstseidene Mädchen“ Herz und Seele aus dem Leib. Ein Augen und Ohrenschmaus, mein ausführlicher Bericht hier, Karten und Infos hier.

© Nicole Haarhoff

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